Von Trabzon am Schwarzen Meer über den Kaçkar Nationalpark an die georgische Grenze

Das Schwarze Meer reizt uns nicht und wir steuern von Trabzon gleich wieder in die Berge. Dort fährt Mr. Turtle dann mal so richtig Offroad und wir landen in einem abgelegenen Bergdorf.

Vom Kloster Sümela fahren wir das kurze Stück nach Trabzon und suchen am Stadtrand einen Platz für ein Frühstück. Kaum haben wir uns ausgebreitet, kommt auch schon ein Parkplatzwächter zum Abkassieren. Das war so nicht geplant. Da wir jetzt aber schon mal da sind, zahlen wir eine kleine Gebühr für eine Stunde und planen die Weiterfahrt. Nach etwas Recherche haben wir entschieden, dass wir keine Lust auf Sightseeing im Ort haben. Moscheen haben wir in Istanbul genug gesehen. Lieber wollen wir noch heute in Richtung Berge, um morgen eine Wanderung zu machen. Unser erster Plan ist es eine schöne Stelle am Schwarzen Meer zu finden und dort den restlichen Tag zu verbringen. Nachdem wir weiterfahren stellen wir schnell fest, dass das nicht machbar ist. Die Schnellstraße verläuft direkt am Meer. Daneben ist alles bebaut.

Trabzon, Türkei
Frühstück in der Sonne in Trabzon.

Wir fahren bis Ardeşen und biegen am Fluss in Richtung Kaçkar Nationalpark ab. Da es in dem engen Tal nicht sehr viel Platz gibt, halten wir bei einem Restaurant mit Raftingbetrieb an. Auf ihrem Schild an der Straße ist ein Campingsymbol zu sehen. Wir sollen uns auf ihre Wiese stellen. Duschen können wir in den Räumlichkeiten des Raftingbetriebs. Und das alles umsonst. Aus Dank für das nette Angebot entscheiden wir später hier auch Abend zu essen. Wir hatten nicht gesehen, dass die Familie das Restaurant gerade geschlossen hat und fragen nach, ob es möglich ist mit Kreditkarte zu bezahlen. Bargeld haben wir kaum noch. Obwohl alle gerade auf dem Weg zum Auto waren, bleiben jetzt drei der Mädchen zurück, um nur für uns zu kochen. Es ist uns etwas unangenehm, aber da sie kein Englisch sprechen, können wir ihnen kaum sagen, dass das nicht nötig sei. Wir werden lecker bekocht und bereuen die umgerechnet circa neun Euro nicht, die wir ausgeben.

Ardesen, Rafting, Türkei
Stellplatz am Fluss.

Kaçkar Nationalpark

Der Wecker klingelt am nächsten Morgen schon um sechs. Wir starten ohne Frühstück auf die Straße in Richtung Kaçkar Nationalpark. Zuerst fahren wir eine Dreiviertelstunde bis in den Ort Ayder. Das Bergdorf soll sehr touristisch sein. Wir hoffen, dass es dort ein Informationszentrum gibt. Denn außer Beschreibungen von Mehrtagestouren haben wir im Internet nichts Nützliches gefunden. Auf unserer GPS Karte sind allerdings sehr viele Wege eingezeichnet und Eini hat uns daraus eine Tagestour zusammengestellt. Ein bisschen mehr Informationen könnten aber nicht schaden. In Ayder gibt es dann aber kein Touristenzentrum. Der Ort besteht nur aus Hotels und Restaurants. Alles wirkt noch etwas verschlafen und wir beschließen in das Bergdorf weiter zu fahren, von dem aus unsere Wanderung starten soll.

Kaçkar Nationalpark
Nach dem aufregenden Offroadstück halten wir für die Aussicht.

Nachdem wir den Ort verlassen, ist es dann auch mit der Asphaltstraße vorbei. Unser erstes echtes Offroad-Abenteuer folgt. Wir hoffen, dass die Straße für uns fahrbar bleibt und haben Glück. Im Bergdorf Kavrun angekommen, parken wir mitten im „Zentrum“. Direkt neben einem Hühnerstall. Als wir uns Frühstück machen, kommt eine alte gebückte Frau und öffnet drei Holzverschläge. Hühner und Hähne laufen ins Freie und stürzen sich gleich auf die Körner, die sie ihnen in eine Futterschale schüttet. Während wir uns schon für die Wanderung bereit machen, fragt uns der Nachbar von der Hütte gegenüber, ob wir einen Tee möchten. Wir lehnen dankend ab und zeigen auf unser Frühstück.

