Wandern im Paklenica Nationalpark

Im Paklenica Nationalpark in Kroatien haben wir eine anspruchsvolle Tagestour durch die beiden Schluchten Velika Paklenica und Mala Paklenica unternommen und dabei auch den Anića Kuk bestiegen.

Von unserem Campingplatz in Seline sind wir um neun Uhr morgens in den Paklenica Nationalpark aufgebrochen. Wir wollten erst die kleine Paklenica-Schlucht durchqueren und auf eine Hochebene aufsteigen. Von dort wollten wir dann den Anića Kuk besteigen und über die große Schlucht wieder herunter ans Meer laufen.

Vom Camping bis zum Eingang des Nationalparks konnten wir uns drei Kilometer lang einlaufen. Am Parkeingang waren wir überrascht, dass außer einem Ranger in seinem Kassenhäuschen weit und breit niemand zu sehen war. Ihm war es sehr wichtig uns klar zu machen, dass das hier „little canyon“ ist. Offensichtlich verirrten sich gelegentlich Touristen, die in den populäreren und einfach zugänglichen großen Canyon wollten. Auch das Schild am Anfang des Weges war eine klare Ansage an alle wenig geübten Wanderer.

Paklenica Nationalpark Wandern
Warnschilder am Beginn des Wanderwegs in die kleine Schlucht.

Wir wussten, dass der kleine Canyon eine anspruchsvolle Route haben sollte. Und so machten wir uns auf einem schönen Wanderweg auf in die Schlucht. Immer wieder wurde der Pfad von Geröllfeldern unterbrochen und auch die ersten Klettereien über größere Felsbrocken ließen nicht lange auf sich warten.

Paklenica Nationalpark Wanderung
Aufstieg in der kleinen Schlucht.

Der Weg führt direkt durch den Talgrund, es war also leicht sich zu orientieren. Allerdings wurden aus den Geröllbrocken immer größere Felsen, so dass bald die ersten richtigen Klettereinlagen anstanden.

Nationalpark Paklenica Wandern kleine Schlucht
Der Aufstieg in der kleinen Schluch testet die Gelenkigkeit.

In der Ferne donnerte es. Wir hatten schon am Tag vorher gemerkt, dass das hier in der Gegend nicht heißen muss, dass das Gewitter vom Meer herüberzieht. Als es aber plötzlich anfing stark zu regnen, konnten wir uns gerade noch rechtzeitig unter einen Felsvorsprung retten und abwarten. Als wir dann weiter aufstiegen, hatten wir trotz Wanderstiefeln kaum noch Grip und rutschten wie auf Schmierseife über die hohen Felsen.

Nationalpark Paklenica Wandern Kroatien
Nach dem Regen sind die Felsen rutschig.

In der Mitte der Schlucht sind wir auf eine Wasserquelle in einer überhängenden Höhle gestoßen. Hier tropfte ein Rinnsal Wasser von einem Felsen. Jemand hatte drei kleine Plastikflaschen darunter gestellt, die das Wasser auffingen. Eine Beschriftung auf den Steinen bestätigte uns, dass es trinkbar war. Leicht skeptisch, haben wir das Wasser abgefüllt und getrunken. Es war völlig in Ordnung.

Nationalpark Paklenica Wandern Kroatien
An der Quelle kann man die Wasservorräte auffüllen.

Wir folgten weiter dem Weg durch die Schlucht. Er wollte kein Ende nehmen. Inzwischen liefen wir eindeutig in einem, glücklicherweise, trockene Flussbett. Endlich verließ der Wanderweg den Talgrund und führte uns durch einen Wald und mehrere Serpentinen auf eine große Hochebene. Als wir den Wald unter uns zurückließen, hatten wir mit einem Mal eine wunderschöne Aussicht über den bewaldeten Nationalpark.

Dann marschierten wir über die ebene Hochfläche. Für die Beine eine willkommene Abwechslung, da wir inzwischen von der ganzen Kraxelei ein wenig müde waren.

