Teheran Teil 1

Da wir das Indienvisum noch im Iran beantragen wollen, müssen wir in die Hauptstadt. Glücklicherweise haben uns dort schon iranische Freunde zu sich nach Hause eingeladen.

Bei der Deutschen Botschaft Teheran

Unsere erste Anlaufstelle in Teheran ist die Deutsche Botschaft. Wir hätten das Indien Visum gerne in Shiraz beantragt, doch als wir dort angerufen hatten, teilte man uns mit, wir bräuchten einen Brief von der Deutschen Botschaft. Was in diesem Brief stehen soll, konnte man uns dann aber nicht erklären. Und die Deutsche Botschaft war weder telefonisch, noch per E-Mail zu erreichen. Wir wollten nicht länger abwarten, denn das iranische Wochenende stand bevor. Jetzt ist vor der Deutschen Botschaft eine lange Schlange. Viele Iraner wollen ein Studentenvisum beantragen. Im Internet heißt es, dass bis 15:30 Uhr geöffnet ist. Es ist gerade kurz nach 15 Uhr. Und an der Tür stehen geänderte Öffnungszeiten. Um 15 Uhr ist Schluss. Ich bin genervt, dass wir wegen des Briefes überhaupt kommen müssen und bitte um Einlass. Wir haben Glück und dürfen am Schalter vorsprechen. Hier weiß man sofort, um welchen Brief es geht. Wir sollen ihn am nächsten Morgen abholen, der Konsul würde dann unterschreiben. Und wenn wir Glück haben, reicht ein Brief für uns beide. Pro Zettel macht das nämlich umgerechnet 25 Euro.

Zu Besuch bei Shabnam und Ali

Wir wechseln in derselben Straße noch Rial. Nach dem Raub in Yazd fehlt uns nun das Geld für das Indien Visum. Dann steuern wir das Haus an, indem Shabnam und Ali mit ihren Kindern leben. Wir haben die Familie bei dem Weihnachtstreffen auf Qeshm kennengelernt. Sie sind Freunde anderer Reisender. Und, weil sie so gerne Reisende treffen, wird ihr Kontakt gerne an Freunde weitergegeben. Uns haben die beiden persönlich eingeladen. Zum Wäsche waschen, duschen und natürlich um uns Teheran zu zeigen. Wir sind froh eine Anlaufstelle in der Stadt zu haben. Zum Glück finden wir sogar in ihrer Straße einen Parkplatz. In der Wohnung angekommen widmet sich Eini direkt dem Online Antrag für das Indien Visum. Und Shabnam möchte, dass wir gleich unsere Wäsche waschen. Auch nach dem gemeinsamen Abendessen – es gibt selbstgemachte Pizza – steckt Eini noch mitten in den Anträgen. Die Inder wollen alles ganz genau wissen. Obwohl ich ihm helfe, ist es ein Uhr Nachts, als wir endlich schlafen gehen. Und wir sind noch nicht fertig geworden … Wir können es uns im Wohnzimmer auf der Schlafcouch gemütlich machen. An der Straße stehen wir nicht gerade und es ist nachts in Teheran gerade auch sehr kalt.

Shabnam und ihre Kinder stehen dann aber auch schon um halb sieben auf. Wir stören uns nicht daran, denn obwohl wir sehr übermüdet sind, wollen wir die Anträge fertig machen, zur Botschaft, den Brief abholen und dann direkt zum Visabüro weiter. Shabnam besteht darauf uns zu begleiten.

Bei der Deutschen Botschaft ist wieder Hochbetrieb. Wir dürfen glücklicherweise an allen Antragstellern vorbeiziehen. Unser Brief ist fertig. Wir zahlen 25 Euro dafür, dass die Deutsche Botschaft der Indischen mitteilt, dass wir die Inhaber unserer Pässe sind. Und dann kommt der Konsul auch noch an den Schalter. Er fragt nach unseren Reiseplänen und rät uns, wie erwartet, von der Belutschistandurchquerung ab. Doch da wir das Visum für Pakistan schon haben, ist das glücklicherweise kein Problem für uns.


Information zum Pakistanvisum: Nach unserem Wissen brauchen Überlandreisende, die das Visum für Pakistan im Iran beantragen wollen, einen Brief von ihrer Botschaft. Diese muss ihnen darin erlauben, das Visum beantragen zu dürfen. Die Deutsche Botschaft Teheran stellt diesen Brief nur aus, wenn man mit einem Flugticket nachweist, dass man nicht über Land reist.


