Annapurna Circuit in 20 Tagen – Teil 3: Von Manang über Tilicho Basecamp und Tilicho See nach Siri Kharka

In der dritten Woche des Annapurna Circuit in Nepal zweigen wir für ein paar Tage vom Hauptweg ab und trekken zum Tilicho See, bevor wir den Weg zum Thorong La Pass einschlagen. Eine aufregende Hangquerung bringt uns am ersten Tag bis zum Tilicho Basecamp, von wo aus wir in einer Halbtagstour zum Aussichtspunkt des Tillicho See auf 5014 Metern über dem Meer aufsteigen.

Hier geht es zu den Teilen 1 und 2 der Tour: Von Pokhara bis Besisahar und von Besisahar bis Manang.

14. Tag: Manang bis Tilicho Basecamp (4150 Meter über dem Meer)

Wir fühlen uns gut und haben keine Probleme mit der Höhe. Also verzichten wir auf einen Akklimatisierungstag in Manang. Wir gönnen uns zwei sündhaft teure Zimtschnecken und starten auf dem Hauptweg, verlassen ihn aber hinter Manang in Richtung Tilicho See. Nach zwei Stunden erreichen wir das Dorf Khangsar. Dort decken wir uns mal wieder mit Yak-Käse ein, bevor es weitergeht. Der Weg führt uns in ein Seitental und immer an der rechten Hangseite entlang. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir ein Gästehaus in Siri Kharka. Hier kehren wir zum Mittagessen ein. Dabei lernen wir einen Amerikaner und einen Schweizer kennen, die auch unterwegs zum Tillicho Base Camp sind.

 

Als wir weiterlaufen genießen wir die Aussicht auf den Khangsar Kang (7485 Meter über dem Meer). Wir überqueren eine Hängebrücke, hinter der es steil bergauf geht. Jetzt haben wir Sicht auf den Weg, der vor uns liegt. Über mehrere Kilometer zieht sich der Trail eine bizarr aussehende Felswand entlang. Die Felsformationen ähneln einer Mondlandschaft und wechseln sich mit steilen, mehreren hundert Meter hohen Schotter- und Geröllhängen ab. Ein Schild warnt vor Steinschlag und Hangrutschgefahr. Man soll zügig queren. (Auf dem Rückweg begegnen uns hier Leute, die das als Aufforderung zum Rennen verstehen, was man auf keinen Fall tun sollte, da der Hang dadurch erst Recht ins Rutschen kommen könnte.) Uns ist etwas mulmig zumute. Konzentriert begehen wir die vor uns liegende Hangflanke. Trotz aller Furcht ist die Landschaft wahnsinnig beeindruckend. Als wir den schwierigen Teil hinter uns lassen, können wir in der Ferne die Gästehäuser erkennen. Es handelt sich inzwischen nicht mehr um eins, sondern um drei Tillicho Basecamps. Wir steigen direkt in dem Gästehaus am Ortseingang ab, indem es sogar eine heiße Dusche gibt. Und wir erleben zwei Überraschungen. Zuerst treffen wir die Jungs von der Mittagspause wieder, dann die Spanier Carmen und Louis, die wir in unserer allerersten Unterkunft kennengelernt hatten. Die beiden haben am Vortag in Manang pausiert und wir sie deshalb wieder eingeholt.

Tagesbilanz: 16 Kilometer, 1000 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 7 Stunden

Übernachtungshöhe: 4140 Meter über dem Meer

 

