Von der Wagha Grenze nach Amritsar

Kurz vor dem Start der Grenzschließungszeremonie reisen wir über die Wagha Grenze aus Pakistan aus. Unser Tor nach Indien ist Amritsar, die Stadt mit dem Goldenen Tempel.

Die Ausreise aus Pakistan verläuft sehr entspannt. Wir müssen erst einmal etwa eine halbe Stunde warten, bis der diensthabende Zollbeamte vom Mittagessen zurückkommt und sich um das Carnet de Passages kümmern kann. Sein Büro ist wieder typisch pakistanisch mit Papier voll gestopft. Irgendwo in einem Ordner landen dann auch die Unterlagen von Mr. Turtle. Das einzige was der Beamte persönlich überprüft ist die Fahrgestellnummer. Dann holen wir noch die Ausreisestempel für unsere Pässe und auf geht es zum berühmten Wagha Grenztor. Sowohl auf pakistanischer als auch auf indischer Seite füllen sich schon die Zuschauerränge für die tägliche Schließungszeremonie. Ein pakistanischer Grenzbeamter lässt sich noch die Pässe zeigen, doch in dem Moment startet die Nationalhymne. Er gibt sie Eini schnell zurück, nuschelt „Go!“ und steht stramm. Wir gehorchen.

Auf indischer Seite winken uns die Offiziere durch die Arena. Als wir heraus fahren, kommen wir an einen kleinen Grenzposten. Die Beamten schreiben die Fahrzeugdaten in ein Buch. Doch als wir schon denken, wie einfach das jetzt war, werden wir erst zur eigentlichen Abfertigung gelotst. Als wir das Grenzgebäude betreten, müssen wir durch einen Metalldetektor gehen und uns abtasten lassen. Ich muss dafür erst einmal auf die Beamtin warten. Das hatten wir noch an keiner anderen Grenze. Die Einreise für uns verläuft ansonsten schnell und unkompliziert. Mr. Turtle braucht mal wieder länger. Der Zollbeamte will das Fahrzeug kontrollieren und dafür müssen wir auf eine Grube fahren. Der „Sprengstoffkoffer“ unter dem Auto interessiert ihn nicht wirklich. Tatsächlich scheint der Beamte eher am Busleben interessiert zu sein. Bevor wir das Gelände schließlich verlassen, müssen wir noch unsere Passdaten handschriftlich in ein Buch am Ausgangstor eintragen. Ob die Beamten die Krakelei der Leute darin überhaupt lesen können, ist uns schleierhaft.

Ein Campingplatz in Amritsar

Von der Grenze aus fahren wir noch 30 Kilometer weiter bis Amritsar. Dort gibt es am Stadtrand eine iOverlander Empfehlung für einen Campingplatz. Beim Mrs. Bhandari Guesthouse haben sich offensichtlich schon viele Überlandreisende nach der anstrengenden Pakistan-Durchquerung erholt. Wir können im weitläufigen grünen Garten mit Toiletten- und Duschgebäude parken. Außer uns campt dort gerade niemand. Wir feiern unsere Ankunft in Indien mit einem Bier: dem ersten Alkohol seit Armenien.

Am nächsten Tag spazieren wir trotz Hitze ins Stadtzentrum. Der Weg zieht sich über mehrere Kilometer, aber wir wollten uns ja mal wieder bewegen. Immer wieder winken wir Rikschafahrer ab, die uns in die Stadt bringen wollen. Unterwegs bekommen wir allerlei Skurriles zu sehen. Nicht wenige „Zahnärzte“ gehen am Straßenrand ihrem Geschäft nach. Auf ihren Behandlungstischen kann man sich auch gleich ein neues eingestaubtes Gebiss aussuchen. Und einer behandelt auch tatsächlich gerade einen Patienten. Und schaut nicht sehr freundlich, als wir ein Foto davon machen. Als wir das Zentrum erreichen, wollen wir erst mal Bargeld abheben und klappern nacheinander mehrere Geldautomaten ab. Doch an keinem bekommen wir etwas ausgezahlt.

Der Goldene Tempel

Also gehen wir erst einmal zum Goldenen Tempel, eine der religiösen Stätten der Sikh. Der Eintritt ist zum Glück umsonst. Allerdings kommt man nicht mit Schuhen in den Tempel. Und das Ausziehen alleine reicht nicht. Wir brauchen mehrere Anläufe, bis wir verstehen, dass die Schuhe auch nicht im Rucksack sein dürfen. Nachdem wir sie ordnungsgemäß an der Schuhabgabe hinterlassen haben, lässt uns der grimmige Sikh-Wärter endlich in die Tempelanlage. Ich muss hier allerdings tatsächlich mal wieder ein Kopftuch tragen und auch Eini muss seinen Kopf bedecken. Im Tempel werde ich dann gleich mehrmals von den Wächtern darauf hingewiesen, das Tuch richtig über die Haare zu ziehen. Da hatte ich im Iran ein leichteres Leben als in diesem Tempel.

