Von Jiri nach Kakarbhitta an der indischen Grenze

Nach 26 Tagen Trekking haben wir es geschafft: Wir sind zurück bei Mr. Turtle in Jiri. Von dort wollen wir in den kommenden Tagen nach Ostindien fahren. 433 Kilometer liegen bis dahin noch vor uns. 

Nach 26 Tagen Trekking (Der Beitrag im Outdoor-Tagebuch folgt) sind wir zurück in Jiri. Es ist gerade dunkel geworden, als wir vollkommen durchgeschwitzt die letzten 300 Meter durch das Gelände des Landwirtschaftszentrums torkeln. Knapp 32 Kilometer und 2000 Höhenmeter haben wir heute in zehn Laufstunden absolviert. Wir wollen nur noch ins Bett. Doch vorher müssen wir dem Wächter Bescheid geben, dass wir zurück sind. Er begleitet uns zu Mr. Turtle und leuchtet ihn von allen Seiten mit der Taschenlampe ab. Alles in Ordnung.

Mr. Turtle ist im vorderen Teil komplett zugeschissen. Offensichtlich hat sich hier die letzten vier Wochen ein Schwarm Tauben vergnügt. Und er ist ziemlich eingestaubt. Die Fahrradbox ist an einer Ecke etwas eingedellt. Die Tierhaare an dieser Stelle verraten eindeutig eine Kuh als Täter. Nach georgischen Pferden, iranischen Dromedaren und indischen Affen, haben sich also nun nepalesische Kühe von der Box angezogen gefühlt. Nachdem der Wächter wieder zu seiner Hütte zurückgekehrt ist, machen wir uns noch eine Kleinigkeit zum Essen und gehen Duschen. Dazu reicht der Wasserschlauch, der die Viehtränke speist. Alle unsere Handgriffe finden natürlich unter den kritischen Augen der Kuhherde statt, die nebenan im Stall ihre Nachtruhe halten möchte. Die Dusche ist angenehmer als erwartet und so können wir glücklicherweise schweißfrei ins Bett.

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Stellplatz für Mr. Turtle.

Nepal Roadtrip

Als wir am nächsten Tag aufstehen, beschließen wir Jiri direkt zu verlassen. Wir fürchten, dass wir wieder zu viele Nepalesen anziehen und somit eh keine Ruhe haben, wenn wir uns noch einmal auf die Wiese stellen. Nach einem mageren Frühstück bezahlen wir den Parkplatz aka Kuhstall und fahren los. Wir kommen allerdings nur ein paar hundert Meter weiter bis ins Ortszentrum. Für die nächsten Tage wollen wir noch etwas einkaufen. Vor unserer Tour hat uns einer der Einheimischen erzählt, dass Jiri als die Schweiz Nepals gilt, da hier Schweizer den Nepalesen das Käsemachen beigebracht hätten. Wir merken davon nichts und werden nun auf der Suche nach Käse von einem Laden zum nächsten geschickt. Schließlich stehen wir in der Küche einer Frau und bekommen doch noch ein Stück verkauft.

Als wir vom Berg hinunterfahren, wird es immer heißer. In den Bergen mit Schnee und Eis haben wir verdrängt, dass die schwüle Regenzeit naht. Wir schwitzen und der Ventilator muss Höchstarbeit leisten. Als der Nachmittag kommt finden wir in dem engen Flusstal mal wieder keinen Schlafplatz. Wir fahren und fahren und es ist schon dunkel als wir mitten auf einem kleinen Bergpass einen großen Schotterparkplatz finden.

Am nächsten Tag steuern wir einen bei ioverlander hinterlegten Schlafplatz an. Dieser liegt in der Nähe des Koshi Tappu Wildlife Reserve und stellt sich als Wiese direkt neben einer Straße heraus. Der Ausländertarif für den Eintritt in das Schutzgebiet ist uns mit 8 Euro pro Person zu teuer. Vor allem, weil es auch gar nicht mehr die richtige Jahreszeit ist, um die Zugvögel zu sehen. Auf dem Verwaltungsgelände des Reservats können wir allerdings umsonst die Arbeitselefanten, einen Geier, eine Art Minireh und ein paar andere Vögel anschauen. An einem Brunnen machen wir noch eine kleine Wäsche und als der erste Einheimische eine Parkgebühr von uns verlangt, fahren wir zurück zu der Wiese. Hier haben wir bis zum nächsten Morgen unsere Ruhe.

 

Morgens sieht das ganze schon wieder anders aus. Der Weg, an dem wir stehen dient dutzenden Kindern als Schulweg und so dauert es nicht lange, bis wir wieder von jeder menge Menschen (nicht nur Kindern) belagert sind. Wir haben keine Lust darauf und setzen uns rein. Die Kinder hält das leider nicht davon ab ins Auto zu schauen und auch immer wieder dagegen zu klopfen. Versuche sie zu vertreiben motivieren sie nur noch mehr. Irgendwann haben wir genug und fahren weiter.

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Schulkinder vor Mr. Turtle.
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Aber auch die Dorffrauen schauen sich das mal aus der Nähe an.