Kaçkar Nationalpark
Parkplatz im Dorfzentrum.
Frühstück, Kaçkar Nationalpark, Türkei
Gibt es heute wohl Eier zum Frühstück?

Zünftiger Hüttenabend (oder: türkischen Schwarztee niemals vor dem Zubettgehen trinken)

Als wir am Abend völlig erledigt von der Wanderung zurückkommen, fängt uns seine Frau ab, noch bevor wir die Bustür erreicht haben. Ob wir hineinkommen möchten auf einen Tee? Die Aussicht auf eine aufgewärmte Hütte nach dieser erschöpfenden Tour lockt uns beide. Dass wir nach der mal wieder einem wilden Sprachaustausch gegenüber stehen, schreckt uns noch nicht. In der Hütte wärmt Seynep Reis, Köfte und fettige mit Spinat gefüllte Teigtaschen auf. Dazu gibt es selbst gemachten Ayran und schwarzen Tee. Nachdem Eini heute sehr unter der Höhe gelitten hat und es ihm immer noch schlecht geht, weiß er gar nicht, was er tun soll. Essen möchte er eigentlich nicht. Wie wir Seynep sagen sollen, dass nicht ihr Essen, sondern sein Zustand gerade nicht so gut sind, wissen wir nicht. Also isst Eini. Mir schmeckt der Ayran gar nicht und obwohl ich noch eine Laktasetablette genommen habe, muss Eini auch meinen Becher trinken. Sonst geht es mir gleich auch nicht mehr gut … Wie vermittelt man liebenswerten Türkisch sprechenden Gastgebern, dass die eine nicht nur Vegetarierin, sondern auch noch laktoseintolerant ist und dem anderen aufgrund von Überanstrengung oder Höhenkrankheit gerade speiübel ist?

Überraschenderweise geht es Eini dank oder trotz des Essens plötzlich besser. Das Köfte schmeckt ihm richtig gut, das sagt er dann auch mithilfe unserer Türkisch-App, und der Appetit ist zurück. Vielleicht hat auch das Koffein im Tee seine belebende Wirkung entfaltet. Erst viel zu spät haben wir gesehen, das Seynep erst aus einer Kanne den puren Schwarztee nach persönlicher Vorliebe einschüttet und das Ganze dann mit Wasser aus einer zweiten Kanne streckt.

Nach dem Essen bleiben wir noch und unterhalten uns mit den beiden. Galep, Seyneps Mann, hat während des Essens Fernsehen geschaut. Er spricht wenige Brocken Englisch. Wir überlegen kurz, wie wir uns noch ein bisschen unterhalten können. Da fällt uns ein, wie gut das mit den Familienfotos schon in Istanbul geklappt hat. Und schon stehen wir mit unserem und Galep mit seinem Handy da und zeigen gegenseitig Bilder. Als wir uns später in den Bus verabschieden sind wir hellwach. Trotz siebeneinhalb Stunden dauernder ziemlich anstrengender Tour liege ich noch drei Stunden mit einem Hörbuch wach. Eini hat es schon vor mir geschafft einzuschlafen.

Kaçkar Nationalpark, Türkei
Wieder einen neuen Freund gefunden.

Morgen in den Kaçkar Bergen

Am nächsten Morgen lassen wir es wieder gemütlich angehen. Als gegen Mittag Seynep mit Nachbarinnen bei Tee und Gebäck in der Sonne vorm Haus sitzt, werde ich dazu eingeladen. Seynep erzählt ihnen von unserer Weltreise, das sehe ich an ihren Händen. Ich werde dann genauso mit Händen nach meinem Alter gefragt. Und, ob wir verheiratet sind. Das mit meinem Alter überrascht sie. Hab mich gut gehalten, so verstehe ich ihre Antwort. Und das mit dem unverheiratet sein und das auch noch seit so vielen Jahren, das lässt die Frauen ganz schön loslachen. Ein paar Sprüche fallen, das spüre ich, verstehe aber kein Wort. Lache aber einfach mal mit. Die Situation ist zu komisch. Dann schaut mich der Mann einer Nachbarin an, zeigt auf seine Frau und gibt mir dann ein Zeichen à la „die spinnt gerade“. Alle lachen. Bevor Eini und ich wieder den Weg ins Tal antreten, machen wir noch ein Abschiedsfoto. Leider ist Galep gerade nicht da. Wir sollen nach unserer Weltumrundung wieder vorbeikommen, sagen die Frauen.

