Roadtrip nach Isfahan, Persepolis und Shiraz

Auf unserem Roadtrip zur pakistanisch-iranischen Grenze in Zahedan machen wir noch mehrere Stopps. Wir wollen das Land nicht verlassen, ohne Isfahan, Persepolis und Shiraz besucht zu haben.

Isfahan

Obwohl wir erst am frühen Nachmittag in Teheran losgekommen sind, schaffen wir es bis zum Abend nach Isfahan in einen Park am Stadtrand. Für unsere Sightseeingtour fahren wir am nächsten Morgen in Richtung Zentrum und parken am, leider ausgetrockneten, Zayandeh Fluss. Von dort laufen wir zur berühmten Si o Seh, der 33-Bogen-Brücke und weiter in Richtung Zentrum. In einem schönen Park machen wir vor dem Hasht-Behesht-Palast Mittagspause. Es gibt die Reste des Chilli sin Carne. Neben uns auf den Bänken sitzen Iraner und genießen wie wir den Sonnenschein. Als wir weiterlaufen kommen wir an mehreren Schachtischen vorbei, an denen ältere Leute spielen.

Weiter geht es in das historische Zentrum zum Naqsh-e Jahan Square, auch Imam Square genannt. Der Platz aus dem 16. Jahrhundert gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Hier befinden sich auch der Ali Qapu Palast, die Imam-Moschee und die Sheikh Lotf Allah Moschee. Da aber leider alle Gebäude wie überall 200.000 Rial (umgerechnet etwa 4 Euro) pro Person Eintritt kosten, spazieren wir nur über den Basar. Auch den Eintritt für die am nordöstlichen-Ende des Basars gelegene Jami Moschee sparen wir uns. Mit müden Füßen schleppen wir uns zu Mr. Turtle zurück. Der Zauber den diese iranische Stadt für gewöhnlich auf Bildern versprüht ist uns leider verborgen geblieben.

Die folgende Nach verbringen wir auf einem Parkplatz unterhalb des Sofeh Berges auf 1800 Metern über dem Meer. Der Sofeh thront markant über Isfahan und so haben wir einen schönen Blick auf die Stadt. Plötzlich bricht ein Schneesturm über uns herein und in den nächsten Stunden kommen viele Iraner, fahren mit ihren Autos und quietschenden Bremsen im Kreis über den Parkplatz oder machen eine Schneeballschlacht. Zum Kochen bleiben wir bei dem Wetter lieber im Bus. Als wir schlafen wollen, parkt mal wieder eine fahrende-Disco neben Mr. Turtle. Wir haben uns immer noch nicht daran gewöhnt, dass die Iraner sich nicht in Bars und Clubs austoben können. Auf den Parkplätzen von Parks ihre Runden zu drehen und dabei laute Musik zu hören ist eine der Möglichkeiten für sie, sich außer Haus zu vergnügen. Zum Glück ziehen unsere lauten Nachbarn aber bald ab.

Am nächsten Morgen schauen wir uns noch die Vank Kathedrale im armenischen Viertel Jolfa an. 1605 hat der damalige safawidische Herrscher Persiens die Zwangsumsiedlung tausender Armenier hierher beschlossen. Sie benannten die Vorstadt, in der sie sich angesiedelt hatten nach der Stadt Jolfa, aus der die Meisten von ihnen stammten, und die heute in der Provinz Ost-Aserbaidschan im Iran liegt. Von Außen sieht die Kathedrale eher wie eine Moschee als eine Kirche aus. Im Innern ist sie sehr bunt und Wände und Decke sind voll gemalt mit Bildergeschichten aus der Bibel. Neben der Kathedrale ist ein Museum, dass an den Völkermord der Armenier erinnert und in dem jahrhundertealte Bibeln ausgestellt sind. Da wir uns in Jerevan bereits ausgiebig mit dem Völkermord beschäftigt haben, verlassen wir das Gelände bald und fahren in Richtung Persepolis weiter.

Persepolis

Wir erreichen Persepolis im Dunkeln. An der Straße vor dem Eingang parken einige Autos, neben denen die Leute mal wieder Feuer und Picknick machen. Für uns inzwischen ein vertrauter Anblick. Daneben liegt ein kleines Waldstück. Wir biegen dahinter auf eine freie Fläche ab. So können wir etwas abseits der Straße parken. In der Nacht ist es wieder kalt. Umso überraschter sind wir am nächsten Tag, als es Mittags ziemlich heiß wird. Wir verbringen mehrere Stunden in den Ausgrabungen der antiken Stadt Persepolis. Eine, vermutlich chinesische Reisegruppe, fängt plötzlich etwas oberhalb im Gelände an zu singen. Wir vermuten es ist ein Chor auf Reisen, denn die Gruppe hört gar nicht mehr auf.  Bald schauen die meisten Besucher zu ihnen hoch. Doch von den Verantwortlichen scheint es niemanden zu stören und so singt die Gruppe noch, als wir Persepolis schon wieder verlassen.

Persepolis
Die Ausgrabungsstätte von Persepolis von oben.

Als wir später am Bus kochen, kommt ein Pärchen auf uns zugelaufen. Janine und Fridolin reisen auch mit einem Van, haben aber zwei Kilometer weiter bei einem Hotel geparkt. Die beiden sind gerade auf dem Weg nach Teheran. Leider bleibt es nur bei einer kurzen Begegnung, denn es ist nach Sonnenuntergang schnell kalt und wir verabschieden uns. Eigentlich wollten wir noch bis Shiraz weiterfahren. Doch wir beschließen, die Nacht lieber noch einmal an diesem ruhigen Platz zu verbringen, statt wieder in einer Stadt.

