Von Amritsar bis Chandigarh

Die erste Etappe von Amritsar nach Rishikesh führt uns durchs wilde indische Verkehrschaos. Unser Tagesziel ist die 200 Kilometer entfernt liegende Stadt Chandigarh. Ein ambitionierter Plan. 

Es ist heiß und voll auf den Straßen. Der kleine Ventilator verschafft uns bei der Hitze kaum Linderung. Dadurch allein würden wir eigentlich schon genug leiden, doch noch dazu führt der Highway pausenlos durch Ortschaften. Es stinkt und staubt. Immer wieder stecken wir in einem Knäuel aus Rikschas, Menschen, Mopeds und Lastwagen fest. Und alle hupen. Pausenlos. Der Lärm ist unerträglich. Und wir vertrauen nicht auf nachvollziehbare Reaktionen der anderen Verkehrsteilnehmer. Jeder scheint sich selbst der Nächste. Wir merken schnell, dass auch Geisterfahrer eher die Regel, als die Ausnahme sind. Der Linksverkehr macht es auch noch unmöglich sich als Beifahrer zu entspannen, denn ständig müssen wir langsam fahrende Fahrzeuge überholen, um vorwärts zu kommen. Und immer wieder steht auch eine heilige Kuh im Weg herum. In Pakistan hatten wir uns schon in einer Ausnahmesituation befunden, doch dort sind wir auf den Highways noch vorwärts gekommen – wenn nicht gerade eine Vollsperrung war. Jetzt würden wir das Auto am liebsten einfach stehen lassen und in den nächsten Flieger steigen.

Chandigarh

Chandigarh liegt strategisch günstig auf halbem Weg nach Rishikesh an den südlichen Ausläufern des Himalayas. Wir haben auf der Karte einen See am Stadtrand entdeckt, an dem wir über Nacht parken wollen. Den Plan bereuen wir jedoch erst einmal, als wir auf dem Weg in die Stadt im Stau landen. Die Hauptstraße ist eine sandige schmale Piste. Der Blick nach oben zeigt, dass hier gerade eine Brücke gebaut wird. Vielleicht will man den Verkehr zukünftig über der Stadt entlang führen. So genau verstehen wir das Verkehrskonzept nicht. Nach einer Stunde haben wir es endlich aus dem Stau heraus geschafft. Plötzlich befinden wir uns in einer anderen Welt. Die ganze Innenstadt ist begrünt. Überall stehen Straßenschilder, auf denen wir lesen können, dass die Stadt in Sektoren aufgeteilt ist. Wir fahren durch Alleen und an Grünflächen vorbei, es ist kaum Verkehr und die Luft ist frisch. Es fehlen bunte Shops, Menschenmengen und Enge auf den Straßen und einfach das ganze indische Chaos. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Aber wir sind sehr froh darüber.

Später lesen wir: Chandigarh wurde 1951 vom französisch-schweizerischen Stararchitekten Le Corbusier am Reißbrett entworfen. Sie ist von gleich zwei indischen Bundesstaaten die Hauptstadt: Punjab und Haryana. Gebaut wurde sie, um Punjab eine neue Hauptstadt zu geben, denn Lahore, die bisherige Hauptstadt gehörte seit der Unabhängigkeit Indiens zu Pakistan.

