Kathmandu bis Jiri 

Dieser Roadtrip hat es in sich. Auf dem Weg nach Jiri stößt Mr. Turtle erstmals an seine Grenzen und wir flüchten vor zuviel Aufmerksamkeit in den Wald.

Nach gerade einmal 15 Kilometern Fahrt erreichen wir Dhulikhel. Die Stadt war einst ein Handelszentrum zwischen Nepal und Tibet. Und es gibt hier viele Tempel. Wir laufen durch die Gassen und schauen uns einige davon an. Anschließend suchen wir mal wieder einen iOverlanderplatz. Wir finden nicht gleich die richtige Straße dorthin und so fahren wir eine Weile im Kreis. Als wir schließlich den richtigen Weg gefunden haben entpuppt der sich bald als nicht mehr asphaltiert und so geht es ein kurviges Stück Offroad-Piste bergauf. Na, hoffentlich kommt uns jetzt niemand entgegen.

Unser Schlafplatz liegt auf einem Bergrücken und von hier hätte man eine fantastische Aussicht auf den Himalaya. Richtig gelesen: hätte! Denn leider ist die Fernsicht im Frühjahr nur selten gut. Doch auch wenn wir die Berge leider nicht sehen können, ist es richtig schön. Am nächsten Tag biken wir zu dem buddhistischen Kloster Namobuddha. Wir erwarten zu Beginn nicht allzu viel von der Tour, die wir uns selber mit der GPS-Karte zusammengestellt haben. Doch am Ende des Tages sind wir sehr glücklich mit der Trailausbeute. Es war mit Abstand die beste Mountainbike-Tour, die wir in Nepal unternommen haben. (Der Beitrag im Outdoor-Tagebuch folgt.)

Aranko Highway: Ein Roadtrip mit Hindernissen

Nach zwei Nächten wollen wir spontan noch einen Roadtrip in Richtung tibetische Grenze unternehmen. Doch wir hatten definitiv schon bessere Ideen. Der Aranko Highway führt zwar durch das Sun Koshi Flusstal, bietet aber zumindest im Anfangsteil nicht so viele tolle Ausblicke wie wir gedacht hätten. Und es ist einfach nur heiß. Zudem finden wir keinen Platz zum Verweilen. Nach einer langen Fahrt aber nur etwa 40 Kilometern rollen wir zum Fluss herunter. Leider gibt es keinen Schatten und die Strömung ist ziemlich stark, so dass wir nur kurz für eine Abkühlung ins Wasser gehen. Während wir die Hitze aussitzen, kommen immer wieder Rafting-Gruppen vorbei. Wir beschließen, am nächsten Tag wieder auf unsere geplante Route zurückzukehren und direkt nach Jiri zu fahren. Dort wollen wir den Bus parken, während wir noch ein zweites Mal im Himalaya Trekken gehen.

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Namobuddha.
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Dieser Tigerin hat sich Buddha geopfert. (Symbolbild)

Als wir am Morgen zusammengepackt haben ist es schon wieder richtig heiß. Ich möchte ein Video davon machen, wie Eini den Weg zur Straße hochfährt und laufe ein Stück vor. Mr. Turtle rollt auf mich zu und … schafft es nicht! Verdammt! Eini fährt noch einmal zurück und holt Schwung. Doch auch der nächste Versuch scheitert. Wir kommen den Berg nicht mehr hoch. Nach und nach versuchen wir es mit allen Tricks: Luft aus den Reifen, Sandbleche unterlegen. Es bringt nichts, der Bus ist einfach zu schwer. Und inzwischen können wir schon den Gummiabrieb der Reifen riechen. Auch zwei Nepalesen die mit ihrem Jeep hinunter zum Fluss fahren, um dort Kies einzuladen, sind uns keine Hilfe.

Ratlos laufen wir zur Straße hinauf und halten Ausschau nach einem Traktor. Wenn uns nur einfach jemand hochziehen könnte … unglücklicherweise haben wir kein Abschleppseil. Ein neugieriger Rollerfahrer hält an und kurz darauf kommt auch ein Traktor vorbei. Der Nepalese spricht die Fahrer für uns an und wir verstehen nicht so richtig, was sie reden. Doch wir erfahren bald, dass sie kein Abschleppseil haben. Der Rollerfahrer versucht dann aber mit uns noch ein Geschäft zu machen und bietet an für 3000 Rupien (circa 24 Euro) Hilfe, ein Seil oder was auch immer zu organisieren. Wir winken sein unverschämtes Angebot ab. Kurz nachdem er gefahren ist, sprechen wir noch einen Fahrer an. Sein Englisch ist nicht gut, aber wir glauben, dass er gleich, später oder nach der Arbeit zurück kommen will, um zu helfen. Es ist noch immer Vormittag und wir wissen nicht, was wir uns davon versprechen können.

