Von Agra zur Grenze in Sonauli

In Agra geben wir uns dem Touristenprogramm hin und bestaunen das Taj Mahal. Und auf dem Weg nach Nepal haben wir zwar bessere Straßen, müssen dafür aber ständig über Mautgebühren diskutieren 

Überraschenderweise landen wir auf dem Weg von Rishikesh nach Agra auf einem Highway, der auch wirklich einer ist. Zwar müssen wir an jeder Mautstation argumentieren, dass wir in die Kategorie Auto fallen und nicht den Preis für einen vollbesetzten Bus bezahlen werden, doch das Fahren an sich ist endlich erträglich. Wir erreichen Agra am Nachmittag und steuern den Parkplatz des Taj Mahal an. Hier soll man eigentlich über Nacht parken dürfen. Doch aufgrund des anstehenden Holy-Festivals ist schon die Straße dorthin gesperrt und ein Jahrmarkt im Gange. Wir fahren weiter zu einem Hostel, bei dem schon in der Vergangenheit Overlander geparkt hatten. Doch das Hostel ist ausgebucht und der Parkplatz soll „für die Gäste“ freigehalten werden. Auch das Hotel auf dem Nachbargrundstück möchte uns nicht. Also versuchen wir unser Glück bei einem weiteren iOverlander-Tipp. Ein Gästehaus in einem bewachten Viertel bietet Parkmöglichkeiten am Straßenrand und wir nehmen ein Zimmer. So richtig gemütlich ist das hier nicht. Es gibt einen Fernseher und ein großes Bett, aber kein Fenster. Doch immerhin haben wir endlich eine Bleibe.

Indien lieben oder hassen

Als wir einchecken, reist gerade ein deutsches Pärchen ab und wir unterhalten uns kurz. Sie haben die Schnauze voll von Indien und bleiben statt der geplanten drei Monate nur drei Wochen. Gerade haben sie ihre Flucht nach Thailand gebucht. Wir verstehen uns. Am nächsten Tag lernen wir dann noch ein italienisches Pärchen kennen und auch sie sind mäßig begeistert von Land und Leuten. Sie ärgern sich darüber, nicht länger in Thailand geblieben zu sein. Es tut uns sehr gut zu erfahren, dass wir mit unserer Wahrnehmung über das Reisen in Indien nicht allein sind.

Das Taj Mahal – Ein teurer Friedhofsbesuch

Wir haben nicht ohne Grund in Agra übernachtet und so wollen wir am nächsten Tag zum Taj Mahal. Doch zuerst gibt es noch das im Zimmerpreis enthaltene Frühstück auf der Dachterrasse. Dort will man uns mit zwei Scheiben weißem Toast und Marmelade abspeisen. Und so müssen wir den Inder, der dafür verantwortlich ist, noch daran erinnern, dass uns auch Eier versprochen wurden.  Von unserer Unterkunft laufen wir etwa eine halbe Stunde zum Eingang des Taj Mahal. Unterwegs sprechen uns viele Rikschafahrer und Kutscher an, ob sie uns fahren sollen. Mir tun die abgemagerten lahmenden Pferde leid und ich frage mich, wie Touristen hier nur mitfahren können.

Am Eingang angekommen zahlen wir den hohen Eintrittspreis für Ausländer: umgerechnet etwa 13 Euro. Im Preis enthalten sind eine kleine Flasche Wasser und Schuhüberzieher aus Plastik, die man im Innenraum des Taj Mahal anziehen muss. Barfuß laufen ist zwar die umweltfreundlichere Alternative, machen aber die Wenigsten.

An der Sicherheitskontrolle wird unser Rucksack dann ganz genau untersucht. Die Kontrolleurin schaut sich den Inhalt jedes noch so kleinen Faches an. Schließlich müssen wir mit Bananen und Keksen zu einem Abgabeschalter zurückkehren. Lebensmittel sind auf dem Gelände strikt verboten.  Genauso wie Bücher und Schreibmaterialien. Vermutlich, damit man nicht auf die Idee kommt es sich bei einer guten Lektüre etwas zu lange im Park gemütlich zu machen. Bei dem Eintrittspreis kann man das ja auch nicht erwarten …

Und so betreten wir das Gelände des Taj Mahal mit vielen anderen Touristen. Das marmorne Grabmal ist sehr imposant. Wir folgen dem Weg durch den Park. Überall wird wild fotografiert. Eine Touristin fragt, ob ich ein Bild von ihr machen könnte. Sie posiert dann mehrmals in ihrem farblich auf das Taj Mahal abgestimmten Kleid. Ich beobachte sie danach noch, wie sie weitere Leute darum bittet, Bilder von ihr zu machen. Scheinbar soll hier ein ganz besonderes Motiv entstehen. Wir gelangen schließlich in den kleinen Innenraum des Mausoleums. Man kann einmal um die beiden Steinsärge herumlaufen. Das Gedrängel ist sehr groß. Fotografieren ist im Innern verboten. Als es natürlich doch welche machen, gibt es dann vom Sicherheitsmann auch gleich Ärger.

