Um die Annapurna in 20 Tagen – Teil 1: Von Pokhara (Arba) bis Besisahar

Die Annapurna-Umrundung in Nepal mal anders: Wir sind in der Nähe von Pokhara gestartet und haben die ersten sechs Tage im Zelt geschlafen. Dabei waren wir teilweise auf dem Great Himalayan Trail unterwegs. Erst in Besisahar stoßen wir auf die offizielle Route der Annapurna-Umrundung.

1. Tag: Von Pokhara (Arba) bis Yangakot

Von der Lakeside in Pokhara nehmen wir einen Bus nach Arba. Nach der etwa 20 minütigen Fahrt katapultiert uns der Busjunge ungeduldig auf die Straße. Dort stellen wir fest, dass es bis Arba noch drei Kilometer zu laufen sind und der Bus doch eigentlich bis dorthin fahren sollte. Es ist heiß, die Sonne brennt uns auf den Kopf und die Rucksäcke sind schwer. Wir kaufen kalte Getränke und gehen los. Bald kommt uns auch der Bus wieder entgegen und der Busjunge winkt uns zu … Wir schleppen uns eine Weile durch die heiße Ebene, bis wir den Fluss überqueren können. Dort führt der Weg eine steile Steintreppe bergauf. Die schweren Rucksäcke ziehen an den Schultern. Immerhin ist die Aussicht auf das Tal und die Reisterrassen von hier sehr schön. Wir passieren ein Dorf, dass sich idyllisch an den Hang schmiegt. Auf dem nächsten Bergrücken mit Aussicht angekommen, machen wir Mittagspause.

Als wir absteigen kommt uns in einem Wald ein Ziegenhirte entgegen. Er kann zwar kein Englisch, läuft aber einfach den Weg in die Richtung zurück, aus der er gekommen ist. Vermutlich will er uns die nächsten 20 Meter Weg zeigen. Dann fragt er auch schon nach „money“. Wir steigen steil den Wald herunter. Der Weg ist schlecht zu erkennen, liegt voll Laub und ist rutschig. Nach einer Weile kommen wir im nächsten Dorf an. Während wir an einem Wasserhahn am Dorfrand die Flaschen auffüllen, sammeln sich Kinder und ein Mann um uns. Ganz offensichtlich kommen hier nur selten Touristen vorbei.

Uns ist noch nicht ganz klar, wo wir von hier den Fluss überqueren können. Als wir dem Mann unser Etappenziel „Yangakot“ nennen, weist er zurück ins Dorf. Wir laufen die Straße zurück und eine alte Frau zeigt in die Reisfelder, als sie uns sieht. Wir sind skeptisch, denn der Weg führt wirklich mitten in die Reisterrassen. Doch wir befolgen ihren Hinweis und steigen dabei tatsächlich zu einer Hängebrücke ab. Auf der anderen Seite gehen wir wieder den Hang hinauf, bis wir auf die Jeepstraße treffen. Auf einmal läuft ein Mann neben uns. Auch er kann kein Englisch, doch wir haben wieder das Gefühl, dass er uns führen möchte. Er sagt immer wieder einen Satz mit „Dollar“. Doch kurz darauf biegt er an einer Kreuzung ab.

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Wir steigen noch bis zum nächsten Dorf auf. Bis Yangarkot sind es immer noch 300 Höhenmeter, die schaffen wir nicht mehr. Oberhalb von einem alleinstehenden Hof beschließen wir zu übernachten. Es gibt nicht so viele ebene Stellen und wir bauen das Zelt direkt neben dem Weg auf. Zum Abendessen lassen wir uns Spaghetti mit Tomatensoße und Tee schmecken. Dann fängt es an zu regnen und wir verkriechen uns im Zelt. Als wir zwei Stunden später schlafen wollen, leuchtet plötzlich jemand den Hang mit einer starken Taschenlampe ab. Vermutlich auf der Suche nach Kühen. Kurz darauf kommen mehrere Männer zu uns heraufgestiegen und leuchten direkt auf das Zelt. Eini sagt ihnen, dass sie das lassen sollen, da wir schlafen möchten. Die Männer kichern zwar noch wie kleine Kinder, ziehen dann aber glücklicherweise ab.