Shiraz

Mr. Turtle wartet auf einem bewachten Parkplatz, während wir unser Sightseeing-Programm in Shiraz abspulen. Wir geben nun doch noch 200.000 Rial für die Nasir-ol-Molk-Moschee aus. Sie wird auch pinke Moschee genannt, da sie bekannt für ihre bunten Glasfenster ist. Am frühen Morgen fällt das Licht in einem besonderen Winkel durch die Scheiben. Überall heißt es, diese Moschee müsse man gesehen haben. Doch wir können das nicht so weitergeben, vor allem nicht bei dem Preis. Bis auf die bunten Scheiben ist die Moschee in unseren Augen nichts Besonderes. Das Geld hätten wir im Nachhinein lieber für etwas anderes investiert.

Anschließend besichtigen wir das Shah-e Cheragh Mausoleum, eine der heiligsten Stätten im Iran, die viele Pilger anzieht. Ausländische Touristen dürfen umsonst hinein, bekommen aber einen Führer gestellt. In unserem Fall ein Mädchen Ende 20, die das hier als Freiwilligenarbeit macht. Sie trägt einen schwarzen Tschador und organisiert mir ebenfalls einen. Denn ohne Tschador darf keine Frau auf das Gelände. Ich bekomme als Tourist jedoch ein weißes „Bettlaken“.

Shah-e Cheragh
Shah-e Cheragh.

Wir müssen unsere Tasche und Kamera abgeben. Das Handy können wir aber kurioserweise  zum Fotografieren mitnehmen. Touristen dürfen sowieso nur den Innenhof ansehen. Mein Tschador rutscht regelmäßig vom Kopf und unsere Führerin zieht ihn mir immer und immer wieder zurecht – und dabei auch an meinen Haaren.

Anschließend schauen wir uns auch in Shiarz noch den Basar an. Ein junger Mann läuft mit seiner elektronischen Geige herum, begleitet von einem Trommler. Eine ältere Frau ist von der Musik der beiden so begeistert, dass sie mitten im Basar anfängt zu tanzen. Zum Glück hat das die Sittenpolizei nicht gesehen. Tanzen ist im Iran verboten.

Nachmittags verlassen wir Shiraz in Richtung Maharloo Salzssee. Hier machen wir uns ein spätes Mittagessen. Und stellen fest, dass es auf der anderen Seite der Stadt noch einen Hyperstar, eine Mischung aus dem französischen Carrefour und einem arabischen Supermarkt, gibt. Und wir wissen, dass es dort vernünftiges Brot zu kaufen gibt, das wir sonst nirgendwo bekommen. So entscheiden wir spontan, „noch schnell“ dorthin zu fahren. 20 Minuten später stecken wir mitten im Stadtverkehr und stehen im Stau. Die Fahrt zum Hyperstar dauert unverhältnismäßig lange. Endlich angekommen fahren wir  zu einem der Parkhauseingänge. Wir fragen nach, ob die Höhe von Mr. Turtle in Ordnung ist, da es keine Schilder gibt. Der Wärter nickt. Und so fahren wir eine steile Rampe hinunter. Eini hat kein gutes Gefühl und zum Glück werden wir noch von einem Parkwächter begleitet, der uns dann auch klar das Zeichen gibt: Das passt nicht. Und so müssen wir mitten auf der Rampe rückwärts bergauf anfahren. Eini hat sich schon wohler gefühlt, meistert die Situation aber glücklicherweise. Die Parkplatzwächter finden dann in einem anderen Bereich noch einen passenden Stellplatz und wir können einkaufen gehen.

Während wir im Hyperstar vor den Regalen stehen, quatscht mich ein Iraner an. Als er erfährt, dass wir aus Deutschland kommen, kommt er aus dem Komplimente machen gar nicht mehr heraus. Das Gespräch mit einem der unsympathischsten Menschen, die wir im Iran getroffen haben, verläuft ohne, dass ihn etwas anderes interessiert hätte, ziemlich genau so: „German is an ugly language is it?“ – „Well, if you say so, I don’t know, I’m German …“ – „Say something in German“ – Ich tue wie befohlen, seine Reaktion darauf: „Yeah, it is ugly. And German people are very cold!“ – „Well, if you say so, I cannot tell you, I am German …“.

Durch den gleichen Stau, durch den wir gekommen sind, müssen wir uns dann auch noch zurück kämpfen. Eigentlich wollten wir einen ruhigeren Stellplatz direkt am See suchen. Doch in der Dunkelheit finden wir nun die Straße nicht, die dorthin führt. So übernachten wir an unserem Rastplatz vom Nachmittag, der leider sehr nah an der Straße liegt. In der Nacht ist es dennoch überraschend ruhig.

Am nächsten Morgen finden wir dann direkt einen der vielen Wege, die an den See führen. Auf dem Weg dorthin bleiben wir in einem matschigen Stück Weg stecken und müssen uns erst einmal wieder freischaufeln. Doch es lohnt sich. Wir haben am Ufer freie Platzwahl und bis auf ein paar Bauern in der Ferne sind keine Menschen um uns herum. So sind die Bikes in Ruhe aufgebaut und wir starten unsere Tour.

Zur Mountainbike-Tour am Maharloo See im Outdoortagebuch.

 

Nach der Rückkehr sind wir froh, aus allen Wasserflaschen gerade noch genug für eine Dusche zusammenzubekommen. Wir sind beide müde und erledigt. Am nächsten Morgen sind wir dafür mit dem Sonnenaufgang wach und können entspannt den Tag beginnen, bevor wir ein weiteres Mal nach Kerman aufbrechen.

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