Von der Indischen Grenze nach Pokhara

Anfang März reisen wir von Indien nach Nepal. Unsere letzte große Station in Asien. Drei Monate wollen wir hier bleiben und viel Zeit in der Natur verbringen. Zuerst zieht es uns nach Pokhara im Fewatal.

Grenzübertritt

In der Mittagshitze fahren wir am 4. März über die Sunauli Grenze nach Nepal. Noch ist kein Unterschied zu Indien erkennbar. Überall sind Menschen. Die Grenzgebäude sind wild an der Straße verteilt und kaum als solche erkennbar. Und die Inder können zwischen beiden Seiten herumspazieren wie es ihnen beliebt. Entsprechend chaotisch geht es hier zu. Im Migration Office legen, wie wir es zuvor auch schon auf der indischen Seite beobachtet hatten, einige Einzelpersonen wieder etwa 50 Pässe auf einmal zur Bearbeitung vor. Eini sieht dabei auch etwas Schmiergeld den Besitzer wechseln. Wir drängeln uns dazwischen und bekommen Formulare, die wir für den Visumsantrag ausfüllen müssen. Außer uns sind hier tatsächlich auch noch zwei, drei andere Touristen die über Land einreisen. Für 100 Dollar pro Person bekommen wir ein Visum für drei Monate.

Wir lassen den Bus in der Sonne stehen und spazieren über die Straße zum Zollgebäude. Hier verläuft es etwas zäher. Mit dem Carnet de Passage wissen die Beamten erst einmal nicht so recht etwas anzufangen. Eini erklärt ihnen dann mehrmals, wo sie etwas ausfüllen müssen. Die Jungs tun geschäftig und lassen uns erst einmal warten. Dann wollen sie, dass wir unsere Pässe kopieren gehen. Wir haben noch nicht einmal Nepalesische Rupien und ohnehin, wenn sie Kopien wollen, sollen sie die auch selbst machen. Das sage ich ihnen dann auch. Und auch, dass sie meinen Pass nicht kopieren müssen, da ich nicht der Fahrzeugeigentümer bin. Irgendwann verstehen sie diese Information – vielleicht – zumindest fragen sie bald nicht mehr danach. Und so zieht einer von ihnen mit Einis Pass ab. Dann lässt sich noch ein anderer das Auto zeigen, um die Fahrgestellnummer zu überprüfen. Und dann sind wir endlich fertig.

 

Nach einem Abstecher zum Bankautomaten – und dann zu einem weiteren, weil der erste uns kein Geld gibt – und nachdem wir festgestellt haben, dass Nepal uns Geld dafür abknöpft, uns Geld auszuzahlen, haben wir die organisatorischen Erledigungen des Grenzwechsels geschafft.

— Geld abheben in Nepal: Man kann üblicherweise an keinem Automaten mehr als 35000 Nepalesische Rupien (circa 300 Euro) auf einmal abheben und zahlt immer 500 NR, circa 4 Euro Gebühren. —

Ab in die Berge

Direkt hinter der Stadt beginnt der „Highway“. Eine schmale Straße, die sich in die Berge hinauf schlängelt. Es ist wenig Verkehr, der aber nicht stört. Die meisten Jeeps und Busse überholen uns zwar, aber hier geht es dabei um einiges entspannter zu, als zuletzt in Indien. Nur langsam fließt jetzt der indische Stress der vergangenen Tage wie der Schweiß der Hitze von uns herunter. Und dann fällt nach und nach die große Anspannung, die uns in den vergangenen Tage zu zwei völlig anderen Menschen gemacht hatte ab. Je weiter wir uns von der Grenze entfernen und umso ruhiger es dabei auf der Straße wird, realisieren wir mehr und mehr: Wir sind nicht mehr in Indien, wir sind in Nepal!

Dank der iOverlander App steuern wir auch direkt einen Schlafplatz am Fluss an. Doch wir sind uns noch nicht ganz sicher, ob wir dort auch übernachten können, denn er ist für Allradfahrzeuge eingetragen. Als wir an der Abzweigung ankommen, parken wir also erst einmal und laufen den Schotterweg zum Fluss zu Fuß ab. Es geht weit den Berg hinunter, aber glücklicherweise über eine  Strecke von etwa 600 Metern. Wir wagen es und fahren herunter. Doch unten angekommen parken wir direkt am Weg, ohne weiter zum Fluss vorzufahren. Denn hier sind einige Schlammpfützen, in denen wir uns nicht festfahren wollen. Wir freuen uns den ganzen Abend über den ersten schönen Campingplatz seit langer Zeit und gehen sofort im Fluss baden.