Tagesbilanz: 15 Kilometer, 930 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 7 h 30 min

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Erster Zeltplatz am Wegesrand.

2. Tag: Von Yangakot nach Bhachok

Nach einer unruhigen Nacht wachen wir um 6:30 Uhr auf. Als wir zusammenpacken kommen drei Männer den Weg hinaufgelaufen. An dem Gekicher erkennen wir die abendlichen Störenfriede sofort. Sie fragen, ob wir nur zu zweit unterwegs sind, dann gehen sie weiter bergauf. Die Sonne kommt bald heraus und es ist schon wieder schwül. Der Weg zum nächsten Dorf ist sehr steil. Dieses ist dann ziemlich hübsch. Alle Häuser sind mit Steinen gebaut, die Grundstücke sind von kleinen Mauern umgeben, der Boden ist gepflastert. In den Innenhöfen stehen Wasserbüffel und Ziegen mit Nachwuchs.

Wir halten für Wasser am Brunnen und sind sofort von vielen Kindern umzingelt, die gerade auf den Schulbus warten. Viele Bergdörfer haben inzwischen einen Busanschluss, zumindest in der Trockenzeit. Die Straßen, auf denen sich die Busse über die Hügel kämpfen sind natürlich nicht asphaltiert. Als wir gerade wieder die Rucksäcke schultern, fragt uns wieder ein Mann, ob wir allein unterwegs sind und wo wir hin wollen. Dann zeigt er auf einen Fußpfad, der von der Straße abzweigt. Wir sparen uns die übrigen 60 Höhenmeter Aufstieg nach Yangarkot und laufen den Pfad immer am Hang entlang. Der Baum- und Strauchbewuchs wird immer dichter und die Vegetation mit jedem Meter grüner. Schnell finden wir uns in einer Art Regenwald wieder.

Der Weg ist ein Stück von Farn gesäumt. Wir gehen auf einer Steintreppe bergab. Mit den schweren Rucksäcken ist jeder Schritt anstrengend. 400 Tiefenmeter geht es nur langsam voran, unsere Knie zittern. Am tiefsten Punkt angekommen, führt eine alte Stahlhängebrücke etwa 20 Meter über den Fluss. Dahinter steigt der Pfad wieder leicht an. Kurz bevor wir aus dem Wald heraustreten, treffen wir auf ein nepalesisches Paar. Er sitzt etwa 15 Meter hoch im Baum und schneidet mit einer Sichel Zweige ab. Sie steht unten und sammelt alles ein. Für uns machen sie eine Pause und so kommen wir ohne eine Ladung Grünzeug auf dem Kopf zu bekommen an der Stelle vorbei.

Wenig später erreichen wir unser Mittagsziel. Leider wirkt alles ziemlich ausgestorben. In einem kleinen Dorfladen können wir immerhin Instantnudeln kaufen. Als wir den Kocher neben einem Wasserhahn aufgebaut haben, stehen dann aber plötzlich sechs Einheimische neben uns. Den Benzinkocher finden sie ziemlich faszinierend und betrachten ihn von allen Seiten. Nach dem anstrengenden Morgen schmecken diese Nudeln so gut, wie keine vor- und wohl auch nie wieder welche nach ihnen. Als wir das Dorf verlassen, fällt uns dann noch ein richtiges Wanderschild auf. Und wir verpassen  anscheinend ein Stück Pfad und laufen auf einer Jeepstraße bis zu unserem Tagesziel Bhachok.

Wir hatten gelesen, dass es hier Homestays geben soll. Doch im Dorf ist nichts ausgeschildert. Ein Mann entdeckt uns und bringt uns zur Hütte seiner Schwester. Die zeigt uns einen rudimentären Unterstand, wo sich ganz offensichtlich die Familienbetten befinden. Wir wollen ihr nicht das Schlafzimmer wegnehmen und die ersehnte Dusche werden wir hier wohl auch nicht bekommen. Ein bisschen komisch fühlen wir uns, als wir das nette Angebot ausschlagen und uns verabschieden. Aber wir haben nun doch viel mehr Lust wieder zu zelten. Unterhalb des Dorfes finden wir in einer verwilderten Reisterrasse einen schönen versteckten Platz. Und nur wenig später hat Eini einen Blutegel am Bein hängen. Zum Glück haben wir vorgesorgt und können ihn mit Desinfektionsmittel vertreiben.

