Armenien Roadtrip

Die ursprüngliche Idee war es, Armenien auf dem Weg in den Iran von Nord nach Süd zu durchfahren. Doch als wir erstmal da waren, wollten wir trotz der kalten Temperaturen noch möglichst viel vom Land sehen. Die Folge war ein 14-tägiger Roadtrip.

Garni und Geghard Kloster

Armenien ist das Land der Klöster. Das sehen wir auf der Karte, die wir im Museum in Yerevan bekommen haben. Auf ihr sind alle Klöster im Land als Sehenswürdigkeiten eingezeichnet. Und sonst nichts. Von Yerevan aus fahren wir daher auch etwa eine Stunde in eine Sackgasse, um uns eines dieser Klöster anzusehen. Auf dem Weg dorthin liegt der antike Tempel von Garni. Der Eintritt ist uns zu teuer, doch als wir um das Grundstück herum schlendern, entdecken wir, dass es nicht einmal eingezäunt ist und ein Trampelpfad hineinführt. So können wir den Tempel aus der Nähe betrachten und haben einen besseren Blick in die dahinterliegende Azad-Schlucht. Das für uns hohe Eintrittsgeld hätte das aber nicht gerechtfertigt. Etwa acht Kilometer hinter dem Tempel liegt das Geghard Kloster. Da es schon dunkel und kalt wird, beschließen wir die Besichtigung auf den nächsten Morgen zu verschieben. An diesem haben wir das Kloster dann fast für uns allein. Im Sommer schieben sich hier wohl die Massen durch. Wir können die vielen in den Stein gehauenen Kammern in aller Stille erkunden.

Sewansee

Dann fahren wir weiter in den Osten von Armenien zum Sewansee. Er ist der größte Süßwassersee im Land und im Kaukasus. Um dorthin zu kommen, fahren wir immer weiter bergauf. Der See liegt auf fast 2000 Metern über dem Meer. Wir hoffen, dass es sich dort in der Sonne ein paar Tage aushalten lässt. Doch schon als wir ankommen, geht ein kalter Wind. Wir parken etwas weiter weg vom See im Schutz einer Baumgruppe. Nachdem wir am nächsten Tag einen Spaziergang am Sandstrand und im eiskalten Wind gemacht haben, beschließen wir den See wieder zu verlassen. Im Sommer muss es wunderschön sein, hier einige Tage zu verbringen. Uns ist trotz Sonne einfach nur kalt. Wir fahren noch zu dem alten Friedhof in Notarus weiter. Dort gibt es viele sehr alte armenische Kreuzsteine, Chatschkaren, anzusehen. Wir wollen eigentlich gemütlich über den Friedhof schlendern, doch kaum haben wir ihn betreten gesellt sich wie aus dem Nichts ein Armenier zu uns und folgt uns über den Friedhof. Wir merken bald, dass der Mann eine geistige Behinderung hat und anscheinend Armbänder an Touristen verkaufen will.

Vardenyats Pass und Jermuk

Um weiter durchs Land zu kommen, müssen wir mal wieder über einen Pass. Es ist inzwischen der dritte. Der Vardenyats Pass liegt auf 2400 Metern über dem Meer. Die Straße ist schneebedeckt und ein wenig glatt. Wir rollen an einer alten Karawanserei der Seidenstraße vorbei und machen einige Tiefenmeter, bevor wir uns unterhalb des Passes einen Schlafplatz ausspähen. Am nächsten Tag fahren wir noch einmal einen Umweg über einen weiteren Pass auf 2000 Metern über dem Meer und wieder in eine Sackgasse. Wir wollen uns den höchsten Wasserfall Armeniens in Jermuk ansehen. Als wir ihn endlich finden sind wir darüber jedoch eher enttäuscht. Doch in Jermuk liegt schon sehr viel Schnee und so machen wir einen schönen Winterspaziergang.