Das indische Visabüro

Nachdem wir mit dem Taxi zur Botschaft gefahren sind, setzen wir unseren Trip jetzt mit der Metro fort. Frauen und Männer nutzen hier getrennte Abteile. Frauen können aber in das Männerabteil. Bevor wir in das Visabüro gehen, müssen wir auf der noch schnell Passfotos machen lassen. Die Inder haben außergewöhnlich eigenwillige Maßstäbe, wie das Bild für den Antrag auszusehen hat. Auch dieser iranische Fotograf widmet der Bildbearbeitung eine ganze Weile. Dieses Mal können wir zuschauen und sind fasziniert. Nachdem wir beide verjüngt wurden und Eini zudem beim Computerfriseur war, laufen wir zum Visabüro. Wir müssen zunächst einer Sachbearbeiterin die ausgedruckten Anträge vorlegen. Sie findet prompt etwas, dass wir angeblich falsch ausgefüllt haben. Es handelt sich dabei aber um einen Punkt, der beim Online Antrag nicht mit einem Sternchen versehen war. Außerdem sollen wir angeben, dass die frühere Staatsangehörigkeit unserer Eltern Deutsch war, auch wenn das schon bei ihrer gegenwärtigen der Fall ist … Nachdem wir uns mit dem Antrag ohnehin schon die Nacht um die Ohren geschlagen haben, sind wir einfach nur noch genervt. Jetzt bekommen wir erstmal eine Nummer und sollen warten. Wir setzen uns in die Menge. Und warten. Und warten. Shabnam wird ungeduldig, denn die Kinder kommen bald aus der Schule. Sie fragt den Sicherheitsmann, wie lange es noch dauert. Und erfährt, dass aufgrund der Demonstrationen der vergangenen Tage das Internet immer noch sehr langsam ist. Und, dass wir heute wohl gar nicht mehr drankommen. Wir warten noch etwa weitere zehn Minuten, Shabnam fragt noch einmal und wir entscheiden zu gehen. Um 14 Uhr macht das Büro zu und es ist bereits kurz davor. Die Sachbearbeiterin am Schalter markiert nun ganz genau in den Anträgen, was wir „falsch“ gemacht haben. So können wir uns am selben Tag noch einmal hinsetzen und die Anträge „korrigieren“.

Den Nachmittag verbringen wir mit Shabnam und ihrem Sohn auf einem kleinen Bazar ums Eck. Außerdem versuchen wir uns etwas zu entspannen. Wir schlafen auch noch einmal in der Wohnung, schließlich wollen wir morgens um acht Uhr wieder bei der Visastelle auftauchen. Shabnam fährt uns am nächsten Morgen mit dem Auto. Heute dürfen nämlich alle Fahrzeuge,  deren Nummernschilder mit einer ungeraden Zahl beginnt, auf die Straße. Und wir haben Erfolg. Um neun Uhr haben wir die Anträge gemeinsam mit unseren Fingerabdrücken abgegeben und bezahlt. Unsere Pässe müssen wir auch dalassen. Wir können sie in sieben Werktagen abholen. Die beginnen aber natürlich erst am nächsten Tag. Nur eins ärgert uns: Nach dem 25 Euro Schreiben hat niemand gefragt. Wir fahren mit Shabnam zum Hyperstar, einem arabischen Ableger von Carrefour. Hier können wir Emmentaler kaufen. Shabnam freut sich immer darüber etwas aus der landestypischen Küche ihrer Gäste kennenzulernen und wir möchten für die Familie zum Dank Käsespätzle machen.

Treffen mit Farzan

Zum Mittagessen treffen wir uns mit einem weiteren Iraner. Von einer Freundin aus Deutschland habe ich den Kontakt von Farzan bekommen. Er hat uns im Vorfeld schon geholfen, einen VPN Client auf unseren Geräten zu installieren. Jetzt lernen wir uns endlich persönlich kennen. Wir verstehen uns so gut, dass Farzan seine Mittagspause verlängert und uns noch zum neugebauten Book Garden bringt. Hier gibt es ein „VW Bus Café“. Wir schlendern noch auf die Tabiat Brücke und genießen die Aussicht auf Teheran. Inzwischen ist es schon wieder richtig kalt geworden.

Am Abend sind Shabnam und Ali begeistert beim Kochen dabei. Auf der Suche nach einem Ersatz für eine Spätzlespresse werden sie richtig kreativ. Shabnam ist nämlich leidenschaftliche Bäckerin und einer ihrer Spritzbeutel stellt sich als würdiger Ersatz heraus. Das Ergebnis schmeckt dann auch allen richtig gut.

Am nächsten Tag nehmen wir noch den Weg zur indischen Botschaft auf uns. Im Visabüro hat man uns mitgeteilt, dass dort vorzusprechen die einzige Chance sei, den Antragsprozess zu beschleunigen. Noch können wir uns nicht vorstellen, so lange in Teheran zu bleiben und wollen alles tun, was uns helfen könnte, schneller weiterzureisen. Als wir bei der Botschaft ankommen, lässt man uns dort einen Brief aufsetzen, in dem wir unser Anliegen begründen sollen. Das Einzige was wir jetzt noch tun können, ist in ein paar Tagen anzurufen und nachzufragen, ob es etwas Neues gibt.

Zurück in der Wohnung lassen wir uns Alis Rasierer geben. Einis Friseurbesuch ist lange überfällig und so probiere ich mich als Friseurmeisterin aus. Das Ergebnis kann sich dann sogar sehen lassen. Damit es nicht zu perfekt wird, rasiere ich im letzten Moment noch etwas zuviel an einer Seite weg. Gegen Abend packen wir unsere Sachen zusammen. Es ist Mittwoch, also Freitag im Iran. Wir sind zusammen mit Farzan und seiner Freundin Shirin bei Amir und Zohre zum Abendessen eingeladen. Auch ihren Kontakt haben wir von meiner Freundin. Die beiden sind Mountainbiker und wir haben ausgemacht am Wochenende zusammen in die Berge zu fahren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s