Kaçkar Nationalpark, Türkei
Abschied von den Nachbarinnen. Seynep ist die zweite von links, wir stehen vor ihrer Hütte.
P1050220
Abfahrt vom Bergdorf.

P1050253

P1050254
Mr. Turtle goes Offroad.

Am Nachmittag sind wir wieder im Tal und steuern direkt auf das Restaurant zu, um dort eine weitere Nacht zu verbringen. Eini wird mit Handschlag begrüßt und wir dürfen uns wieder auf die Wiese stellen. Dieses Mal gehen wir gleich zum Essen.

Heute sind auf dem Gelände auch zwei Hunde unterwegs, die uns stürmisch begrüßen und sich miteinander raufen. Einer von beiden ist eine große Kangalhündin. Die beiden sind die ganze Nacht auf dem Gelände und machen es sich am Abend zur Aufgabe unseren Bus zu bewachen. Am nächsten Tag sehe ich die Hündin dann, als sie etwas seltsam aussehendes umherträgt. Als ich näher herangehe, erkenne ich den Katzenkadaver, den sie genüsslich zerkaut. Ich vermute stark, dass sie die Katze in der vergangenen Nacht selbst gerissen hat. Wir verbringen noch den halben Tag bei unseren Gastgebern. Es ist noch einmal richtig sonnig. Leider bekomme ich schon wieder Magenprobleme.

Die chaotische türkisch-georgische Grenze in Sarpi

Am frühen Nachmittag starten wir in Richtung georgische Grenze. Wir wollen heute noch nach Batumi. An der Grenze ist es sehr unübersichtlich. Dazu kommt, dass es Sonntag ist und sehr viele Georgier anscheinend einen Shoppingausflug in die Türkei gemacht haben. Der türkische Grenzbeamte schaut unseren Bus an und schickt mich mit seinem kaum vorhandenem Englisch in die Fußgängerkontrolle. Aus irgendeinem Grund soll ich dort mit den Reisepässen durch. Er zeigt auf mich, auf das Gebäude und sagt: „one person“. Eini soll aber im Auto bleiben. Ich wedel dem Beamten noch unverständlich mit beiden Pässen entgegen, aber er nickt nur. Das geht so schnell, dass ich mich auch schon in der Schlange mit den ganzen Georgiern wieder finde. Und dann frage ich mich auch schon, wieso ich da jetzt eigentlich anstehe, und was die hier drinnen wohl sagen, wenn ich Einis Pass habe, der aber weit und breit nicht zu sehen ist. Noch an keiner Grenze mussten wir das Auto verlassen, um woanders durch die Kontrolle zu laufen. Im Gedränge ist kein Entkommen mehr und ich werde von den georgischen Frauen um mich herum bis zum Kontrollschalter geschoben. Wie erwartet ernte ich hier großes Unverständnis mit meinen zwei Pässen. Englisch kann mal wieder niemand. Also zeige ich nur nach draußen, dahin, wo eben noch Eini stand. Ein Kontrolleur, der bis gerade geschäftig auf seinen Bildschirm geschaut hat (ich stehe kurz hinter ihm und sehe, dass es you Tube Videos sind) begleitet mich nach draußen. Wir treffen auf den Idio… auf den netten türkischen Beamten, der mich in diese Lage gebracht hat und jetzt nur grinst. Ich habe keine Ahnung, was die beiden austauschen, werde aber samt meiner Pässe in Richtung nächster Autokontrolle geschickt. Ich komme noch rechtzeitig, denn gerade eben hat man Eini hier unverständlich ohne seinen Pass in Empfang genommen. Ich höre noch ein belustigtes „Where do you have your mind?“ Von einem der umherspringenden Kontrolleure. Wie könnte Eini denn auf die Idee kommen, hier ohne Pass vorzufahren. Gerne hätte ich ihm erklärt, dass ich hier gerade von seinem Kollegen in die Irre geführt wurde. Aber da ist er auch schon weg. Für uns geht es jetzt bei den georgischen Grenzposten weiter.

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