Einreise in den Iran

Am 5. Dezember 2017 sind wir von Armenien in den Iran eingereist. Der Grenzübertritt unterscheidet sich sehr von dem in andere Länder. Es ist auch das erste Land, für das wir das Carnet de Passage brauchen. Ein Bericht darüber, welche Fragen die iranischen Beamten stellen, was man als Frau anziehen muss und wieso man kein Geld aus dem Automaten bekommt.

An der armenisch-iranischen Grenze 

Nachdem wir aus Armenien ausgereist sind, ziehe ich mir im Auto meinen Schal über den Kopf. Ab jetzt müssen wir uns an die Gesetze der Islamischen Republik Iran halten. Und die verlangen von Frauen: Kopftuch tragen und Hintern sowie weibliche Körperformen verdecken, Oberteile müssen immer langärmlig sein. Wie unterschiedlich die iranischen Frauen dieses Gesetz auslegen, sollen wir schon am nächsten Tag feststellen. Männer sollten in der Regel lange Hosen und lange Oberteile Tragen. Der einzige Vorteil, den ich jetzt dem kalten Wetter zuschreibe: Ich werde unter dem Kopftuch und in langen Klamotten nicht schwitzen.

Wir halten am ersten Grenzposten. Hier müssen wir aussteigen. Die Beamten schauen die Pässe an, dann begleitet uns einer in das Ein- und Ausreisegebäude. Dort legt er die Pässe den zuständigen Bearbeitern auf den Tisch. Die sind allerdings gerade mit der Kontrolle von einigen ausreisenden Männern beschäftigt und wir sollen uns auf eine Bank setzen und warten. Als der Andrang bei der Ausreise immer größer wird, fällt einem der Beamten auf, dass wir immer noch warten und er winkt uns an den Schalter. Um uns herum stehen etwa zehn Männer in der Schlange und schauen jetzt neugierig, während wir unsere Stempel bekommen. Wir wollen gehen, doch dann schickt uns der Beamte an einen zweiten Schalter. Dort werden wir noch einmal Dinge gefragt, die wir bei dem Visumsantrag beantworten mussten: Wie heißt dein Vater? Seid ihr verheiratet? Wo wollt ihr hin? Was ist dein Job? Wir fragen uns, ob er die Antworten neu in den Computer eintippt oder, ob unsere Daten vom Visumsantrag hier hinterlegt sind. Wir geben wie beim Antrag an, dass wir unverheiratet sind. Dann können wir zum Auto zurück und den Grenzposten dort die Einreisestempel zeigen.

Iranischer Zoll und Carnet de Passage

Jetzt dürfen wir zum Zoll vorfahren. Eini betritt das Gebäude. Hier heißt der Beamte ihn im Iran Herzlich willkommen. Er fragt, wo wir herkommen, wo wir hinwollen und schickt Eini nach nebenan in ein zweites kleines Gebäude. Eini zeigt dem Beamten dort das Carnet de Passages. Der wirft nur einen kurzen Blick hinein, tippt etwas in seinen Computer und schickt ihn zurück zu Gebäude Nummer eins. Der Beamte dort hakt Eini unter und bringt ihn zu Gebäude Nummer drei. Hier befinden sich mehrere Schalter und ein Dutzend andere Männer füllen diverse Dokumente aus. Da er offensichtlich etwas hilflos dasteht, nimmt sich einer der Männer seiner an. Er bringt ihn an einen Schalter. Dort sitzt ein Beamter tief in seine Gedanken oder in sein Handy versunken. So genau kann er das nicht sehen. Der Mann, der Eini an den Schalter gebracht hat, nimmt ihm das Carnet aus der Hand und klatscht es dem Abgelenkten auf den Schreibtisch. Der schreckt hoch und grinst. Er nimmt das Carnet und wirft es einem anderen Kollegen auf den Tisch. Dann sagt er an Eini gerichtet und auf den Kollegen hinweisend: „Mr. Carnet!“. Mr. Carnet füllt das Carnet aus. Und zwar direkt das Feld für die Ausreise. Eini weist ihn auf seinen Fehler hin. Da auf seinem Stempel aber „Entry“ steht, versichert er Eini, dass es bei der Ausreise keine Probleme geben wird.