Tagesbilanz: 14 Kilometer, 800 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 8 Stunden

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Zeltplatz am zweiten Tag.

 

3. Tag: Von Bhachok zum Rudi Khola (Fluss)

Von unserem Schlafplatz steigen wir 160 Tiefenmeter zum Fluss ab. Auf dem Weg kommen uns Schulkinder – typisch nepalesisch in Flip Flops – entgegen. Der Fluss ist gestaut, damit das Wasser zu einer Sägemühle läuft. Am liebsten würde ich mich in das Wasserbecken legen, denn eine Dusche steht immer noch aus. Aber das kann ich mir sparen, denn hinter dem Dorf steigen wir 200 Höhenmeter auf einer sehr steilen Treppe auf. Die letzten 100 Höhenmeter in das Dorf Nagher, wo wir Mittagessen wollen verlaufen dann auf der Jeepstraße. Am Dorfeingang treffen wir direkt auf mehrere Jugendliche und eine Frau, die am Wasserhahn Geschirr spült. Bei dem kleinen Haus dahinter gibt es einen Kiosk – auch hier sind wieder Instantnudeln im Angebot – und man kann für uns kochen. Wir bestellen Reis mit Gemüse und ein Junge bietet uns auf der Terrasse Stühle an. Ein Mann kommt dazu und spricht uns in verhältnismäßig gutem Englisch an. Was er uns unbedingt wissen lassen möchte: „Here, Gurung people, very innocent.“ Wir verstehen das so: Die Gurung sind echt nette Leute.

Nach einer Weile bekommen wir Mittagessen und sollen uns in das Fernsehzimmer setzen. Im Hintergrund läuft eine amerikanische Serie. Das Essen ist sehr lecker aber leider viel zu wenig für unseren großen Wanderhunger. Da es aber so lange gedauert hat, können wir keine zweite Portion bestellen. Wir kaufen noch Istantnudeln für das Abendessen und verabschieden uns von den Männern, die gerade Mensch Ärger dich nicht spielen. Über eine Steintreppe geht es bergab und wir müssen uns trotz GPS-Gerät nach dem Trail zum nächsten Dorf erkundigen. Der führt uns dann über ein Grundstück und zwischen Reisetrassen entlang an eine Hangkante. Der Pfad ist sehr schmal und immer mal wieder sieht der Hang aus, als würde er bald abrutschen. Dann biegen wir noch falsch ab und enden nach 200 Metern in einer Sackgasse an der Hangkante. Trotz Mittagessen habe ich ein ziemliches Energietief und würde jetzt am liebsten ins Bett. Da hilft nur eine Schokoladenpause. Anschließend quäle ich mich zurück zur Jeepstraße, doch an der nächsten Kreuzung biegen wir wieder falsch ab. Zum Glück merken wir es schnell und kehren um.

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Weg mit Aussicht.

 

Kurz darauf kommt eine Frau aus ihrem Garten auf uns zugelaufen und steckt jedem eine Blüte hinters Ohr. Einfach so. Wir bedanken uns und der Abstieg hinter dem Ort wird immer steiler und rutschiger. Parallel wurde eine sandige Straße gebaut und ein Teil unseres Weges dadurch zerstört. Wir sehen auch schon die Ursache: Im Tal wird ein Wasserkraftwerk gebaut. Und dann kommen uns überraschenderweise eine Touristin mit ihrem Guide entgegen. Wir tauschen uns nur kurz aus, sie müssen noch weiter bergauf. Am Himmel stauen sich inzwischen dunkle Wolken und wir brauchen einen Zeltplatz. Im Dorf entdecken wir vor einer Hütte ein paar Hühner. Mit Händen und Füßen machen wir uns verständlich. Es dauert ein bisschen, bis die Leute verstehen, dass wir Eier kaufen möchten. Eine kleine alte Frau, die – vermutlich vom vielen Tragen – einen sehr gebeugten Rücken hat und mit dem Gesicht fast am Boden hängt, bringt uns die Eier.

