Der 3-Pässe-Trek in 26 Tagen – Teil 2: Namche Bazar über Kongma La nach Lobuche

In der zweiten Woche der Drei-Pässe-Tour betreten wir den Sagarmatha Nationalpark und blicken endlich zu den ganz großen Bergen Lhotse und Nuptse empor. Doch vor dem Aufstieg auf den Kongma La läuft es dann nicht mehr wie geplant und wir müssen entscheiden: Abwarten oder Absteigen?

Hier geht es zu Teil 1 der Tour: Von Siri nach Surke.

Tag 7: Surke bis Bengkar

Eini ist um sechs Uhr wach, filtert Wasser und hängt unsere nasse Wäsche vom Abend zum Trocknen auf. Der Himmel ist blau und ein Flieger nach dem anderen landet in Lukla. Ich bekomme von alldem nichts mit und stehe erst mit dem Wecker um viertel vor acht auf. Wir laufen bergauf und umgehen Lukla über einen tiefer verlaufenden Weg. Dabei kommen wir durch den Ort Charikharka, der uns deshalb in Erinnerung bleibt, weil der Boden hier endlich wieder sauber ist. Es liegt kaum Maultierkacke herum und wir wissen auch bald wieso. Wir entdecken einen Einheimischen, der die Hinterlassenschaften mit den Händen wegräumt. Wahrscheinlich, um sie als Brennmaterial zu nutzen. Erst im nächsten Ort treffen wir auf die ersten Trekker, die in Lukla gestartet sind. Wir sind schockiert. Nachdem wir fünf Tage lang die Wege für uns allein hatten und in den letzten zwei Tagen auch deutlich mehr Maultiere als Trekker unterwegs waren, zieht jetzt eine Gruppe nach der anderen an uns vorbei. Und fast jeder trägt nur einen kleinen Tagesrucksack. Das schwere Gepäck haben sich nepalesische Träger, hier Porter genannt, aufgeladen. Obwohl sie wahrscheinlich nicht mehr als eine Wasserflasche in ihren Rucksäcken haben, sehen die meisten Leute, die uns aus den Bergen entgegenkommen, aus wie wandelnde Geister: Sie sind blass im Gesicht, die Erschöpfung hat sie gezeichnet. Ein paar tragen Kniebandagen oder lassen sich von ihren Guides stützen. Wir sehen statt Maultier- jetzt auch Yak-Karawanen, die ebenfalls Güter in die Berge transportieren.

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Die ersten Yaks kreuzen unseren Weg.

Als wir am Mittag einkehren wird das Wetter leider wieder schlechter. Die bestellten Frühlingsrollen mit Gemüse sind leider nur mit Mangold gefüllt und schmecken nicht so gut. Heute wollen wir eine kurze Etappe bis zum Ort Phakding laufen. Doch als wir dort ankommen, gefällt uns die dort herrschende Feriendorfatmosphäre nicht. Wir laufen weiter bis Bergkar, auch in der Absicht die Gästehäuser zu unterstützen, in denen nicht so oft übernachtet wird. Dabei müssen wir noch so einige Gegenanstiegen bewältigen. Damit haben wir nicht gerechnet und bereuen die extra Kilometer ein bisschen.

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Die Aussicht lässt noch etwas zu wünschen übrig.

Wir handeln in der leeren Unterkunft den Zimmer- und Duschpreis auf 200 Rupien und werfen einen Blick auf die Menüpreise. Kaum haben wir heißes Wasser und einen Apfel Pie bestellt, entdecken wir, dass in den beiden herumliegenden Menüs die Preise genau für diesen beiden Dinge in der Zwischenzeit durchgestrichen und erhöht wurden. Statt 500 Rupien für das große heiße Wasser sind es dort plötzlich 700 und statt 350 für den Apfel Pie 450 Rupien. Wir durchschauen den schlechten Versuch des Gastgebers uns hier hereinzulegen. Wir blicken auch noch einmal in die anderen Menüs, die nicht auf den Tischen liegen und dort sind alle Preise noch die alten von vor einer halben Stunde. Wir kommen nicht umhin uns zu beschweren. Und, weil es ihm vermutlich peinlich ist und er sein Gesicht wahren möchte, sagt der Nepalese, dies seien Menüs für eine Gruppe am nächsten Tag. Wir sind enttäuscht, schließlich wollten wir bewusst abseits der Routentypischen Übernachtungsziele unser Geld lassen. Nachdem wir heiß geduscht, gegessen und uns in dem, auf unserem Wunsch, eingeheizten Aufenthaltsraum aufgewärmt haben, geht es ins Bett. Ich habe wieder Kopfschmerzen und dazu fängt jetzt auch noch der Hals an weh zu tun.

