Vom Schwarzen Meer bis Zkaltubo

Vom ersten Tiefpunkt der Reise, der Begegnung mit anderen Overlandern und unserer Fahrt ins Landesinnere.

Unser dreitägiger zweiter Stopp in Batumi sei hier nur kurz erwähnt. Vielleicht veröffentlichen wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einen ausführlicheren Bericht darüber. Nur so viel sei gesagt: In Batumi habe ich kein Iran Visum bekommen. Rückblickend verbrachten wir die folgenden drei Tage in einem Gefühlschaos. Wir schliefen an einem ruhigen Parkplatz direkt an der Promenade und grübelten über die weitere Reise. Dann wollten wir Batumi eigentlich den Rücken kehren und in den nächstgelegenen Nationalpark fahren. Doch das regnerische Wetter meinte es nicht gut mit uns. Nach einem etwa dreistündigen Roadtrip kehrten wir geschlagen an die Promenade zurück.

Wir haben dann noch eine Eisdiele mit sehr leckeren Eissorten entdeckt. Während wir in dem kleinen Park davor unser Eis schlürften, sind wir mit drei lustigen georgischen Gesellen ins Gespräch gekommen. Wenn man das denn so nennen kann. Denn richtig gesprächig war nur derjenige von ihnen, der etwas Englisch konnte. Seine Wortgrenzen waren jedoch bald erreicht und so zählte er eine Weile Länder und die dort vorherrschenden Religionen auf. Der zweite Geselle saß die meiste Zeit teilnahmslos neben ihm, er konnte offensichtlich keine Städtenamen, und der dritte rannte direkt weg, als er hörte, dass wir Englisch sprachen. Er kam erst viel später mit einem Buch zurück. Eine englische Übersetzung seines eigenen Werkes „Post-Literature“. Das Buch wollte Robert Nadiradze, so heißt der Autor, mir unbedingt schenken. Wir haben dann natürlich einen Stift organisiert, damit er noch etwas hineinschreibt. Allerdings konnte er kein Englisch und somit ist die Widmung auf Georgisch und ich kann sie nicht lesen.

Mtirala Nationalpark

Von Batumi aus fuhren wir schließlich in den Mtirala Nationalpark. Dort wollten wir uns mit Celine und Raphael treffen. Die Fahrt hinauf wurde mal wieder ein überraschendes Offroad-Erlebnis. Dann kam uns auch noch eine Touristen-Gruppe mit gefühlt zwanzig Geländewagen entgegen. Nachdem wir zwei Furten durchquert hatten, erreichten wir schließlich die Ranger-Station des Parks. Hier kann man für 5 Lari Pro Person auf dem dahinter liegenden Wiesengrundstück parken. Celine und Raphael waren schon da. Wir verbrachten einen gemütlichen Abend und spazierten am nächsten Tag noch gemeinsam zu einem Wasserfall. Am frühen Nachmittag trennten sich dann unsere Wege wieder. Die beiden machten sich auf in Richtung Batumi und türkischer Grenze. Wir wollten noch einmal ans Meer. So verbrachten wir noch eine Nacht nördlich von Batumi am Strand. Gleich bei unserer Ankunft entdeckten wir eine Gruppe Delfine, die gerade an der Küste vorbeizog. Begleitet von unserem neuen Hunderudel rannten wir, zumindest ich, auf einem kleinen Pier so nah ans Wasser wie es ging.

Vom Schwarzen Meer nach Zkaltubo

Nachdem ich am nächsten Tag beinahe eine neue Reisegefährtin adoptiert hätte, fuhren wir weiter nach Kutaissi. Wir hatten mit einem anderen reisenden Pärchen geschrieben, das etwa 15 Kilometer nordwestlich in Zkaltubo war. Also ging unsere Fahrt gleich noch dorthin weiter. Zkaltubo ist dafür bekannt, dass hier früher ein bekanntes Heilbad war. Stalin war hier Stammgast. Inzwischen leben in den Sanatorien Flüchtlinge aus Abchasien, einer der abtrünnigen Regionen Georgiens. Unsere neuen Bekannten waren von ebendiesen gerade zum Essen eingeladen worden und so hat sich unser Kennenlernen noch etwas nach hinten verschoben. Wir parkten an einem kleinen See und nutzten die Zeit für einen Spaziergang im Park. Hier konnten wir Ruinen der Heilbäder erkunden. Ein bisschen unheimlich war das schon. Gerne hätten wir aber auch gesehen, wie prunkvoll die Gebäude wohl früher ausgesehen hatten.

Pünktlich zu unserer Rückkehr bei Mr. Turtle begann es auch mal wieder zu regnen. Da kamen auch schon Lea, Paul und ihr dreienhalbjähriger Sohn Luk angefahren. Da es nicht nur regnete, sondern auch ziemlich windig wurde, suchten wir uns später einen windgeschützten Stellplatz am Parkrand. Am nächsten Tag war es immer noch am Regnen. Wir wollten deshalb die in der Nähe gelegene Prometheus Höhle besichtigen. Als wir dort ankamen, erfuhren wir leider, dass montags geschlossen ist. Wir versprachen Luk am nächsten Tag wiederzukommen. Eini und ich wollten stattdessen nach Kutaissi fahren und eine neue Bordbatterie suchen. Es regnete jetzt wieder ununterbrochen. Wir hielten am erstbesten Laden der offensichtlich Batterien verkaufte. Von hier wurden wir dann von einem netten Mann und seinem Sohn zu dem in der Nähe gelegenen Ersatzteilemarkt gelotst. Als wir auf das Werkstatt— und Marktgelände fuhren, ergoss sich der Regen bereits Sintflutartig vom Himmel. Ich blieb im Bus sitzen, da wir keinen freien Parkplatz bekommen hatten. Draußen war Weltuntergangsstimmung. Eini machte sich trotzdem auf in die Hallen und war bald zurück. Agm Batterien gab es hier nicht. Nach einem Besuch im Supermarkt (bei Regen eine beliebte Möglichkeit sich im Trockenen zu bewegen und wieder viel zu viel einzukaufen) kehrten wir nach Zkaltubo zurück.

Prometheus Höhle

Am nächsten Tag konnten wir dann eine Führung in der Tropfsteinhöhle machen. Prometheus Cave wurde 1984 entdeckt, befindet sich 40 Meter unter der Erde und ist mit 1,8 Kilometern Länge eine der größten Höhlen der Welt. Auch einen unterirdischen Fluss gibt es hier. Und wer möchte, kann sich gegen die entsprechenden Dollarnoten in der Love Hall trauen lassen. Um durch die sechs Hallen zu laufen, waren wir etwa eine Stunde unterwegs. Unser Guide hat zwar auch Englisch gesprochen. Den Unterschied von Stalaktiten und Stalagmiten kannte ich aber schon, seit wir in der Grundschule zum ersten Mal eine Tropfsteinhöhle besucht hatte. Und viel mehr hatte sie uns dann leider auch nicht zu sagen. Trotzdem waren wir alle sehr beeindruckt. Die Höhle war in vielen bunten Farben beleuchtet. Von der klassischen Musik, die hier wohl zu Hauptsaison abgespielt wurde, blieben wir aber verschont. Am Höhlenausgang wartete dann bereits ein schlafender Marshrutka Fahrer auf uns. Nachdem unsere Führerin ihn aufgeweckt hatte, fuhr er uns das kleine Stück zurück zum Eingang. 

Nach drei Nächten in Zkaltubo und immer noch mit schlechtem Wetter gesegnet, beschlossen wir alle nach Tbilisi (Tiflis) aufzubrechen. Ein langer Roadtrip-Tag lag vor uns.

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