An einem Seitenarm des Rudi Khola Flusses finden wir in den Büschen eine geeignete Stelle zum campen. Wir beseitigen noch ein paar Sträucher bevor wir das Zelt aufbauen. Als wir mit Waschsachen zum Fluss absteigen, fängt es dann schon an zu tröpfeln. Doch wir genießen erst einmal das frische Bad im kalten Wasser. Das erste nach drei Wandertagen! Doch als wir aus dem Wasser wollen, wird der Regen stärker. Wir schaffen es gerade so den Hang hinauf zum Zelt, bevor ein Gewitter über uns ausbricht. Die nächste Stunde erhellen die Blitze fast ununterbrochen das Zelt. Wir genießen das gemütliche trockenen Lager und vor allem genießen wir, dass wir nicht mehr stinken. Erst als der Regen und das Blitzzucken vorüber sind, können wir einschlafen.

Tagesbilanz: 15 Kilometer, 650 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 8 h 45 min

Schlafplatz neu
Zeltplatz am dritten Morgen.

 

4. Tag: Vom Rudi Khola zum Pasgaon Goth Pass

Bis das Zelt in der Morgensonne getrocknet ist und wir los können ist es auch schon zehn Uhr. Der Pfad führt mal wieder sehr steil bergauf. 800 Höhenmeter geht es fast pausenlos über Steintreppen. Wir sind zwar langsam unterwegs, brauchen aber wenig Pausen und schaffen es in zwei Stunden.

Zur Mittagszeit erreichen wir Pasagong. Das schöne Dorf liegt mitten auf einem Bergrücken. Wir fragen ein paar Einheimische nach einem Restaurant. Sie führen uns durch ein Tor vor ein kleines Haus, aber es ist niemand Zuhause. Wir warten eine Weile auf der Terrasse, während die Nachbarn die Besitzerin suchen. Unser Hunger wird dabei immer größer. Nach etwa einer halben Stunde hat der Nachbarsjunge die Gastgeberin gefunden. Da er ein bisschen Englisch spricht übersetzt er ihr für uns, was wir essen möchten und das sie bitte eine große Portion machen soll. Bis sie mit dem Kochen fertig ist haben wir zwei Stunden gewartet. Doch immerhin hat sie verstanden, dass wir Hunger haben und wir bekommen beide eine doppelte Portion Reis mit Gemüse. Während Eini sich das komplette Essen reinschaufelt, muss ich irgendwann aufgeben und packe die Reste in eine Dose. Zum Abschied schmiert uns die Frau noch Gee und Reis auf die Stirn und steckt uns eine Blüte hinter das Ohr. Eine Geste, die uns Glück bringen soll.

Wir durchqueren noch das Dorf, dann geht es auch schon wieder bergauf. Nach 500 Höhenmetern erreichen wir den Pass. Dort entdecken wir eine große Wiese, perfekt zum Zelten. Doch wir haben kaum noch Wasser. Wir hatten eigentlich vor, heute auch noch abzusteigen und die Flaschen deshalb nicht mehr aufgefüllt. Eine halbe Stunde lang suchen wir nach einer Wasserstelle, geben aber bald auf und entscheiden trotzdem zu bleiben. Die Aussicht auf die Annapurna ist von hier einfach zu schön. Als wir im Bett liegen, zieht wieder ein Gewitter heran. Zum Glück bricht es nicht über uns aus, denn wir zelten doch etwas exponiert auf dem Berg.

Tagesbilanz: 9 Kilometer, 1400 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 8 h 15 min

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Zeltplatz Nummer 4.
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Endlich Aussicht auf die Annapurna.

