Von Istanbul über Kappadokien ans Schwarze Meer

Nachdem wir über den Bosporus nach Asien gelangt waren, hieß es erst einmal wieder Strecke machen. Nach Istanbul ist unser nächstes großes Ziel Kappadokien, wo wir endlich wieder Mountainbiken wollen.

Bevor wir Istanbul endgültig verlassen, halten wir noch an einem Einkaufszentrum, um die Lebensmittelvorräte aufzufüllen. Zuerst schlendern wir dort aber durch einen Rossmann. Wir hatten schon gelesen, dass die Türken deutsche Produkte sehr schätzen würden. Die exportierten Waren sind hier natürlich teurer als bei uns.

Schon am Morgen hatte ich gemerkt, dass sich mein Magen komisch anfühlt. Im Supermarkt legen dann die Krämpfe los. Wir rätseln über den Grund. Eini geht es gut, wir haben fast identisch gegessen. Zu heißen hat das vielleicht nichts, mein Magen ist empfindlicher. Als wir später mit dem Einkaufswagen am Bus stehen, spricht uns ein Sicherheitsmann auf die zugezogenen Vorhänge an. Wir haben uns angewöhnt an der Front- und Seitenscheibe als Hitze- und Einbruchsschutz immer alles dicht zu machen. Der Sicherheitsmann zeigt auf die Überwachungskamera. Unser Auto sei hier auch so sicher. Da er kein Englisch spricht, zieht er mit seinem Kollegen zum nächsten verdächtig aussehenden Wagen weiter.

Asien Brücke der Märtyrer/ Bosporus Brücke Istanbul
Willkommen in Asien, heißt es auf der anderen Seite der Brücke der Märtyrer/ Bosporus Brücke.
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Auf der leeren neuen Autobahn.

Von Istanbul ins Inland

Wir setzen unsere Fahrt fort. Heute wollen wir noch bis kurz vor Ankara kommen. Die Autobahn ist ziemlich leer. Die Ausfahrten liegen hier teilweise 50 Kilometer auseinander. Verpassen sollte man seine daher besser nicht. Unterwegs merken wir, dass wir es heute nicht mehr bis Ankara schaffen und planen um. Wir haben schon öfters festgestellt, dass wir nicht mehr das Durchhaltevermögen haben, lange Strecken zu fahren, wie man es auf Deutschen Autobahnen ständig macht. Jetzt kommt noch hinzu, dass ich wegen meiner Magenschmerzen nicht fahren kann. Am Rand der Autobahn liegt der Camlidere Baraji See. Dort wollen wir die Nacht verbringen. Mit eintretender Dämmerung nähern wir uns dem See und fahren hinter einer Siedlung einen Feldweg entlang in Richtung Ufer. Dort stellt es sich als ziemlich schwierig heraus, einen ebenen Stellplatz auszumachen. Trotz Unterlegkeile ist Eini ziemlich am Ende, als er nach zig Versuchen endlich einen halbwegs akzeptablen Platz auf der Wiese gefunden hat. Ich bin fix und fertig, mein Magen krampft immer noch. Ohne Abendessen lege ich mich ins Bett, während Eini noch kocht.

Camlidere Baraji See Türkei
Bei Tageslicht macht der Stellplatz dann doch einiges her.

Am nächsten Morgen haben wir es nicht eilig. Ich bin immer noch krank. Neben den Magenschmerzen habe ich jetzt auch auch das Gefühl eine leichte Erkältung zu haben. Gegen Mittag brechen wir trotzdem auf. Heute wollen wir es bis Göreme in Kappadokien schaffen. Unterwegs machen wir Pause auf einem Rastplatz und Eini kocht mir eine Brühe. Es ist schon wieder dunkel, als wir Göreme ansteuern. Aber wir wissen, wo wir dort parken wollen. Unser Stellplatz ist einer der Heißluftballon Startplätze. Wir parken in einer Ecke und sind gespannt, ob hier am Morgen wirklich Heißluftballons auftauchen. Von den Felsformationen ist in der Dunkelheit noch nichts zu erkennen. Eini kocht. Ich verzichte noch einmal auf das Abendessen.

Camlidere Baraji See Türkei Overland
Frühstück mit Rindern am Camlidere Baraji See.

Kappadokien

Morgens um sechs wecken uns Geräusche. Ein Blick aus dem Fenster zeigt: wir stehen mitten im Spektakel. Schnell sind wir angezogen und laufen auf die Anhöhe direkt neben dem Bus. Überall um uns herum steigen Heißluftballone auf und fahren in alle Richtungen davon. Wir warten bis zum Sonnenaufgang, dann legen wir uns wieder ins Bett. Als wir später wieder aufstehen, sind keine Ballone weit und breit zu sehen. Alles scheint ein Traum gewesen zu sein. Dafür fahren jetzt immer wieder Quad-Gruppen über den staubigen Platz. Von ihnen werden wir in den nächsten Tagen noch viele sehen.

Kappadokien, Türkei, Heißluftballonfahrt
Sonnenaufgang in Kappadokien.
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Unser Stellplatz.

Meinem Magen geht es langsam wieder besser. Wir wandern an diesem Tag durch Rose und Red Canyon und gehen in den darauffolgenden Tagen Biken. Nach den staubigen Touren wissen wir unsere Duschkabine richtig zu schätzen.