Eini will es noch einmal allein versuchen und hat sogar fast Erfolg. Wir kommen ein kleines Stück näher an die Straße heran, inzwischen kann man Mr. Turtle von dort sogar sehen. Er scheitert allerdings immer noch an den letzten zehn Metern. Der nächste schaulustige und Rollerfahrende Nepalese lässt nicht lange auf sich warten und inspiziert ausgiebig die Situation mit seinem Sohn. Dann will er uns dazu bringen, ihn ans Steuer zu lassen. Anscheinend glaubt er, die Touristen seien keine guten Autofahrer. Wahrscheinlicher: er will einfach mal VW-Bus fahren. Er bleibt mit seiner Forderung hartnäckig und wir fangen an ihn zu ignorieren, da halten weitere Nepalesen. Der Rollerfahrer unterhält sich kurz mit ihnen, und mit einem Mal steht die Gruppe hinten am Bus und schiebt. Nach nur wenigen Versuchen und mit Eini am Steuer schaffen es die Jungs, Mr. Turtle auf die Straße zurückzubringen. Wir sind unendlich dankbar. Die Gruppe verschwindet so schnell wie sie gekommen ist. Und wir schämen uns ein bisschen, dass wir den nervigen Rollerfahrer in Gedanken schon verjagt hatten.

Auf nach Jiri

Von Dhulikhel bis in die Berge nach Jiri sind es knapp 200 Kilometer. Die sind unmöglich in einem Tag zu schaffen. Der Highway verläuft in dem wunderschönen San Koshi Flusstal und wir genießen die Aussicht auf die Felder. An diesem Abend finden wir kurz vor Sonnenuntergang auch einen tollen Campingplatz direkt am Wasser. Leider direkt unterhalb der Straße. Kurz nach unserer Ankunft fährt sich dort ein LKW im Graben fest. Wahrscheinlich ist er vor lauter Gaffen nach unten vom Weg abgekommen. Nun hängt er bis zum nächsten Morgen dort fest und auf der Straße wird deshalb ständig gehupt. Und bei uns hängt mal wieder ein junger Mann ab, der ziemlich lange nicht genug von unserem Anblick bekommt. Englisch kann er natürlich nicht.

Am nächsten Tag starten wir in eine ungewisse Etappe: Noch wissen wir nicht, ob wir es mit Mr. Turtle überhaupt bis Jiri schaffen. 100 Kilometer müssen wir jetzt noch zumeist bergauf fahren. Jiri liegt auf 1900 Metern über dem Meer. Wir haben keine Ahnung, ob die Straße ab Khurkot durchgängig asphaltiert ist und wenn nicht, ob sie trotzdem fahrbar ist. Und vor allem, ob sie es auch bei unserer Rückkehr in etwa vier Wochen noch sein wird, wenn es durch die näher rückende Monsunzeit schon mehr geregnet hat. Überraschenderweise ist die Straße in einem halbwegs guten Zustand und auch asphaltiert. Nur direkt zu Beginn scheint der Hang abgerutscht zu sein und wir müssen wenige hundert Meter über eine staubige Sandpiste queren.

Mittags entdecken wir direkt neben der Straße am Fluss ein schattiges Plätzchen. Nachdem wir gegessen und es uns gerade zum Chillen neben dem Bus gemütlich gemacht haben, kommen ein paar kleine Jungs in Badehosen vom Fluss herauf gelaufen. Es werden immer mehr und bald ist klar: die nepalesische Neugier ist mal wieder nicht nach wenigen Minuten befriedigt. Sie sind gekommen, um zu bleiben. Und bis auf ein paar Worte können die Kids auch noch kein Englisch. Eini versucht die Jungs abzulenken, in dem er kurz in den Fluss springt. Doch bei seiner Rückkehr sind alle wieder da. Ich schnappe mir den Fotoapparat und mache Bilder in der Hoffnung, dass sie darauf keine Lust haben und verschwinden. Doch obwohl ein paar eher schüchtern sind, findet die Gruppe das jetzt ziemlich schnell lustig und bleibt. Da wir uns nicht mehr wirklich entspannen können, während zehn Augenpaare permanent auf uns gerichtet sind, und die Kleinen lautstark tuscheln und kichern, beschließen wir den Aufbruch.

Wir verabschieden uns und nehmen auf den Sitzen platz. Und, obwohl es wirklich nur ein klein bisschen bergauf geht, schafft Mr. Turtle es nicht zurück auf die Straße. Wir glauben das jetzt erstmal nicht. Eini probiert es noch einmal, erfolglos. Mit der Schaufel versuchen wir, den sandigen Weg ein bisschen auszubessern. Ich motiviere die Jungs dazu den Bus anzuschieben und sie sind gleich eifrig bei der Sache. Doch es bringt alles nichts. Erst mit weniger Luftdruck in den Reifen schafft Eini es schließlich doch noch die Straße zu erreichen. Puh, Glück gehabt!

