Von Ardabil ans Kaspische Meer und nach Masuleh

Nach kalten Wochen in Armenien und Schneefall in Täbris fahren wir für ein paar Tage ans Kaspische Meer und erkunden anschließend das Bergdorf Masuleh.

Wir erreichen Ardabil bei Sonnenuntergang und parken am Stadtsee. Es liegt sehr viel Schnee und sobald die Sonne verschwindet, wird es eiskalt. In der Nähe glühen noch die Reste eines Lagerfeuers und wir versuchen, es noch ein bisschen am Leben zu halten. Doch bald geben wir auf und verkriechen uns mal wieder im Bus.

Am nächsten Tag fahren wir in die Stadt. In Ardabil kann man ein Mausoleum besichtigen. Der Eintritt ist leider sehr teuer. Als Ausländer zahlt man pro Person umgerechnet vier Euro (200.000 RIAL). Einheimische kommen deutlich günstiger hinein. Wir verzichten auf das Mausoleum und gehen einkaufen. Gerüchteweise hatten wir gehört, dass es im Iran keine Supermärkte gibt. Der Einzelhandel floriert im Land. Einen Supermarkt gibt es in Ardabil trotzdem. Dort ist aber kaum etwas los.

Anschließend fahren wir direkt weiter über die Berge hinunter ans Kaspische Meer. Zwischendrin passieren wir ein Bergdorf, das so auch in den Alpen stehen könnte. Wir erreichen das Meer zum Sonnenuntergang und können uns noch einen Nachmittagssnack an einem Picknickplatz zubereiten. Im Supermarkt hatten wir eine Tüte gefrorener Falafel gekauft. Sie schmecken ziemlich gut und es kommen noch viele Tage, an denen wir uns welche zum Mittagessen gönnen. Wir übernachten an einem Campingplatz direkt am Meer. Außer uns ist niemand dort auch nicht am Eingang. Die Iraner sind eigentlich Camping verrückt. Überall im Land schlagen sie im Sommer in den Parks ihre Wurfzelte auf. Doch es scheinen gerade keine Ferien zu sein und Wochenende ist es auch nicht. Wir sammeln am Strand Holz für ein Lagerfeuer und machen es uns zum ersten Mal seit langer Zeit am Abend neben dem Bus gemütlich.

Der Stalker

Am nächsten Morgen ist es dann mit der Einsamkeit auch schon wieder vorbei. Wir liegen noch im Bus, als ein Iraner plötzlich wenige Meter entfernt mit einer Sense in der Hand nach uns ruft. Das vermuten wir zumindest recht bald, denn er ruft auf Englisch „Hello my friend“ oder zumindest so etwas in der Art. Wir denken, dass er vielleicht der Eigentümer des Grundstücks ist und eine Gebühr kassieren möchte. Eini öffnet das Fenster. Ein Fehler. Die nächsten zehn Minuten redet der Iraner auf ihn ein. Geld will er nicht von uns. Sein Englisch ist mit dem Wort „friend“ allerdings schon fast erschöpft. Erst später kommen noch weitere Wörter dazu. Und obwohl er bald merken müsste, dass Eini ihn nicht versteht und er quasi ein Selbstgespräch führt, ist er nicht mehr vom Fenster wegzukriegen. Eini schließt es irgendwann einfach. Der Mann verschwindet in Richtung einiger Hütten. Wir stehen auf und ich breite im Sonnenschein die Yogamatte aus. Da ist der Mann wieder da. Und redet und redet und redet auf Farsi. Irgendwann verschwindet er und wir können endlich frühstücken. Doch dann ist er auch schon wieder da. Er hat Eis gekauft. Das können wir schlecht ablehnen und so sitzen wir nebeneinander und essen es. Und wieder redet er darauf los. Wir versuchen schon gar nicht mehr, ihm verständlich zu machen, dass wir ihn nicht verstehen und gerne unsere Ruhe hätten. Wieder verschwindet er und ich will beinahe erleichtert aufatmen. Da ist er auch schon zurück. Und ehe ich ausweichen kann, hat er mir ein schlecht riechendes Parfüm an den Hals gesprüht. Eini kann sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, sonst hätte es auch ihn erwischt. Inzwischen nennt er mich längst „sister to my heart“ und Eini „brother to my heart“. Er hat noch weitere Geschenke mitgebracht. Obwohl ich mich lange wehre, nehme ich irgendwann einen Ring an ­– nur Modeschmuck – den er vermutlich auf dem Gelände gefunden hat. Dazu eine gebrauchte Sonnenkappe und eine Muschel. Die Sachen lassen wir liegen, als wir später gehen. Der Mann weicht uns nicht von der Seite. Wir fangen an aufzuräumen und zu spülen. Er hält mir die Pfanne hin. Als er merkt, dass er mir nicht helfen kann, pflückt er plötzlich Gras und beginnt unser Rücklicht damit zu polieren. Uns reicht es. Wir packen schnell fertig und erst als wir den Motor starten, geht er endlich.