Nachdem wir das Gebäude verlassen, setzen wir uns wie viele andere auf den Steinboden im Schatten davor. Es ist wahnsinnig heiß und wir sammeln neue Energie für den Weg zurück zum Eingang. Plötzlich sehe ich, dass sich ein junger Inder vor uns stellt und ein Selfie von sich und uns im Hintergrund sitzend macht. Er hatte wohl gedacht, wir würden es nicht merken. Und huscht gleich davon, als wir ihm sagen, dass er das gefälligst lassen soll. Wir vermissen die Iraner, die wenigstens noch ein höfliches Gespräch angefangen haben, wenn sie ein Selfie wollten. Nach zwei Stunden beim Taj Mahal laufen wir zurück zum Gästehaus.

Highway-Abzocker

Am nächsten Tag ist Holy Festival. In der Siedlung des Gästehauses geht es relativ ruhig zu sich und so bekommt nur Eini ein paar Farbtupfer von den Nachbarskindern verpasst. Wir haben beide keine große Lust auf viele Menschen. In Agra selbst wird wohl auch nicht so richtig toll gefeiert, erzählen die Italiener, die extra mit dem Bus in einen anderen Ort fahren. Wir hoffen auf wenig Verkehr auf dem Highway und starten in Richtung Lucknow, wo wir die Nacht vor dem Grenzübertritt nach Nepal verbringen wollen. Der Highway ist gespenstisch leer. Ein indischer Traum. Dennoch müssen wir wieder an jeder Mautstation diskutieren. Es hilft den Kassierern die Quittung der vorherigen Station unter die Nase zu halten, auf der sie selbst nachlesen können, dass wir ein Auto fahren. Anstrengend sind die immer gleichen Diskussionen aber dennoch und so können wir bald auch nicht mehr allzu freundlich sein, wenn man uns ein ums andere Mal abzocken möchte.

Verabredung zum Mittagessen

Mittags treffen wir uns mit einem Hamburger. Steffen fährt gerade seinen Synchro von Nepal nach Deutschland zurück und ist zur gleichen Zeit wie wir auf dem Highway unterwegs. Wir hatten das schon im Vorfeld abgesprochen und nehmen nun die gleiche Ausfahrt. Es gibt Nudeln mit Tomatensoße und wir tauschen uns ein bisschen aus, bevor sich leider die Wege wieder trennen. Als wir in Lucknow ankommen, gehen wir noch einkaufen. Hier müssen wir mal wieder diskutieren. Mehrere mit Rabatt angebotene Produkte sollen den an der Supermarktkasse dann auf einmal doch nicht haben. Wir sind von der indischen Mentalität inzwischen mehr als genervt und wollen nur noch an die Grenze. Die Nacht verbringen wir vor einem bewachten Hotelparkplatz am Straßenrand. Es ist heiß, schwül und die Mücken tyrannisieren uns. Und so glauben wir zuerst gar nicht, überhaupt einschlafen zu können. Am nächsten Morgen fährt Eini dann auch schon los während ich noch im Halbschlaf im Bett liege.

Die indisch-nepalesische Grenze in Sonauli

Zwei Stunden vor der Grenze in Sonauli müssen wir dann leider den ausgebauten Highway verlassen. Wir sind plötzlich wieder mitten auf dem Land, fahren durch kleine Dörfer und rumpeln dabei über Sandpisten und weichen Schlaglöchern aus. Kurz vor der Grenze herrscht reges Treiben. Rechts und links von der Straße sind überall kleine Läden und der LKW Rückstau blockiert bald beide Spuren, sodass wir auf die Gegenfahrbahn ausweichen müssen. Dann stehen wir auch schon vor dem Grenztor und sind verwirrt. Wir sind immer noch mitten im Ort und von Grenzgebäuden ist nichts zu sehen. Wir können fast nicht glauben, dass wir in dem gleichen Land sind, dass so eine pompöse Grenze zu Pakistan unterhält. Dann winkt uns jemand zu einem Eingang. Hier sitzt anscheinend der Zoll. Doch als wir mit Pässen und Carnet de Passage hineinlaufen, schickt er uns erst einmal wieder weg. Das Immigration Office haben wir scheinbar bereits verpasst.

Wir lassen Mr. Turtle stehen und laufen etwa einen halben Kilometer zurück. Dabei halten wir nach dem Immigration Office Ausschau. Wir entdecken eine kleine Hütte, vor der sich eine Menschenmenge drängelt. Mehrere der Leute haben gleich ganze Stapel mit geschätzt je 40 Pässen bei sich. Eini drückt sich zum Schalter vor und ein Beamter nimmt ihm die Pässe ab. Im nächsten Moment sind sie schon nicht mehr zu sehen und wir fragen uns ein paar Minuten später, ob sie jetzt in einem der zahlreichen Stapel verschwunden sind. Da erinnert sich der Beamte unseres Anliegens und greift nach den Pässen, die er neben sich gelegt und vergessen hatte. Er drückt die Ausreisestempel hinein und wir laufen zurück zum Zoll. Der Mitarbeiter war fleißig und hat schon einen Teil der Unterlagen ausgefüllt. So können wir über die Grenze fahren. Endlich raus aus Indien.

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