Versteckt!

Die kurvige Straße führt uns langsam immer weiter in die Hügel. Mal sind wir weit oben über dem Fluss, dann wieder fast auf gleicher Höhe. Nur einen schönen erreichbaren Platz für die Nacht entdecken wir nicht. Schließlich fahren wir bergauf durch ein Waldgebiet. Dort inspizieren wir einen Waldweg, der uns sehr unberührt erscheint. Plötzlich steht mitten auf dem Weg ein Goldschakal. Wir sehen uns einen langen Moment in die Augen, dann rennt er weg. Eini fährt schließlich den Waldweg entlang, bis wir von der Straße nicht mehr zu sehen sind. Wir hoffen, hier endlich für uns sein zu können. Später am Abend kommt dann zwar eine Nepalesin vorbei, vermutlich auf dem Weg zu ihrem Dorf, aber ansonsten ist es sehr idyllisch.

Am nächsten Tag nutzen wir den schattigen Platz, um unsere Trekkingausrüstung zu packen. Wir bleiben spontan den ganzen Tag stehen und lediglich zwei weitere Fußgänger spazieren hier entlang. Er möchte ein Foto vom Bus machen, seine Frau drängt ihn aber schnell zum Weitergehen. Erst nach zwei Nächten trauen wir uns aus dem Waldversteck zurück auf die Straße. Wir müssen komplett rückwärts hinausfahren, zum Umdrehen ist kein Platz.

Endlich in Jiri

Bis Jiri ist es von hier dann auch nicht mehr allzu weit. Als wir dort ankommen, sind wir unsicher. Sollen wir hier nach einem Parkplatz suchen oder noch bis zum nächsten Ort weiterfahren? Wir probieren unser Glück, doch die Straße nach Shivalaya ist nicht mehr asphaltiert und zum Ende hin zu steil abfallend. Der Bus ist ziemlich eingestaubt, als wir nach Jiri zurückkehren. Dort parken wir am Bazar und laufen etwas ziellos umher. Bei den Gästehäusern brauchen wir nicht nach einer Parkmöglichkeit zu fragen. Sie liegen direkt an der Hauptstraße, die gerade eine große Baustelle ist. Wir biegen in eine Seitenstraße ab und entdecken die Geschäftsgebäude des Sozialen Vereins. Jiri war eines der Epizentren des großen Erdbebens vor – auf den Tag genau – drei Jahren und viele Menschen haben ihr zuhause verloren. Viele wohnen noch immer vorübergehend in Wellblechhütten. Auf einer Fotowand können wir sehen, dass hier schon vielen Leuten geholfen wurde, neue Häuser zu bauen.

Wir entdecken ein paar Nepalesen, die gerade beim Mittagessen sitzen. Einer spricht sehr gutes Englisch und vermittelt uns an jemanden weiter unten im Dorf, der uns wegen eines Parkplatzes weiterhelfen kann. So fahren wir mit Mr. Turtle auf eine große Weidefläche hinunter, um den Nepalesen zu treffen. Er bringt uns zum benachbarten Landwirtschaftszentrum. Auf dem Gelände befinden sich hauptsächlich Kuhställe und ein paar überdachte Flächen. Wir bieten dem Eigentümer 100 Nepalesische Rupien pro Tag und hoffen, dass sein Wachmann im Gegenzug gut auf Mr. Turtle aufpassen wird. Dieser wohnt mit seiner Familie direkt auf dem Grundstück.

Den Resttag verbringen wir auf der großen Wiese, befreien Mr. Turtle von einer dicken Staubschicht und waschen auf nepalesische Art Wäsche im Fluss. Von dem gescheiterten Versuch nach Shivalaya weiterzufahren hängt ein Teil der Anhängerkupplung nun etwas schief am Bus. Glücklicherweise ist sonst alles in Ordnung. Der Nepalese hängt auch noch eine Weile bei uns herum und holt noch einen Freund dazu. Gemeinsam schauen sich die zwei wieder in aller Ruhe an, was wir so tun. Mit gemischten Gefühlen parken wir am nächsten Morgen im Kuhstall , machen die Vorhänge zu und schließen ab. Dann setzen wir die Rucksäcke auf und laufen los.

Parkplatz in Jiri, Nepal.
Auf Wiedersehen Mr Turtle!

Der Beitrag zu unserer 26 Tage Trekking-Tour, die uns von Jiri in den Sagarmatha Nationalpark, über die Pässe Renjo La, Cho La und Kongma La , zum Everest Basecamp und zurück nach Jiri geführt hat, folgt im Outdoor-Tagebuch. 


Als wir mal wieder in Ruhe vor der Straßenkarte sitzen, fällt uns auf, dass wir auch direkt vom Aranko Highway über eine andere Straße nach Jiri hätten fahren können. Über deren Zustand wissen wir jedoch nichts.


 

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