Wanderung Ushba Gletscher

Die Wanderung auf den Ushba Gletscher hat uns beide begeistert. Obwohl der Spaziergang auf dem Gletscher und der steile Abstieg sehr anstrengend waren, würden wir die Tour wieder machen. Auf dem Gletscher mit Blick hinauf zum Ushba zu stehen war einfach unvergesslich.

Noch bevor wir Mestia im Kaukasus erreicht hatten, wollten wir den Ushba Gletscher besteigen. Dafür fuhren wir in das Tal hinter dem Bergdorf Mazeri. Etwa vier Kilometer hinter dem Dorf war auf unserer Karte ein Camping-Symbol eingezeichnet. Mr. Turtle musste auf dem Weg zwei tiefere Furten durchqueren. Schließlich erreichten wir ein Wiesengelände mit einem Wald und vielen kleinen Lichtungen zwischen den Bäumen. Kleine Grillstellen wiesen darauf hin, dass hier im Sommer offensichtlich Dutzende von Leuten ihre Camps aufschlagen. Wir waren jedoch ganz für uns. In der Nähe befand sich eine kleine Hütte, die während der Saison wohl eine Bar war. Und auf der anderen Flussseite war ein kleines Gästehaus ebenfalls verwaist.

Wandern Kaukasus Mestia Ushba
Nebel am frühen Morgen.

Die Tour zum Ushba Gletscher sollte laut einem Erfahrungsbericht bis zu neun Stunden dauern. Da es im Herbst früher dunkel wird, hatten wir für den nächsten Tag einen frühen Aufbruch geplant. Glücklicherweise war nach mehreren Regentagen für diesen Tag auch wieder gutes Wetter vorhergesagt. So starteten wir kurz nach Sonnenaufgang, nicht ganz so früh wie geplant, aber immerhin schon um acht Uhr, in einen frostigen und nebeligen Morgen.

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Robuste Schlitten für den Wintereinbruch stehen schon bereit.

Die ersten Kilometer der Tour verliefen gemütlich durch einen Wald entlang des Flusses. Der Blätter der Bäume leuchteten in allen Farben. Die herbstliche Stimmung wurde schließlich noch beeindruckender, als wir zu den höher gelegenen Waldstücken hinauf sahen, die noch in Frost getaucht waren.

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Wachsamer Hund des georgischen Grenzpostens.

Nach etwa dreieinhalb Kilometern entlang des Flusses querten wir diesen über eine Brücke. Wir hatten auf dem ersten Abschnitt frische Pferdespuren entdeckt und uns gefragt, ob vor uns schon andere Touristen unterwegs waren. Unterhalb des Gletschers befinden sich mehrere Wasserfälle und mit einer gebuchten Tour kann man diese per Pferd erreichen. Beim Überqueren der Brücke sahen wir die Pferde.

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Erster Blick auf die Wasserfälle.

Wir hatten davon gelesen, aber uns nicht wirklich etwas darunter vorstellen können. Mitten im Wald befindet sich ein georgischer Grenzposten. In einfachen Holzhütten hausen dort zwei Soldaten. Sie bewachen den Taleingang, da die russische Grenze nur wenige Kilometer entfernt ist. Der angeleinte Wachhund verriet unsere Ankunft sofort mit seinem Bellen. Ein Grenzposten hatte gerade mit dem Fernglas die umliegenden Hänge abgesucht. Er fragte uns, ob wir Russen sind. Oder ob wir nach Russland wollen, so ganz war uns das nicht klar. Nachdem wir mit unseren wenigen Brocken Georgisch gesagt hatten, das wir Deutsche sind („me germaneli war“) schmunzelte er und ließ uns ziehen. Hinter dem Grenzposten steilte der Hang stark auf. Die Aussicht wurde so schnell besser. Der Wald lichtete sich teilweise und gab den Blick auf zwei imposante Wasserfälle in der Ferne frei.

Plötzlich waren wir in einer steilen Schotterrinne mit vielen losen Steinen. Wir konnten nicht ganz glauben, dass der Weg nun weiterhin in der direkten Falllinie nach oben führen sollte. Ein Blick aufs GPS offenbarte uns dann, das wir eine Abzweigung verpasst hatten. Zum Glück waren wir nur 20 Höhenmeter zu weit hochgeklettert. Der Weg führte nun den Hang in Richtung der oberen Kante der Wasserfälle entlang. Hier trafen wir jetzt auch noch auf den Frost der Nacht.

 

Der Pfad wurde enger und schlängelte sich durch Buschwerk und kleine Bäume den Hang entlang. Zum Glück hatten wir schon die ersten Sonnenstrahlen abbekommen, denn unsere Hosen waren durch den ständigen Kontakt mit den frostigen Büschen schon nass und klamm.

