Von Pokhara nach Kathmandu

 Der Roadtrip nach Kathmandu hält so einiges für uns bereit: Von ungebetenen Mitbewohnern, einer nepalesischen Gondelfahrt und der Reise in das Jahr 2075.

Völlig erledigt kommen wir von unserem dreiwöchigen Trek aus der Annapurna–Region zurück nach Pokhara. Die achtstündige Taxifahrt hat einen Großteil dazu beigetragen. Sechs Stunden saßen wir – bei hohen Temperaturen, staubigen Straßen und voll aufgedrehter nepalesischer Popmusik – eingequetscht neben zwei Nepalesen in der dritten Reihe eines Jeeps und waren froh über jede Pause, bei der wir uns davon überzeugen konnten, dass noch Blut durch unsere Beine fließt.

Überraschung in Pokhara

In Pokhara fahren wir mit dem nächsten Taxi direkt zu unserer Lieblingspizzeria. Zur Feier des Tages gönnen wir uns sogar einen Nachtisch. Da wir den ganzen Tag nur gesessen haben, wollen wir die drei Kilometer zurück zum Gästehaus zu Fuß gehen. Als wir die Lakeside entlang laufen, entdecken wir auf der danebenliegenden Wiese nicht nur den Camper der argentinische Familie Los Lopez, mit der wir im Iran Weihnachten gefeiert hatten, sondern daneben auch noch den Truck des Österreichers Fritz, den wir in Amritsar kennengelernt hatten. Wir begrüßen unsere alten Bekannten und bleiben noch eine Weile dort sitzen. Als wir endlich bei Mr. Turtle ankommen ist es schon dunkel.

 

 

In den nächsten Tagen finden wir heraus, dass man von unserer Unterkunft aus in wenigen Minuten den Wanderweg zum Sangarkot erreicht. Wir laufen mehrmals dort hinauf zu einem Aussichtspunkt, um unsere Trekking-Form nicht gleich wieder zu verlieren. Ein paar Tage später kommen auch unsere dänischen Freunde Line und Fredrik von ihrer Tour zurück. Sie brechen dann aber leider auch schon wieder vor uns nach Kathmandu auf, um neue Visa für Indien zu beantragen. Ihre Reise geht langsam dem Ende zu.

 

 

Wir zögern unsere Abfahrt noch ein bisschen heraus, verlassen Pokhara schließlich eine Woche nach unserer Rückkehr. Als wir aus der Stadt fahren, stehen wir jedoch erst einmal im Stau. Nach etwa 70 Kilometern finden wir einen schönen Parkplatz bei einem Dorf am Marsyangdi Fluss unterhalb des auf dem Berg gelegenen Ortes Bandipur. Wir sind von der Straße nur wenige Meter entfernt, aber nicht einsehbar. Es gibt ausreichend Platz und am benachbarten Tempel auch einfache Toiletten. Nebenan auf dem Fußballplatz spielen Kinder. Ein Junge aus der Nachbarschaft spricht ein bisschen Englisch und kommt uns immer wieder besuchen. Er bringt uns sogar Gurken aus dem Gemüsegarten seiner Familie. Von hier aus starten wir am folgenden Tag eine Mountainbiketour nach Bandipur.
Die Mountainbike-Tour nach Bandipur im Outdoor–Tagebuch.


Reisetipp Bandipur:

Ist man als Reisender auf der Route Pokhara – Kathmandu unterwegs, sollte man auf jeden Fall in Dumre halten und von dort für einen Tag in das Bergstädtchen Bandipur fahren, das auf etwa 1000 Metern über dem Meer liegt. Wer kein Mountainbike hat, kann dafür ein Taxi nehmen. In Bandipur gibt es ausreichend Unterkünfte, denn die Menschen hier oben leben vom Tourismus! In der Gegend kann man den Thani Mai-Tempel, den Khagda Devi-Tempel und die Siddhu Gufa Cave besichtigen.