Wir entdecken danach auf der Karte in der Nähe heiße Quellen. Die sollen laut einiger Berichte im Internet 50 bis 60 Grad heiß sein. Wir können uns kaum vorstellen, dass bei solchen Temperaturen noch jemand darin baden geht. Viele Touristen lassen sich mit einem Geländewagen dort hinfahren. Alternativ bleibt nur die Möglichkeit zu laufen. Wir machen uns zu Fuß auf den drei Kilometer langen Weg durch den Schnee. Als wir an dem kleinen Pool ankommen sieht der zuerst nicht so einladend aus. Und wir schätzen die Temperatur auf etwa 30 Grad Celsius. Aber wo wir schon einmal hier sind und ihn ganz für uns alleine haben, gehen wir dann doch rein. Etwas unheimlich wird es, als plötzlich immer mehr Wasser hineinsprudelt und der Pool zu wackeln anfängt. Doch nach wenigen Minuten ist das Spektakel vorbei. Wir beenden das Bad und laufen zum Bus zurück.

Wir fahren noch über den Pass, um dann auf 1500 Metern abseits der Straße auf einem Wiesenweg vor einer tiefen Schlucht zu parken. Am nächsten Morgen schneit es mal wieder. Wir versuchen loszufahren, aber dann drehen auch schon die Reifen durch. Ohne Schneeketten haben wir keine Chance wieder zur Straße hoch zu kommen. Wenig später müssen wir dann auch über einen weiteren schneebedeckten Pass. Die Sicht ist schlecht. Uns kommen viele, vor allem iranische, LKWs entgegen. Der ein oder andere steht auch schon quer. Ein LKW-Fahrer grinst uns an und hebt den Daumen. Jetzt nur nicht stehenbleiben. Am höchsten Punkt sind wir froh, es ohne Schneeketten und mit Sommerreifen geschafft zu haben. Hinter dem Pass schleppen wir einen Armenier ab, dem einen Kilometer vor der Tankstelle das Gas ausgegangen ist.

Shaki Wasserfall und Goris

Auf dem Weg nach Goris machen wir noch einen Abstecher zu einem kleinen Wasserfall in der Nähe des Ortes Shaki. Dieser gefällt uns viel besser, als der von Jermuk. Dann fahren wir noch an dem Stonehenge von Zorats Karer vorbei. Zum Glück lag es auf dem Weg, denn viel zu sehen gibt es hier nicht. In der Provinzhauptstadt Goris kurven wir eine Weile sinnlose durch die Straßen. Wir finden einfach keinen schönen Schlafplatz. Dann entscheiden wir in einer Sackgasse mitten am Stadtplatz zu parken. Wir sind müde und es ist kalt und wir gönnen uns ein Abendessen im Restaurant. Es ist sehr lecker und nach dem Essen bleiben wir noch lange sitzen und genießen die Wärme. Die Nacht ist sehr ruhig. Im Sommer hätten wir wohl nicht mitten in der Stadt stehen wollen, doch so ist der Platz ideal. Am nächsten Tag suchen wir Öl für Mr. Turtle. Bisher haben wir noch keins verbraucht, aber im Iran ist voraussichtlich ein Ölwechsel fällig. Wir wissen nicht, ob man dort an ein von VW-freigegebenes Öl kommt.

Fahrt zum Tatev Kloster

Von Goris starten wir hinauf zum Tatev Kloster. Dabei kommen wir an der Gondelstation der „Wings of Tatev“ vorbei. Sie war anscheinend bei der Eröffnung vor einigen Jahren eine der längsten Seilbahnen der Welt. Wir bevorzugen trotzdem die Straße. Die Fahrt führt durch eine schöne Landschaft und man hat immer wieder Ausblick auf eine Schlucht. Als wir bei der Devils Bridge ankommen, einer Naturbrücke, machen wir eine Pause. Bis hier war die Straße ausgebaut und asphaltiert. Doch nun geht es über sehr viele Serpentinen auf einer Schotterpiste mit Schlaglöchern sehr steil bergauf. Ich fahre und hoffe nach jeder Kurve, dass wir bald oben sind. Irgendwann haben wir es dann geschafft. Keine anderen Touristen sind zu sehen, als wir das Kloster besichtigen. Davor steht ein schicker neuer Lada Niva 4×4 geparkt. Mit dem würde ich gerne die Straße wieder herunterfahren. Wir entdecken über dem Kloster einen Aussichtspunkt und fahren dort hinauf. Wir haben Glück. Es ist nicht besonders windig und wir können den ganzen Mittag dort die Sonne genießen. Erst am Nachmittag machen wir uns an die Abfahrt zurück nach Goris.