Dharan

Wir weichen noch einmal von der Hauptroute nach Indien ab und besuchen Dharan. Es ist die drittgrößte Stadt in Nepal und hat den Beinamen Green City. Letztendlich gibt es dort aber nicht wirklich etwas zu sehen. So beschränken wir unseren Ausflug darauf Pizza zu essen und die gute Auswahl an Supermärkten zu nutzen, um die Vorräte wieder aufzustocken. Die anschließende Schlafplatzsuche wird dann zu einem kleinen Abenteuer. Auf Google Maps haben wir auf einem Berg einen Tempel ausgemacht. Dort wollen wir hin. Aus der Asphaltstraße wird eine Staubpiste und die Brücke über einen Fluss entpuppt sich als Fußgängerweg. Getreu dem Motto, mach es wie die Einheimischen, folgen wir einem Tuk-Tuk und stellen fest das man problemlos durch das ausgetrocknete Flussbett fahren kann. Danach geht es auf einer Holperpiste für mehrere Kilometer bergauf. Der Tempel befindet sich direkt neben einem kleinen Dorf am Berghang. Uns ist schon vorher klar, dass wir auch hier wieder keine Ruhe haben werden. Aus Mangel an Alternativen bleiben wir und haben trotz sporadischen Besuchen etwas Ruhe. Den nächsten Tag verbringen wir dann spontan auch noch hier, um uns von der Flucht aus Jiri zu erholen.

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Dorftreff bei Mr. Turtle in Dharan.

Das Freilichtmuseum

Unser Ziel ist nach wie vor die indische Grenze. Nicht das wir uns besonders auf Indien freuen würden. Eher im Gegenteil. Aber da inzwischen schon Ende Mai ist und wir drei Monate in Nepal verbracht haben, zieht es uns doch weiter. Die Tagesetappen bleiben aber aufgrund des Verkehrs und der Hitze überschaubar. Seit wir aus den Bergen gefahren sind, erinnert uns auch vieles schon wieder an Indien. Die Hautfarbe der Menschen ist deutlich dunkler und der Verkehr hat zugenommen. Unser letzter Zwischenstopp auf dem Weg zur  indischen Grenze ist ein paar Kilometer abseits der Hauptstraße an einem kleinen Fluss gelegen. Es ist sehr idyllisch und wir haben am ersten Tag sogar unsere Ruhe. Allerdings ist es auch wahnsinnig schwül. Vor allem nachts ist es im Bus wieder so unerträglich heiß, wie zuletzt in Indien auf dem Weg nach Nepal.

Wir nutzen ein paar Wasserstellen und einen kleinen Fluss im Wald als Dusche. Nachdem ich dort jedoch eine Wasserschlange entdecke, ist uns das nicht mehr so ganz geheuer. Und auch die sich mehrenden Warnungen der Einheimischen vor den wilden Elefanten, die des Nachts aus dem Dschungel kommen sollen, machen uns ein bisschen nervös. Doch wir sehen keinen einzigen. Dafür kommt am nächsten Tag Besuch. Und nicht gerade wenig. Als ich versuche zu lesen, schauen mir plötzlich fünf  Nepalesen über die Schulter und „lesen“ mit. Es scheint sich mal wieder in den umliegenden Dörfern herumgesprochen zu haben, dass wir da sind. Und so haben wir im Laufe des Tages – schätzungsweise und sicherlich nicht übertrieben – mehr als einhundert Menschen am Bus stehen. Nur wie so oft können 95 Prozent davon kein einziges Wort Englisch und stehen nur da. Irgendwann wird es zu viel und wir versuchen den Leuten klar zu machen, dass das Freilichtmuseum „Lustige Busmenschen“ nun schließt. Das funktioniert mangels fehlender Sprachkenntnisse natürlich nur bedingt. Gegen Abend lässt das Interesse aber glücklicherweise langsam nach. Wir haben wieder einige Warnungen vor den Elefanten bekommen und die Dörfler sind nach Sonnenuntergang dann doch lieber in ihren Häusern. Elefanten sehen wir aber wieder nicht.

 

 

Ausreise in Kakarbhitta

Nach zwei Nächten ziehen wir weiter und fahren Richtung Kakarbhitta, dem letzten Ort auf nepalesischer Seite. Vorher tanken wir noch voll, denn Diesel ist in Nepal günstiger als in Indien. Wir kaufen noch ein paar Dosen Bier und wechseln unsere letzten Nepalesischen Rupien in Indische Rupien.

Im Vergleich zu unserer Einreise nach Nepal in Sunauli, scheint es an der Grenze in Kakarbhitta etwas mehr Struktur zu geben. Wir haben hier die bisher schnellste und entspannte Ausreise auf unserem Trip. Am Schalter für die Pässe ist nichts los und so erhalten wir nach zwei Minuten unsere Ausreisestempel. Auch beim Zoll wird unser Carnet sofort bearbeitet. Der Beamte weiß diesmal ganz genau was er zu tun hat. Von Mr. Turtle selber will er nichts sehen und interessiert sich nur für die Papiere. So verlassen wir am 28. Mai 2018 Nepal. Wir haben sieben Tage für die letzten 433 Kilometer benötigt.

Namaste Nepal!

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Zum Abschied kaufen wir noch Nepalesisches Bier auf Vorrat.

 

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