Albanien: Vermosh Tal bis Shkoder

Albanien, das sind einsame Täler, aufregende Straßenverhältnisse, Berge, schöne Seen, chaotischer Stadtverkehr und neugierige Menschen. Wir haben uns im Land immer sehr sicher gefühlt.

Am Grenzübergang Vermosh-Gusinje in den Bergen von Montenegro waren außer uns drei Fußgänger zugegen. Der Grenzbeamte bei der Ausreise ließ sich reichlich Zeit, Pässe und Fahrzeugschein zu kontrollieren. Als wir die Wartezeit damit vertreiben wollten Bilder zu knipsen, erhob der Herr in seinem Häuschen aber gleich wachsam und warnend den Zeigefinger. Also doch besser weg mit der Kamera.

Grenze zwischen Gusenje in Montenegro und Vermosh in Albanien
Grenze zwischen Gusinje in Montenegro und Vermosh in Albanien.


Brückenbaukunst und ein Bunker

Nachdem wir das Grenzgebäude passiert hatten, war es mit der Asphaltstraße vorbei. Eine mit Schlaglöchern und, vermutlich tiefen, Pfützen übersäte Schotterpiste erwartete Mr. Turtle. Dann tauchte vor uns eine Holzbrücke auf. Mit der Kamera in der Hand lief ich voraus, um ein paar Bilder davon zu machen, wie der Bus über die Planken rollt. Als ich über die Brücke gegangen bin, habe ich stattdessen erstmal in den Fluss geschaut. Blöd nur, dass der sich direkt vor meinen Füßen auftat. Die Planken waren an einigen Stellen weggebrochen und so hatte die Brücke viele Löcher. Und so richtig festgenagelt war das Holz auch nicht. Als Eini mit Mr. Turtle auf die Brücke rollte, war ich statt mit fotografieren hauptsächlich damit beschäftigt, ihm mit Händen und Zurufen zu veranschaulichen, an welcher Stelle er besser weiter rechts oder links oder am besten gar nicht erst fuhr.

 

Vermosh Albanien
Straße in Vermosh.
Holzbrücke in Vermosh in Albanien Grenze  Montenegro
Die Holzbrücke.

Es folgte noch eine zweite kleinere Brücke, die wesentlich harmloser als die erste war. Und dann waren wir so richtig im Vermosh Tal angekommen. Auf den Wiesen am Wegesrand standen plötzlich überall Bunker. Sie sind inzwischen eines der inoffiziellen Wahrzeichen Albaniens. Der als paranoid in die Geschichte eingegangene albanische Diktator Enver Hoxha hat aus Angst vor Feinden etwa 750000 davon in der Siebziger und achtziger Jahren bauen lassen. Im Notfall wollte er sein Volk – etwa drei Millionen Menschen, darin verschwinden lassen. Der Feind ist nie gekommen. Wir haben auf der Straße geparkt und sind mal kurz in einen Bunker gekrabbelt.

 

In einem Bunker von Enver Hoxha in Albanien.
In einem Bunker von Enver Hoxha.
In einem Bunker von Enver Hoxha / Hodscha in Albanien
Ausblick aus dem Bunker.

Vermosh Tal und eine gesprächige Bäuerin

Etwa drei Kilometern weiter wurde die Piste wieder zur Asphaltstraße. Einer ziemlich neu aussehenden sogar. Der Text auf einem Schild klärt uns auf, dass hier die EU den Straßenbau gefördert hat. Wir wollten den restlichen Tag im Vermosh Tal verbringen und suchten uns einen Schlafplatz. Die Straße in Richtung Talschluss war ab dem Ort Vermosh wieder nicht mehr asphaltiert. Wir durchquerten in Schrittgeschwindigkeit ein trockenes Flussbett und blieben dann einfach in der Nähe einer Farm stehen. Zu Fuß haben wir etwas die Gegend erkundet. Überall liefen Kühe und kleine Schweineherden, bestehend aus Sau, vielleicht noch Eber und mehreren größeren Ferkeln, frei herum. Es gibt einige kleine Bauernhäuser, aber es war vor allem eines, sehr still.

 

Bunker im Vermosh Tal.
Viele Bunker sind im Vermosh Tal verstreut.

