Teheran Teil 2

Ungeplant verbringen wir eine Woche bei unseren neuen iranischen Freunden Zohre und Amir in Teheran. Was als Indien-Visa-Zwangsstopp begonnen hat, erweist sich für uns als glückliche Fügung. Kulinarische Höhepunkte inklusive.

Gemeinsam mit Farzan und seiner Freundin Shirin sind wir am Mittwochabend – Freitag im Iran – bei Zohre und Amir zum Abendessen eingeladen. Als wir später ins Bett gehen wollen, richten die beiden ihr Arbeitszimmer für uns her. Wir sollen in der Wohnung schlafen. Mr. Turtle war zwar leider zu hoch für die sichere Tiefgarage, doch die Wohngegend ist ruhig und so machen wir uns keine Sorgen ihn vor dem Haus allein zu lassen.

Sport und Essen in Teheran

Am nächsten Morgen nimmt mich Zohre mit in eines der laut ihr teuersten Fitnessstudios Teherans. Sie arbeitet dort als Trainerin. Ich hatte ihr am Vortag mein Leid geklagt, in letzter Zeit kaum die Gelegenheit für Sport gehabt zu haben. Und sie verspricht mir: „I will kill you“. Dann bin ich auch schon mitten in einer Gymnastikgruppe von Frauen mittleren Alters und folge Zohres Anweisungen. Da die allerdings auf Farsi sind, muss ich oft erstmal schauen, was die anderen so machen und komme mir vor wie ein Hampelmann. Körperlich fühle ich mich wie eine alte Oma. Zohre hat nicht zu viel versprochen und ich bin erledigt, als wir wieder nach Hause fahren.

Da das für heute geplante Sportprogramm noch nicht beendet ist, muss ich mich mit einer kleinen Pause begnügen. Die Jungs warten schon ungeduldig auf mich. Wir wollen noch mit Amir und Freunden von ihm Biken gehen. Zohre hat leider noch einen Kurs. Wir fahren Amirs Auto hinterher in Richtung Berge. Nach etwa einer halben Stunde sind wir in einem Vorort von Teheran. Die vielen protzigen Villen zeigen gleich, dass hier hauptsächlich die Reichen wohnen, die dem Smog der Stadt entkommen wollen. Wir erfahren später von Amirs Freund, dass eine der neugebauten Villen an der wir vorbeikommen einem iranischen Fußballer gehört, der für Bayern München gespielt hat. Und das Anwesen sei nur als sein Wochenenddomizil gedacht. Wir bekommen kaum den Mund zu, während wir an den vielen teuren Häuschen vorbei radeln.

Nach einem leckeren aber schnellen Frühstück starten wir am Freitagmorgen – Sonntag im Iran – früh in die Berge. Dieses Mal treffen wir eine Gruppe Mountainbiker, die auch Zohre und Amir nicht kennen. Sie haben jedoch gemeinsame Freunde. Zusammen machen wir eine schöne Tour, wenn auch leider wieder die Abfahrt nicht so war, wie wir sie uns gewünscht hätten. Aber wir sind froh, um diese Jahreszeit in Teheran überhaupt noch Bike gehen zu können. Überraschenderweise nutzen fast alle Teheraner Frauen die Berge, um sich des Kopftuches entledigen zu können. Wir sehen Viele, bei denen genau das der Fall ist.

Zum Mountainbike-Beitrag im Outdoor-Tagebuch.

Am Nachmittag danken wir Zohre und Amir für ihre Gastfreundschaft. Wir erzählen von unserem Plan, für ein paar Tage aus der Stadt zu fahren. Eini will einen Ölwechsel machen und das Auto durchchecken. Er hat keine Lust, auf Leute, die um ihn herumstehen, wenn wir dafür in einen Stadtpark fahren. Doch Amir und Zohre bestehen darauf uns weiter zu beherbergen. Und so bleiben wir. Eini widmet sich am nächsten Tag in der sonnigen Nebenstraße dem Ölwechsel. Ich gehe noch einmal mit Zohre ins Fitnessstudio. Dieses Mal gibt sie zwei Kurse hintereinander, die ich beide mitmache. Erst  Pilates und dann wieder Gymnastik.

Mr. Turtles Wehwechen

Als wir zurückkommen ist Eini immer noch draußen am Bus. Es gibt schlechte Nachrichten, beide innere Achsmanschetten sind kaputt. Zum Glück hat er Ersatz aus Deutschland dabei. Doch um die alte Manschette von der Antriebswelle zu bekommen, fehlt ihm ein Werkzeug. Zusammen mit Zohre findet er eine Werkstatt ums Eck, die ihm helfen kann. Die zweite Seite macht er am nächsten Tag, während Zohre mir einen Bazar und ihren Lieblingskonditor zeigt. Kleine Tortenstücke und Gebäcke sind im Iran sehr beliebt. Überall gibt es Konditoreien. Die Einkäufe bekommt man in eine Pappschachtel gestapelt.

