Albanien: Von Mountainbiken in Tirana und Lin am Ohrid See

In Albanien wollten wir endlich wieder Mountainbiken. Die gewählte Tour auf den Hausberg Dajit von Tirana war dann sogar ein echtes Abenteuer. Nur keines, das wir noch einmal erleben möchten. Eigentlich wollten wir zuerst auch niemandem je davon erzählen …

Tirana

Bevor wir wieder in Richtung Inland fahren wollten, hatten wir noch eine Nacht am Meer geplant. Doch je näher wir dem auf der Karte angepeilten Ort Shengjin kamen, umso merkwürdiger erschien uns die Gegend. Alle Gebäude sahen verlassen oder verfallen aus. Shengjin wirkte wie eine Geisterstadt: zahlreiche Hotelkomplexe aber kaum Menschen auf der Straße. Nicht einmal der Strand machte Lust dort zu verweilen. Wir entschieden uns, wieder in Richtung Lezhe zurückzufahren und dort auf einen kleinen Campingplatz zu gehen.

Camping Tirana Albanien
Der kleine See am Campingplatz.
Campingplatz Tirana Albanien
Abendessen.

 

 

Auch die folgende Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz an einem kleinen See. Etwa 16 Kilometer vor der Hauptstadt Tirana. Tags darauf wollten wir auf den Hausberg Dajit mit der Gondel hinauf- und mit den Mountainbikes wieder herunterfahren. Wir hatten im Internet von einem Mountainbiketrail gelesen, zu dem wir keine GPX-Daten finden konnten, glaubten aber, dass wir den Wanderweg von der Gipfelstation sicher leicht finden würden.

Camping TIrana Albanien
Auf dem Campingplatz holen wir das Trinkwasser aus dem Brunnen.
Camping Tirana Albanien
Wer viel trinkt, braucht viele Eimer Wasser aus dem Brunnen.

 

Berg Dajit und der Beginn eines Dramas

Wir trafen auf dem Campingplatz viele nette Leute, so wurde es am Abend spät und bis wir am nächsten Tag alles zum Aufbruch bereit hatten, war bereits Mittag. Wir waren überzeugt, dass wir die Abfahrt vom Dajit noch locker schaffen würden, da wir ja nicht selbst hinauf kurbeln würden, was wir ursprünglich noch überlegt hatten. Nach etwa 45 Minuten Fahrt sind wir an der Gondelstation angekommen. Bis die Bikes zusammen gebaut und Tickets gekauft waren, dauerte es sicherlich wieder eine Stunde. In 15 Minuten ging es dann hinauf zur Gipfelstation. Die Bahnlinie verlief meistens relativ eben und überbrückte noch eine größere Distanz, bis es endlich steil nach oben ging.

Mountainbikes in der VW Bus Heckbox
Vom Öffnen der Box bis zum fertigen Aufbau brauchen wir etwa eine halbe Stunde.
Dajit Ekspres in Tirana Albanien
In der Gondel auf dem Weg nach oben.

 

 

Als wir ausgestiegen waren, zogen wir Knieschoner und Helme an und … nichts. Kein Wanderschild war zu entdecken. Kein Trail zu sehen. Auch unser GPS-Gerät konnte uns nicht weiterhelfen. In der Gipfelstation wusste man über die Wanderwege nicht Bescheid (obwohl sogar auf der Website vom Dajit Ekspres Werbung für Mountainbiken gemacht wird). Wir hatten im Internet zuvor nur einen Beitrag über den Trail gefunden. Die Beschreibung zum Einstieg war eher schwammig. Doch wir hatten das Beste gehofft. Während Eini weiter herumfuhr, um den Weg zu finden, versuchte ich über das WLAN an der Gipfelstation noch einmal mein Glück im Internet. Es schien aber nach wie vor nur den einen Typen zu geben, der der Meinung war, dass es einen fahrbaren Trail am Dajit gibt.

Dajit Ekspres Tirana Albanien
Der Dajit Ekspres schaukelt durchs Land, in weiter Ferne liegt die Gipfelstation.

Irgendwann kam Eini zurück. Wir hatten bestimmt schon eine Stunde Zeit verloren. Wenn wir die Abfahrt jetzt nicht starten könnten, würde es zu spät werden. Doch Eini hatte gute Nachrichten. Jemand hatte ihm gesagt, wo der Wanderweg ist. Also nichts wie los. Wir mussten erstmal noch ein ganzes Stück die Straße herunterfahren, bevor die Abzweigung kam. Doch schon nach wenigen Metern Trailvergnügen war Schieben angesagt. Der Trail war wunderschön zum Wandern. Zum Biken an vielen Stellen aber unfahrbar. Viel zu steil und verblockt und zum Schieben auch kein Spaß. Nachdem wir uns etwa 300 Höhenmeter den Berg heruntergequält hatten, trafen wir glücklicherweise auf eine Sandpiste und sogar auf Hinweisschilder für eine Radroute. Wir freuten uns über die Beschilderung, denn so ganz lange würde es nicht mehr hell sein und wir wollten nur noch eins: runter vom Berg.