Tagesbilanz: 15 Kilometer, 900 Höhenmeter
Zeit mit Pausen: 7 Stunden
Übernachtungshöhe: 
2740 Metern über dem Meer

Tag 8: Bengkar bis Khyangjuma

Wir folgen eine Weile dem Fluss und erleben den Morgen ähnlich wie den Vortag. Viele Trekkergruppen kommen uns entgegen, alle mit Trägern und Guides. Da wir routenuntypisch nicht in Phakding übernachtet haben, überholen mit der Zeit immer mal wieder Porter, die den Gruppen vorausgehen. Die Porter tragen jedoch nicht nur Gepäck, sondern auch Waren. Zwei von ihnen sind mit, wir haben nachgezählt, 48 (!) 1-Literflaschen Wasser beladen. Einige Porter sehen schwerer beladen aus als die Yaks. Bald erreichen wir den offiziellen Eingang zum Sagarmatha Nationalpark, wo die Permits kontrolliert werden. Ein paar Kilometer dahinter beginnt der Aufstieg nach Namche Bazar und der ist steil und anstrengend. Wir laufen mitten in eine Wolke. Dabei ist es mal heiß, mal kalt und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die Mütze auf- oder absetzen soll. Auf dem Weg liegt ein weiterer Everest-Aussichtspunkt, doch davon haben wir bei dem Wetter wieder nichts.

Vor dem Ortseingang von Namche müssen wir an einer Holzhütte die 2000 Rupien Eintritt pro Person für die Solukhumbu Region bezahlen. Und dann sind wir auch schon in Namche Bazar angekommen. Wir waren zwar darauf vorbereitet, dass es hier sehr touristisch sein soll, doch eine Überraschung ist es trotzdem. Wir müssen die vielen Eindrücke erst einmal verarbeiten und kehren in eines der wahnsinnig teuren Touristencafés ein. Dort bestellen wir einen vegetarischen Burger und ein Beef Burrito, heiße Schokolade und Cappuccino und zahlen 2400 Rupien dafür … Wir bleiben zweieinhalb Stunden, wärmen uns auf, laden Akkus (immerhin im Preis inklusive, denn von nun an nimmt so ziemlich jedes Gästehaus dafür Geld!) und entscheiden uns dafür, noch bis zum nächsten Dorf weiterzulaufen. Sicht haben wir zwar leider immer noch nicht, dafür ist auf dem Weg wenig los. Der wiederum ist hier oben eine breit ausgebaute Premiumwanderweg-Autobahn.

Die warme Dusche in der Unterkunft kostet nach zähen Verhandlungen 300 Rupien pro Person. In dem kleinen Aufenthaltsraum wäre es sogar gemütlich, würde nicht plötzlich eine große deutsche Mehrfamiliengruppe mit Guides und Portern auftauchen. Die verhält sich unglaublich rücksichtslos, ist laut und nimmt damit den ganzen Raum für sich ein. Wir wissen nicht, ob sie schon mitbekommen haben, dass wir auch Deutsch sprechen, als eine der Frauen plötzlich die anderen auf die Wäscheleine über dem Ofen hinweist und sagt: „Also das finde ich ja ganz schön ekelig, dass da Socken und Unterhosen hängen.“ Die Sachen sind frisch gewaschen und von uns. Und genau das sage ich ihr auch und dass sie vielleicht so einen Trek nicht machen sollte, wenn sie damit Probleme hat. Die Frau erwidert nichts. Ihre etwa 14-jährige Tochter äfft noch einen dummen Spruch, aber ich ignoriere sie. Eini hat leider verpasst, wie ich seine Unterhose verteidigt habe, denn er war gerade nicht im Zimmer. Es dauert an diesem Abend länger, bis die Familien endlich auf dem Flur Ruhe geben und wir schlafen können.