15. Tag: Tilicho Basecamp – Tilicho See – Tilicho BC. bis Siri Kharka

Der Wecker klingelt am Morgen um viertel nach fünf. Wir schnappen uns den Tagesrucksack, den wir am Abend für den Trip zum Tilicho See gepackt haben. Auch Wasser haben wir schon gefiltert, denn das ist in der Früh noch gefroren. Das auf 5:30 Uhr bestellte Apfelporridge kommt erst mit Verspätung und wir sind schon ganz kribbelig. Draußen ist es noch kalt und dunkel. Um 6:20 Uhr starten wir dann dick eingemummelt den Aufstieg zum See. In der Ferne sehen wir die ersten Sonnenstrahlen auf den Berggipfeln. Unser Weg liegt die erste halbe Stunde noch im Schatten und es ist windig und eiskalt. Ich flüstere mir mal im Kopf, mal gemurmelt immer wieder mein Annapurna-Circuit-Wander-Mantra „slowly but steady“ zu. Endlich treffen uns die ersten Sonnenstrahlen, doch die Jacken behalten wir trotzdem an. Der Weg ist über die 900 Höhenmeter Aufstieg schneefrei, am Sattel stoßen wir aber auf eine Eisplatte, die es zu Umlaufen gilt. Hier wird der Wind zum Sturm und wir sind mehr als froh, dass es auf der anschließenden Hochebene plötzlich windstill ist. Dafür liegt hier Schnee, wir folgen den Spuren anderer und sinken mit den Wanderstiefeln pausenlos darin ein, manchmal bis zu den Knien. Hinter uns ragt der Bergkamm Grande Barrière in die Höhe. Benannt von der französischen Expedition, die den Tilicho Gipfel 1978 erstbestiegen hat.

 

Als wir nach zweieinhalb Stunden endlich den Aussichtspunkt (5014 Meter über dem Meer) am Tilicho See erreichen sind wir überwältigt. Er ist noch gefroren und von Eis bedeckt. Der Gletscher des Tilicho Gipfels fließt von der Seite in den See. Wir packen unsere besten Wandergimmicks aus: Zwei superleichte, super praktische Sitzpolster und lassen uns im Schnee nieder. Die anderen Trekker die vor oder zeitgleich den See erreicht haben, machen sich bald auf den Rückweg und so haben wir die Szenerie eine Weile ganz für uns allein. Es ist windstill und sonnig. Die Ruhe ist herrlich und wir lassen uns eine Weile ganz von der menschenleeren Natur erfüllen, die uns hier oben umgibt.

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Der zugefrorene Tilicho See.
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Der Gletscher des Tilicho Gipfels speist den See.

Erst nach einer Dreiviertelstunde treten wir den Rückweg an. Dabei legen wir uns einen eigenen Weg über festeren Schnee an und sinken viel weniger ein. Als wir den Sattel erreichen, entdecken wir noch einige Trekker im Aufstieg. Es ist halb elf und wir haben gelesen, dass es um die Mittagszeit auch am See sehr windig werden kann. Einige der Entgegenkommenden machen aber auch jetzt schon einen sehr erschöpften Eindruck und wir glauben nicht, dass sie es alle noch bis zum See geschafft haben. Wir steigen schnell ab und sind zum Mittagessen im Base Camp. Während wir auf das Essen warten, packen wir wieder die Rucksäcke um. Während der zwei Stunden Mittagspause treffen wir die meisten Trekker aus der Unterkunft wieder. Die Sonne wärmt durch die Scheiben und wir können uns nur schwer losreißen. Doch dann machen wir uns schließlich auf den Weg nach Siri Kharka. In einem der Hänge mit der Steinschlaggefahr sehen wir dann vor uns tatsächlich noch einen faustgroßen Stein herunterfallen und queren den Hang, indem wir immer wieder prüfend nach oben blicken. Im Gästehaus angekommen genießen wir die Sonne auf der Terrasse und eine heiße Dusche, bevor wir mal wieder sehr müde in die Betten fallen.

 

Tagesbilanz: 20 Kilometer, 1250 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 9 h 15 min
Übernachtungshöhe: 4080 Meter über dem Meer

Gesamtstrecke Annapurna Circuit Abschnitt Manang bis Siri Kharka: 2250 Höhenmeter und 36 Kilometer
Tourendatum: 26. bis 27. März 2018

4 Kommentare zu „Annapurna Circuit in 20 Tagen – Teil 3: Von Manang über Tilicho Basecamp und Tilicho See nach Siri Kharka

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