Dann muss Eini zurück zu dem ersten Beamten, der noch einmal alles kontrolliert. Er fragt mit wem Eini reist und begrüßt mich. Er sagt wir sollen erzählen, wir seien verlobt. Und er schreibt uns das Farsi Wort für „verlobt“ auf. Dann wünscht er uns eine schöne Verlobungsreise und wir können fahren. In den Bus hat er keinen einzigen Blick geworfen. Wir fahren zur letzten Schranke. Hier lässt sich ein Mann unsere Pässe zeigen, dann winkt er uns raus. Wir sind im Iran. Es ist die erste Grenze auf der Reise, an der der Zoll unser Auto nicht kontrolliert hat. Und das, obwohl die Einfuhr von Schweinefleisch und Alkohol in den Iran strikt untersagt ist.

In der Wechselstube

Hinter der Grenze gehen wir direkt in die Wechselstube. Im Iran können Ausländer wegen der Sanktionen kein Geld abheben. Unsere Kreditkarten sind wertlose Stücke Plastik. Wir fahren schon seit Monaten Euro und Dollar für den Iran spazieren. Die erste Wechselstube bietet uns keinen guten Kurs. In der zweiten ist er besser. Wir wechseln Euro und unsere restlichen Armenischen DRAM. Für 1 Euro bekommen wir 48 000 Rial. Im nu sind wir Millionäre. Eini braucht eine Weile, bis er den dicken Stapel schmutziger Scheine nachgezählt hat. Im Iran ist zwar der Rial die offizielle Währung. Im Sprachgebrauch und im Alltag reden die Iraner allerdings meistens von Toman. 10 000 Rial entsprechen somit 1000 Toman. 

Auf nach Täbris

Wir fahren los. Bis zu unserem ersten Ziel Täbris sind es knapp 200 Kilometer. Uns fällt gleich auf, dass die Straßenverhältnisse nicht mit den Armenischen zu vergleichen sind. Die Iranischen sind viel besser. So können wir wieder viel flüssiger fahren. Den direkten Weg über einen Pass nach Täbris können wir aber trotzdem nicht mehr nehmen, weil dort schon Schnee liegt. Wir umfahren die Berge. Doch der Weg führt dennoch durch eine Gebirgslandschaft, die der Armenischen sehr ähnelt. Immer wieder kommen auf der Strecke Polizeikontrollen und es wird geblitzt. Wir werden aber nicht angehalten. Manchmal hupt jemand im Gegenverkehr, wenn er uns sieht. Das kennen wir schon aus Georgien und Armenien.

Irgendwann fällt uns ein, dass wir mal wieder die Uhr umstellen müssen. Seltsamerweise aber eine halbe Stunde zurück. Als wir Täbris erreichen ist es 18 Uhr und nicht 18.30 Uhr wie in Armenien und Georgien. Täbris hat etwa 1,4 Millionen Einwohner. Und wir stecken ziemlich schnell im Feierabendstau. Der erste Eindruck der iranischen Fahrweise ist erschreckend und Eini hat alle Mühe Mr. Turtle heil durch die Stadt zu bringen. Zum Glück läuft es auf unserer Strecke bald wieder flüssiger. Unser Ziel ist einer der zahlreichen Stadtparks. Dieser soll sogar Duschen haben. Im Sommer zelten hier viele Touristen und man trifft auch andere Overlander. Bezahlen muss man dort nichts. Wir erreichen den Park, finden aber den Eingang nicht. Nachdem wir noch einmal etwa eine halbe Stunde im Kreis gefahren sind, sehen wir, dass der Eingang etwas von der Straße nach hinten versetzt ist. Wir hatten ihn beim Vorbeifahren mehrmals übersehen … Endlich können wir parken und kochen. Außer uns ist niemand dort. Nur am Eingang scheint es hier bei jedem Park ein kleines Gebäude mit einer „Parkwache“ zu geben. Wir verkriechen uns im Bus und schauen einen Film. Wir sind beide sehr müde von der Reise und dem kalten windigen Wetter der letzten Tage und Wochen.

Einreisedatum: 5. Dezember 2017

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