Kerman und die Wüste Lut

Nach dem Urlaub auf der Insel wollen wir noch ein paar Tage mit unseren dänischen Freunden in der Lut Wüste verbringen. Doch als wir auf der Fähre ans Festland fahren fällt uns ein, dass wir etwas Wichtiges vergessen haben.

Unsere Visa laufen aus. Da wir sie in Georgien beantragt hatten, haben wir dort nur 30 Tage bekommen. In Deutschland wären wohl 90 Tage möglich gewesen. Wir sind am 5. Dezember eingereist und wollen über Neujahr mehrere Tage entspannt in der Wüste verbringen. Der 4. Januar fällt außerdem schon auf das persische Wochenende. Nach einer kurzen Recherche sind wir erleichtert. Wir können das Visum auch in Kerman verlängern. Wir sprechen mit Line und Fredrik ab, sie am nächsten Tag in Kerman zu treffen. Sie lassen sich mit der Fahrt mehr Zeit, während wir noch am selben Tag in der Stadt ankommen wollen, um direkt morgens zum Visabüro zu gehen.

Visaverlängerung in Kerman

Am nächsten Morgen starten wir mit etwas Verspätung zum Büro. Die Fahrt hat bis in die Nacht gedauert. Nachdem wir einmal um den Block gefahren sind, finden wir auch einen Parkplatz. Am Visabüro teilt man uns mit, dass wir zuerst einen Antrag ausfüllen müssen. Außerdem sollen wir schon zur Bank und die Gebühr bezahlen, etwa 7 Euro. Ein hilfsbereiter Afghane, der auch gerade sein Visum verlängert nimmt uns mit zur Bank, doch dort wollen sie den Antrag sehen. Wir laufen also zu dem genannten Copyshop, der zugleich auch Fotograf ist. Isi braucht Bilder mit Kopftuch und bekommt gratis dazu eine Bildbearbeitung, die sie wie 16 Jahre aussehen lässt. Der Mitarbeiter füllt außerdem auch die Anträge für uns aus. Wir hätten keine Chance gehabt, sie sind auf Farsi. Wir gehen noch einmal zur Bank, dieses Mal schickt uns der Mitarbeiter jedoch zu einer anderen Filiale. Nachdem wir alles erledigt haben, dürfen wir ins Visabüro. Man fragt uns, wie viele Tage wir verlängern möchten. Dann schickt man uns weg. In zwei Stunden sollen wir unsere Pässe abholen. Wir gehen einkaufen und bekommen unsere Pässe dann auch zur vereinbarten Zeit zurück.

Wüste Lut Kerman
Fahrt in die Wüste.

Fahrt in die Lut Wüste

Inzwischen ist es 14 Uhr und wir treffen Fredrik und Line in einem Park. Nach einem Mittagessen brechen wir in Richtung Lut Wüste auf. Es sind gute 100 Kilometer bis zu dem kleinen Ort Shahdad wo wir zur Sicherheit die Tanks auffüllen. Glücklicherweise lässt uns ein LKW vor und wir werden nicht all zu lange aufgehalten. Es dämmert bereits. Wir fahren die Straße noch ein paar Kilometer weiter bevor wir beschließen, etwas hinter einem Hügel versteckt, zu parken.

DSC00911

Wüste Lut Kerman
Schon wieder festgefahren.

Fredrik und ich schauen uns den Platz an. Der sandige Untergrund scheint größtenteils hart genug zu sein, um darauf zu fahren. Isi steuert Mr. Turtle auf die freie Fläche und bleibt abrupt stehen. Wir stecken fest. Der Sand ist zwar stabil genug, uns zu tragen, aber für die drei Tonnen Auto ist er es nicht. Wir versuchen Mr. Turtle frei zu fahren, versinken aber nur noch mehr im Sand. Da wir aber glücklicherweise hier campen wollen, haben wir es nicht eilig. Die anderen kümmern sich um Feuer und Abendessen und ich beginne gemütlich das Auto freizugraben. Der Erfolg ist eher minimal und so weihen wir unsere Sandbleche ein. Und sind begeistert. Die flachen Platten lassen sich leicht unter den Reifen schieben und haben einen echt guten Grip. Im Nu bin ich aus der Kuhle gefahren und stehe auf stabilerem Untergrund. Zeit das Feuer und das Essen zu genießen.