Zur Wandertour im Outdoor-Tagebuch.

Zu den Mountainbiketouren im Outdoor-Tagebuch.

Während unserer Zeit am Startplatz besucht uns regelmäßig ein herzzerreißend miauender Kater, den ich „Kitty Cat“ taufe und den wir, so gut es geht, versorgen.

Kitty Cat Göreme
Satt und zufrieden: Kitty Cat mit Milchbart.

An einem Abend, als gerade die Heckküche offen steht, zieht plötzlich Sturm auf und noch bevor wir reagieren können, ist der Sand auch schon überall. Die Bikes liegen neben dem Auto und bekommen auch ihre Ladung ab. Am nächsten Tag sind wir dann erst mal damit beschäftigt, alles so gut es geht zu säubern.

Nach vier Tagen und fünf Nächten verlassen wir Göreme und unseren lieb gewonnen Kater. Er ist der Grund, dass wir beim nächsten Einkauf gleich wieder Katzenfutter besorgen.

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Und noch ein Morgen am Bus.

Von Kappadokien in Richtung Schwarzes Meer

Auf unserem Weg in Richtung Trabzon am Schwarzen Meer liegt die Stadt Kayseri. Hier machen wir mal wieder am Media Markt halt, um ein Ladegerät zu besorgen und gehen dann auch noch Lebensmittel einkaufen. Dann führt uns unsere Fahrt wieder hinaus in weniger besiedelte Gegenden. Wir wollen tanken und hoffen, eine Tankstelle zu finden, an der Diesel nicht wie fast überall 4,85 Türkische Lira (circa 1,25 Euro) kostet. An diesem Abend werden wir nicht fündig und tanken nur das nötigste. Wir überqueren noch den Kizildag Gecidi Pass auf 2190 Metern über dem Meer. Ein Stück dahinter biegen dann in eine Seitenstraße ab. Hier übernachten wir neben einem Bergfluss auf 1700 Metern über dem Meer. Es ist die erste richtig kalte Nacht im Bus.

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Wasservorräte auffüllen Brunnen von Göreme.

Tankglück und eine Überraschung in Siran 

Am nächsten Tag haben wir dann richtig Glück. Mitten im Nirgendwo tanken wir für 4,09 TL (etwa 1 Euro) voll. Es ist die erste und letzte Tankstelle, an der wir diesen Preis sehen. Das Günstigste was uns sonst begegnet ist 4,34 TL. Mittags halten wir im Ort Siran und suchen uns dort einen Imbiss. Es überrascht kaum, dass hier niemand Englisch kann, da Touristen wohl selten bis nie aufkreuzen. Wir bestellen mit Zeigen und wenigen Worten. Ich hoffe, dass sie das mit dem Vegetarier verstanden haben.

Während wir auf das Essen warten, kommt ein älterer Mann auf uns zu und spricht uns auf Deutsch an. Es stellt sich heraus: der Bürgermeister, der sich auch gerade in diesem Imbiss befindet, hat ihn angerufen, weil da ein paar Touristen Sprachprobleme haben. Da unser „Dolmetscher“ gerade ums Eck war, kam er gleich her. Er erzählt uns, dass er in Nürnberg lebt, bereits in Rente ist und den Sommer hier in seinem Haus verbringt. Als wir bezahlen wollen, lädt er uns auf das Essen ein. Er besteht darauf und sagt, wenn er das vorher gewusst hätte, dann hätte er uns mit in sein Dorf zum Fisch essen genommen.

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Bus mit Aussicht.

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Die wunderschöne Landschaft, durch die wir eine zeitlang fahren.

Kloster Sümela

Die Straße führt uns jetzt durch ein wunderschönes Flusstal. Die Nacht verbringen wir am Berg in der Nähe des Klosters Sümela. Als wir am Morgen vom Parkplatz unterhalb des Klosters loslaufen wollen, ist der Wanderweg versperrt. Trotz Restaurants und Souvenirläden spricht wiedermal niemand Englisch. Wir erfahren nur, was wir schon sehen „closed“ und werden auf die Asphaltstraße geschickt. Noch denken wir, dass nur der Wanderweg gesperrt ist. Als wir ein Stück auf der Straße bergauf gehen, entdecken wir den zweiten Wanderweg nach oben. Er führt zu einer kleinen Kapelle. Von dort kann man auf das am Hang gelegene Kloster blicken. Doch als wir weiter laufen wollen, kommen wir an einen Wachposten. Hier endet auch die Asphaltstraße. Die Männer sagen uns, dass das Kloster wegen Sanierung geschlossen sei und fragen, ob wir Tee möchten. Wir lehnen dankend ab.

Sümela Kloster Türkei
Das Sümela Kloster.
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Sümela Kloster

Wir laufen wieder zum Bus und entdecken neben uns einen Camper mit türkischem Nummernschild. Ein seltener Anblick. Da kommen auch schon die Besitzer. Ein junges türkisches Pärchen. Die beiden sind uns gleich sympathisch. Wir zeigen uns kurz die Busse und erfahren, dass sie für ein gesponsertes Filmprojekt, durch die ganze Türkei fahren. Sie sind schon mehrere Monate unterwegs und haben es jetzt auch eilig weiter zu fahren, da eine größere Strecke vor ihnen liegt. Sie verabschieden sich und düsen los.

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