Sukhna Wildlife Sanctuary

Auch der Sukhna See wurde künstlich angelegt. Hier hat man den aus den Bergen kommenden Sukhna Choe Strom in einem Damm eingefangen. Wir parken am Damm und steigen die steile Treppe zum See hinauf. Hier verläuft eine gepflasterte saubere Promenade, auf der es sehr lebhaft aber völlig gesittet zugeht. Um uns herum genießen Jogger und Spaziergänger wie wir den Sonnenuntergang. Sind wir wirklich noch in Indien? Die nicht mal eine Stunde zurückliegende verrückte Fahrt über wilde Straßen, Hupkonzerte und Gestank scheinen auf einmal wie ein schlechter Traum. Wir schlendern den Weg entlang und entdecken den Anfang eines Naturpfades, der zu einer Halbinsel hinausführt. Da es schon dunkel wird, beschließen, wir den Pfad am nächsten Morgen zu erkunden. Kurz dahinter befindet sich ein kleines Gebäude mit einem Informationszentrum zur lokalen Flora und Fauna. Später entdecken wir dann im Internet zufällig einen Artikel über die Sukhna Wildlife Sanctuary, die nur vier Kilometer entfernt liegt. Dort wollen wir hin.Wir verbringen eine ruhige Nacht am See und fahren nach dem Frühstück in Richtung Wildlife Sanctuary los. Doch leider können wir nicht wie geplant unsere Tour starten, schließlich ist das hier Indien und ohne sich der Bürokratie zu stellen, kommt man nicht so einfach in die Natur.

Alles zur Wanderung und die Hürden auf dem Weg dahin im Outdoor-Tagebuch. 

Sukhna Wildlife Sanctuary Chandigarh
Noch voller Vorfreude.

Unerwartete Besucher

Als wir an diesem Abend wieder am See sind, bekommen wir unerwarteten Besuch. Um zehn klopft jemand an den Bus und dann geht plötzlich die Beifahrertür auf, die gerade nicht abgeschlossen ist. Ich knalle die Tür wieder zu. Doch draußen stehen drei Polizisten und wollen mit uns reden. Sie verbieten uns hier zu parken, wir sollen zu einem Hotel gehen. Wir erklären ihnen, das wir keins brauchen und hier gerne im Bus die Nacht verbringen möchten. Der jüngere von ihnen scheint zu verstehen, doch sein Vorgesetzter will uns loswerden. Schlecht gelaunt folgen wir schließlich dem Polizeiauto. Zuerst fahren sie nur 30 Meter weiter zu einem kleinen Parkplatz, der sich auch am Damm aber gegenüber von einer Golfanlage befindet. Doch die Leute von der Anlage wollen nicht, dass wir dort stehen bleiben. Also geht die Fahrt noch einmal etwa vier Kilometer weiter. Die Polizisten bringen uns in die Stadt. Wir sollen auf einem Parkplatz vor mehreren Shops parken, direkt neben der Hauptstraße. Wir sind sauer, aber auch müde und haben keine Wahl.

Am nächsten Morgen fahren wir gleich wieder an den See und auch den Abend nach der Wanderung verbringen wir hier und fahren erst nach dem Abendessen wieder zum Innenstadtparkplatz. Wir vermuten, dass uns die Polizei ansonsten wieder besuchen kommen wird. Aber auch auf dem Parkplatz klopft am nächsten Morgen ein Inder gegen unsere Scheibe und bittet uns wegzufahren. Er baut gerade seine Rollerwerkstatt genau dort auf, wo wir parken. Wir wollen ohnehin einkaufen und dann die Stadt verlassen. Doch als wir das Einkaufszentrum mit dem scheinbar einzigen großen Supermarkt der Stadt erreichen, erfahren wir, dass dieser erst um elf Uhr aufmacht. Wir müssen uns also mal wieder in Geduld üben. Doch das Warten lohnt sich, wenn man weiß, dass es in Indien hauptsächlich kleine Shops mit einem Angebot aus Chips, Süßigkeiten, Cola und Instantnudeln gibt. Das Sortiment des „Big Bazaar“ ist keine Enttäuschung und es dauert eine Weile, bis wir ihn mit vollen Taschen verlassen. Viel zu spät starten wir in die zweite Etappe die uns heute noch bis Rishikesh bringen soll. Und das hätten wir ja eigentlich besser wissen müssen.


Leider gibt es nur Bilder von der Wanderung in Chandigarh. Die restliche Zeit waren wir wohl einfach noch zu gestresst und haben das Fotografieren vergessen. Wer interessiert ist, sollte die Stadt aber auf jeden Fall mal googlen.

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