Der Stalker und sein Hund.
Der Stalker und sein Hund.

Sehr gerne hätten wir an diesem schönen Platz noch ein oder zwei Tage verbracht. Stattdessen fahren wir etwa eine Dreiviertelstunde weiter und steuern eine Art Resort an. Es ist ein eingezäuntes Grundstück mit Restaurant und Hütten direkt am Meer. Der Strand ist leider nicht so breit und schön, wie dort wo wir herkommen. Und es sind noch andere Leute da. Aber wir können drei Nächte hier verbringen, ohne dass uns jemand stalkt. Am Morgen bekommen wir sogar einmal frisches Brot und Käse aus dem Restaurant geschenkt. Tagsüber ist es schön warm, am Abend machen wir Lagerfeuer. Endlich können wir uns von den Reisestrapazen erholen.

Masuleh

Als wir uns wieder Reisefit fühlen, brechen wir in die Berge auf. Das Dorf Masuleh gilt als eines der schönsten in Iran. Es ist ziemlich klein und wir spazieren über die Dächer der Häuser. Genau das tut man hier, denn die Dächer fungieren gleichzeitig als Wege durch das Dorf. Wir wollen noch etwas Lokales essen und dann wieder hinunter ins Tal fahren. Als wir aus dem Restaurant heraus treten, treffen wir die Chinesin Summer. Sie reist alleine durch den Iran und wir kommen ins Gespräch. Es wird dunkel und uns ist kalt. Summer hat ein Appartement gemietet und lädt uns auf einen Tee ein. Der Aussicht auf eine warme Wohnung und nette Gesellschaft können wir uns nicht widersetzen. Wir trinken chinesischen Tee und unterhalten uns noch eine Weile. Dann laufen wir zum Bus zurück. Direkt im Ort schlafen wir auf einem Parkplatz. Bevor wir abfahren, wollen wir am nächsten Morgen noch bei Summer Duschen.

Doch als wir aufwachen hat Eini andere Pläne. Er hatte sich am Abend noch an den Laptop gesetzt und die Karte studiert. Er will biken. Ich verschiebe wiederwillig den Gedanken an die warme Dusche und wir packen die Kiste aus.

Zum Beitrag im Outdoor-Tagebuch

Als wir später an den Bus zurückkehren bin ich durchgefroren. Eini wäscht die Bikes und Summer ist leider nicht zu erreichen. So müssen wir noch ein paar Stunden im Bus ausharren. Als wir später zu ihr gehen, bringen wir gleich Lebensmittel mit, um gemeinsam Abendessen zu kochen. Später gesellt sich noch der Wohnungsbesitzer zu uns und dann besuchen wir eine iranische Familie, die Summer kennengelernt hatte. Die Großmutter hat Besuch von ihrer Tochter und den zwei Enkelinnen. Wir bekommen Teller, scharfe Messer und Obst vorgesetzt. Alle sitzen auf dem Teppich auf dem Boden. Weder Mutter noch Großmutter sprechen Englisch und so übersetzen die Töchter. Wir unterhalten uns eine Weile und müssen auch mal wieder für Selfies herhalten. Nachdem später auch wie im Iran üblich die Instagram Konten ausgetauscht sind, verabschieden wir uns. Am nächsten Morgen schauen wir noch einmal bei Summer vorbei. Auch, um unser Hab und Gut einzusammeln. Ich hatte meine Wanderhose bei ihr ausgewaschen und über Nacht zusammen mit den Duschhandtüchern zum Trocknen in der Wohnung gelassen. Dann starten wir in Richtung Kashan. Wir wollen in die Wüste.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s