Mountainbiken im Manakamana-Tempel-Bikepark

Laut der Beschreibung in unserem MTB-Tourenbuch gibt es in Manakamana den einzigen „Bikepark“ Nepals. Zumindest kommt man mit der Gondel auf den Berg. Die nutzen jedoch fast ausschließlich Pilger und ihre Ziegen. Welches Schicksal letztere dort ereilt, haben wir bei unserem Tempelbesuch auch herausgefunden.

Nach einer kurzen Autofahrt erreichen wir zur Mittagszeit die Talstation von Manakamana. Dort ist die Hölle los. Eine hunderte Meter lange Schlange staut sich vor dem Eingang. Einen Tag vor dem nepalesischen Neujahr vermutlich nichts Ungewöhnliches. Es handelt sich bei den Wartenden ausschließlich um indische und nepalesische Pilger auf dem Weg zum Tempel von Manakamana. Wir wollen dort zwar auch vorbeischauen, doch eigentlich ist unsere Motivation für die Auffahrt mit der Gondel uns einmal das hochpedalieren zu ersparen und mehr Energie für den Downhill zu haben. Laut unserem Tourenbuch sei das hier schließlich so etwas wie der einzige Bikepark Nepals. Doch, ob wir die Tour bei dem Andrang wirklich starten sollen? Erstaunlicherweise bekommen wir nach kurzem Warten einen Parkplatz direkt an der Talstation. Privatautos gibt es in Nepal nicht so viele. Die Leute reisen für gewöhnlich mit Bussen und Jeeptaxis. Trotz der Menschenmassen und recht hohen Temperaturen beschließen wir unseren Plan beizubehalten und die Bikes aufzubauen.

 

Österreich-Schweizerische Baukunst in Nepal

Anschließend stelle ich mich für die Tickets an. Die einfache Bergfahrt kostet umgerechnet zwölf Euro. Das ist natürlich der Ausländerpreis. Für den zusätzlichen Transport einer Ziege sind zwei Euro zu zahlen, die Mitnahme der Bikes ist umsonst. Man merkt gleich, wer hier öfters vorbeikommt. Der Tempel von Manakamana ist der hinduistischen Göttin Bhagwati gewidmet. Es heißt, sie erfülle den Pilgern alle Wünsche und wir haben gelesen, dass vor allem frisch verheiratete Paare hier her kommen, um sich männlichen Nachwuchs bei Bhagwati zu wünschen. Wer kann, unterstreicht die Ernsthaftigkeit seiner Bitte, indem er eine Ziege opfert.

Als ich die Tickets in der Hand halte werden wir, zu unserer Freude, zu einem Seiteneingang des Gebäudes gelotst. Wir vermuten wegen der Bikes – oder des Touristenpreises. Und so stehen wir kurz darauf am Anfang der Schlange. Die Räder kommen in eine Materialgondel, wir folgen mit der nächsten Personengondel. Das Doppelmayr-Logo prangt auf der Gondel, da fühlt man sich tatsächlich kurz wie in einem Bikepark. Die knapp drei Kilometer lange Fahrt bringt uns zwar 1000 Meter höher, ist aber dennoch recht kurzweilig. Immerhin können wir unter uns schon Teile des Trails ausmachen, der sich in unzähligen Serpentinen die ziemlich direkte Falllinie den Berg hinunterschlängelt. Das kann ja noch heiter werden.

 

Der Tempel von Manakamana

Nach etwa zehn Minuten Fahrt steigen wir schon in Manakamana aus. Direkt am Ausgang sind mehrere Ziegen angebunden, die hier vermutlich heute noch geopfert werden sollen. Wie erwartet ist hier oben viel los. Überall verkaufen Händler Souvenirs, religiösen Nippes, Essen und Trinken an die Pilger. Andere westliche Touristen sehen wir nicht. Wir gönnen uns ein Mittagessen und gehen dann zum Tempel. Dieser ist von einem Baugerüst umgeben und darunter nur schlecht zu erkennen. Wenn man trotzdem ein schönes Bild von sich und dem Tempel haben möchte, kann man sein Abbild bei einem der zahlreichen Händler vor Ort einfach auf ein Tempelfoto retuschieren lassen. Vor dem Tempel stehen auf und neben einem langen Tisch Kerzen und andere Opfergaben. Überall qualmen Räucherstäbchen und die Pilger machen Fotos mit ihren Handys. Als wir duch eine Seitenstraße den Trubel hinter uns lassen wollen, verarbeitet jemand dort gerade eine frisch geschlachtete Opferziege.

 

 

Der Downhill von Manakamana

Abseits des Tempels wird es wie erwartet ruhiger. Kaum Pilger steigen zu Fuß ab, die Mehrheit fährt mit der Bahn wieder herunter. Also können wir ungestört den Downhill beginnen. Das erste Stück ist noch gut zu fahren, hat aber schon die ein oder andere anspruchsvolle Stelle. Wir nutzen die Gelegenheit zum Aufwärmen und fahren manche Stellen mehrmals. Dank der Gondelauffahrt, haben wir ausreichend Kraftreserven für Spielereien. Noch. Die Anfangseuphorie weicht auch bei dieser Tour wieder relativ schnell: Schon im Anfangsteil ist der Weg plötzlich extrem verblockt und selbst ich schiebe sicherheitshalber einige Stellen. Man darf nicht vergessen, wir sind auf Reisen und müssen umso mehr darauf achten, defensiv zu fahren, um Stürze zu vermeiden.

 

Kurz nachdem wir ein Dorf – von uns wegen seiner lila Dächer spontan „Milka“ Dorf getauft -passieren, startet die Serpentinen-Abfahrt, die wir aus der Gondel schon teilweise gesehen haben. Über 500 Höhenmeter folgt auf eine Haarnadelkurve die nächste. Die ersten sind eng und auch sehr steil, doch je weiter wir hinunterfahren, umso flüssiger läuft es. Auch Isi meistert nach viel Schieben und Fluchen über die zu schwierigen Spitzkehren bestimmt noch etwa 25 der schätzungsweise 60 bis 70 (!). Dort wo es endlich mal läuft, wiederholen wir einige der Kehren, um zu üben.

 

 

Immer wieder kreuzen sich unsere Wege mit einem Pärchen, das über den Trail absteigt. Er sagt in gebrochenem Englisch zu mir, das es lebensgefährlich sei, was wir tun, ist aber trotzdem fasziniert. Seine schwangere und barfuß laufende Frau will von alledem nichts wissen. Sie ist vom Abstieg fix und fertig, sitzt irgendwann auf dem Trail und heult sich die Seele aus dem Leib. Wir können sie nur zu gut verstehen.

Das letzte Stück zur Talstation führt durch ein Dorf. Hier werden wir von einem guten Dutzend rennender und lachender Kinder begleitet, bevor wir über eine Hängebrücke zurück zu Mr. Turtle fahren.

Tourenbilanz: Fünf Kilometer mit ca. 50 Höhenmetern und 1000 Tiefenmetern. Anspruchsvolle steile Abfahrt mit wenigen flowigen Stellen und somit wenig Gelegenheiten sich vorher „warm“ zu fahren. Ideal, wenn man Spitzkehren auf hohem Niveau fahren und Hinterradversetzen üben möchte. Da fast alle Pilger mit der Bahn auch wieder ins Tal fahren, sind kaum Wanderer auf dem Weg unterwegs. Mit einem Bikepark hat Manakamana allerdings nur die Gondelfahrt gemeinsam.

Tourentag: 13. April 2018

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