Tagesbilanz: 13 Kilometer, 1300 Höhenmeter
Zeit mit Pausen: 8 Stunden
Übernachtungshöhe: 3620 Metern über dem Meer

Tag 9: Khyangjuma bis Pangboche

Als wir aufstehen ist es draußen noch nebelig und wolkig. Doch als wir um sieben Uhr beim Frühstück sitzen, reisst es auf und wir sehen durchs Fenster zum ersten Mal auf der Tour die hohen Berge, derentwegen wir gekommen sind. Direkt vor uns thront der Ama Dablam (6856 Meter über dem Meer). Wir starten den Tag mit dem Abstieg nach Phunki Tenga auf einem schönen Trail und bekommen schnell wieder Hunger. Also sitzen wir nach einer Stunde zum zweiten Frühstück mit Chapati und Omelette auf einer kleinen Sonnenterrasse. Wir treffen dort auf eine kranke Tschechin, die hier vier Tage ausharrt, bis ihr Freund allein von der Tour zum Everest Basecamp zurückkehrt. Als wir weiterlaufen zieht der Himmel leider wieder zu. Bis Tengboche steigen wir 600 Höhenmeter auf. Dabei begegnen uns wieder einmal Leute, die besser zu Hause geblieben wären. Es ist alles dabei: Zombies, die kaum noch die Knie beugen können, arschfahle Geister, mit schmerzverzerrten Gesichtern und humpelnde Leute mit aufwendigen Kniebandagen. Und mal wieder stützen Guides den ein oder anderen beim Laufen.

In Tengboche angekommen machen wir eine Pause auf einer freien Wiesenfläche, bei der es jedoch ziemlich auffrischt. Als wir bergab durch den Wald laufen ist uns kalt. Wir kehren im nächsten Gästehaus für Maccaroni mit Tomatensoße und Käse ein. Da mit Soße und Käse für den verhältnismäßig hohen Preis doch eher sparsam umgegangen wurde, bitte ich um Nachschlag. Der kommt dann auch prompt und in zufrieden stellender Menge. Als wir fertig gegessen haben, taucht unsere Lieblingsfamilie auf und wir schauen, dass wir weiterkommen. Jedoch nicht ohne noch ihren Guide zu fragen, wo sie heute Nacht absteigen. Wir wollen auf keinen Fall noch einmal im gleichen Gästehaus enden. Eigentlich wollen wir noch bis Somare laufen. Doch gerade als wir Pangboche verlassen wollen, wird das Wetter richtig ekelig und so steigen wir im letzten Gästehaus des Ortes ab. Eine gute Entscheidung. Das Zimmer im „Windhorse“ ist warm und das Bett so gemütlich, dass ich mir noch einen Nachmittagsschlaf gönne. Eine klare Empfehlung von uns hier abzusteigen. Zur Dämmerung klart es wieder auf und wir können noch eine fantastische Aussicht auf die umliegende Bergwelt werfen.

Tagesbilanz: 12 Kilometer, 900 Höhenmeter
Zeit mit Pausen: 7 Stunden
Übernachtungshöhe: 
3980 Metern über dem Meer

Tag 10: Pangboche bis Chukhung

Heute klingelt der Wecker früh. Wir haben schnell gelernt: je später der Tag, umso schlechter das Wetter. Um sechs Uhr sitzen wir beim Frühstück. Bis Dingboche verläuft der Weg am Fluss entlang. Hier verlassen wir glücklicherweise auch den Haupttrail und sind wieder alleine unterwegs.

Die Steigung ist angenehm ohne nennenswerte Gegenanstiege und die Aussicht ist schön. Glücklicherweise ist noch nicht viel los. In Dingboche essen wir einen Teller Nudeln. Um zehn Uhr morgens. Dann laufen wir weiter nach Chukhung. Wir haben zwar ein wenig gemischte Gefühle heute 700 Höhenmeter höher zu schlafen als in der Nacht zuvor, hoffen aber, dass es keine Probleme gibt. Der weitere Weg gestaltet sich zäh und es geht ein starker Wind. Ich habe das Gefühl, dass es kaum berghoch geht, komme aber trotzdem nicht wirklich vorwärts. Und so nimmt Eini mir ein bisschen Gepäck ab.

Als wir Chukhung erreichen scheint die Sonne. Ich erhole mich in einer windstillen Ecke, während Eini die Lodges abklappert. Wir nehmen schließlich die, vor der ich sitze und bestellen uns Pfannkuchen, die wir im sonnigen Innenhof essen. Zum Abendessen gibt es Sherpa Stew und Dal Bhat und den Ama Dablam im Abendrot. Als ich in der Nacht aufwache, habe ich ein Völlegefühl und glaub erst mal, dass irgendwas mit dem Essen nicht in Ordnung war.