 

Mäusezirkus, die Erste

Als wir am Abend im Bett liegen, streift etwas plötzlich meinen Fuss. „Eini, warst du das gerade an meinem Fuss?“ – „Nein, was denn?Ich suche längst mein Handy und mache Licht. Gerade noch sehe ich, wie die Maus über das Bett huscht, dann ist sie weg. Großartig! Wir scheitern an der Jagd und verschieben sie auf den nächsten Tag. Da entdecken wir dann auch schon die ersten angefressenen Packungen in unseren Küchenschubladen. Nach etwas Internetrecherche bauen wir dann zwei verschiedene Fallen. Wir haben eine runde, hohe Müsliverpackung mit einem schmalen Durchmesser, die wir auf den Boden stellen. Das Innenteil einer Klopapierrolle legen wir so auf einen der Sitze, dass es zu zwei Drittel über der Dose in der Luft hängt. Dort hinein kommt ein Stück Käse. Das gleiche machen wir noch mit einer zweiten Dose an einer anderen Stelle. Eine weitere Falle baut Eini nach Anleitung aus dem Internet aus einer Plastikflasche. Und dann lässt sich die Maus auch plötzlich blicken. Mit einem Mal sitzt sie an der offenen Schiebetür und schielt nach draußen. Ich sporne sie an, einfach hinaus zu springen, doch kaum bemerkt sie uns, ist sie schon wieder im Bus verschwunden. Frech! Am Abend warten wir gespannt auf Geräusche. Und haben nur einen leichten Schlaf. Und tatsächlich: Auf einmal macht es „flopp“. Die Maus ist tatsächlich in die Dosenfalle gegangen und wir befördern sie umgehend nach draußen.

 

 

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Die Maus in der Falle.

Manakamana und Fahrt nach Kathmandu

Nach nur 30 Kilometern Fahrt erreichen wir unser nächstes Zwischenziel auf dem Weg nach Kathmandu: die Talstation der Manakamana Gondelbahn. Der hinduistische Tempel von Manakamana liegt auf dem Berg und lockt das ganze Jahr hindurch Nepalesen und Inder an. Wir fahren auf den bewachten Parkplatz und bauen die Bikes auf. Heute gönnen wir uns die 15-minütige Fahrt in der Gondel. Die Preise für Ausländer sind leider wieder einmal sehr hoch: 11 US-Dollar für die Auffahrt auf 1300 Meter über dem Meer (20 US-Dollar, wenn man auch mit der Bahn wieder herunter möchte …). Zum Vergleich: Nepalesen zahlen umgerechnet drei Euro. Wir hoffen, dass sich die anschließende Abfahrt bei diesem Preis auch lohnt. Mehr Infos zur Gondel und zum Tempel von Manakamana gibt es im MTB–Beitrag im Outdoor-Tagebuch.
Da unser Parkpreis ein Übernacht-Tarif ist, schlafen wir anschließend auch an der Gondelstation. Wir fragen vorher allerdings noch den Parkplatzmanager um Erlaubnis.

 

 

 

 

Am nächsten Morgen gibt es gleich zwei Überraschungen. Ich wache mit dem dringenden Bedürfnis nach einer Toilette auf. Es ist gerade einmal sechs Uhr. Als ich die Toiletten am Kassenhäuschen erreiche, bin ich perplex: Hier ist die Hölle los! Das nepalesische Neujahr lockt wie erwartet sehr viele Einheimische zum Tempel, doch die Uhrzeit muss ich doch erst noch verarbeiten. Genauso wie den Durchfall, der mich gerade heimsucht. Vermutlich die Folge des Dal Bhat, das ich am Vortag auf dem Berg gegessen habe. Am Vormittag fahren wir dann trotzdem in Richtung Kathmandu weiter. Ein schwerer Fehler. Wir stehen in der Stadt stundenlang im Neujahrsstau. Und es ist entsetzlich heiß und staubig. Da ich inzwischen Magenschmerzen habe, liege ich bald mit Schmerztablette auf der Rückbank und schlafe ein. Als ich wieder aufwache, geht es nach wie vor nur langsam vorwärts. Wir fahren dann auch gleich bis nach Bhaktapur, einem Ortsteil von Kathmandu, bei dem auch ein iOverlanderplatz eingezeichnet ist.

