Kroatien Teil 1

An der Küste Kroatiens verbringen wir ein paar Tage auf einem Campingplatz am Meer vor dem Nationalpark Paklenica. Wir machen eine große Tageswanderung und erleben ein kroatisches Wetterphänomen.

Möglichst schnell über den Balkan in die Türkei fahren. Während der teuren Hauptsaison bloß nicht viel Zeit an der Küste Kroatiens verbringen. Das hatten wir uns bei der Reiseplanung vorgenommen. Hat aber nicht funktioniert.

Ein Grund dafür: Während wir noch in Slowenien waren, erreichten die Zweitreisepässe mit dem Pakistanischen Visa den heimatlichen Briefkasten. Wir beauftragten bei meiner Familie den Versand an die Eltern unserer Stuttgarter Freundin Maja, die in Omiš leben. Von jetzt an machten wir unsere Reisegeschwindigkeit von dem Zeitpunkt des Einwurfs in Deutschland und der Zuverlässigkeit der beauftragten Postbooten abhängig.

Camping in Kroatien

Nachdem wir die Woche in Slowenien bereits als Urlaub angegangen waren, beschlossen wir auch die Campingplatzrechnungen in Kroatien auf dieses gedankliche Kopfkonto zu packen. Richtig, eigentlich wollen wir Wildcampen wann immer es geht. Doch das wird in Kroatien mit 300 Euro Strafe geahndet. Und da während der Hauptsaison an der Küste sehr viele Touristen mit Wohnmobilen und Campern unterwegs sind, dürften auch die Kontrollen in dieser Zeit regelmäßig ausfallen. Von Opfern dieser Strafzettel hatten wir schon gehört. Wir wägten ab und hielten das Risiko erwischt zu werden für zu hoch. Die lokale Polizei kennt schließlich die beliebten Ecken und der Küstenstreifen ist schmal.

Sonnenuntergang Kroatien Seline
Beim Sonnenuntergang nochmal schnell ins Meer.

Wandern im Nationalpark Paklenica 

Für die schöne Aussicht, und um die Autobahnmaut zu umgehen, sind wir von Slowenien aus die kroatische Küstenstraße bis zum Nationalpark Paklenica gefahren. Hier war 1962 ein Drehort des Winnetou Films „Der Schatz im Silbersee“. Im Ort Seline sind wir auf einer größeren Campingwiese direkt am Meer gelandet, fühlten uns aber zwischen 99 Prozent weißer Wohnmobile und fast ausschließlich deutschen Urlaubern nicht so richtig wohl.

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Aufstieg in der kleinen Schlucht Mala Paklenica.

Wir hatten uns dazu entschieden eine größere Wanderung und eine Biketour im Paklenica zu machen. Am Tag der Wanderung sind wir um neun Uhr morgens in die kleine Schlucht Mala Paklenica gestartet und abends um neun Uhr wieder am Bus gewesen. Dazwischen lagen Aufstieg und Felsen klettern in Mala Paklenica, der Aufstieg auf eine Hochebene, Besteigung des Anika Kuk, der Abstieg durch die große Schlucht Velika Paklenica und 35 Minuten Starkregen und Gewitter in einer undichten Holzbaracke zusammen mit zwei Fledermäusen abwarten. Wir waren gnädig zueinander und beschlossen auf die Biketour am nächsten Tag zu verzichten.

Zum Wanderbericht im Outdoor-Tagebuch.

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Nach dem Abstieg in die Velika Paklenica treffen wir wieder auf Zivilisation.

Nächtlicher Wecker auf dem Campingplatz

Nach der Dusche stellten wir die – neue – Markise auf, die sich prima als Wäscheständer für die nassen Handtücher eignet. Es war ganz still. Kein Lüftchen wehte. Nichts, absolut nichts war zu spüren. Als wir uns ins Bett gelegt hatte, hielt uns das Adrenalin von der langen Wanderung noch eine Weile wach.

Regentropfen fielen auf den Bus. Ich wachte auf und hatte in meinem Kopf sofort drei Gedanken: Handtücher, draußen, Regen. Das sagte ich dann auch zu Eini. Der hat aber nichts gesagt. Da fiel mir auf. Eini lag gar nicht im Bett. Er hing schon die Sachen ab. Alles gut. Blick aufs Handy: Fünf Uhr. Ich schloss die Augen. Da rüttelte eine Windböe Mr. Turtle.

Der kroatische Bura

Der gefürchtete kroatische Fallwind Bura kommt plötzlich und bringt neben Sturm viel Regen. Und der wurde gerade stärker. Gleichzeitig fingen die Markisenstangen ordentlich zu wackeln an. Ich schlüpfte in die Regensachen die Eini gerade erst in den Bus gelegt hatte und sprang vor die Tür.

Es war sicher ein herrlicher Anblick: Da kämpfen zwei deutsche Touristen auf einem kroatischen Campingplatz um fünf Uhr morgens, in absoluter Dunkelheit und im strömenden Regen mit und um ihre Markise. Schreien sich durch den peitschenden Regen an und klammern sich dabei an die Stangen. Die Markise selbst flatterte wie ein wildgewordener Vogel im Wind. Ich zog auf meiner Seite den Hering aus der Erde und umklammerte dann mit aller Kraft die Markisenstange, um sie davor zu bewahren mir um die Ohren zu fliegen. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich nicht daran, dass wir es schaffen würden sie einzurollen. Und ich war nicht in der Lage etwas anderes zu tun, als mit dem Wind um die Stange zu kämpfen.

Irgendwie haben wir es dann doch noch geschafft die Markise wieder zu verpacken. Als wir später wieder aufgewacht sind, glaubten wir zwar an einen schlechten Traum, aber leider hat Bora uns eine Erinnerung dagelassen und eine Stange verbogen.

Anića Kuk in Kroatien
Glücklich aber müde auf dem Anića Kuk.

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