Trotz kühlem Marmorboden kämpfen wir heute mit der Hitze. Wir laufen nur ein kleines Stück und setzen uns dann zu den Pilgern, unter die schattige Überdachung an die Seite. Von dort können wir den Goldenen Tempel auf der anderen Seite des kleinen Sees gut sehen. Er ist nicht so groß wie erwartet. Doch der Anblick ist sehr beeindruckend. In den Tempel hinein wollen wir nicht, die lange Schlange davor schreckt uns ab. Die Pilger stehen hier Stunden für einen kurzen Besuch an. Eini fühlt sich heute auch ohne diese Strapaze schon etwas elend. In dem heiligen See baden einige Männer. Sie haben keine Scheu, sich am Ufer bis auf die Unterhose auszuziehen und ins Wasser zu waten. Frauen dürfen das nicht. Sie müssen in ein spezielles Gebäude, das über das Wasser gebaut ist und man sieht nichts von ihnen, während sie dort baden.

Bargeldlos in Indien

Nach einer Weile verlassen wir die Anlage und versuchen noch einmal Geld zu bekommen. Als das wieder nicht klappt, suchen wir eine Wechselstube, damit wir endlich etwas essen gehen können. Als wir später mit der Bank telefonieren, erfahren wir, dass die Karte gesperrt wurde, weil wir mehrere Automaten in kurzen Abständen ausprobiert haben. Ein typisches Muster für Kartendiebe. Da in Indien viele Automaten oft kein Bargeld haben, kommt man um das Ausprobieren jedoch kaum herum.

Lebensmittelvergiftung

Das Geld investieren wir gleich in unser erstes indisches Essen. Eini hatte gehofft, dass es ihm danach besser geht, leider ist eher das Gegenteil der Fall. Daran hat die Qualität des Essens jedoch keine Schuld, mir geht es gut. Wir lassen uns mit einer E-Rikscha zurück zum Gästehaus fahren. Der Fahrer kennt sich aber scheinbar nicht so gut aus und hält immer wieder an, um Leute zu fragen, wo er hin muss. Wir helfen ihm mit dem Handy den Weg zu finden und das gelingt uns glücklicherweise. Nach der Ankunft dauert es nicht lang und Eini rennt auf die Toilette. Seine Nacht ist wenig erholsam. Einen Tag lang rätseln wir über die Ursache der Magenverstimmung, bis mir etwas einfällt. An unserem letzten Morgen in Pakistan hat er weichgekochte Eier gemacht, die wir seit dem Iran und nicht im Kühlschrank spazieren gefahren hatten. Für mich ist die Sache damit erklärt. Und ich bin sehr froh, das zweite Ei, das für mich bestimmt war, auch ihm zum Essen überlassen zu haben. Wir bleiben noch im Garten des Gästehauses stehen, bis er sich wieder reisetauglich fühlt. Doch die vermutliche Salmonellenvergiftung wird Eini noch einige Tage begleiten.

Am Abend vor unserer Abfahrt kommt dann auch noch ein weiterer Überlandreisender an. Fritz aus Österreich ist gerade mit seinem Steyr 680 Truck eingereist. Sein Fahrzeug wurde an der indischen Grenze im Gegensatz zu Mr. Turtle ganz genau unter die Lupe genommen. Fritz ist wie wir auf dem Weg nach Nepal, wo er seine Frau treffen will. Für uns beginnt aber nun erst einmal das indische Roadtrip-Abenteuer. Noch sind wir zuversichtlich und ahnen nicht, was auf uns zukommt.

Ein Kommentar zu „Von der Wagha Grenze nach Amritsar

  1. Ach Ihr Lieben,
    ich verfolge Eure Reise mit viel Interesse! Es wird mich ja auch noch ereilen. Die Idee mit der reiseroute war genial, da unsereins das so viel besser verfolgen kann.
    Ich hoffe, die Salmonellen sind überwunden, kann sich aber etwas hinziehen.
    Habt Nachsicht mit den Pakistanis, ist schon viel Aufwand, den sie da betreiben, auch wenn es nervt…
    Ich wünsche Euch noch eine erlebnisreiche Zeit und freue mich auf weitere Berichte:-)
    Liebe Grüße nach Indien/Nepal???
    Uli

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s