Swanetien

Von Batumi aus zog es uns in Richtung Mestia, der Hauptstadt Swanetiens. Dort  konnten wir trotz Regen und Schnee noch so einiges draußen unternehmen.

Nach einer Übernachtung an einem Stausee hinter Sugdidi fuhren wir eine Weile die einspurige Straße im Tal des Enguri Flusses in die Berge des Kaukasus hinauf. Dort erreichten wir unser erstes Ziel, den Startpunkt für eine Wanderung zum Ushba Gletscher. Der Ushba ist unter Kletterern sehr berüchtigt. Ushba heißt auf Deutsch „schrecklich“. Und viele Kletterer haben am schrecklichen Berg mit seinen zwei Gipfeln schon ihr Leben gelassen.

 

Wir verbrachten zwei Nächte im Tal auf einer schönen Lichtung und stiegen am dazwischenliegenden Tag zum Gletscher auf. Mit vielen Eindrücken kehrten wir am Nachmittag von der sehr anstrengenden Tour zurück.
(Zum Tourenbericht im Outdoor-Tagebuch)

 

 

Mestia

Am folgenden Tag fuhren wir nach Mestia und nutzen das anhaltende gute Wetter zu einem weitaus weniger anstrengenden Spaziergang zum Chaladi Gletscher. Wir planten außerdem, die sehr beliebte Viertageswanderung von Mestia nach Ushguli zu machen. Die Straße nach Ushguli, sollte in einem sehr schlechten Zustand sein. Sie wollten wir Mr. Turtle nicht zumuten. Ushguli auf 2060 bis 2200 Meter über dem Meeresspiegel liegend, gilt als höchstgelegene dauerhaft bewohnte europäische Siedlung. (Angeblich macht ein Dorf in Tuschetien ihm seit kurzem den Rang streitig, doch dazu habe ich keine seriöse Quelle finden können.) Die Wehrtürme der Siedlung sind außerdem UNESCO-Weltkulturerbe.

DSC08204
Fantastische Aussicht.
DSC08213
Die berühmten Wehrtürme von Swanetien.

Doch bevor wir weitere Pläne machen konnten, wollte der Wetterbericht uns erstmal drei Tage Regen andrehen. Wir wollten das schlechte Wetter aussitzen und bereiteten uns auf Chilltage im Bus vor. Doch der Regen entpuppte sich zunächst als Schneefall. Leider ging genau jetzt unsere Bordbatterie kaputt. Um die Standheizung immer wieder anzumachen, mussten wir also beinahe jedes Mal auch den Motor starten. Der Kühlschrank lief natürlich auch nicht mehr zuverlässig. Sonnenstrahlen für unsere Solarzelle gab es kaum. Richtig mies war das Wetter dann auch eigentlich nur am dritten Tag, als es tatsächlich fast ununterbrochen regnete. Wir diskutierten und wägten ab. Regen auf 1500 Metern über dem Meeresspiegel bedeutete Schnee weiter oben. Und unsere Wanderung sollte am dritten Tag über den Chkunderi Pass auf 2722 Metern führen. An diesem Abend gesellte sich plötzlich ein Hyundai Starex Geländewagen mit deutschem Nummernschild zu uns. Unsere erste Begegnung mit der Schweizerin Celine und Rafael aus Deutschland, die auf dem Rückweg von zwei Jahren auf Reise waren. Wegen erneutem Regens kehrten wir alle jedoch schnell wieder in die Autos zurück. Und so blieb es zunächst nur bei einem kurzen Austausch.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mr. Turtle unter Polizeischutz

Am nächsten Morgen sah das Wetter weitaus vielversprechender aus. Der Wetterbericht hatte schließlich auch vier Tage Sonnenschein angekündigt, die wir für die Tour dringend nötig hatten. Ich probierte im Touristenzentrum aktuelle Informationen einzuholen. Die Mitarbeiterin dort riet mir jedoch lediglich von der Tour ab. Sie hatte, was die Schneelage betraf allerdings selber nur Vermutungen und war somit keine zuverlässige Quelle. Wir hatten uns ohnehin schon für die Tour entschieden und hatten im Nachhinein die richtige Entscheidung getroffen. Um Mr. Turtle machten wir uns gar keine Sorgen. Wir hatten ihn direkt vor der Polizeistation im Zentrum geparkt und dort den Beamten einen Zettel mit unseren Kontaktdaten hinterlassen. Es folgten vier ereignisreiche Wandertage mit vielen neuen Bekanntschaften.