5. Tag: Vom Pasgaon Goth Pass zum Bimda Village

Wir sind gerade einmal 100 Höhenmeter abgestiegen, da treffen wir auch schon auf eine Wasserstelle. Von hier geht es steil bergab und das strengt mal wieder sehr an. Zum ersten Mal wünsche ich mir Wanderstöcke. Als wir endlich im Tal angekommen sind, machen wir am Fluss eine Pause und kühlen die Füße im Wasser. Dann geht es auch schon wieder eine steile Treppe bergauf in das Dorf Bujung. Wir wollen den Ort etwas umgehen, da auf der Karte eine Permit-Kontrolle eingezeichnet ist. Würden wir hier kontrolliert, würde man uns an einem späteren Checkpoint bei Besisahar wahrscheinlich wieder ausstempeln. Dann wären wir gezwungen neue Permits für die restliche Tour zu kaufen. (Die nepalesische Regierung hat hier sehr strenge Regelungen, um möglichst viel Geld mit den Touristen zu machen.) Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden. Meine Beine sind sehr schwer und wir bekommen Hunger, wollen aber heute auch noch Besisahar erreichen. Als wir im Dorf Nayan ankommen, bestellen wir uns also kein Mittagessen, sondern kaufen uns am Kiosk reichlich Zucker: eine Dose Ananas, Kekse, Schokoriegel und Getränke. So können wir nach einem schnellen Snack gleich weiterlaufen. Reichlich überzuckert geht das auch kurze Zeit gut. Doch bald bereuen wir es, nicht Mittag gegessen zu haben.

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Wasserbüffel und ihr Hirte auf dem Weg nach oben.

Auch das Dorf Galgauen umlaufen wir wegen einer Permit-Station. Über einen Bergrücken steigen wir langsam ab und kommen wieder auf eine Jeepstraße. Es dämmert bereits und ich bin müde. Aber irgendwie glauben wir trotzdem noch daran, es bis Besisahar zu schaffen. An einem Kiosk können wir Hefeschnecken kaufen und ein Mann schüttelt mit dem Kopf als wir ihm sagen, wo wir heute noch hinwollen. Als wir den Abstieg auf dem Wanderweg fortsetzen, fängt es an zu regnen. Noch dazu, man glaubt es kaum, ist der Weg so steil, wie keiner zuvor. Dann merke ich auch noch, dass meine Stirnlampe im Rucksack an war und die Akkus jetzt leer sind. Wir haben also nur eine Lampe und mein Handylicht. Irgendwann erreichen wir endlich die Straße. Es ist leider kein Auto in Sicht, sonst würden wir nach einer Mitfahrgelegenheit fragen. Dafür hört es auf zu regnen. Wir haben eingesehen, dass wir es nicht mehr nach Besisahar schaffen werden und suchen einen Zeltplatz. Bis wir am Hang im dunkeln etwas Geeignetes finden dauert es dann aber nochmal fast eine Stunde. Wir lassen uns schließlich fix und fertig auf einer Reisterrasse nieder und gehen ohne Abendessen ins Bett.

Tagesbilanz: 26 Kilometer, 1100 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 13 h 15 min

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Aussicht.
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Das letzte Tageslicht.
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Wir können uns an der Aussicht kaum sattsehen.

6. Tag: Vom Bimda Village nach Besisahar

Müde, hungrig und durstig steigen wir am Morgen eine Stunde in das Tal ab. Uns kommen viele Schulkinder entgegen. Als wir endlich in Besisahar ankommen, suchen wir uns ein Hotel und frühstücken. Wir sind beide gerädert und nicht in der Lage eine klare Entscheidung zu treffen. Die Hotels in der Straße sehen eher nach Spelunken aus, als nach Gemütlichkeit. Sie kommen für zwei Übernachtungen nicht infrage. Da wir den Plan haben, dass Eini unsere Campingausrüstung nach Pokhara zurückbringen soll und wir ohne diese die restliche Tour unternehmen wollen, bleiben wir nicht wie viele Trekker nur über Nacht im Ort. Nach zwei Stunden entscheiden wir uns für eine Unterkunft eine halbe Stunde Busfahrt entfernt in dem Dorf Chipleti Dalal.

Internetbewertungen geben uns das Gefühl, hier in einer grünen Oase Entspannung zu finden. Was wir nicht sehen, die guten Bewertungen sind schon etwas älter … Nach einer wilden Shopping-Aktion nehmen wir den Bus zu der Unterkunft. Als wir dort ankommen sind wir enttäuscht. Die Hütte, in der wir schlafen sollen ist in einem jämmerlichen Zustand, das einfache Badezimmer ebenfalls ungepflegt. Der zuvor am Telefon mit der Besitzerin, die gerade in Kathmandu ist, ausgehandelte Preis „ein Missverständnis“. Wir diskutieren noch eine Weile, sind aber einfach zu erledigt, um wieder nach Besisahr zurückzufahren und etwas anderes zu suchen. Immerhin sind wir in der Natur und während ich am nächsten Tag auf Einis Rückkehr warte, kann ich draußen im Garten sitzen und auf den Fluss hinuntersehen. Wir revanchieren uns bei der Abreise mit einer entsprechenden Bewertung bei Trip Advisor, um zukünftigen Gästen die Illusionen zu nehmen, die durch die alten Bewertungen entstehen könnten. Wir glauben nicht, dass hier in jüngster Vergangenheit andere Touristen waren. Zum Glück waren die Hauptmahlzeiten genießbar. Nur schlafen können wir in den unbequemen Betten und mit nächtlichem Mäusebesuch nicht gut.

