Qeshm Island

Nach 1200 Kilometern Fahrt in zwei Tagen erreichen wir die Insel Qeshm im Persischen Golf. Hier wollen wir die Weihnachtstage mit anderen Überlandreisenden feiern.

Von der Maranjab und unserem Urlaubsziel Qeshm Island trennen uns 1200 Kilometer Fahrt. Als wir aus der Wüste kommen ist es Nachmittag und wir können schon einmal einen Teil der Strecke hinter uns bringen. Wir übernachten in einer kleinen Stadt in der Nähe des Highways. Den nächsten Tag verbringen wir mit der Fahrt nach Bandar Abbas. Die große Stadt liegt direkt am Persischen Golf. Hier können wir am Abend noch Geld wechseln und Einkaufen. Über Nacht bleiben wir auf einem Parkplatz am Strand. Wir wundern uns zunächst über die vielen Autos, die auf der Straße vorbeifahren. Eigentlich wollen wir noch einen gemütlich Spaziergang am Strand machen, doch genau der ist das Ziel all der Autos. Als wir dorthin laufen, trauen wir unseren Augen zunächst nicht. Wir haben das Gefühl, an einer Hauptverkehrsstraße zu stehen. Die Fahrer rollen mit Schrittgeschwindigkeit den Strand hoch und hinunter. Neben uns steht ein Pärchen eng umschlungen in der Dunkelheit. Der fahrende Kumpel lungert am Auto herum und langweilt sich. Er bietet uns aus einer Plastikflasche Vodka und einen Energydrink an. Er selbst hat davon scheinbar schon mehr als genug intus. Wir sind mal wieder fasziniert von dem paradoxen Leben hier. Alkohol ist offiziell seit der Revolution verboten. Doch so fromme Alkoholverweigerer sind viele der hier lebenden Muslime nun eben doch nicht. Und wenn man am Wochenende keine Disco hat, dann macht man sich eben eine fahrende im Auto und dreht die Musik auf bis das Auto vibriert.

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Qeshm Island

Von anderen Reisenden wissen wir bereits, dass wir für die Fährüberfahrt nach Qeshm eine Zollbescheinigung für Mr. Turtle benötigen. Wir fahren vor das Zollgebäude und noch bevor wir unsere Papiere zusammen gesucht haben, holt uns ein Zollbeamter am Auto ab. Das ist Service. Wir folgen ihm ins Gebäude und füllen für unsere Reise auf die Insel Dokumente aus. Dabei werden wir mit Obst und Wasser versorgt. Nach kurzer Zeit haben wir das Zolldokument und können zum Anleger weiterfahren. Die Überfahrt läuft für iranische Verhältnisse recht ruhig und geordnet ab und nach einer Viertelstunde sind wir bereits auf Qeshm.

Da unsere Wasservorräte ziemlich erschöpft sind suchen wir erst einmal eine Möglichkeit zum Auffüllen. Wir biegen in das erste Dorf ab und fragen uns mit einer leeren Wasserflasche durch die wenigen Menschen die sich in der Mittagshitze überhaupt draußen aufhalten. Ein paar Jugendliche lotsen uns zum zentralen Wasserhahn. Das Wasser ist gefiltert, fließt aber unendlich langsam aus dem Hahn. Zum Glück haben wir einen Schlauch, den wir am Hahn befestigen und müssen so nicht die ganze Zeit die Flaschen halten. Dabei bekommen wir auch Besuch von Einheimischen die interessiert in Mr. Turtle schauen.

Overlander-Treffen auf Queshm

Wir fahren weiter zum Treffpunkt. Eine Familie, die schon mal hier war, hat einen „secret spot“ für alle ausgesucht. Doch wir sind überrascht. So geheim ist der Platz nicht. In der Nähe eines kleinen Hafens können wir schon viele hunderte Meter vorher ein großes Wohnmobil und einen Jeep entdecken. Wir parken erst einmal oberhalb und stellen uns der Runde vor. Genau zur rechten Zeit. Christian, seine Frau und Ihre Kinder aus Rumänien und Frankreich, sowie die Spanier Jon und Nina mit ihrer Tochter Bianca sitzen beim Mittagessen. Wir werden direkt zum Mitessen eingeladen. Danach fahren wir Mr. Turtle die steile Rampe zu den anderen herunter. Wir stehen direkt oberhalb der Klippen. Erste Reihe am Meer. Auf einem europäischen Campingplatz wäre das unbezahlbar – und wahrscheinlich noch ein Zaun im Weg.

