Annapurna Circuit in 20 Tagen – Teil 5: Von Ranipauwa bis Marpha

Nach der Überquerung des Thorong La Passes lassen wir es ruhiger angehen. Von Ranipauwa wandern wir noch bis Kagbeni in Mustang. Und da uns das Bargeld ausgeht, beenden wir den Annapurna Circuit schließlich in Marpha. Die Rückkehr nach Pokhara ist dann noch ein Abenteuer für sich.
Hier geht es zu den Teilen 1 bis 4 der Tour: Von Pokhara bis Besisahar, von Besisahar bis Manang, Von Manang über Tilicho Basecamp und Tilicho See nach Siri Kharka und Siri Kharka (Manang) über Thorong La Pass bis Ranipauwa.

18. Tag: Ranipauwa bis Kagbeni

Eigentlich wollen wir heute ausschlafen. Doch unser Rhythmus macht nicht mit und wir sind früh wach. Aber wir bleiben einfach noch eine Weile in den Betten liegen und lesen. Für das Frühstück laufen wir nach der Enttäuschung am Abend gleich zu einer nepalesischen Unterkunft in der Nähe. Und wir haben Glück: es schmeckt gut, ist günstig und wir müssen nicht lange warten. Da wir es heute insgesamt ruhiger angehen lassen und nur eine kleine Etappe laufen wollen, schlendern wir noch in den Ort. Hier können wir endlich wieder Äpfel kaufen und ich erstehe noch eine Decke aus Yak-Wolle, deren Gewicht wir dem Rucksack noch zumuten können.

Wir wählen einen alternativen Weg über Jhong nach Kagbeni, eine Empfehlung des Wanderführers. Ranipauwa verlassen wir über einen ebenfalls alternativen Trail der zwischen Reisterrassen in ein Tal führt. Der Weg ist offensichtlich wenig begangen aber schön zu laufen. Lediglich die 150 Höhenmeter, die wir durch diese Routenwahl nun nach Jhong aufsteigen müssen, zehren an unsern Kräften. Die Passüberquerung hat doch ihre Spuren hinterlassen. Im Gästehaus in Jhong treffen wir dann mal wieder auf die beiden Jungs, die sich hier ebenfalls zum Mittagessen niedergelassen haben. Nach Nudel- und Kürbissuppe decken wir uns noch mit Yak-Käse ein und laufen weiter in Richtung Kagbeni. Wir wandern kurz auf der Straße und dann noch einmal circa einen Kilometer auf einem Trail. Doch der restliche Weg nach Kagbeni verläuft leider auf einer Schotterstraße. Doch die tollen Ausblicke, auch zurück auf den Thorang La Pass, trösten darüber schnell hinweg. Wir laufen durch eine karge Steinwüste in das Mustang-Tal hinein. Nur diese Ecke des Tals darf man ohne ein teures Spezial-Mustang-Permit begehen.

Nach einer Weile wird es sehr windig und dadurch auch sehr anstrengend. Doch als wir absteigen haben wir immerhin einen tollen Ausblick auf das Dorf Tiri. Es liegt inmitten der Steinwüste gebettet zwischen saftig grünen Reisetrassen und sieht einfach toll aus. Und auch Kagbeni ist schön anzuschauen, wenn es doch auch wieder touristischer zugeht. Wir schauen ein paar verschiedene Unterkünfte an, denn hier bekommt man alles, von rustikal bis zu unbezahlbarem Eco-Resort. Wir finden ein nettes Gästehaus, dessen Zimmer an ein Hotel erinnern aber trotzdem nicht teurer sind als anderswo. Fast ein bisschen Luxus.

Tagesbilanz: 15 Kilometer, 300 Höhenmeter, 1100 Tiefenmeter,
Zeit mit Pausen: 5 h 30 min
Übernachtungshöhe: 2860 Meter über dem Meer

19. 
Tag: Kagbeni bis Marpha

Heute laufen wir los mit dem Ziel mittags in Jomsom Geld abzuheben. Es ist so ziemlich der einzige Ort auf dem Annapurna Circuit, in dem es Geldautomaten geben soll. Eini hat sich vor der Tour verrechnet und uns bleibt nur noch Geld für einen weiteren Wandertag. Wir verlassen Kagbeni auf der Straße und können bald zum Flussufer abbiegen, dem wir eine ganze Weile folgen. Da sind wir nicht die einzigen. Es sind viele Wanderer, auch geführte Gruppen unterwegs. Die schöne Landschaft lockt auch zu Touren auf dieser Seite, ohne vorher eine Passüberquerung gemacht zu haben.