Wandern Kaukasus Mestia Ushba
Isi sucht den besten Weg.

Als wir aus den Büschen wieder hervorkamen, konnten wir erstmals auch den Ushba Gipfel betrachten. Der Ushba dominiert mit seinen 4710 Metern über dem Meeresspiegel alle benachbarten Berge. Vor uns lag noch ein Gebirgsbach, den wir queren mussten. Dies stellte sich als heikler heraus als gedacht, da die Steine alle von einer feinen Eisschicht überzogen waren.

Kurz vor dem Ende des markierten Weges nutzen wir einen halbwegs trockenen Sonnenplatz für eine Rast. Von dort hatten wir auch eine sehr gute Sicht auf Berg und Gletschermaul. Warm wollte es trotz Sonne nicht werden. Auf 2400 Metern im Oktober auch nicht unbedingt überraschend.

Am Ende des Weges angekommen trafen wir auf ein Mahnmal: Zahlreiche Plaketten und Überbleibsel, wie zerbrochene Helme, erinnern daran, dass Kletterer die beiden Gipfel des Ushba niemals unterschätzen sollten. Wie wir später nachlesen konnten, sterben hier jedes Jahr mehrere Kletterer, beim Versuch die beiden Gipfel des Ushba (auf deutsch: schrecklicher Berg) zu besteigen. Im Sommer schlagen die Kletterer hier oben ihr Basecamp auf.

Ushba Wandern Kaukasus Mestia Swanetien
Mahnmal für die Kletterer.

Bis zu diesem Punkt hatten wir lediglich drei Stunden anstatt der angegebenen sechs Stunden für den Aufstieg benötigt. Da uns – in einem Anflug jugendlichen Übermutes – die Sicht auf den Berg und den Gletscher noch nicht gut genug war, fingen wir an über große Geröllfelder den Gletscher zu besteigen.

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Der Ushba kommt näher.

Immer in der Hoffnung auf der nächsten Kuppe einen besseren Blick zu bekommen, quälten wir uns noch weitere 400 Höhenmeter über den Gletscher. Als wir uns sicher waren, den bestmöglichen Aussichtspunkt erreicht zu haben, gönnten wir uns eine Pause und Zeit den Ushba noch einmal ausgiebig zu bestaunen.

Ushba Wandern Kaukasus Mestia Swanetien
Wir wollen noch näher an den „schrecklichen“ Berg.

Nach der Rast mussten wir uns erst einmal wieder über das Geröllfeld hinunter zum Gletscherende kämpfen. Dort stießen wir überraschenderweise auf andere Wanderer. Die russische Gruppe hatte sich gerade den Berg hoch gekämpft.

Ushba Gletscher Wandern Kaukasus Mestia Swanetien
Auf dem Rückweg gehen wir noch zum Gletschermaul.
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Gletschermaul des Ushba.

Hinunter ging es auf dem gleichen Weg, den wir auch aufgestiegen waren. Der Frost war der Sonne gewichen und von dem weiß– bunten Farbenspiel des Morgens war nichts mehr zu sehen. Auch die eine oder andere Wolke, die am Morgen die Sicht versperrt hatte, war nun verschwunden.

Ushba Gletscher Wandern Kaukasus Mestia Swanetien
Die Aussicht ins Tal. Irgendwo dort steht Mr. Turtle.
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Der Abstieg im steilen Gelände fordert unsere letzten Kräfte.

Da wir beide von unserem Ausflug auf den Gletscher ziemlich ermüdet waren, wurden die Abstände zwischen den kleinen Pausen immer kürzer. Die Steilheit des Abstiegs gab uns beiden den Rest.

Ushba Gletscher Wandern Kaukasus Mestia Swanetien
Endlich haben wir die Brücke erreicht.

Der Weg vom Grenzposten durch das Waldstück am Fluss dauerte noch eine gefühlte Ewigkeit, die wir zumeist wortlos vor uns hertrotteten. Nachdem wir Mr. Turtle erreicht hatten, wurden wir beim Kochen noch mit ein paar Sonnenstrahlen verwöhnt. Und wir zwangen uns auch noch Wasser aus dem Bergfluss zu holen, um frisch geduscht ins Bett gehen zu können.

Ushba Gletscher Wandern Kaukasus Mestia Swanetien
Frisch geduscht am kochen. Da kommt sogar die Sonne nochmal raus.

Tourenbilanz: 10 Stunden unterwegs, 17 Kilometer und 1200 Höhenmeter. Jede(r) einzelne Stunde, Kilometer und Höhenmeter war es wert.

Tourentag: 13.10.2017

2 Kommentare zu „Wanderung Ushba Gletscher

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