Im Laufe der nächsten zwei Tage füllt sich der Platz. Miguel und Elodie mit ihren beiden Kindern aus Frankreich, Fredrik und Line aus Dänemark sowie zwei Wohnmobile mit Argentiniern: das Pärchen Hannibal und Belen, sowie Hernando mit Paula und ihren beiden Kindern treffen am Lagerplatz ein. Auch eine iranische Familie, Freunde von der rumänisch-französischen Familie kommen übers Wochenende dazu. Am Tag vor Weihnachten gesellen sich dann auch noch zwei deutsche Radreisende dazu. Letzten Endes sind es mehr Familien mit Kindern als reisende Paare oder Singles. Das überrascht uns sehr.

Die Kleiderordnung im Camp ist sehr leger. Kurze Hosen, Badehosen, Bikinis und keine Kopftücher. Und auch im Meer Schwimmen gehen scheint kein Problem. Gelegentlich fahren ein paar Einheimische mit Abstand an unserem Camp vorbei. Aber selbst die iranische Familie geht mit uns schwimmen. Die Frau, Shabnam, trägt im Camp genauso wenig ihr Kopftuch wie alle anderen. Zweimal kommen Polizisten vorbei und wollen schauen, was los ist. Glücklicherweise sind sie aber Abends da und die Beamten warten auch am Rand unserer Wagenburg.

Christian hat einen Segelkatamaran dabei und dieser wird auch fleißig genutzt. Bei einem der Ausflüge entdecken wir zahlreiche Meeresschildkröten in einem gespannten Fischernetz. Es gibt zwar einen Ein- und Ausgang aber die Schildkröten scheinen aus diesem Gefängnis nicht herauszufinden. So beschließen wir die Schildkröten zu fangen und außerhalb des Netzes wieder freizulassen. Bewaffnet mit Schnorchel, Brille und wasserdichter Digitalkamera machen wir uns auf. Letztere sollte den Ausflug nicht überleben, da sie irgendwie nicht mehr wasserdicht ist. Wir fangen Schildkröten, zum Teil so groß wie ein Autoreifen und bringen sie aus dem Netz. Ich scheitere an der größten. Ich bekomme sie zwar an Ihrem Panzer zu fassen, doch ich habe keine Chance und sie zieht mich unter Wasser. Langsam geht mir die Luft aus und ich muss sie ziehen lassen. Wir retten insgesamt neun Schildkröten und genießen nebenbei noch den Anblick von Mantas, Baracudas, Krebsen und allerlei andere Fische unter Wasser.

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Weihnachten

An Heiligen Morgen ziehen wir los, um Fische für das Abendessen zu fangen. Neben einigen Baracudas fangen wir auch Krebse, einen Tintenfisch und einen Rochen. Letzterer erweist sich als einer der elektrisch geladenen Sorte. Als ich den Kescher mit dem Rochen auf das Boot hieve, bekomme ich einen Schlag. Um ganz sicher zu gehen, das ich mir das nicht eingebildet habe lange ich noch einmal hin. Und bekomme natürlich noch einmal einen Schlag. Vielleicht doch nicht das richtige Abendessen. Der Tintenfisch macht seinem Namen auch alle Ehre. Das Wasser färbt sich schwarz und auch als er bereits an Bord ist, spritzt er munter weiter. Christians Tochter bekommt eine Ladung ab und fängt an zu heulen, während wir uns vor lachen kaum halten können.

Zum Abendessen macht jede Familie ein für sie typisches Weihnachtsgericht. Und so findet sich ein recht vielseitig gedeckter Tisch. Neben deutschem Nudelsalat und Knoblauchbrot von Isi gibt es Tortillas aus Spanien, auf dem Feuer gegrilltes Hühnchen von den Argentiniern, mit Zucker gesüßte Kartoffeln aus Dänemark, süße Nachspeisen aus Frankreich und vieles mehr. Es wird ausgiebig geschlemmt und gefeiert. Später spielt Christians Frau am Lagerfeuer auf der Geige. Danach fangen Line und Fredrik an ein dänisches Weihnachtslied zu singen. Wir bilden eine Polonaise, laufen durch das Camp und tanzen um den kleinen Kunstweihnachtsbaum und versuchen die dänischen Wörter mitzusingen.

Abschied von der Reisefamilie

Am Tag nach Weihnachten herrscht große Aufbruchstimmung. Die Argentinier wollen die Insel verlassen, um an die pakistanische Grenze zu fahren. Christians Familie und die Franzosen wollen Neujahr in Dubai verbringen. Die Spanier im Iran überwintern, bevor es sie im Frühling Richtung Norden zieht. Auch wir packen. Gemeinsam mit Fredrik und Line wollen wir die Insel erkunden.