Doch die Schlucht sollte nicht die letzte Kletterei des Tages gewesen sein. Es stand noch die Besteigung des Anića Kuk an, von welchem man einen schönen Blick über den Nationalpark und die Küste haben soll.

Anika Kuk Paklenica Nationalpark Kroatien
Den Anića Kuk schon im Blick.

Wieder mussten wir klettern. Dieses Mal aber über sehr scharfkantige raue Felsen und viele Felsspalten. Wir waren mit Kräften und Proviant schon ziemlich am Ende. Aber da sind wir, nach acht Stunden, das erste Mal auf andere Wanderer gestoßen, die gerade am absteigen waren. Das Pärchen war über die große Schlucht auf den Gipfel aufgestiegen. Und das Beste: sie hatten Kekse, die sie gerne mit uns teilten. (Vielen Dank euch noch einmal dafür!) Diesen Energieschub hatten wir gebraucht und so erreichten wir den Gipfel mit neuer Motivation.

Paklenica Nationalpark Anica Kuk
Letzter Aufstieg des Tages.
Nationalpark Paklenica Anica Kuk Kroatien
Auf dem Gipfel.

Obwohl gerade einmal 712 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, war es eine sehr anstrengende und anspruchsvolle Besteigung auf den Anića Kuk. Dafür gab es einen tollen Ausblick. Da es ziemlich windig war, stiegen wir recht schnell wieder ab.

Paklenica Nationalpark Anica Kuk
Abstieg.
Paklenica Nationalpark Anica Kuk
Geschafft.

 

In die große Schlucht führt ein steiler Serpentinenweg herunter. Und plötzlich waren wir dann ganz schnell wieder in der Zivilisation. Während die kleine Schlucht eher unerschlossen und schwer zugänglich ist, ist die große Schlucht das komplette Gegenteil. Anstatt einem Wanderweg gibt es einen breiten gepflasterten Karrenweg, diverse Kletterrouten rechts und links an den Felswänden. Und was uns nach elf Stunden Einsamkeit am meisten schockierte: ein komplett betoniertes Besucherzentrum, das einer Höhle gleich in den Berg gebaut wurde. Mehrere Schilder wiesen am Weg auf Drehorte des Western-Klassikers Winnetou hin. Als wir am nächsten Tag den „Schatz am Silbersee“ anschauten, konnten wir aber nicht wirklich die Stellen erkennen. Seit den 60er Jahren hatte sich hier doch einiges verändert.

Paklenica Nationalpark Anica Kuk
In der großen Schlucht.

 

Als wir gerade den Ausgang der Schlucht und den dortigen Eingang zum Park erreichten, wollten wir gerade den Rückweg zum Campingplatz einschlagen. Immerhin noch fünf Kilometer. Doch genau in diesem Moment brach ein Unwetter über die Schlucht herein. Wir konnten gerade noch in eine alte Mühle flüchten. Also vielmehr in einen Holzverschlag. Innerhalb von einer Minute stand alles um uns herum unter Wasser. Wir harrten zusammen mit zwei Fledermäusen aus und warteten auf besseres Wetter.

Nationalpark Paklenica
Pause auf der Hochebene.

Das ließ fast eine Stunde auf sich warten. Das Dach der Mühle leckte und die einzige Sitzgelegenheit stand bald unter Wasser. Als Gewitter und Starkregen endlich schwächer wurden, schlüpften wir in die Regenklamotten. Inzwischen war es dunkel. Nachdem wir die zwei Kilometer zur Hauptstraße vor gelaufen waren, hatten wir doch noch etwas Glück. Ein französisches Paar, das gerade aus einem Restaurant gekommen war, als wir vorbeigingen, ist uns hinterhergefahren und hat uns bis zum Campingplatz gebracht. Da beide schlecht Englisch sprachen, haben wir erst als sie wieder wegfuhren gemerkt, dass sie eigentlich in die andere Richtung mussten.

Tourenbilanz: 
Zwölf Stunden unterwegs, davon zwei Stunden Pause, 26 Kilometer, 1100 Höhenmeter.

Tourentag: 2. September 2017

 

5 Kommentare zu „Wandern im Paklenica Nationalpark

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