Auf der Georgischen Heerstraße nach Stepanzminda

Für unsere letzte Woche in Georgien haben wir noch einen Roadtrip geplant. Zunächst wollen wir über die Georgische Heerstraße nach Stepanzminda fahren und den Kasbek sehen.

Mit einer neuen Bordbatterie und dem langersehnten Iranvisum im Pass können wir Tbilisi hinter uns lassen. Wir merken immer mehr, wie die Reise die schwarzen Punkte auf unserer gedanklichen Landkarte mit Leben füllt. Noch vor wenigen Monaten kannten wir Tbilisi nicht einmal vom Hörensagen. Jetzt verbinden uns mit dieser schönen Stadt viele Reisemomente.

Auf der Georgischen Heerstraße

Zunächst übernachten wir noch einmal an unserem Stammplatz in Mzcheta bevor wir uns in Richtung Berge aufmachen. Mzcheta liegt bereits an der Georgischen Heerstraße, der Georgian Military Road. Sie führt von Tbilisi durch den Kaukasus bis Vladikavkaz in Südrussland. Seit tausenden von Jahren verbindet ein Weg die beiden Seiten des Kaukasus. Im 18. Jahrhundert wurde dieser Pfad dann zu der Georgischen Heerstraße ausgebaut. Eine Straße, die viele Geschichten zu erzählen hätte, könnte sie reden. Auf dem Weg nach Stepanzminda halten wir in Ananuri, um uns die Festung anzusehen. Sie liegt an einem wunderschönen See.  Wir fahren weiter über den Jwari Pass (Kreuzpass) auf 2395 Metern über dem Meer. Die Aussicht ist überall einfach großartig. Für eine längere Pause ist es uns auf dem Pass aber zu windig.

Stepanzminda, Kasbek und Gveleti

Am Nachmittag erreichen wir Stepanzminda und sehen zum ersten Mal den von Wolken eingehüllten Kasbek. Den Berg des Prometheus. Er ist mit 5047 Metern über dem Meer der dritthöchste Berg in Georgien. Den höchsten Berg, den Schchara mit 5200 Metern, hatten wir ja schon in Ushguli bewundern können. In Stepanzminda selbst gibt es keinen schönen Stellplatz und die Offroad-Piste in Richtung Kasbek trauen wir Mr. Turtle nicht zu. Wir folgen der Military Road weiter in Richtung russischer Grenze. Hinter Stepanzminda beginnt die Danielschlucht. Das Nadelöhr des Kaukasus, das schon von Römern und Persern umkämpft war. Über eine steile wackelige Piste können wir am Talrand auf eine Ebene hinauf fahren. Oben befindet sich das Gveleti Tal auf 1200 Metern über dem Meer mit zwei kleine Seen. Hier liegt die Landschaft längst im Schatten und ist es auch schon ziemlich kalt. Wir kochen noch und verkriechen uns dann im Bus.

Mitten in der Nacht schrecke ich aus dem Schlaf. „Was war das?“ Auch Eini ist wachgeworden. Etwas hat außen gegen die Kiste geschlagen. Mein Herz schlägt bis zum Hals. Eini öffnet das Dachfenster und schaut hinaus. Er entdeckt eine Pferdeherde in der Dunkelheit. „Hee, unser Bus ist doch nicht zum Scheuern da!“ Mein Puls beruhigt sich. Es ist vier Uhr und wir schlafen weiter.  Am Morgen erreicht die Sonne das Tal nur langsam. Wir sehen die ersten Strahlen an den Bergspitzen und sehnen uns danach, dass sie den Bus erreichen. Nach dem Frühstück fahren wir die Piste wieder herunter und spazieren zum Gveleti-Wasserfall. Danach geht es nach Stepanzminda zurück. Wir parken Mister Turtle im Ort und wandern zum Gergeti Kloster hinauf.
Zur Tourenbeschreibung im Outdoor-Tagebuch. 

Gveleti Tal
Im Gveleti Tal.
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Die Pferde haben uns nachts ganz schön erschreckt.

Sno und Juta Tal

Nach der Wanderung biegen wir in das vor Stepanzminda gelegene Tal ab. Hier durchfahren wir zuerst den Ort Sno, bevor wir im Juta Tal einen Schlafplatz ansteuern. Kleine Dörfer liegen in dem breiten Tal verstreut. Mehrere Arbeiter sind dabei neue moderne Strommasten zu errichten. Auf der Ebene weiden Pferde und Kühe. Die braungefärbten Berghänge kündigen vom kommenden Winter, das Grün des Sommers ist hier längst nicht mehr sichtbar. Die Sonne ist auch hier von den Bergen abgeschirmt. Wir parken den Bus und kochen. Zum Duschen ist es uns so schon zu kalt. Wir machen die Standheizung an und freuen uns erneut darüber, dass die Spannung dank der neuen Batterie nicht mehr zusammen bricht. Dafür ist jetzt die Gasflasche leer. Wir müssen eindeutig langsam ins Warme, bei der Kälte machen wir zu oft Tee. Da nun beide Gasflaschen leer sind packt Eini den Benzinkocher aus, der auf 2100 Metern über dem Meer dann auch viel effektiver ist, als der Gasherd.

Georgien, Sno, Juta, Kasbek, Stepazminda, Georgische Heerstraße
Sno und Juta Tal.

Nebelige Abfahrt

Am nächsten Morgen stehen wir immer noch im Schatten. Kaum biegen wir jedoch ums Eck in das breitere Tal, sehen wir den Sonnenschein. Als wir uns jedoch dem Jwari Pass nähern, werden die Wolken wieder dichter. Plötzlich verschluckt uns der Nebel. Wir können nicht weit sehen und müssen langsam fahren. Erst als wir über den höchsten Punkt fahren lichtet es sich wieder. Auf der anderen Seite des Passes ist es dann aber auch nicht mehr so sonnig.

Kurz bevor wir die Georgische Heerstraße endgültig verlassen, entdecken wir noch eine kleine Tankstelle mit einer Gasstation. Wir haben Glück: Der Besitzer kramt in einer Kiste mit etwa 20 verschiedenen Anschlüssen den passenden für unsere Flaschen hervor. Von uns und unserem Bus ist auch er mal wieder sichtlich angetan. Leider haben wir es in den turbulenten Wochen nicht geschafft uns noch weitere Wörter Georgisch oder Russisch beizubringen und so hält sich die Konversation auch hier wieder sehr in Grenzen. Mit vollen Gasflaschen können wir schließlich weiterfahren.

 

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