Wie der VW Bus T4 Multivan unser Weltreisepartner wurde.

Ich gebe es besser gleich zu: Wir haben uns gar nicht erst die Mühe gemacht zahlreiche Fahrzeugmodelle zu recherchieren, ihre Vor- und Nachteile miteinander abzuwägen und am Ende technische Eigenschaften in langen Listen niederzuschreiben. Wir haben es uns einfacher gemacht. Glauben wir zumindest. 

Mister Turtle, zu diesem Zeitpunkt noch liebevoll schwäbisch „Busle“ genannt, stand schließlich schon seit mehr als sechs Jahren vor der Tür. Jederzeit fahrtüchtig, jederzeit zuverlässig. Nur langes Nichtstun, das ist nichts für ihn. Es zeigt sich gelegentlich in entladenen Batterien, wenn wir es wagen für mehrere Wochen mit dem Flugzeug zu verreisen. Und trotzdem waren wir bis zum Sommer 2016 noch nicht auf die Idee gekommen, mit unserem Multivan eine mehrmonatige Reise zu starten. Und schon gar keine bei der wir im besten Fall drei Jahre unterwegs sein wollten. Doch nicht nur wir sind im vergangenen dreiviertel Jahr an unseren Ideen gewachsen, das Busle ist es auch.

Nenne dem Ingenieur das Problem und er löst es.

„Was spricht denn überhaupt dagegen?“, fragte mich Sven übertrieben ahnungslos als wir die ersten Gespräche zu diesem Thema führten. „Wir können nicht mal aufrecht drin stehen“, sagte ich und dachte an zahlreiche VW-Bus Trips und Urlaube zurück, in denen mich das selten gestört hatte. Aber jetzt wollten wir nun einmal in diesem verdammten Ding leben. Sven überlegte kurz. So habe ich das zumindest in Erinnerung. In Wahrheit lag wohl unser dreiwöchiger und teils sehr verregneter Roadtrip durch England und Wales dazwischen, in dem wir sehr viel Zeit im Bus verbringen mussten. Und der aus ihm schließlich diese eine Aussage hervorgelockt hatte: „Dann bauen wir jetzt ein Hochdach ein.“

Gesagt getan.

Für das Vorhaben nahmen wir eine Woche Urlaub und mieteten eine kleine Industriehalle. Die Wochen davor verbrachte der Ingenieur jedoch zunächst mit einer nicht enden wollenden und, wenn man ihn fragt, sicherlich auch nervenaufreibenden Recherche auf der Suche nach einem passendem Hochdach, dem richtigen Verstärkungsrahmen, einer Bauanleitung und nach Informationen zu den korrekten TÜV-Anforderungen. Bewaffnet mit einer Stichsäge, einem wirklich sehr starken Industriekleber und einem Vorrat Nervennahrung legten wir schließlich los. Altes Dach runter, neues Dach drauf. Fertig!

Okay, es war nicht ganz so einfach. Und das Dach richtig aufzuschneiden hat auch etwas Zeit gekostet. Voller Vorfreude darauf, am nächsten Tag mit dem Aufbau zu beginnen, trugen wir auf dem ausgeschnittenen Rahmen am Ende des Arbeitstages den Rostschutz auf, der über Nacht trocknen sollte. Als wir am Morgen zurückkamen passte der Verstärkungsrahmen nicht. Sven hatte zu schmal ausgeschnitten. Eine zweite Runde war nötig. In Gedanken malte ich mir schon mal aus, mit unserem VW-Bus T4 Cabrio durch die Welt zu fahren. Immerhin, stehen könnte ich dann darin. Doch der Ingenieur machte einen guten Job. Und nachdem wir Stunden später auf Dach, Rahmen und uns gefühlt 30 Tuben Industriekleber ausgedrückt hatten, war das Busle als Mister Turtle neugeboren.

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