Mountainbiken im Borjomi-Kharagauli Nationalpark

Die Mountainbike-Tour im Bojormi-Kharagauli Nationalpark ist uns lange im Kopf herumgeschwirrt. Auf der Fahrt nach Tbilisi haben wir sie wegen des Regens nicht machen können. Bevor wir nach Armenien ausreisen, wollten wir es doch noch versuchen und hatten Glück.

Im Gegensatz zu vielen anderen Touren ist die Planung dieser Runde in fünf Minuten erledigt. Der Trail und die dazugehörige Auffahrt hat jemand netterweise mal wieder bei Trailforks eingetragen. Wir laden sie nur noch auf das GPS-Gerät. Der Startpunkt der Runde befindet sich bei einem kleinen Wiesengrundstück, das vor dem Nationalpark als Campingplatz ausgezeichnet ist. Als wir dort ankommen, weist uns ein Schild mit einer Telefonnummer darauf hin, uns anzumelden. Wir haben kein Telefonguthaben und wollen jetzt sowieso einfach nur Biken gehen. Am Anfang des Nationalparks hängt dann ein Zettel am Baum. Man soll sich anmelden, bevor man den Park betritt. Wir wissen nicht einmal wo die Nationalparkverwaltung ist und wollen keine Zeit verlieren. Der Morgen ist schon fortgeschritten und Mitte November werden wir hier bestimmt sowieso niemandem mehr begegnen.

MTB Borjomi Georgien
Nach langem Hin und Her endlich startklar.

Ich mache mich daran die Räder aufzubauen, Isi sucht die Ausrüstung zusammen. Das Wetter scheint gut zu werden, zumindest soweit wir es in dem schattigen feuchten Tal abschätzen können. Als ich fertig bin, stelle ich fest, dass sich bei meinem Rad die hydraulische Sattelstütze nicht ausfahren lässt. Zuerst vermute ich, dass es an der Kälte liegt und lege das Teil für ein paar Minuten in den Abgasstrahl der Standheizung. Ohne Erfolg. Auch entlüften hilft nicht und ich würde das Teil am liebsten in die Wiese schmeißen. Anstatt jedes Jahr etwas Neues zu entwickeln, sollte die Fahrradindustrie lieber mal mehr auf Robustheit achten … Nachdem wir schon viel Zeit verloren haben und Isi bereits mit den Bikeschuhen scharrt, greife ich in die Ersatzteilkiste und baue die klassische Sattelstütze ein. Endlich kann es losgehen.

Steile Auffahrt

Anfangs können wir uns noch gemütlich einfahren und aufwärmen. Der breite Forstweg führt relativ flach in den Nationalpark. Aber auch hier ist es feucht und wir durchqueren immer wieder kleine Furten. Und wir begegnen tatsächlich einem Wanderer. Nachdem wir uns an einer Wanderkarte kurz orientieren, ist es dann auch schon mit dem gemütlichen Teil vorbei.

Der Weg wird zunehmend steiler. Tiefe Furchen wechseln sich mit Matschlöchern und steilen Rampen ab. Bald legen wir einen Großteil unserer „Auffahrt“ schiebend und fluchend zurück. Doch die Anstrengung lässt uns dafür kaum Luft. Unsere Motivation bekommt einen ordentlichen Knick. Ich kann mir jetzt auch kaum noch vorstellen, dass die Abfahrt ein Vergnügen wird.

MTB Borjomi Georgien
Die Begeisterung hält sich in Grenzen.

Bald kommen wir auf dem Bergrücken an, wo uns ein kalter Wind empfängt. Die letzten 100 Höhenmeter werden wieder flacher und fahrbar und so treten wir erleichtert dem höchsten Punkt entgegen.

Eine überraschende Begegnung

Oben angekommen wollen wir an eine Ranger-Hütte pausieren. Überraschenderweise hat schon eine Wanderin aus England hier ihr Nachtquartier bezogen. Da auch hier ein leichter Wind weht, ist es, trotz Sonnenschein, sehr kühl. So verlegen wir unsere Brotzeit in die Hütte und unterhalten uns etwas. Dabei vergessen wir die Zeit. Nach einer Stunde verabschieden wir uns, die Sonne ist schon wieder am Verschwinden und wir wollen zügig weiter.

Ein Trailtraum

Entgegen meiner Erwartungen beginnt die Abfahrt direkt mit einem Singletrail. Über offene Flächen zieht sich ein traumhafter Weg über den Bergrücken. Auch als der Trail in den Wald hineinführt, bleibt der Boden trocken. Wir können es gar nicht glauben. So einen tollen Trail sind wir lange nicht gefahren. Da ärgert es uns auch kaum, dass wir an mehreren Stellen die Räder über umgestürzte Bäume heben müssen. An einer Kreuzung treffen wir dann tatsächlich noch auf einen Ranger mit Gewehr. Wir grüßen und biegen ab. Dann passieren wir einen aufgegebenen russischen Bulldozer. Wie das Teil wohl hierhin gelangt ist? Es folgt ein kleiner Gegenanstieg und dann geht es weiter bergab.

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Russischer Bulldozer auf dem Trail.
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Das ein oder andere Hindernis.
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Abfahrt.

Nach einer unendlich langen, flüssigen und schnellen Abfahrt führt der Trail durch mehrere Spitzkehren wieder hinunter auf den Karrenweg. Wir rollen zu unserem Stellplatz zurück. Noch schnell die Räder im nahe gelegenen Bach waschen, Wasser kochen, duschen, Essen machen. Dann zwingen uns Kälte und Dunkelheit wieder in unsere fünf Quadratmeter zurück.

Tourenbilanz: 20 Kilometer und 1100 Höhenmeter. Einem sehr schweißtreibenden Aufstieg folgt eine fast ununterbrochene traumhafte Trailabfahrt. Ein gelungener, wenn auch kalter, sportlicher Abschied von Georgien.

Tourentag: 20. November 2017

Ein Kommentar zu „Mountainbiken im Borjomi-Kharagauli Nationalpark

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