Bam und die iranisch-pakistanische Grenze in Zahedan

Wir fahren noch einmal nach Kerman, besuchen die berühmte Lehm-Altstadt von Bam und erreichen schließlich die pakistanische Grenze im iranischen Belutschistan. 

Kerman

Dieses Mal erleben wir ein ganz anderes Landschaftsbild, da wir das letzte Mal Kerman von Bandar Abbas aus angesteuert haben. Diese Route ist noch einmal bergiger und wir überqueren einen Pass. In Kerman steuern wir den Park an, indem wir schon bei unserem letzten Besuch zwei Nächte verbracht haben. Wir haben zwar die Einladung der nette deutsch sprechenden Iranerin nicht vergessen, jedoch wollen wir beide einfach schnell an die Grenze kommen. Am nächsten Morgen kaufen wir noch einmal in einem Supermarkt ein und geben dabei unsere letzten Rial aus. Für die Belutschistandurchquerung wollen wir genug Lebensmittelvorräte dabei haben. Erst als wir zu einer Wechselstube wollen, um Dollar in Pakistanische Rupien zu wechseln, wird uns bewusst, dass heute Freitag ist – Sonntag im Iran. Alle Wechselstuben haben geschlossen. Wir ärgern uns, denn der Kurs in Kerman soll besser sein, als in Zahedan. Unverrichteter Dinge fahren wir nach Bam weiter.

Bam

Dort angekommen, steuern wir einen Park an. Es ist viel los, denn die Einheimischen genießen ihren freien Tag hier. So ernten wir mal wieder einige neugierige Blicke, als wir anfangen zu kochen. Eine Frau schenkt uns eine Tüte voller Orangen aus Bam und so ist der Nachtisch auch schon gesichert.

Nachts weckt uns dann plötzlich ein Geräusch. Jemand klopft voller Inbrunst an den Bus. Ein Blick auf die Uhr verrät uns, dass es erst eins ist. Die Person klopft ungefähr eine Minute lang immer wieder. Mein Herz schlägt bis zum Hals. Erst vor wenigen Tagen haben uns Janine und Fridolin von einem Paar erzählt, das in der Nähe der irakischen Grenze ausgeraubt wurde. Das ist zwar sehr weit weg von hier, dennoch muss ich nun daran denken und mein Adrenalinpegel steigt. Wir bleiben still. Als Eini versucht durch die Fenster zu sehen, sieht er dann auch nur noch ein Auto davon fahren. Ob hier nur jemand neugierig war und sehen wollte, ob tatsächlich Leute im Auto liegen? Ob jemand vielleicht schauen wollte, ob sich etwas bewegt oder, ob es sicher ist einzubrechen? Oder, ob es ein Polizist in Zivil war? Wir wissen es nicht. Eines ist aber sicher, einschlafen kann ich so bald nicht mehr. Es ist der erste nächtliche Zwischenfall dieser Art auf der Reise.

Die Altstadt von Bam

Am nächsten Morgen wollen wir Geld wechseln. Denn wir wollen auch noch die Altstadt ansehen und haben nicht mehr genug Rial für den Eintritt. Schnell stellen wir fest, dass es in Bam keine Wechselstube gibt. Und nur zwei Banken sind bereit Dollar in Rial zu wechseln. Zu einem schlechteren Kurs als in einer Wechselstube natürlich.

Mit dem Geld können wir nun die 400.000 Rial Eintritt für die Altstadt bezahlen. Sie ist eine der ältesten aus Lehm gebauten Städte der Welt. Und Bam war eines der wichtigsten Touristenziele im Iran. Doch ein schweres Erdbeben hat die Altstadt 2003 leider großteils zerstört. Daraufhin wurde sie UNESCO Weltkulturerbe und dieser Status und vor allem der finanziellen Unterstützung Deutschlands ist es zu verdanken, dass die Stadt weitestgehend wieder aufgebaut werden konnte. Wir spazieren durch die Lehmgasse und plötzlich zieht uns einer der Handwerker in einen Raum und lässt uns dort zum Hinterausgang einen Teil sehen, der gerade scheinbar noch für Touristen gesperrt ist.

Als wir von dort weiterlaufen entdecken wir einen anderer Handwerker, der gerade dabei ist die Decke in einem Raum neu mit Lehm zu beschichten. Wir schauen ihm ein bisschen zu und steigen dann bergauf zu der kleinen Festung. Leider ist sie nicht für Touristen geöffnet und die Terrasse, auf der unser Weg endet ist von einem großen hässlichen Zaun eingerahmt. Wir fragen uns, ob  man das nicht auch anders hätte absichern können und steigen die Treppe enttäuscht wieder hinunter. Von dieser hat man immerhin eine tolle Aussicht auf die alte Stadt und auch auf das moderne Bam, das eingerahmt von Dattelbäumen eine Oase in der umliegenden Wüste ist.

Zurück am Bus, versuchen wir dann noch echte Bam Datteln zu finden. Die Stadt ist dafür zwar sehr bekannt, doch die Datteln sind wohl hauptsächlich für den Export gedacht. Nachdem wir in mehreren kleinen Shops nichts finden, nehme ich eine alte Dattelschachtel und halte sie im nächsten Laden dem Verkäufer unter die Nase. Der führt mich daraufhin ans Gefrierfach und zieht von ganz unten eine eingefrorene Packung hervor. Auf der steht jedoch nicht, dass es sich wirklich um Bam Datteln handelt. Aber der Verkäufer versichert es mir und den Unterschied würden wir sowieso nicht schmecken.

