Montenegro

Montenegro musste als erstes Land unserem straffen Balkanplan zum Opfer fallen. Doch gleich nach wenigen Tagen haben wir beschlossen, irgendwann noch einmal zurückzukommen.

Wenige Kilometer hinter dem kroatisch-montenegrinischem Grenzübergang haben wir erstmal den kleinen Brunnen vor einem Supermarkt dazu genutzt, um unser Trinkwasser aufzufüllen. Nach kurzer Weiterfahrt hielten wir dann noch spontan im Städtchen Herceg Novi, mit hübscher Altstadt und kleinem Kirchenplatz im Zentrum. Es war Sonntag, die kleine Kirche war voll, die Leute standen schon bis auf den Platz heraus.  Ansonsten war es ruhig. Nur wenige Touristen streuten in dem Ort herum. Das machte unseren kleinen Bummel sehr gemütlich.

Weiter ging es dann an der Küste entlang der Bucht von Kotor. In einer der Parkbuchten wollten wir ein zweites Frühstück machen. Während die Bucht selbst Weltkulturerbe ist, sind die Parkbuchten es leider nicht. Trotz eines nicht sehr angenehmen Geruchs, der von diversen Hinterlassenschaften verursacht wurde und einigem Müll der herumlag, ließen wir uns nicht von einer Pause abhalten. In unserem Esszimmer war das Raumklima glücklicherweise zu ertragen.

https://8wheels.blog/2017/09/21/montenegro/#more-644
Die Altstadt von Kotor.

Als wir weiterfuhren, konnten wir schon das erste Kreuzfahrtschiff ausmachen und wir befürchteten schon Rush Hour in der Stadt. In Kotor angekommen lagen dann insgesamt sogar drei große Schiffe vor Anker. Wir haben vor einem Supermarkt geparkt: Ein Euro in der Stunde und sogar bewacht. Überraschenderweise war es in der Stadt gar nicht so voll, wie erwartet. Kein Vergleich zu Dubrovnik, wo nur ein Kreuzfahrtschiff in der Bucht gelegen hatte. Wir vermuteten, dass um die Mittagszeit viele Leute zum Essen auf den Schiffen waren. Oder auf dem Weg zur Festung oberhalb der Stadt.

Nachdem wir uns etwas umgesehen hatten, machten wir in einer schattigen Gasse Pause, gönnten uns zwei Cidre aus dem Kiosk und errieten das WLAN Passwort eines Restaurants – kleine Freuden, die den Tag bereichern. Anschließend haben wir kurz bei Pipi vorbeigeschaut – irgendein Künstlerprojekt – und weiter ging es.

Von der Stadt aus folgten wir der Straße Kotor–Lovćen bergauf in Richtung Lovćen Nationalpark. Die Straße ist einspurig und sehr kurvenreich. Immer wieder sind uns kleine Reisebusse und PKWs entgegengekommen. Zur Entschädigung für die anstrengende Fahrt gibt dort immer wieder tolle Blicke auf die Bucht von Kotor.

Bucht von Kotor
Blick auf die Bucht von Kotor.

Oben angekommen, hatte sich der Verkehr verlaufen und wir sind Richtung Nationalpark weitergefahren. Der Eintritt soll eigentlich ein paar Euro kosten, aber der Ranger hat uns am Eingang einfach weiter gewunken. Wahrscheinlich, weil wir schon recht spät unterwegs waren. Wir wollten uns trotzdem noch den Grabtempel des Fürsten Njegoš ansehen. Sein Mausoleum befindet sich auf dem zweithöchsten Gipfel des Lovćen–Nationalparks, dem Jezerski Vrh auf 1657 Metern über dem Meer. Auf dem Weg sind wir durch eine weitläufige steinige Landschaft gefahren. 461 Stufen mussten wir dann zur Aussichtsplattform vor dem Mausoleum hochlaufen. Sie führen hauptsächlich durch einen Tunnel. Zum Glück, denn es ist auf einmal sehr windig. Das Grabmal ist pompös. Ursprünglich stand hier eine Kapelle, die aber im Ersten Weltkrieg zerstört wurde. 1974 hat ein kroatischer Künstler das neue Grabmal errichtet. Den Eintritt für das Mausoleum sparen wir uns aber. Uns reicht es, die Aussicht zu genießen. Von hier oben sieht man über den ganzen Nationalpark. Der starke Wind hat uns aber schnell wieder nach unten getrieben.