 

Am nächsten Morgen schaffen wir es erfolgreich wieder zur Straße hochzufahren. Eini hat den Weg am Abend noch an einigen Stellen etwas ausgebessert, um nicht mit dem Bus aufzusetzen. Die weitere Fahrt verläuft auf derselben Bergstraße vom Vortag. Obwohl es von Sunauli bis Pokhara nur 200 Kilometer sind, zieht sich die Strecke in die Länge. Die Straße ist nicht im besten Zustand und auch die vielen Kurven lassen uns nur langsam vorankommen. Trotzdem genießen wir die Landschaft. Bei unserer Mittagspause am Straßenrand kommen dann auch schon die ersten Kinder aus einem Dorf vorbeispaziert, ziehen aber recht schnell weiter. Kurz vor Pokhara tanken wir das erste Mal. Das ist wieder deutlich günstiger als in Indien. Für den Liter Diesel zahlen wir umgerechnet etwa 70 Eurocent.

Pokhara

Und dann erreichen wir Pokhara. Die Stadt liegt im Fewatal, wie auch der namensgleiche See. Wir steuern einen weiteren iOverlander Platz an und fahren dafür erst einmal die Lakeside entlang. Wie der Name schon sagt, ist es die Straße am See, an der sich hauptsächlich Souvenirshops, Restaurants und Hotels angesiedelt haben. Etwa einen Kilometer dahinter biegen wir in eine schmale Straße am Hang ein. Noch sind wir unsicher, was uns erwartet. Wir wollen bei einem Gästehaus parken, das Platz für einen kleinen Camper haben soll. Die Straße ist in einem holprigen Zustand. Nach wenigen hundert Metern stehen wir dann vor einem Gartentor. Dahinter parkt ein Jeep. Doch schnell ist klar, der hauseigene Jeep kommt auf die Straße und Mr. Turtle darf seinen Platz im Salatgarten einnehmen. Das Gästehaus wird von zwei freundlichen Schwestern geleitet, die hier auch überall Gemüse anbauen. Ich freue mich über die üppigen reifen Salatköpfe und lasse mir von ihnen gleich einen abschneiden. Der ist so groß, dass wir auch am nächsten Tag noch davon essen können. Nachdem der Salat von Sand und Schnecken befreit ist, lassen wir ihn uns schmecken. Eine Wohltat, nachdem wir in Indien kaum genießbares Gemüse gefunden hatten.

 

Eine Woche verbringen wir nun in Pokhara. Das Gästehaus ist für uns wie ein Campingplatz. Wir können eine Toilette, eine Dusche und sogar eine Küche nutzen. Oder im kleinen Restaurant der Schwestern Essen bestellen. Wir verbringen die erste Woche in Pokhara auch mit langen Spaziergängen an der Lakeside, finden einen „richtigen“ kleinen Supermarkt zum Einkaufen und gehen Pizza essen! Unsere letzte Erfahrung damit hatten wir in Istanbul, wo wir etwas serviert bekommen hatten, das mit Pizza nur den Namen gemein hatte. Doch hier gibt es gleich mehrere Restaurants, die Pizza anbieten. Wir sind dank Internetbewertungen auf Anhieb in einem richtig guten Restaurant gelandet. Zwar sind die Preise für Touristen in Nepal eher europäisch (dazu noch mehr in folgenden Beiträgen …), doch die Pizza, die wir bekommen ist auch tatsächlich eine. Und wir nutzen unsere neugewonnene Freiheit in Pokhara auch, um endlich wieder Sport zu machen. So starten wir mit den Mountainbikes an drei Tagen  eine Tour.

Zu den Mountainbike-Touren im Outdoor-Tagebuch.

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An der „Lakeside“ in Pohara.

Annapurna Trek

Unsere Woche beschließen wir mit der Entscheidung von Pokhara aus einen Trek in Richtung Annapurna zu starten. Also müssen wir die vorgeschriebenen Permits für die Wanderung kaufen, die großen Rucksäcke aus der eingestaubten Kiste holen, eine Packliste schreiben und packen. Zuerst hatten wir es auch für eine gute Idee gehalten, die Annapurna-Umrundung mit den Bikes zu machen. Doch nach ein paar Tagen hat sich unsere Schnapsidee dann auch wieder erledigt. Für so eine große Bike-Tour, die uns auch wegen der Höhe körperlich sehr fordern wird, sind wir gerade definitiv nicht fit genug. Außerdem liegt zu dieser Jahreszeit auch noch Schnee auf dem Thorang La Pass. Und es lockt ein schöner Seitentrip zum Tilicho See, für den wir Wanderstiefel brauchen. Und wir bräuchten für das kalte Wetter in der Höhe warme Kleidung und Schlafsäcke. Wir könnten die Tour mit Bikes also gar nicht ohne Porter – nepalesische Träger für die Ausrüstung – machen. Die zu bezahlen wäre nicht günstig. Richtig, wir haben viele Ausreden, selbst zu laufen. Unter anderem auch das wir die erste Woche des Trips auch noch mit dem Zelt angehen wollen …

Der Beitrag zu unserer 3-wöchigen Trekkingtour folgt im Outdoor-Tagebuch.

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