Tagesbilanz: 13 Kilometer, 900 Höhenmeter
Zeit mit Pausen: 7 h 30 min
Übernachtungshöhe: 
4740 Metern über dem Meer

Tag 11: Chukhung und Island Peak Basecamp (fast)

Am Morgen bekomme ich das auf sechs Uhr bestellte Müsli kaum herunter. Nach ein paar Löffeln gebe ich auf. Ich fühle mich etwas schwach, aber wir starten trotzdem unseren Akklimatisierungstag mit einem Ausflug zum See, an dem sich das Island Peak Basecamp befindet. Doch schon nach einem kurzen Stück muss ich mich zum ersten Mal hinsetzen. Und das, obwohl ich nicht einmal einen Rucksack trage. Immerhin die Aussicht auf Ama Dablam und Lotse ist von hier ziemlich gigantisch. Doch auch als wir weiterlaufen muss ich immer wieder anhalten und mich ausruhen. Längst dämmert uns, dass ich wohl keine Magenprobleme habe, sondern an den ersten Anzeichen der Höhenkrankheit leiden könnte. Trotzdem will ich zu diesem verdammten See und quäle mich weiter. Der Weg verläuft erst auf einem Grat, dann kommen wir in eine windige Rinne und von dort in ein weites Tal, in dem Yaks grasen. Hinter einem Stein machen wir Rast und ich zwinge mir etwas von dem mitgebrachten Ei und Keksen herunter. Dann gehen wir weiter. Eini entscheidet ein Stück vorzulaufen, um abzuschätzen, wie weit es noch ist. Während ich warte, denke ich schon ans Umdrehen. Als er mir mitteilt, dass es wohl mindestens noch 20 Minuten sind, habe ich mich längst zum Umkehren entschieden.

Der Rückweg ist eine einzige Tortur und ich ärgere mich, wie weit ich mich in dem Zustand geschleppt habe. Aber, weil ich auch auf dem Rückweg meine Sitzpausen brauche, dauert der sehr lange. Noch dazu ist der Wind stärker geworden. Als wir endlich an der Lodge ankommen ist es 12 Uhr und ich gehe geradewegs ins Bett. Wir waren fünf Stunden unterwegs, von denen ich drei im Sitzen verbracht habe. Erst für das Abendessen quäle ich mich aus dem Bett in den Speisesaal. Immerhin habe ich etwas Appetit und esse Tomatensuppe mit Ei und den Rest vom Chapati. Ich fühle mich etwas fitter und hoffe, mit Eini am nächsten Tag den Gipfel des Chukhung Ri besteigen zu können.Vor dem Schlafen nehme ich noch eine Tablette gegen Höhenkrankheit und bekomme bald die seltsamen Nebenwirkungen in Form kribbelnder Hände und kribbelndem Gesicht zu spüren.

Tagesbilanz: 9 Kilometer, 350 Höhenmeter
Zeit mit Pausen: 5 h 30 min

Tag 12: Chukhung Ri

Wir schlafen aus und so ist es sieben Uhr als wir aufwachen. Ich habe gut geschlafen, vielleicht dank der Tablette. Außerdem habe ich großen Hunger. Wir frühstücken im Innenhof. Aber als wir loswollen, fühle ich mich dennoch schwach und habe kein gutes Gefühl. Nach 100 Höhenmetern gebe ich dann auch schon wieder auf. Eini bringt mich zurück und ich mache es mir mit Tee und Buch im Innenhof gemütlich. Der Anblick auf Lhotse und Ama Dablam tröstet mich. Es gibt schlechtere Plätze, um krank zu sein. Eini besteigt unterdessen den 5550 Meter hohen Chukhung Ri allein und braucht dafür gerade einmal zweidreiviertel Stunden inklusive Abstieg. Zum Mittagessen ist er zurück und wir lassen uns Spaghetti mit Tomatensoße schmecken.

Danach möchte ich meine Fitness aber doch noch einmal testen. Ich schaffe etwas mehr als 100 Höhenmeter, bis ich mich wieder erschöpft fühle. Wir überlegen den ganzen Tag hin und her, ob wir absteigen oder noch abwarten sollen. Da es mir ansonsten wieder gut geht und mein Appetit zurück ist, entscheide ich alle Speicher aufzufüllen und am nächsten Morgen entweder wie geplant den Kongma La zu überqueren oder abzusteigen. Nach unserer Rückkehr essen wir Apfel Pie und am Abend noch einmal Spaghetti. An Energie sollte es zumindest nicht mangeln.