Tagesbilanz: 4 Kilometer, 50 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 1 h 45 min

7. Tag: Pausentag

Eini will um 6:30 Uhr einen Microbus nach Pokhara nehmen. Immerhin mit der Organisation davon haben unsere Gastgeber uns helfen können. Der Bus ist dann zwar eine halbe Stunde zu spät, trotzdem klappt alles reibungslos. Für die Rückfahrt tut er sich mit zwei Nepalesen von der Hinfahrt zusammen und sie teilen sich ein Taxi. So erspart er sich stundenlanges Warten auf den Bus. Unerwartet ist Eini somit schon um halb vier zurück. Ich habe in der Zeit Wäsche gewaschen und mich tatsächlich etwas entspannt, obwohl man mir morgens Müsli á la Ameisen serviert hatte.

Gesamtstrecke: 5.000 Höhenmeter und 83 Kilometer
Tourendatum: 13. bis 18. März 2018

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Weiterführende Informationen zur Tour:

Sehr wichtig: Unbedingt ausreichend Bargeld dabei haben! Auf der kompletten Annapurna-Runde gibt es selten irgendwo Geldautomaten und wenn doch, beispielsweise in Jomson, dann funktionieren sie meistens nicht!

Allgemeines und Packliste:

Die Tour ab Pokhara ist für den „normalen“ Annapurna-Wanderer nur bedingt zu empfehlen. Wir hatten eine komplette Campingausrüstung (Schlafsäcke, Isomatten, Zelt, Kochgeschirr) und Essen dabei. Mit der übrigen Ausrüstung, die uns auch noch während der restlichen Tour begleitet hat (Wasserfilter, Flaschen, Stirnlampen, Kamera, Handy, GPS-Gerät, Ladekabel, Powerbank, Regensachen, Wechselkleidung, Daunenjacken, warme Kleidung, Handtücher, Hygieneartikel, viele Snacks) und dem ein oder anderen an Equipment zu viel sind wir am ersten Tag mit 20 (Isi) und 25 (Eini) Kilogramm in den Rucksäcken gestartet!

Unterwegs:

Die Ortschaften haben auf verschiedenen Karten und „in Echt“ oft mehrere Namen. Manchmal sind nur ein paar Buchstaben anders, manchmal lauten die Namen komplett unterschiedlich.

Es gibt vereinzelte Homestays und „Restaurants“ auf der Route, die ab dem dritten Tag identisch mit dem „Great Himalayan Trail“ ist. Die Unterkünfte sind sehr rudimentär und auch von außen nicht unbedingt als solche zu erkennen.

Was uns in diesen sechs Tagen besonders aufgefallen ist: Die Menschen hier sehen kaum Touristen. Sie sind sehr herzlich und haben oft alles stehen und liegen gelassen, um die Hände zu falten und uns zu Grüßen. Auch wenn die Kommunikation ansonsten leider an unserem fehlenden Nepalesisch und ihrem fehlenden Englisch oft gescheitert ist. Das haben wir auf der „kommerziellen“ Annapurna-Runde nie wieder so erlebt und ist uns bis heute eine schöne Erinnerung.

Wir hatten ursprünglich vor, die komplette Tour mit dem Zelt zu machen. Aber da die Übernachtungen in den Gästehäusern auf der offiziellen Runde nichts oder wenig kosten und man nur Geld für das Essen ausgibt, hätte sich das zusätzliche Geschleppe nicht gelohnt.

Ein Kommentar zu „Um die Annapurna in 20 Tagen – Teil 1: Von Pokhara (Arba) bis Besisahar

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