Türkei: Von der Grenze bis Istanbul

Schon in den ersten drei Tagen haben wir in der Türkei eine ganze Menge erlebt. Von einer großen Grenze, einem Schlafplatz mitten in Istanbul und einer beinahe Heirat.

Die Türkei begrüßt uns mit Stau an der griechischen Grenze. Als das Auto vor uns fünf Meter vorfährt, wir es aber nicht für nötig halten gleich weiterzufahren, steigt die Frau hinter uns aus und befiehlt uns auf Türkisch aufzuschließen. Das entnehmen wir zumindest ihren Gesten. Ob es dann für alle schneller geht? Als wir Griechenland über den Grenzfluss verlassen, registrieren wir, dass sich hier schwer bewaffnete Grenzposten gegenüber stehen. Kurz darauf passieren wir einen ersten türkischen Grenzposten. Wir wollen dem Beamten die Pässe hinhalten, aber er fragt nur, ob unser Auto zum ersten Mal in der Türke sei. Wir nicken, er winkt uns weiter. Verwirrt fahren wir los. Dann sehen wir, dass die richtige Einreisekontrolle erst noch kommt. Nachdem wir die Pässe vorgezeigt haben, kommt wie immer der Zoll. Der Mitarbeiter begnügt sich damit, einen kurzen Blick in den Bus und die Fahrradbox zu werfen. Wir atmen erleichtert auf. Nach dem Stau haben wir keine Lust auf eine ausführliche Kontrolle. Als wir weiter fahren dürfen, kommt Kontrollstation Nummer vier. Hier bekommt Eini als Fahrzeugbesitzer den Stempel für das Auto in seinen Pass und wird noch gefragt, ob Motorräder in der Box sind. Das haben wir aber erst nach dreimaligen Nachfragen verstanden. Wir verlassen die Grenze und sind baff. Auf der Ausreiseseite stauen sich die LKWs. Es ist Sonntag und anscheinen warten sie auf den nächsten Morgen. Die Schlange ist bestimmt zehn Kilometer lang. Da die Fahrbahn auf beiden Seite aber eine ganze Weile nur einspurig ist, kommen uns immer wieder Autofahrer auf dem Weg zur Grenze auf unserer Spur entgegen.

 

Maut in der Türkei

Und dann sind wir auch schon auf der Schnellstraße. Rechts und links von uns ist es leicht hügelig, man kann weit sehen. Und die Straße geht immer geradeaus. Wir wollen etwa 45 Minuten vor Istanbul einen Schlafplatz ansteuern. Wir sind beide müde und so passiert, was passieren muss. Wir biegen versehentlich auf die Mautpflichtige Autobahn ab. Man muss sich im Vorfeld an einer Tankstelle einen Aufkleber mit einem Code zulegen. Für uns gibt es jetzt kein zurück mehr und fluchend fahren wir weiter. Die Stimmung ist erstmal im Keller, schließlich haben wir keine Ahnung, was die Strafen für Schwarzfahren auf der Autobahn sind. Mit der Dunkelheit erreichten wir bald den Schlafplatz. Abseits der Straße stehen wir an einem ausgetrockneten See. Es liegt viel Müll herum, aber wir verbringen eine ruhige Nacht.

Istanbul
Was man in dem Laden wohl kaufen kann?

Parken in Istanbul

Am nächsten Morgen setzen wir dann die Fahrt nach Istanbul fort. Unser Ziel ist ein bewachter Parkplatz mitten im Zentrum. Hier hat anscheinend schon einmal jemand über Nacht gestanden. Als wir dort ankommen, können wir uns das dann aber erstmal gar nicht vorstellen. Auf dem kleinen Gelände ist Hochbetrieb. Die Mitarbeiter erhalten anscheinend die Schlüssel der Autos, so dass sie jedes Auto umparken können, um wieder mehr Platz zu schaffen oder um eines wieder auszuparken und dafür beispielsweise zwei andere wegzufahren. Wir dürfen direkt vor die Wand parken und werden dann auch gleich eingeparkt.

Otopark Vefa Autoparkplatz Istanbul
Unser Otopark in Istanbul.

Sightseeing Istanbul

Wir stürzen uns gleich ins Sightseeing Getümmel. Wie zentral unsere Lage ist, verstehen wir, je mehr wir die Gegend erkunden. Direkt ums Eck ist das Universitätsviertel voller Studentenrestaurants und Bars. Dahinter befindet sich die Süleymaniye-Moschee von dessen Gelände man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt und den Bosporus hat. Und auch Kapalı Çarşı, der Große Bazar ist nicht weit entfernt. Nicht nur im Basar, auch in dem Viertel drum herum drückt sich ein Laden an den anderen. Überall sind Menschen. Wir verstehen schnell, dass die Türken ihre Straßen nach Themen sortieren. So gibt es eine Straße voller Unterwäscheläden, eine andere mit Haushaltswaren und so weiter. Auch allerhand Kitsch ist hier zu bekommen. Man merkt aber auch die erhöhte Sicherheitslage. An allen Eingängen vom Großen Basar stehen Sicherheitskontrolleure mit Maschinengewehren und man muss durch einen Metalldetektor eintreten.