Und weiter bis Kapan

Wir wollen noch bis Kapan weiterfahren. Eini hat uns für dort eine Mountainbike-Tour zusammengebastelt. Doch die Fahrt zieht sich. Wir müssen mal wieder über einen Bergpass. Die Sicht ist plötzlich sehr schlecht und die Spitzkehren nehmen einfach kein Ende. Als wir den Pass endlich hinter uns gebracht haben ist es dunkel. Die Schlafplatzsuche gestaltet sich auch deshalb schwierig, weil wir beide müde sind. Aber es dauert noch eine Stunde, bis wir unsere Ansprüche so weit heruntergeschraubt haben, dass wir einfach irgendwo parken. Trotz allem bauen wir das Heckzelt auf und kochen noch vegetarisches Chilli. Das ist heute nicht nur gut für den Magen, sondern auch Balsam für die Seele.

Am nächsten Morgen weckt uns ein Klopfen. Eini öffnet das Seitenfenster. Ein Armenier hat uns entdeckt und möchte wissen, ob alles in Ordnung ist und ob wir Hilfe brauchen. Es ist das erste Mal auf der Reise, dass uns jemand aus dem Schlaf klopft. Die Armenier sind sehr hilfsbereit. Als wir einmal am Straßenrand Öl- und Wasserstand checken wollen, hat gleich ein vorbeifahrender LKW-Fahrer eine Vollbremsung hin- und den Rückwärtsgang eingelegt. Nur um zu fragen, ob er helfen kann.

Armenien Roadtrip
Der Morgen danach.

Kapan und Baghaberd Fortress

Als wir in Kapan ankommen, suchen wir die Polizeistation auf. Wir wollen uns nach dem Straßenzustand eines Bergpasses erkundigen. Doch keiner der Beamten spricht Englisch und so halte ich bald das Handy eines Polizisten am Ohr. Leider kann die Frau am anderen Ende auch nicht so gut Englisch und versteht meine Frage nicht. Nach zahlreichen Wiederholungen die zu nichts führen, gebe ich dem Polizisten sein Handy zurück. Bei einem Blick auf die Karte scheint er langsam zu verstehen was wir wollen und rät uns von der Straße ab. Es gibt eine gut ausgebaute Alternativroute. Wir laufen zu Mr. Turtle zurück und fahren weiter. Dabei sehen wir die schattige Hangseite, auf der wir die Mountainbike-Tour machen wollen. Heute ist es dafür ohnehin schon zu spät.

 

Wir fahren einige Kilometer weiter auf der Sonnenseite eine Sandpiste hinauf und parken mit Blick auf das Baghaberd Fortress. Es liegt imposant an einem Berghang. Es ist sehr windig und eine halbe Stunde nachdem wir uns niedergelassen haben verschwindet die Sonne hinter dem Berg. Die Ruine liegt noch in der Sonne. Da wollen wir jetzt auch sein. Auf dem Weg kommen wir an einem, wie wir vermuten, kleinen Wasserkraftwerk vorbei. Dort lauert eine angriffslustige Hündin. Ein Mann hält sie fest, als wir vorbeigehen und wir entdecken den Grund für ihre Aggression. Ein Rudel Welpen stürmt fiepend auf uns zu. Wir wandern den steilen Hang hinauf und genießen noch für kurze Zeit die Sonne im Windschatten der Ruine. Als wir später Abendessen kochen, haben wir wieder einen mageren Hund am Bus. Vermutlich der Papa der Welpen. Er bekommt Reis von uns. Nachts hören wir ihn direkt am Bus bellen und fühlen uns beschützt, auch wenn er uns immer wieder aufweckt. Zum Frühstück bekommt unser lieber Wachhund eine Portion Risotto. Wir entscheiden uns gegen die Mountainbike-Tour und fahren weiter in Richtung Grenze. Wir fühlen uns nicht nach Sport. Die anhaltende Kälte und der Roadtrip lasten uns vollkommen aus.

 

 

 

2 Kommentare zu „Armenien Roadtrip

    1. Das würde uns sehr freuen! Grober Plan (unter Vorbehalt 😉 ): Januar noch Iran und durch Pakistan nach Indien. Februar Südindien, März-April Nepal, Mai nochmal Indien und dann Busle nach Südamerika verschiffen und in der Zeit ein bisschen Backpacking in Südostasien.

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