Chahkooh Canyon und Offroad-Abenteuer

Wir fahren zum Chahkooh Canyon. Dort wollen wir auf dem Parkplatz übernachten. Ein iranischer Radreisender schlägt neben uns sein Zelt auf und wir teilen das Abendessen. Am nächsten Tag machen wir vier eine Wanderung durch den Canyon und die Umgebung.

Zum Bericht im Outdoor-Tagebuch.

Am Ende der Wanderung entdecken wir eine wüstenartige Steppe, zu der wir später mit den Autos zurückkehren. Der Weg dorthin ist ein kleines Offroad-Abenteuer. Am Abend machen wir ein Lagerfeuer und die Dänen schlafen später in ihren Hängematten.

Als wir am nächsten Morgen unser Lager verlassen haben, nehmen wir anschließend noch eine Abkürzung zu der von uns angepeilten Hauptstraße. Wir profitieren davon, dass Fredrik und Line vor uns fahren. So können wir die Offroad-Verhältnisse besser einschätzen. Doch wenige Meter vor der Straße ist Schluss. Der Toyota Hilux hat es gerade über eine Mauer aus Sand geschafft. Mr. Turtle würde aufsetzen. Fredrik und ich machen uns gerade mit Schaufeln an die Arbeit die Mauer zu verkleinern, als plötzlich ein Auto anhält. Zügig steigen drei Männer in Militäranzügen aus. Jetzt gibt es Ärger, denken wir alle. Doch die Männer, kommandiert von ihrem Boss, schnappen sich unsere Schaufeln und wir dürfen zusehen, wie sie unser Werk vollenden. Auch ein Iraner hält noch an, um uns zu erklären, dass diese Straße absichtlich gesperrt ist, damit alle Touristen auf dem Weg zum Canyon durch das Dorf fahren und dort im Restaurant oder Supermarkt noch Geld liegen lassen.

Die Mangroove Wälder

Wieder auf der Hauptstraße steuern wir zwei der Anlieger zu den Mangroove Wäldern an. Wir fragen nach den Preisen für eine Bootstour. Für 700.000 Rial können wir eine 45-minütige Tour machen. Wir picknicken vor dem Anlieger und kurz vor Sonnenuntergang starten wir die Fahrt. Unser Kapitän kann kein Englisch und so bekommen wir leider keine Informationen zu der Natur- und Tierwelt. Wir können während der Fahrt aber viele Vögel beobachten.

Die Stadt Qeshm

Als Nächstes steuern wir Queshm an, die Hauptstadt der Insel. Wir dürfen auf einem Parkplatz vor dem Strand übernachten. Hier befindet sich ein Park und das Restaurant eines deutsch-iranischen Paares. Annelie bietet außerdem an gegen Gebühr bei ihr Wäsche zu waschen. Wir treffen uns zum Abendessen mit den LKW-Reisenden Teres und Johannes, die wir in Georgien kennengelernt haben. Sie sind ihrerseits mit einem deutschen Pärchen mit Kind unterwegs. Den nächsten Tag verbringen wir damit mehrere Maschinen Wäsche zu waschen und zu trocknen. Außerdem machen Isi und Line sich zum nächsten Einkaufszentrum auf. Die Insel ist dutyfree zone und Isi braucht dringend noch ein Kleidungsstück, das Iran-konform ist.

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Nach einer zweiten Nacht in Qeshm starten wir gemeinsam zur Fähre. Da das Wochenende gerade zu Ende geht, sind viele Iraner auf dem Heimweg ans Festland und es ist sehr viel los. Kontrolleure fotografieren unsere Pässe und das Nummernschild ab. Wieso verstehen wir nicht, aber wir haben längst gelernt, dass es uns nichts erleichtert immer alles zu hinterfragen. Also lassen wir sie machen. Auf der Fahrt zum Festland lernen wir eine iranische Familie aus Yazd kennen. Wir können es kaum glauben, aber die drei reisen auch mit einem ausgebauten Van. Der erste und einzige Camper, den wir im Iran zu Gesicht bekommen. Dieses Mal sind wir diejenigen, die sich einen Camper zeigen lassen. Und als wir am Festland ankommen, hat uns die Familie zu sich nach Yazd eingeladen. Wir wollen nun aber erst noch gemeinsam mit unseren Freunden in die Lut-Wüste, bevor auch sie sich nach Pakistan verabschieden.


Die Namen der Overlander vom Weihnachtsreffen bei facebook und instagram:

Fredrik und Line aus Dänemark: kompaskurs.com

Ion, Nina mit Tochter Bianca aus Spanien: viajarconveoveo

Belen und Hanibal aus Argentinien: Ciudadanos del mundo

Paula und Hernan mit Kindern aus Argentinien: Los López y el mundo

Elodie und Miguel mit Kindern aus Frankreich: Lesplemmobiles.com

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