Dajit Tirana Albanien
Am Anfang war ein Trail.
Dajit Tirana Albanien
Als der Weg noch fahrbar war.
Dajit Tirana Albanien
Als der Weg nicht mehr so fahrbar war.
Dajit Tirana Albanien
Immernoch im oberen Teil unterwegs.

 

Ein Weg! Kein Weg.

Wir folgten also dem Weg und folgten ihm auch, als plötzlich keine Schilder mehr da waren. Aber dann war er plötzlich zu Ende. Und wir standen mitten am Steilhang direkt unter der Gondel. Auf der Fahrt nach oben hatte ich an dieser Stelle noch zu Eini gesagt, wie steil es hier plötzlich hoch ging, und wie weit die beiden Stützpfeiler auseinander stehen würden. Nun standen wir genau an dem oberen der beiden Pfeiler und trugen die Bikes dem Sonnenuntergang entgegen nach unten. Klingt romantisch. War es leider nicht. Ich stolperte und fluchte bergab und gab es bald auf mein Bike zu tragen. Eini musste also nochmal hochkommen und es heruntertragen. Nachdem wir am unteren Pfeiler glücklicherweise wieder auf eine Siedlung gestoßen waren, war es auch schon komplett dunkel. Aber das Wegewirrwar fand kein Ende. Mit dem GPS-Gerät suchten wir uns einen Weg zurück zur Talstation. Doch erstmal mussten wir eine richtige Straße finden. Als wir dachten, kurz vor der Asphaltstraße zu sein, verließ uns der Weg plötzlich komplett und wir fanden uns erst auf einem verlassenen Gehöft und als ich dachte, es könne nicht mehr schlimmer kommen, mitten im Morast wieder. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon mehrere Wutanfälle hinter mir.

Dajit Ekspres Tirana Albanien
Und dann war der Weg weg.
Dajit Ekspres Tirana Albanien MTB Mountainbike
Eini trägt fleißig die Bikes bergab. Letztes Bild vor der Dunkelheit.

 

 

Und kaum zu glauben, aber als wir am absoluten Tiefpunkt der Tour (und ich hatte zuvor schon gedacht, den hätten wir hinter uns) durch die Matsche gestolpert und die Fahrräder neben uns her durch den Morast geschubst hatten, stießen wir tatsächlich auf die Asphaltstraße. Die half jetzt wunderbar dabei, den Dreck von den Reifen wegzuschleudern. Und nach zwei Minuten waren wir plötzlich mitten im Getümmel von Tirana. Rechts und links Läden, Menschen, Musik … Es war acht Uhr abends. Wir mussten wieder ein Stück zur Talstation bergauf radeln. Und dann standen wir fix und fertig, verschwitzt und genauso verdreckt wie unsere Räder wieder am Bus. Eigentlich hatten wir vorgehabt, nach der Tour mit dem Bus weiterzufahren. Stattdessen beschlossen wir einfach zum Campingplatz zurückzufahren. Nicht ohne uns vorher Bier und eine Flasche Wein zu kaufen. Der Abend und die Stimmung waren ohnehin nicht mehr zu retten.

Tourenbilanz: 18 Kilometer, 350 Höhenmeter, 1200 Tiefenmeter
Tourentag: 16. September 2017

 

Campingplatz Tirana Albanien
Abfahrt am Campingplatz Tirana.

Nächster Stopp: Lin am Ohrid See

Den nächsten Tag nutzen wir hauptsächlich dazu auszuschlafen, die Räder wieder auszuladen und zu putzen und nachdem alles in Ordnung gebracht war in Richtung Ohridsee an der Grenze zu Mazedonien aufzubrechen. Die Fahrt dorthin lief gut, aber es war schon Abend, als wir im kleinen Seedorf Lin ankamen. Wir wollten dort übernachten, stellten aber schnell fest, das der Ort sehr beengt zwischen dem Seeufer auf der einen und steilen Klippen auf der anderen Seite angesiedelt war. So fielen wir ziemlich auf, als wir über die sehr belebte enge Hauptstraße durch Lin fuhren. Die einzige Straße im Ort. Zum Glück kam uns niemand entgegen. Irgendwann war die dann auch zu Ende. Sackgasse. Doch genau dort war ein kleiner Parkplatz direkt zwischen zwei Häusern und hinter den Fischerbooten am Wasser. Und eine Frau hatte uns an der Straße gesagt, wir könnten dort über Nacht stehen.