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Vor Jomsom ist richtig viel Verkehr. Bräuchten wir kein Geld, hätten wir den Ort umgehen können. Doch nun stehen wir in der Mittagshitze auf der Hauptstraße und suchen die Geldautomaten. Doch der erste Automat ist außer Betrieb und der zweite will uns kein Geld auszahlen. Wir sind frustriert und sitzen fast zwei Stunden vor der Bank und wägen unsere Optionen ab. Dabei drehen wir uns jedoch meistens im Kreis. Es hilft auch nicht, dass zwischendrin ein weiterer Trekker vorbeischaut und uns fragt, ob wir Erfolg gehabt hätten. Er sei Pleite und seine Freunde müssen ihm nun aushelfen, da er nicht an Geld kommt. Wir sind müde und hatten noch kein Mittag gegessen, als wir uns entscheiden weiter zu unserem Tagesziel Marpha zu laufen. Wir hoffen dort auf die beiden Jungs zu treffen und uns vielleicht etwas Geld von ihnen zu leihen, da wir wissen, dass auch sie nach der Tour in Pokhara sein werden. Alternativ hoffen wir, dass wir immer noch genug Geld für eine Übernachtung und eine Fahrt zurück nach Pokhara haben könnten.

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Pferdeherde in Mustang.

Als wir weiterlaufen wird es richtig windig. Wir quälen uns bergauf in Richtung Dhumbra See, wo auf der Karte ein Restaurant eingezeichnet ist. Doch dort angekommen ist es geschlossen. Also essen wir die restliche Erdnussbutter pur aus dem Becher. Während unendlicher Stunden in denen wir den Hang hinauf und hinunter laufen verlässt uns jegliche Motivation. Dann entdecken wir endlich Marpha auf der anderen Flusseite und aus der Ferne eine Brücke. Als wir näher kommen entpuppt sich diese allerdings als Wasserrohr. Erst nach weiteren zwei Kilometern auf dem Trail gibt es neben dem Dorf Chairo, in dem tibetische Flüchtlinge leben, eine Möglichkeit die Seite zu wechseln. Inzwischen haben wir längst beschlossen, dass dies unser letzter Wandertag war. Wir hatten zwar noch überlegt zum Annapurna-Basecamp aufzusteigen, doch bis dort lägen noch mehrere Tage vor uns. Zufällig finden wir die Unterkunft, in der auch die anderen abgestiegen sind. Der Bus am nächsten Morgen ist leider schon ausgebucht, mit diesem Fahren auch unsere Freunde. Wir buchen das Jeeptaxi und hoffen, so sogar bequemer ans Ziel zu kommen. Nachdem wir uns etwas Geld leihen, können wir es uns dann an diesem Abend noch richtig gut gehen lassen. In dem Gästehaus gibt es das beste Essen, des ganzen Annapurna Circuit. Außerdem gibt es Apfel-Brandy, Bier und leckeren Nachtisch. Gemeinsam mit einem polnischen Pärchen machen wir uns einen richtig schönen Abend.

Tagesbilanz: 25 Kilometer, 600 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 8 h 30 min
Übernachtungshöhe: 2680 Meter über dem Meer

Gesamtstrecke Strecke Ranipauwa bis Marpha: 900 Höhenmeter und 40 Kilometer
Tourendatum: 28. bis 31. März 2018

20. Tag: Rückfahrt nach Pokhara

Die achtstündige Fahrt im Jeep-Taxi ist das Schlimmste, was wir je gemacht haben. Sechs Stunden lang sind wir in der dritten Reihe neben zwei Nepalesen in dem Auto eingepfercht. Wir kämpfen mit ihnen um jeden Millimeter Platz, denn den gibt es nicht. Draußen ist es heiß und staubig und so muss das Fenster viel zu oft geschlossen werden. Menschen mit Klaustrophobie oder einer schwächeren Form davon, die ich für mich in Anspruch nehme, haben keinen Spaß. Noch dazu spielt der Fahrer pausenlos lautstark nepalesische Popmusik. Wir bitten ihn mehrmals, die Musik leiser zu machen. Doch das interessiert ihn eher weniger. Zwei Stunden vor der Ankunft in Pokhara steigt in der Reihe vor uns ein Fahrgast aus. Einer der Nepalesen ergreift die Flucht und setzt sich nach vorne. Zu dritt ist es hinten zwar immer noch viel zu eng, aber immerhin erscheint es uns nun angenehmer, nachdem wir es ja schon schlimmer erlebt haben. Noch beneiden wir die anderen, die mit dem Bus unterwegs sind. Als wir am nächsten Tag jedoch erfahren, dass der Bus wegen einer Reifenpanne zwölf Stunden unterwegs war, empfinden wir doch den Jeep als die, vielleicht, bessere Wahl. In Pokhara angekommen teilen wir mit einem Fahrgast ein Taxi zu unserer Lieblingspizzeria, wo wir uns bei gutem Essen von der Fahrt erholen. Anschließend laufen wir die drei Kilometer bis zu Mr. Turtle freiwillig zu Fuß. Welche Überraschung uns dabei erwartet hat, lest ihr im Reisetagebuch.

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Der Jeep.

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