 

Am Abend kommen zwei Freundinnen von ihr vorbei, denen sie einen Privatkurs gibt. Ich darf wieder mitmachen und so machen wir Gymnastik in der Wohnung. Nachdem Eini sich die letzten Tage nicht so fit gefühlt hat, macht mein Immunsystem dann am nächsten Tag auch schlapp.

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Reisepause in einer richtigen Wohnung.

Obwohl ich noch nicht wieder fit bin, treffen wir am Dienstagabend Farzan und Shirin. Die beiden machen mit uns einen Ausflug an den Stadtrand. Leider haben sie uns vorher nicht erzählt, wohin es geht und obwohl es an der Talstation der Tochal -Bergbahn auf 1925 Metern über dem Meer eine wunderschöne Aussichtsplattform auf die Stadt gibt, ist mir in meinen dünnen Schuhen einfach nur kalt. Zum Glück haben wir wenigstens Daunenjacken an.

Fast zur Entschädigung, dass sie mich krank auf den Berg hergebracht haben, fahren wir anschließend noch in ein Restaurant in der Stadt. Farzan hat im Vorfeld angekündigt, die besten Restaurants Teherans zu kennen. Und wir sind vom leckeren Essen und der antiken Einrichtung begeistert. Neben uns feiert ein Pärchen gerade seinen Geburtstag. Plötzlich steht das „Geburtstagskind“ mit seiner Torte in der Hand an unseren Tisch und schiebt uns mehrere Stücke auf den Teller. Auch die anderen Gäste im Restaurant dürfen sich bedienen. Im Iran nichts unübliches, wie wir von Farzan und Shirin erfahren. Und dass die Iraner gerne teilen, haben wir ja auch zuvor schon erlebt. Es ist schon spät, als uns die beiden „nach Hause“ bringen.


Unsere kulinarischen Empfehlungen für Teheran:

Restaurant: Das toll eingerichtete Ace Café mit Terrasse. In der Galerie im Erdgeschoss ist eine Ausstellung.

Bäcker: Die Sahar-Bakery-Kette, bei der man auch „braunes „Brot kaufen kann.  Nach wochenlangem Weißbrotverzehr eine Wohltat für den Magen.

Konditor: Cook Pastry. Wir haben viele ausprobiert und der Lieblingskonditor von Zohre ist jetzt auch unserer.


Sightseeing Teheran

Am nächsten Morgen wissen wir dann, wieso es auf dem Berg so kalt war. Es hat geschneit.  Zohre  begleitet uns in die Stadt. Wir besichtigen den Golan Palast. Der Eintritt kostet 300.000 Rial (etwa 6 Euro) pro Person. Wir gönnen uns diese Sehenswürdigkeit. Sind aber fast froh, dass das anscheinend sehr sehenswerte Jewellery Museum heute geschlossen hat. Anschließend laufen wir noch über den Bazar. Dann führt Zohre uns in ein beliebtes typisch iranisches Restaurant in der Nähe. Die Schlange reicht die Treppe hinunter und bis vor den Laden. Drinnen ist es laut und voll bis auf den letzten Platz. Wieder erwartet uns Kantinenatmosphäre. Beim Herausgehen bemerken wir, dass eine Frau an der Treppe anscheinend den Job hat, die von unten anstehenden Leute die letzte Treppenstufe hochzuschubsen und die von oben gehenden hinunterzudrücken.

Einkaufen und Abschied nehmen

Am Donnerstag fahren Eini und ich Einkaufen. Wir haben vergessen, dass für die Iraner Samstag ist und dementsprechend viel los auf der Straße und in der Gemüsehalle. Auch im Supermarkt brauchen wir lange, denn die Preise stehen im Iran typischerweise nicht am Regal, sondern sind auf jedem Produkt aufgedruckt. Und zwar kaum leserlich und natürlich in persischen Zahlen. Später fahren wir mit der Metro in die Stadt, um unsere Pässe mit den Indien Visa abzuholen. Zum Glück hat damit alles reibungslos geklappt. Für den Abend haben wir Farzan und Shirin eingeladen. Wir kochen zum Abschied für alle Chili sin Carne.

Der Abschied von Zohre und Amir fällt uns am nächsten Tag sehr schwer. Wir haben die beiden als Freunde sehr lieb gewonnen und wissen nicht, wann wir uns wiedersehen werden. Es berührt uns sehr, dass auch die zwei scheinbar gar nicht so froh darüber sind, ihre Wohnung jetzt wieder für sich allein zu haben. Für uns geht die Reise an diesem Tag noch bis Esfahan weiter.

 

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