Yerevan

In Armeniens Hauptstadt Yerevan verbringen wir einige Tage und erfahren dabei sehr viel über die Geschichte eines der ältesten Völker der Welt.

In Yerevan parken wir oberhalb der Innenstadt vor dem Hügel auf dem das armenische Genozid-Denkmal steht. In der Nähe ist auch ein Einkaufszentrum mit Supermarkt. Darin entdecken wir frisches Vollkornbrot und Käse aus den Niederlanden … Ich freue mich über ein großes Stück Maasdamer. Denn aufgrund meiner leichten Laktoseintoleranz vertrage ich den frischen Käse, den man überall auf den Märkten bekommt, nicht.

Am nächsten Tag laufen wir hinauf zum Genozid-Denkmal. Von hier hat man eine tolle Aussicht auf den Berg Ararat, der die Skyline der Stadt dominiert. An ihm soll Noahs Arche gestrandet sein. Den Ararat haben sich jedoch einst die Osmanen geschnappt und er liegt heute in der Türkei. Doch für die Armenier ist er noch immer der Berg ihrer Herzen und Nationalsymbol. Sogar einen Brandy haben sie nach ihm benannt.

Das Genozid-Denkmal ist sehr stimmungsvoll gestaltet. Es brennt eine Flamme und frische Blumen liegen ordentlich in einem Kreis angeordnet auf dem Boden. Von irgendwo her dringt aus Boxen ein melancholischer Chor. Als wir über den Platz laufen, entdecken wir, dass es auch ein Museum gibt. Der Eintritt ist frei und wir gehen eine Weile durch die Ausstellung. Was dort ausführlich in Bildern und Texten gezeigt und erzählt wird entstammt dem düstersten Kapitel der armenischen Geschichte. Wir sehnen uns nach einer Weile wieder nach Tageslicht und frischer Luft.

Yerevan, Armenien, Genozid-Denkmal
Das Genozid-Denkmal in Yerevan.

Mit Mr. Turtle starten wir die Suche nach einem Touristeninformationszentrum, um einen Stadtplan zu bekommen. Aber wir stellen bald fest, dass es in Yerevan keines gibt. Nachdem wir eine Weile genervt durch den Stadtverkehr gefahren sind, landen wir wieder an unserem Parkplatz. Wir haben während der Fahrt festgestellt, dass unser Platz in zentrumsnähe liegt. Und so gehen wir noch einmal zu Fuß den Berg herunter und finden in einem Museum einen Stadtplan. Inzwischen ist es Nachmittag und wir sind beide zu müde, um uns weiter die Stadt anzusehen.

Yerevan, Armenien
Chilltag vorm Bus.

Später gesellen sich Lea, Luk und Paul zu uns an den Platz. Die drei sind schon ein paar Tage in Yerevan und wir genießen am folgenden Tag bis zum Nachmittag das schöne Wetter zusammen. Dann laufen Eini und ich in die Stadt, um uns einer kostenlosen Führung anzuschließen. Solche Führungen werden in vielen Großstädten von Einheimischen angeboten. Man gibt am Ende der Tour einfach ein Trinkgeld seiner Wahl. Da die Führung erst um vier Uhr anfängt, wird es bald dunkel und sehr kalt. Der Guide erzählt jedoch eine Menge interessanter Dinge und so halten wir durch. Wir lernen unter anderem seine Interpretation der armenischen Flagge kennen, die aus drei Streifen in Rot, Blau und Orange besteht: Rot steht für das Blut, das die Armenier im Laufe der Zeit vergossen haben, Blau steht für den Himmel und das schöne Wetter und Orange für die leckeren Aprikosen.

Nach dreieinhalb Stunden kehren wir durchgefroren in eine Bar ein. Heute bietet der Guide auch noch eine Kneipentour an. Wir tragen Wanderstiefel und warme Sachen und sind nicht in Stimmung damit noch durch Kneipen zu ziehen. Wie die meisten anderen aus der Tour, verabschieden wir uns, als der erste Barwechsel ansteht. Wir müssen schließlich noch zu Mr. Turtle zurücklaufen und sind jetzt auch noch am anderen Ende der Stadt. Auf dem Rückweg verlaufen wir uns auch noch und brauchen so insgesamt eine Stunde, bis wir wieder am Auto sind.

Tags darauf steuern wir ein Hostel an, in der Hoffnung hier mal wieder Wäsche waschen zu können. Wir haben Glück, doch die Maschine ist sehr klein und so müssen wir sie mehrmals laufen lassen. Währenddessen vertreiben wir die Zeit auf dem in der Nähe gelegenen „Vernissage“- Souvenirmarkt. Später setzen wir uns in den Aufenthaltsraum des Hostels und kommen mit dem Rezeptionisten ins Gespräch. Er ist 21 Jahre alt und erzählt uns, dass er vom Land nach Yerevan gekommen ist. Das Leben dort erscheint ihm nicht mehr zeitgemäß. „Viele Männer wollen nicht, dass ihre Frauen arbeiten.“ Er fragt neugierig, wieso wir reisen, statt Karriere zu machen oder Kinder zu kriegen. Und auf unsere Aufmunterung, dass die Armenier vielleicht noch etwas Zeit brauchen, bis auch hier mehr Gleichberechtigung herrscht, sagt er ohne Nachzudenken: „Zeit? Wir sind das älteste Volk der Welt, wir hatten mehr als genug Zeit.“

Den kommenden Tag verbringen wir damit Einkaufszentren zu durchstöbern. Ich habe keine passende Kleidung für den Iran. Die Klamotten in den armenischen Shops sind jedoch leider aus sehr billigen künstlichen Stoffen, Baumwolle finden wir dort gar nicht. Doch es gibt auch Ketten wie Zara, Bershka, Pulls and Bears. Nach einer langen und nervenaufreibenden Suche finde ich immerhin einen längeren Pullover, der nicht so sehr nach Kartoffelsack aussieht, wie alles andere, was ich anprobiere. Endlich können wir aus Yerevan aufbrechen.

2 Kommentare zu „Yerevan

  1. Hey Ihr beiden! Mit Spannung las ich Euren jüngsten Eintrag, vielen Dank dafür! Es ist sicher sehr aufregend und jeden Tag seht ihr tausend neue Dinge. Ich denke immer mal an Euch, wie es Euch wohl so ergehen mag. Euren Plan bewundere ich und halte ihn nach wie vor für einen sehr guten 😉 Ich wünsche Euch weiterhin viel Freude und spannende Erlebnisse. Wisst ihr schon wie bzw. wo ihr Weihnachten sein werdet? Übrigens hier in der Zeppelin ist alles wie immer ;-))) nur ihr fehlt.
    Liebe Grüße
    Schirin, Simon und Moritz.

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    1. Hallo Moritz,
      vielen Dank für deine lieben Zeilen. Wir freuen uns sehr von euch zu hören! Schön zu wissen, dass ihr unsere Reise verfolgt. Es ist nicht immer alles so einfach, wie es den Anschein erweckt, aber wir bereuen nichts und halten am Plan fest. Nur die Reiseroute haben wir schon etwas angepasst und wollen nach Nepal und Indien voraussichtlich im Sommer nach Südamerika verschiffen. Weihnachten und Neujahr sind wir noch im Iran. Hier wird beides leider nicht gefeiert, Neujahr ist in ihrem Kalender erst im März. Wir treffen uns aber Weihachten mit anderen Overlandern auf einer Insel im Persischen Golf! Euch noch eine schöne Weihnachtszeit! Viele Grüße Isi und Sven

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