Zum Tourenbericht im Outdoor-Tagebuch

Trampen von Ushguli nach Mestia

Von Ushguli ging es für uns am fünften Tag Nachmittags zurück nach Mestia. Am Morgen waren wir noch ein wenig im und um den Ort herum spazieren gegangen bis wieder Schneefall eingesetzt hatte. Für uns das Zeichen endlich wieder in den warmen Bus zurückzukehren. Für gewöhnlich fährt man die Strecken zwischen den Dörfern mit einem Taxi, in Georgien „ Marshrutka“ genannt. Wir verabredeten am Mittag einen Preis mit einem Fahrer und mussten dann noch bis um 16 Uhr ausharren. Für die verbleibenden zweieinhalb Stunden setzten wir uns in das kalte Café in dem wir am Vorabend mit den zwei verbliebenen Wanderern, dem Australier Jimmy und dem Neuseeländer Scott essen gewesen waren. Dort froren wir trotz Daunenjacken. Eini las gerade „Stadt der Diebe“ und freute sich darüber, dass er wie seine Buchhelden gerade der Kälte ausgesetzt war. Meine Freude hielt sich in Grenzen. Als wir um 16 Uhr zum „Taxistand“ zurückkehrten, war unsere Marshrutka nicht zu sehen. Wir wurden nervös. Eine weitere Nacht im kalten Ushguli wollten wir nicht verbringen. Ein anderer Fahrer sprach uns an. Wir wollten die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass unsere Fahrer vielleicht noch im Ort die Zeit verbummelt hatte. Als er jedoch auch in den nächsten zehn Minuten nicht aufgetaucht war, hatte uns die Geduld schon verlassen. Ein Pärchen, das sich gerade in ihren Geländewagen gesetzt und an uns vorbeigefahren war, hielt plötzlich an. Er stieg aus und fragte uns, ob wir mitfahren wollten.

Wir waren überglücklich. Nachdem wir die Rucksäcke im Kofferraum verstaut hatten, war von unserem Fahrer immer noch nichts zu sehen. Unsere Retter Maciej „Magic“ und Ane aus Krakau waren im Georgienurlaub und mit einem Mietwagen unterwegs. Die zwei Stunden Fahrt zurück nach Mestia verging dank der netten Gesellschaft wie im Flug. Und als die beiden uns direkt vor Mister Turtle abgesetzt hatten, waren wir überglücklich, dass wir das Bett schon aufgebaut hatten, bevor wir in die Tour gestartet waren. Eini hat noch schnell bei der netten Polizei Bescheid gegeben, dass wir von unserer Tour zurückgekommen waren und schon ging es ab ins Bett. Im Bus war es schon bei der Ankunft wärmer, als in jeder Hütte, in der wir während der Tour geschlafen hatten.

Mestia bis Poti

Nachdem wir am folgenden Tag gefrühstückt hatten, trafen wir noch einmal auf Jimmy, der jetzt wieder allein unterwegs war. Wir verabschiedeten uns jetzt endgültig. Dann mussten wir noch die Wandersachen aufräumen, die großen Rucksäcke wieder in der Kiste verstauen und den Wasservorrat am Brunnen auffüllen. Schließlich konnten wir die Rückfahrt in Richtung Batumi starten. Bei Sonnenschein ging es gen Tal. Bei der Hinfahrt war alles etwas bewölkt gewesen. Dieses Mal hatten wir eine wolkenfreie Bergsicht. Nach einer gemütlichen Fahrt erreichten wir wieder den Stausee. Dieses Mal steuerten wir oberhalb des Sees einen großen leeren Parkplatz an. Dort hatten wir sogleich Hundegesellschaft. Schon beim Kochen merkten wir aufkommenden Wind. Keine Minute zu früh war das Essen fertig, denn da wurde es noch stürmischer. In der Nacht wachten wir immer wieder auf. Mr. Turtle schwankte wie ein Schiff auf stürmischer See.

Hunde Georgien Mestia Swanetien Enguri Stausese Poti Roadtrip Overland
Ein neues Hunderudel für den Bus.

Am nächsten Morgen war es immer noch sehr windig. Wir zogen ohne Frühstück los, um einen ruhigeren Platz zu finden. Schlussendlich fuhren wir noch bis hinter Sugdidi, wo wir abseits der Hauptstraße auf einem Sportplatz auf der Wiese parken konnten. Es war windstill und die Sonne wärmte an diesem Tag richtig. Eine gute Gelegenheit, um auch mal wieder zu duschen. Ein paar Anwohner liefen vorbei, aber niemand schien sich an uns zu stören.

Sugdidi Georgien Roadtrip Overland
Verlängerte Mittagspause auf dem Sportplatz.

Wir fuhren an diesem Tag noch weiter bis Poti, wo wir die Nacht am Leuchtturm verbringen wollten. Poti war uns bei der Hinfahrt schon aufgefallen. Hier merkt man den Fall der Sowjetunion besonders. Wie so oft in der Gegend, scheinen auch hier alle Gebäude ihre glorreichen Zeiten schon hinter sich zu haben. Auf dem Weg dorthin war die Straße plötzlich für mehrere Kilometer mit freilaufenden Kuh-, Büffel und Schafherden, Gänsen und Pferden gefüllt. Wahrscheinlich alle auf dem Weg zur Arche Noah.

 

Ein Kommentar zu „Swanetien

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s