Tagesbilanz Eini: 9 Kilometer, 1050 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 5 h 45 min
Tagesbilanz Isi: 3 Kilometer, 220 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 3 h

Tag 13: Chukhung über den Kongma La (5535 Meter) nach Lobuche

Der Wecker klingelt um 4:35 Uhr. Wir sind schon etwas früher wach, weil auch andere früh aufstehen. Um fünf Uhr sitzen wir mit gepackten Rucksäcken im Aufenthaltsraum. Ich habe nicht so gut geschlafen, war ein paar Mal wach und habe nach Luft geschnappt. Außerdem hat es ein bisschen geschneit. Doch jetzt ist das Wetter gut und die Sicht klar. Wir sind zuversichtlich die Passüberquerung zu versuchen und frühstücken gemütlich, während wir noch gewaschene Sachen am warmen Ofen trocknen. Dann packen wir Proviant ein und starten um 5:40 Uhr. Die ersten Meter verlaufen noch flacher und wir queren in Richtung Kongma La. Dann geht es steil hoch. Doch ich fühle mich überraschend gut dabei.

Nachdem der erste Anstieg geschafft ist, haben wir sogar schon eine vor uns gestartete Gruppe eingeholt, die eine Pause macht. Von nun an führt der Weg etwas flacher den Hang entlang. Uns überholt ein Pärchen, das in Dingboche gestartet ist und dem von dort zwei Hunde gefolgt sind. Wir erreichen einen sehr steilen Hang, den wir nun in direkter Linie zu einem Vorpass aufsteigen müssen. Eine Tortur. Wir setzen einen Fuss vor den anderen, halten immer wieder kurz an und holen tief Luft oder trinken etwas. Ich fange an laut zu fluchen, so erschöpfend ist es. Endlich, nach einer Ewigkeit, erreichen wir eine Hochebene. Die Aussicht ist toll und wir suchen eine windgeschützte Stelle für eine Pause. Das Frühstück liegt inzwischen vier Stunden zurück, Zeit für ein zweites. Es gibt Eier, Käse, Chapati und Kekse. Einer von den Hunden, die den Trekkern inzwischen nicht mehr folgen, gesellt sich zu uns und wir füttern ihn mit dem Käserand. Viel mehr können wir für ihn nicht entbehren.

Anschließend steigen wir weiter die Hochebene auf. Es ist anstrengend und wir gehen sehr langsam. Die Aussicht wird immer besser, je höher wir kommen. Bald haben wir ein tolles Bergpanorama im Rücken und halten immer wieder an, um es zu genießen. Unter dem Pass liegt ein großer Schneebedeckter See. Vor uns geht es jetzt steil bergauf. Wir sehen zuerst keinen Weg und die letzten 60 Höhenmeter führen die direkte Linie den Berg hinauf. Als wir auf dem Pass ankommen, haben wir ihn ganz für uns allein.

Naja, nicht ganz, wir entdecken einen Himalaya-Pfeifhasen, der sich zwischen den Steinen versteckt. Als wir Fotos machen, fällt Eini die Schutzkappe der Kamera herunter. Wir suchen eine Weile die teils tiefen und dunklen Löcher zwischen den Steinen ab. Ich glaube nicht daran sie wieder zu finden – kleine Erinnerung, wir stehen auf einem Pass mit 5535 Metern Höhe – doch da entdeckt Eini sie tatsächlich. Kurz darauf strömen auch schon von beiden Seiten weitere Trekker auf den Pass und es wird voll. Zeit zu gehen. Schon vom Pass aus sehen wir unser Tagesziel Lobuche. Doch wie das so ist, wenn man sein Ziel nah glaubt, ist es das meistens nicht. Der steile Abstieg zieht sich in die Länge. Bei einer kleinen Pause merke ich, dass die Trinkblase in meinem Rucksack ausgelaufen ist. Zum Glück hat meine Hose das meiste Wasser aufgesaugt.

Als wir endlich unten sind, trennt uns immer noch der Khumbu Gletscher mit seinen zahlreichen Moränen von Lobuche. Wir müssen noch einmal steil aufsteigen und über den Gletscher queren. Der Weg ist mit vielen Steinmännchen gekennzeichnet, aber man muss trotzdem ganz schön aufpassen. Es geht rauf und runter und überall entdecken wir kleine Seen. Eini ist müde, er trägt heute auch etwas Gewicht aus meinem Rucksack. Auf dem Gletscher geht ein starker schon fast sturmböenartiger Wind. Nach etwa zwei Stunden haben wir es die letzte Moräne hinauf geschafft und Lobuche ist nur noch einen Abstieg weit entfernt. Schon von weitem entdecken wir die vielen Leute. Wir sind zurück auf dem Everest Basecamp Highway. Es fühlt sich ein bisschen an, als kämen wir aus einer Parallelwelt zurück.

Tagesbilanz: 13 Kilometer, 1000 Höhenmeter
Zeit mit Pausen: 9 h 30 min
Übernachtungshöhe:
 4920 Metern über dem Meer 

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