In der Hoffnung noch einen Schlafplatz im Nationalpark zu finden sind wir schnell weiter gefahren. Aber leider finden sich keine versteckten Parkbuchten und die Seitenstraßen führen immer zu wohnten Farmhäusern. Plötzlich waren wir schon am Ausgang. Wir folgten der Straße bergab und landen in dem Ort Ceinye. Auch in der Siedlung finden wir keinen Schlafplatz. Nach kurzer Diskussion fahren wir in Richtung der Hauptstadt Podgorica weiter und entdecken während der Fahrt in der iOverlander App einen Campingplatz. Als wir von der gut ausgebauten Hauptstraße abbiegen, ist es schon dunkel. Wieder landen wir auf einer einspurigen Straße, die uns über zwölf Kilometer und in zahlreichen Serpentinen ins Tal führt. Ohne Navi hätten wir nicht daran geglaubt, hier auf Zivilisation zu stoßen.

Im Lovćen Nationalpark,
Im Lovćen Nationalpark,

Die Fahrt auf der engen Straße dauert eine gefühlte Ewigkeit. Irgendwann erscheinen die ersten Lichter und wir fahren in einen kleinen Ort, der direkt am Fluß liegt. Ein verschlafenes Nest mit einer beleuchteten Steinbrücke. In der Dunkelheit können wir aber keinen Campingplatz entdecken. Während wir danach Ausschau halten, fahren wir über eine kleine Brücke und biegen auf eine schmale Straße ab, die laut Schild zum Friedhof führt. Als es plötzlich bergauf geht, drehen wir lieber um und fahren in den Ort zurück. Dieses Mal entdecken wir glücklicherweise das Schild vom Campingplatz. Wir sind direkt daran vorbeigefahren. Auf der großen Wiese dahinter stehen nur zwei Busse und ein Zelt. Wir stellen uns dazu, froh endlich irgendwo parken zu können, denn wir wollen nur noch eins: Schlafen. Vorher besichtigen wir noch den Spa– und Wellnessbereich des Campingplatzes.

Campingplatz Montenegro Rijeka
Der Spa- und Wellnessbereich auf dem Campingplatz: Links hinterm Vorhang zwei Kaltwasserduschen, rechts zwei Toiletten.

Am nächsten Tag inspizieren wir die Gegend. Der Ort stellt sich als Rijeka Crnojevića heraus, die beleuchtete Brücke ist die „Stari Most“, die Attraktion des Dorfes. Wir stellen fest, dass wir in einem Touristenort gelandet sind. Angeblich soll es hier das beste Fischrestaurant Montenegros geben.

Stari Most in Rijeka Crnojevića Montenegro
Stari Most in Rijeka Crnojevića

Als wir weiter fahren, stellen wir am ersten „Aussichtspunkt“ fest, wohin die ganzen Boote aus Rijeka eigentlich genau fahren: Zum Shkoder See (auf Deutsch anscheinend Skadarsee), dem Grenzsee zwischen Montenegro und Albanien. Von der Aussicht überwältigt, nehmen wir uns schonmal vor irgendwann hierher zurückzukommen, um eine Bootstour zu machen. Jetzt wollen wir aber weiter über Podgorica – Uvac – Matesevo nach Gusinje, wo sich ein kleiner Grenzübergang nach Albanien befindet.

Shkoder Montenegro
Aussicht auf den Fluß der in den Shkoder See fließt.

Es war sehr schnell abzusehen, dass wir unser Tagesziel Gusinje nicht erreichen würden. Unser Navi hatte uns nämlich statt auf der ausgebauten Straße mal wieder auf eine kleine einspurige Straße gelotst. Dieses Sträßchen hat sich in vielen Kurven unendlich lang am Berg entlang gezogen. Dabei passierten wir die Bauarbeiten eines riesigen Straßenprojekts, das sehr offensichtlich an China vergeben worden war. Immer wieder sind uns auch LKWs mit chinesischen Fahrern entgegengekommen. Auf unserem Weg haben wir dann auch mehrere Wohnsiedlungen der Arbeiter passiert.

Kurz vor der Dämmerung fanden wir gerade zum richtigen Zeitpunkt einen gottgegebenen Schlafplatz: Auf dem Schotterparkplatz einer Kapelle mit Friedhof irgendwo im Nichts. Andere Parkmöglichkeiten hat es auf der Straße auch gar nicht gegeben. In der Nacht ist über uns dann ein so starker Regen ausgebrochen, dass wir sogar zum ersten Mal Grund hatten unser Campingklo im Bus zu testen. Die Tür wollten wir nämlich beide nicht öffnen, denn dann hätten wir in Mr. Turtle wohl Hochwasser gehabt. Als wir am nächsten Tag endlich in Gusinje angekommen sind, sah das Wetter immer noch nicht so vielversprechend aus. Immer wieder nieselte es und über den Bergen hingen Wolken. Nach einigem Hin und her entschieden wir uns dazu, im dortigen Nationalpark nicht mehr wandern zu gehen und am selben Tag noch über die Grenze nach Albanien zu fahren.

Autor: Isi und Eini

Montenegro
Auf Wiedersehen Montenegro!

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