Lin Ohrid See Albanien
Parkplatz in Lin.
Parkplatz in Lin Ohrid See Albanien
Und die Aussicht.

 

 

Der Platz schien gemütlich und wir wollten noch ein wenig auf einem Trail an der Klippe entlang laufen. Doch kaum traten wir hinter den letzten Häusern hervor, standen wir mitten auf einer Müllkippe. Wie überall in Albanien verbrannten die Dorfbewohner auch hier ihren Müll direkt neben dem Ort. Das hier ein ausgezeichneter Wanderweg verläuft, macht für sie scheinbar keinen Unterschied. Als wir später Abendessen kochten, entdeckten uns die Nachbarn. Neugierig kamen ein paar Frauen und ein Mann, riefen noch diesen und jenen dazu und bald stand gefühlt die komplette Nachbarschaft plaudernd neben uns. Englisch konnte mal wieder niemand. Doch den Bus bestaunten alle neugierig. Als wir uns ans Essen machen wollten, ließen uns dann aber auch sofort unsere Zuschauer verständnisvoll wieder allein. Einzig ein Kätzchen hoffte etwas Futter zu ergattern.

 

Ohrid See Albanien
Das Kätzchen hätten wir gerne mitgenommen.
Wanderweg Lin Ohrig See. Albanien
Wanderweg bei Lin am Ohrid See.
Batman Ohrid See Lin Albanien
Batman forever. Danke Plastik.

 

Katzen, Grenzgänge und ein schnuppernder Zollbeamter

Am nächsten Morgen standen wir noch vor Sonnenaufgang auf und liefen wieder durch den Müll. Wir waren aber etwas zu früh dran und mussten noch mehr als eine halbe Stunde auf die Sonne warten. Wir wollten danach schnell aufbrechen, doch das Kätzchen war wieder da und hatte dieses Mal die ganze Familie mitgebracht. Die ausgehungerte Mama, die ihre Kleinen noch säugte und sogar den vermutlichen Vater, der sich scheu zurückhielt. Wir weichten Toast in etwas Milch auf und warteten, bis alle satt waren.

Sonnenaufgang Ohrid See Albanien
Warten auf die Sonne.
Sonnenaufgang Ohrid See Albanien
Endlich wird es warm.

 

 

Früh über die Grenze und dann in Mazedonien Frühstücken war die Idee gewesen. Nicht nur die Katzen, auch die Grenzbeamten hatten anderes mit uns vor. Die Albaner behielten unsere Pässe und winkten uns zur Kontrollhalle. Dort nahm sich der zuständige Zollbeamte Mr. Turtle vor. Immerhin verstand er, dass er seine Schuhe ausziehen musste, bevor er einstieg. Dann begann er alles abzuschnuppern, was ihm in die Hände kam. Ich hätte ihn gern gefragt, wieso er keinen Hund hatte, da würde das ja sicher für alle Seiten schneller und zuverlässiger laufen. Das ließ ich dann aber doch sicherheitshalber bleiben. Auch aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse. Als er eine Dose mit Hustenbonbons entdeckte, nahm er eins raus und fragte, was das sein soll. Das geht ja gut los, dachte ich beim Gedanken an unsere großzügige Ansammlung an Dosen und Fächern und Stauräumen. Wir hätten den Bus komplett ausräumen müssen, bis er alles davon zu Gesicht bekommen hätte. Zu unserem Glück gab sich der Beamte mit seiner oberflächlichen Suche zufrieden. Doch wir mussten ihm vorher den Inhalt aller Boxen auf und unter dem Bus zeigen. In Summe haben wir aber nur etwa eine halbe Stunde mit ihm verbracht und waren auch sehr froh, dass der Beamte uns nicht die Innenverkleidung abbauen ließ. Unsere ursprüngliche Idee von Albanien über Mazedonien und am anderen Ufer des Ohrid Sees wieder nach Albanien hereinzufahren hatte sich aber zerschlagen, denn wir hatten keine Lust auf eine weitere ausgiebige Kontrolle innerhalb weniger Tage. So hieß es erstmal: Auf Wiedersehen Albanien, hallo Mazedonien!

Lin Ohrid See Albanien
Die leere Hauptstraße von Lin am Morgen.
Lin Ohrid See Albanien
Auch auf der Hauptstraße.
Albanien
In Albanien üblich: Ausrangierte große und kleine Busse aus der Heimat noch mit original Schriftzügen.

 

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