 

 

 


Randnotiz zum Neujahr: Wir befinden uns auf unserer Reise nun in der Zukunft, und zwar im Jahr 2075 (Bikram Kalender in Nepal)! Die Vergangenheit hatten wir mit dem persischen Jahr 1396 (Iran) ja bereits hinter uns gelassen.


Und als wir Abends im Bett liegen höre ich ein Geräusch. Licht an, Manege frei, denn da balanciert eine Maus auf dem gespannten Wäscheseil über meinem Kopf. Während ich noch perplex staune, beugt sich Eini, Hände voraus, zu der Maus vor. Die ist im nächsten Augenblick verschwunden, der Jäger bleibt mit leeren Händen zurück. Doch sogleich aktiviert er die Fallen und wir liegen wachsam auf der Lauer. Doch, auch wenn wir immer wieder ein Rascheln hören, bevorzugt unter unseren Köpfen in den Küchenschubladen, bleiben die Fallen leer. Am nächsten Morgen entdecken wir so einige Packungen angeknabbert. Und der Übeltäter weilt immer noch irgendwo unter uns.

Kathmandu

Über iOverlander finden wir auch den nächsten Stellplatz am Stadtrand von Kathmandu. Neben dem Haus, indem ein Mädchen und ihre Mutter Zimmer an Reisende vermieten, parken wir auf einer öffentlichen Wiese und zahlen dafür, Toilette und Dusche bei ihnen zu nutzen. Leider ist das Mädchen dann doch weniger gastfreundlich, als sie den Anschein machen möchte und wir fühlen uns hier nicht allzu wohl. Da wir jedoch hauptsächlich ein bisschen auf der Wiese chillen und Mountainbike–Touren machen wollen, bleiben wir. Und nachdem wir bei der ersten Biketour leider feststellen müssen, wie sehr die nepalesische Regierung Touristen abzockt, die mit Fahrrad in den in der Stadt gelegenen Nationalpark wollen, verzichten wir auf alle dort geplanten Biketouren. (Der MTB–Beitrag im Outdoor–Tagebuch folgt)

 

 

Mit der Mäusejagd haben wir auch kein Glück mehr. Die Maus geht zwar in eine der anderen Dosenfallen, doch ist sie dort blitzschnell wieder hinausgesprungen. Nachdem sich unsere Untermieterin aber immer fleißiger in der Küche bedient, wollen wir in einem Laden eine Mäusefalle kaufen. Leider gibt es dort nur Todesfallen, aber der Besitzer kann uns eine Falle für Ratten organisieren, in der wir sie lebendig fangen können. Er erklärt uns, dass er damit regelmäßig die Mäuse in seinem Geschäft fangen würde. Wir holen die Falle am Abend ab, bauen aber auch weiterhin unsere eigenen Fallen auf. Nach vier Nächten Geraschel, Seiltanzakrobatik und zahlreichen Küchenparties geht die Maus schließlich in die Falle, mit der wir schon Nummer eins gefangen hatten. Am Morgen bin ich damit beschäftigt ihre Hinterlassenschaften aus unseren Lebensmitteln zu sortieren.

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Maus Nummer 2 in der Falle.

Wir verlassen unseren Campingplatz und gehen noch ein paar Stunden in die Stadt, um uns dort die Permits für die Trekkingtour im Sagarmatha–Nationalpark zu kaufen. Danach schauen wir uns noch die Innenstadt Thamel an, in der es wie in Pokhara vor lauter Trekkingzubehörshops nur so wimmelt. Wir füllen in einem großen Supermarkt noch Vorräte auf und schlafen dann noch einmal an dem Platz in Bhaktapur.

 

 

Doch Moment, was war das? Wir trauen unseren Augen nicht. Doch das war Maus Nummer drei. Doch glücklicherweise geht sie uns in derselben Nacht in die Falle. Komischerweise hat sie eine große Ähnlichkeit mit Nummer zwei. Als ich am nächsten Morgen noch einmal die Küche putze, hoffen wir die Mäusefamilie nun endgültig vor die Tür gesetzt zu haben. Wir freuen uns jetzt auf frische Bergluft und lassen die Stadt mit einer der höchsten Smogbelastung weltweit hinter uns.

2 Kommentare zu „ Von Pokhara nach Kathmandu

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