Als wir später Abendessen kochten, kam eine Bäuerin, um ihre Kuh nach Hause zu holen, die stand hinter Mr. Turtle in einem Busch. Bevor die Bäuerin sie dort heraus scheuchen ging, hatte sie uns sehr viel zu erzählen. Leider konnte sie kein Wort Englisch und wir hatten kein Albanisch Wörterbuch. Wir haben einfach viel gelacht und glaubten dann immerhin, dass sie uns auf einen Kaffee nach Hause eingeladen hatte und dort jemand etwas „Anglisht“ sprechen könnte. Als wir nach dem Essen in der Dunkelheit versuchten ihre Haustür zu finden, stellte sich das jedoch als schwieriges Unterfangen heraus. Um das Haus herum verlief ein Zaun, außerdem war dort der Schweinepferch und die Wiese, auf der über Nacht die Schafe schliefen. Wir fanden einfach nicht zum Haus. Da unsere Stirnlampe nur noch schwach leuchtete, gaben wir auf und liefen zum Bus zurück.

 

Vermosh Tal Albanien.
Schlafplatz in Vermosh.

Shkoder See

Das Vermosh Tal erschien uns wie aus einer anderen Zeit. Im dahinter angrenzenden Tal machten wir vom Ort Lepushe aus noch eine überraschend aussichtsreiche und schöne Wanderung. Dann fuhren wir auf der neuen EU-Straße weiter. Sie hat sich durch einen großen Canyon und viele Kurven bergabwärts geschlängelt. Hier gab es beim Fahren sehr viele schöne Ausblicke.

 

Albanien
Abfahrt vom Vermosh Tal
Vermosh Albanien
Nach der Abfahrt von Vermosh ging es hier noch einmal bergauf.
Albanische Alpen.
Der Sonne entgegen: Abschied von den Albanischen Alpen.

 

 

Kühe Albanien
Kühe auf der Straße.
Vermosh Albanien
Abfahrt von Vermosh.
Albanien
Wasservorräte auffüllen.

Als wir die lange Abfahrt hinter uns gebracht hatten, kamen wir in eine belebtere Gegend. Doch auch am Fuße der Berge schienen noch viele Leute eine kleine Farm zu haben, denn wir trafen auch hier wieder auf Schafe, Kühe und Schweine. Wir ließen die Siedlung direkt wieder hinter uns und fuhren zum Ufer des Shkoder Sees. In der Nähe von einem Bootssteg fanden wir einen ruhigen Schlafplatz. Am Morgen trieb auch hier ein Bauer seine Kühe, Schweine und Schafe zum Fressen ans Ufer. Außerdem kamen uns zwei Grenzbeamte besuchen, die das Geschehen auf dem See beobachteten und uns scheinbar für das Ziel eines kurzen Spaziergangs auserkoren hatten. Mangels Sprachkenntnisse war dieser Austausch aber eher kurz. Die beiden starrten eine Weile neugierig unsere Küche an und bezogen dann wieder Posten am Seeufer.

Shkoder See Albanien
Hallo Shkoder See! (Hinten rechts)
Albanien am Shkoder See.
Abend am Shkoder See.
Shkoder See, Albanien
Morgen am Shkoder See.
Shkoder See Albanien Montenegro
Blick auf den Shkoder See und Montenegro.

 

Eine steile Straße und eine Schramme

Über den Ort Shkoder wollten wir in Richtung Haupstadt Tirana weiterfahren. Wir wussten da noch nicht, dass Shkoder eine der größeren Städte Albaniens ist. Daher waren wir ziemlich überrascht, als wir uns plötzlich mitten im Verkehrschaos wiederfanden. Wir kamen dann zwar sogar an einem Infozentrum für Touristen vorbei, dort gab es aber keine Gelegenheit zum Parken und der Verkehr drückte uns weiter. Also fuhren wir automatisch wieder Ortsauswärts, erwischten aber gerade noch rechtzeitig die Abzweigung in Richtung Burg.

 

Shkoder, Albanien.
Aussicht von der Burg auf Shkoder.

Unbeabsichtigt gerieten wir auf den engen kleinen Straßen auf diejenige, die direkt zur Burg hinauf führte. Diese wurde dann sehr schnell noch enger und vor allem sehr steil. Direkt unter der Burg war ein kleiner äußerst schräger Parkplatz und sogar Kleinbusse hielten hier. Uns war das Ganze allerdings zu steil und nicht so ganz geheuer. Soll heißen. Wir trauten unserer Handbremse nach diversen Zwischenfällen nicht zu, Mr. Turtle mit seinen 2,7 Tonnen am Berg zu halten. Also fuhren wir wieder runter. Als uns dann ein Auto entgegenkam und wir Platz machen mussten, schrammte Mr. Turtle an einer kleinen Mauer entlang. Zum Glück holte er sich dabei nur einen kleinen Kratzer. Wir liefen zur Burg hoch und zahlten dann sogar die 200 Lek Eintritt. Die Aussicht auf die Stadt war schön, die Burgruine selbst eher enttäuschend. Unsere Fahrt konnte weitergehen.

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