Erster Tag mit den Kaluts

Bei Tageslicht sehen wir, dass sich nur 20 Meter entfernt eine große, ebene Fläche mit hartem Untergrund befindet. Die haben wir im Dunkeln leider nicht gesehen. Unser nächstes Ziel sind die Kaluts, charakteristische Felsformationen der Wüste. Doch erst müssen wir zurück zur Straße. Und in einem unachtsamen Moment fahren wir uns gleich wieder fest. Mit erneuter Hilfe der Sandbleche  können wir schnell weiterfahren. Wir haben 30 Kilometer vor uns, bevor wir die Straße verlassen und ein Seitental der Kaluts ansteuern. Vorsorglich reduzieren wir unseren Reifenluftdruck bevor wir uns durch die Wüste wühlen. Es gibt einige knifflige Stellen, aber wir sind mal wieder über die Geländegängigkeit von Mr. Turtle erstaunt.

Ein paar Kilometer abseits der Straße finden wir eine schöne ebene Fläche auf der wir die nächsten Tage verbringen wollen. Endlich angekommen realisieren wir, dass wir kein Feuerholz eingepackt haben. Ein Blick in alle Richtungen bestätigt uns in der Ahnung, dass die letzten Bäume die wir gesehen haben, ein sehr weiteres Stück zurückstehen. So beschließen Fredrik und ich den Jeep auszuladen und noch einmal 30 Kilometer aus der Wüste herauszufahren, um Holz zu suchen. Als wir zurückkommen, haben wir einen Vorrat für die nächsten vier Tage dabei.

Wüstenleben

Wir verbringen sehr entspannte Tage in der Lut. Tagsüber ist es angenehm warm, abends heizt uns das Feuer ein. Die Dänen haben einen riesigen Wok im Gepäck und so fällt es uns leicht für vier Personen zu kochen. Wir geben alle Zutaten hinein und stellen ihn auf das Feuer. Tagsüber hängt jeder seinen Gedanken nach, wir lesen viel, gehen spazieren, die Mädels machen Yoga. Nach dem Studium eine Überlebenshelfers für die Wüste, graben wir sogar ein kleines Loch, decken es mit Folie ab und versuchen damit Wasser zu gewinnen. Aber die Lut ist offensichtlich zu trocken. Unser Versuch scheitert. Die Folie ist nicht einmal feucht.

Ein unerwarteter Besucher

An einem Abend bekommen wir Besuch von einem Wüstenfuchs. Das Tier ist offensichtlich ziemlich hungrig und durstig. Der Fuchs ist nicht scheu und nähert sich bis auf wenige Meter unserer Feuerstelle. Er schleicht immer wieder um unser Camp. Der Fuchs ist offensichtlich ein Gemüseliebhaber. Sowohl unsere alten Tomaten als auch Reste von Karotten und Bananen scheinen ihm zu bekommen. Und er trinkt gierig aus der Wasserschale die wir ihm hinstellen. Und am nächsten Abend besucht er uns gleich noch einmal.

Wüste Lut Kerman
Wüstenfuchs

Open Air Wüstenkino

Am Neujahrsabend kochen wir ein leckeres Chilli sin Carne. Die Zeit bis Mitternacht vertreiben wir uns mit einem Film am Lagerfeuer. Open Air Kino sozusagen. Ein paar Sekunden vor Zwölf erzählen uns die Dänen von ihrer Tradition in das neue Jahr zu springen. So sucht jeder einen etwas erhöhten Punkt. Isi findet auf die Schnelle nichts passenderes als meine Füße, um auf den Autoreifen zu kommen. So springen die drei in das neue Jahr. Ich bleibe in 2017 hängen.

Nach fünf Tagen in der Wüste packen wir zusammen. Gemeinsam fahren wir zurück nach Kerman, wo wir noch ein gemeinsames Picknick machen. Danach trennen sich leider unsere Wege. Fredrik und Line sind schon länger im Iran und fahren nun zur pakistanischen Grenze. Wir müssen als Nächstes den weiten Weg nach Teheran auf uns nehmen, um dort die Indien Visa zu beantragen.

Ein Kommentar zu „Kerman und die Wüste Lut

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s