Mountainbiketour im Kathmandu-Tal

Seit Wochen, ach was, Monaten freuen wir uns auf Mountainbike-Touren in Kathmandu. Hier soll es einige der flowigsten Trails des Landes geben. Doch die Luftverschmutzung in Nepals Hauptstadt und hohe Eintrittspreise in den Shiva Puri Nationalpark trüben nicht nur den Fahrspaß.

Wir starten die Tour an unserem Schlafplatz in einem Wohngebiet von Kathmandu. Von dort müssen wir noch einmal für ein paar Kilometer auf die Hauptstraße. Die 300 Höhenmeter aus dem Stadtkessel heraus zum Eingang der Shiva Puri Nationalpark führen uns dann aber doch weitestgehend über ruhige Nebenstraßen. Als wir gerade den vom Militär schwer bewachten Eingang des Parks erreichen, fühlt sich plötzlich mein Hinterreifen schwammig an. Und ja, ich habe richtig gefühlt, zehn Meter vor dem Eingang hat mein Bike einen Platten.

Der Shiva Puri Nationalpark in Kathmandu

Während ich den Reifen flicke, von mehreren neugierigen Nepalesen umzingelt, erkundigt sich Isi nach den Eintrittsgebühren. Wir sind geschockt. Der Eintritt pro Person wäre ja mit 525 Rupien (4,20 Euro) noch in Ordnung. Aber 1000 (!) Rupien pro Fahrrad (fast 10 Euro) sind es nicht. Nepalesen zahlen nur 1/10 des Preises. Die Gebühr für ein Motorrad oder einen Roller beträgt ebenso nur einen Bruchteil. Aber damit kommen die Ausländer in der Regel auch nicht. Hier will die Regierung mal wieder ganz offensichtlich die Touristen melken. Wir sind frustriert. Den Nationalpark würden wir bei dieser Tour sowieso nur drei Kilometer queren. Inzwischen bin ich mit meinem Reifen fertig und suche alternative Wege im GPS-Gerät, um das Gebiet zu umgehen. So lassen wir das verdutze Personal zurück und starten einen anderen Versuch, um doch noch zu unserer Tour zu kommen.

Heute ist (noch) kein Glückstag für Mountainbiker

Wir finden einen Weg, der uns unterhalb des Shiva Puri am Hang entlang führt. Und im Gegensatz zur Straße, die uns im Nationalpark erwartet hätte, ist das hier sogar ein über weite Teile fahrbarer Uphill Trail. Wir queren mehrere kleine Dörfer und Höfe und immer wieder sehen wir Büsche mit wildem Marihuana. Ein paar einheimische Jungs grinsen als wir auf die Büsche zeigen. Bei einer kurzen Abfahrt bleibe ich in einem Graben hängen. Mehr oder weniger kontrolliert, steige ich über den Lenker ab. Mit einem lauten Schlag fällt das Bike dabei gegen einen Felsen. Ich stehe auf und fahre weiter. Aber nach ein paar Metern muss ich feststellen, dass sich nichts mehr dreht und in diesem Moment blockiert auch das Hinterrad. Jetzt erst schaue ich nach unten – es sieht hässlich aus. Der Umwerfer hängt etwas lädiert in meinen Speichen und das Schaltauge ist verbogen. Ein Ersatzteil haben wir glücklicherweise, aber das liegt im Bus.

Wir suchen vergeblich eine Stelle mit Schatten und lassen uns in der Sonne auf der Straße nieder. Dann versuche ich mich an einer Reparatur ohne Ersatzteil. Das Ganze ist so verdreht, dass ich sogar die Kette trennen und abziehen muss. Erst dann kann ich den Umwerfer mitsamt Schaltauge entfernen. Letzteren bearbeite ich vorsichtig mit einem Stück Holz und einem Stein bis er wieder halbwegs gerade ist. So vergehen gut anderthalb Stunden, aber wir können die Tour immerhin fortsetzen. Glück gehabt. Wäre das Schaltauge gebrochen – was ja auch eigentlich seine Aufgabe ist, um den Rahmen zu schützen – hätten wir wieder nach Hause gehen können.

Trailreiche Belohnung für die Abenteurer

Als wir weiter fahren kommen wir doch noch auf einem Trail an den unteren Rand des Nationalparks. Der Weg führt weiter den Hang entlang durch ein schönes Waldstück. Doch immer wieder blockieren Felsen die Weiterfahrt und wir müssen absteigen. Und bald landen wir dann doch noch auf unserem ursprünglich geplanten Track. An einem Aussichtspunkt mit Kiosk machen wir eine Pause – dieses Mal im Schatten. Aber Aussicht haben wir nicht wirklich. Kathmandu liegt unter einer großen Smogglocke. Wir verstehen etwas besser wieso wir da unten Atem- und Augenprobleme haben.

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Und dann haben wir tatsächlich noch eine wunderschöne Abfahrt durch einen schattigen Kiefernwald. Nur an wenigen Stellen ist der Trail verblockt und wir können es meistens laufen lassen. An einigen Stellen ist der Boden komplett mit Kiefernnadeln bedeckt und sieht etwas rutschig aus. Ich probiere das dann auch gleich mal aus und lege mich zum zweiten Mal an diesem Tag auf die Nase. Der Wald ist außerdem mit bunten Gebetsfahnen geschmückt, was der Abfahrt eine ganz besondere Atmosphäre verleiht. Viel zu schnell sind wir aus dem Wald wieder draußen und erreichen die Ausläufer der Stadt. Hier passieren wir noch mehrere Tempel und finden über einige Irrwege zurück zu Mr. Turtle.

Tourenbilanz: 20 Kilometer und 750 Höhenmeter.
Den Nationalpark sollte man bei dieser Tour einfach nicht offiziell betreten. Auch wenn die Umfahrung sicherlich anspruchsvoller und ohne GPS nicht zu finden ist, stehen die drei Kilometer auf der Nationalpark-Straße in keinem Verhältnis zu den Eintrittskosten. Die Abfahrt war toll. Die Kosten, der Smog und eine möglicherweise dadurch entstandene Trägheit nehmen uns dennoch die Lust auf weitere Touren in Kathmandu. Es zieht uns wieder in die hohen Berge, wo wir noch einmal vier Wochen trekken gehen. Doch vorher gibt es doch noch einen schönen Mountainbike-Abschluss in Nepal. Bald mehr dazu!

Tourentag: 16. April 2018

Kathmandu Tal.
Das Kathmandu Tal.

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