 

Was uns beim Sightseeing auch auffällt. Etwa 50 Prozent der Frauen tragen kein Kopftuch. Vor allem Jüngere scheinen das lockerer zu sehen. Wir laufen noch über die Galatabrücke zum Galata-Turm. Statt hier in der Schlange zu stehen und Eintritt zu zahlen, gehen wir in ein Café mit Dachtrasse in der Nähe. Hier hat man zwar keine 360 Grad Sicht, wie vom Turm, zahlt dafür aber nicht für die Sicht, sondern für Getränke. Wenn auch ein bisschen teurer als anderswo.

 

Auf dem Rückweg zum Parkplatz verlaufen wir uns in den Straßen. Es wird dunkel und mit einem Mal schließen auf den Straßen alle Läden. Wir haben die Orientierung wiedergewonnen und finden bald den Parkplatz. Dank Vorhang und Wasser im Fass, können wir noch hinter dem Auto duschen. Wenn in der Türkei der Muezzin zum Gebet ruft, erschallt sein Gesang immer über Lautsprecher. In unmittelbarer Nähe des Parkplatzes befindet sich eine große Moschee. Morgens um sechs weckt uns der Gesang. Zum Glück können wir nochmal einschlafen.

 

 

Später laufen wir dann durch das Altstadtviertel mit Hagia Sofia und der blauen Moschee, die eigentlich Sultan-Ahmet-Moschee heißt. Im Innenhof bleiben wir eine Weile sitzen, während drinnen der Muezzin singt. Ein Hund stimmt jaulend immer wieder in den Gesang mit ein. Er lässt es bleiben, als die ersten Touristen ihn mit dem Smartphone filmen wollen.

Istanbul
Istanbul.

Türkische Gastfreundschaft

Bei unserer Rückkehr werden wir von unseren Parkplatzgastgebern direkt zum Teetrinken abgefangen. Schon am Vorabend hatten wir die Männer dort zusammen sitzen sehen. Eine nette Angewohnheit. Statt beim Bier sitzt man hier vor dem Bollerofen und kocht ununterbrochen Tee. Wir nehmen die Einladung an. Der Sohn des Parkplatzeigentümers spricht etwas besser Englisch. Und so erfahren wir bald viel über die Familienverhältnisse und, dass sie Kurden sind. In der Schule lernt hier übrigens keiner Englisch. Er hat freiwillig einen Kurs besucht.

Otopark Istanbul
Fürs Foto sollen wir uns vor den Bollerofen setzen.
IMG_2600
Familienfoto. links neben Isi sitzt der Familienvater.

Später gesellt sich dann auch der Familienvater dazu. Als er hört, dass Eini und ich nicht verheiratet sind, schlägt er spaßeshalber vor, er könne uns noch in dieser Nacht verheiraten. Von seinem Sohn hatten wir zuvor erfahren, dass sein Vater es nicht gerne sehen würde, dass er eine Freundin hat. Dann entdeckt der Vater auf seinem Smartphone das Übersetzungsprogramm von Google für sich. Er schwärmt uns damit von der Liebe zu seiner Frau vor. Später ruft er sie an, damit sie sich zu uns gesellt. Das kleine Haus der Familie befindet sich weiter hinten auf dem Parkplatz. Wir zeigen Fotos von unseren Familien und davon, wie wir das Hochdach auf den Bus gebaut haben. Der Familienvater besteht auf eine Führung und Eini bringt die Männer zum Auto. Anerkennend wird ihm immer wieder zugenickt. Wir müssen ein bisschen deutlich machen, dass er das alles nicht so ganz allein gemacht hat … Dann zeigt uns der Sohn auf Geheiß des Vaters noch die Dusche der Mitarbeiter. Am Vortag hatten wir mal nachgefragt, da hieß es noch, dass es hier keine Dusche gibt. Wir hatten uns der Dusche jetzt wohl würdig erwiesen. Ein Mitarbeiter soll noch ein Foto von uns allen machen. Wir reichen ihm auch unser Handy. Kurz darauf verabschieden wir uns ins Bett. Schlafen können wir dank der Überdosis Schwarztee aber erstmal nicht.

 

Auf nach Asien

Am nächsten Tag reisen wir, frisch geduscht, ab. Vorher holen wir uns noch den Maut-Aufkleber bei PTT, der türkischen Post. Da die Türken in der Regel kein Englisch können, sind wir froh, dass hier einer ein bisschen die Sprache kann. Er scheint auch unser Problem zu verstehen. Wir glauben, dass uns rückwirkend die Strafe für unseren ungeplanten Ausflug auf die Autobahn von der jetzt eingezahlten Gebühr abgezogen wird. Sicher sind wir uns aber nicht. Nun fahren wir erstmal in Richtung Bosporus Brücke. Kurz davor geraten wir in eine Polizeikontrolle. Nachdem der Beamte die Pässe gesichtet hat, heißt er uns in der Türkei Willkommen und lässt uns ziehen. Der Brückenüberquerung steht nichts mehr im Weg. Auf nach Asien!

 

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