Zahedan – Hauptstadt der Provinz Sistan und Belutschistan

Später als geplant starten wir nun nach Zahedan und somit in den iranischen Teil Belutschistans. Wir fahren durch eine karge Wüstenlandschaft. Schon vor der Stadt hält man uns an der Polizeikontrolle an. Wir sind verunsichert. Haben aber gelesen, dass in unruhigeren Zeiten Touristen schon ab Zahedan eskortiert werden. Doch man will lediglich unsere Passdaten in einem Buch eintragen. Das heißt: ich werde dazu verdonnert im Auto zu bleiben und Eini soll das erledigen. Uns ist etwas mulmig als wir schließlich die Stadt erreichen, denn die Hauptstraße führt erst einmal mitten durch den Slum. So viel Armut sehen wir nach zwei Monaten im Iran zum ersten Mal. Doch mitten in der Stadt geht alles dann wieder relativ normal vor sich. Wenn es doch auch chaotischer ist, als in den meisten anderen Städten, in denen wir waren.

Da die Sonne gerade untergegangen ist, fällt es uns schwer die Wechselstube zu finden, die in der iOverlander App eingezeichnet ist. Als wir schließlich dort sind, gibt es keine Pakistanischen Rupien mehr. Wir ärgern uns und probieren eine zweite Wechselstube. Doch auch hier haben wir kein Glück. Immerhin können wir noch einmal Dollar gegen Rial wechseln. Doch der Wechsler versucht gleich Eini auszutricksen und gibt ihm nur 100.000 Rial statt einer Million. Auf seinen „kleinen Fehler“ hingewiesen, spricht er plötzlich kein Englisch mehr, rückt aber das fehlende Geld heraus. Angeblich soll es noch eine dritte Wechselstube gleich in der nächsten Straße geben, doch wir finden sie nicht. Auf eine Empfehlung unserer dänischen Freunde wollen wir in einem Restaurant ein letztes Mal iranisch essen. Als wir endlich einen Parkplatz gefunden haben und sich unsere Laune angesichts des anstehenden Abendessens aufhellt, erfahren wir, dass es Samstags geschlossen hat.

Zurück am Auto wollen wir erst einmal an den Stadtrand zu der scheinbar einzigen Dieseltankstelle. Auf dem Weg dorthin winkt uns ein junges Pärchen in ihrem Auto zu und gestikuliert mit den Händen, dass sie ein Selfie mit uns machen wollen. Wir sind gnädig und halten an. Die beiden sprechen zwar kein Englisch, sind aber scheinbar überglücklich, als sie mit den Fotos im Handy weiterfahren. Als wir uns der Tankstelle nähern befürchten wir schon Schlimmes, denn etwa einen Kilometer vorher reiht sich auf dem Seitenstreifen ein LKW an den anderen. Und tatsächlich, alle LKWs stehen für den Diesel an. Wir fahren direkt auf das Gelände und fragen nach, was los ist. Leider spricht niemand Englisch, aber wir erfahren trotzdem, dass es keinen Diesel mehr gibt! Aber Nachschub ist angeblich unterwegs. Wann der kommen soll schreibt man uns auf einen Zettel: um acht Uhr. Wir sollen uns direkt vor den ersten wartenden LKW an die Zapfsäule stellen, damit wir als Erste tanken können. Da es schon halb acht ist, hoffen wir, dass der Nachschub pünktlich kommt. Während wir Warten zapfen wir noch gefiltertes Trinkwasser aus dem Kanister vor der Tankstelle. Der LKW mit dem neuen Diesel ist überraschend pünktlich. Und wir haben schon ausgespäht, dass wir auf dem Tankstellengelände einen ruhigen und sicheren Schlafplatz haben können. Alternativ wären wir zurück in die Stadt zu einem Hotel gefahren. Doch so können wir nach dem Tanken direkt Kochen und ins Bett gehen.

Ausreise aus dem Iran

Am nächsten Morgen stehen wir um sechs Uhr auf. Bis zur Grenze sind es noch ungefähr 80 Kilometer. An der Grenze zieht sich das Prozedere dann jedoch in die Länge. Wir haben Glück, denn Hamid, ein offiziell engagierter Touristenhelfer unterstützt uns beim Papierkram. Da an dieser Grenze noch weniger Englisch gesprochen wird, als anderswo sind wir sehr froh darüber. Uns ist schließlich nicht einmal klar, wo es denn nun nach Pakistan weitergeht.

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Das Bild sagt alles.

Wir stehen vor einem abgeschlossenen Tor, durch das wir nun anscheinend erst noch durchfahren sollen. Es dauert jedoch einige Minuten, bis Hamid jemanden findet, der den Schlüssel dafür hat. Und dann ist es schließlich der Putzmann, der seinen Eimer beiseite stellt und aus seiner Tasche einen Schlüsselbund hervorkramt. Und einer seiner Schlüssel passt tatsächlich. Hinter dem Tor kontrolliert der Zoll. Die meisten LKW-Fahrer lassen hier zuviel getankten Diesel ab. Auch uns fragt man nach „Extra-Diesel“. Wir verneinen und legen das Carnet de Passage vor. Der Zollbearbeiter wirft nur einen flüchtigen Blick in unseren Innenraum und gibt Mr. Turtle seinen Ausreisestempel. Wir verabschieden uns von Hamid und betreten das pakistanische Einreisegebäude. Der bisher spannendste Abschnitt der Reise kann beginnen.

Tag der Ausreise: 28. Januar 2018

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