Der 3-Pässe-Trek in 26 Tagen – Teil 3: Von Lobbuche zum Everest Base Camp und über den Cho La nach Gokyo

Nach der Überquerung des Kongma La stehen Abstecher zum Everest Base Camp und auf den Gipfel des Kala Patthar an, bevor wir den zweiten Pass: Cho La überqueren. Neben Sonnenschein begleiten uns inzwischen frischer Schneefall, Eiseskälte und Wind.

Tag 14: Lobuche – Gorak Shep – Everest Basecamp – Gorak Shep

Zehn Zentimeter frischer Schnee sind gefallen, als wir um halb sechs aufstehen. Während wir frühstücken reißt der Himmel auf. Das ändert jedoch nichts daran, dass unsere Schuhe nach wenigen Metern im Schnee feucht sind. Die sollten wir wohl mal wieder imprägnieren. Wir profitieren immerhin davon, dass vor uns schon Leute gespurt haben. Da es im Schnee aber nur einen Pfad gibt, müssen wir ständig entgegenkommenden Platz machen. Der Anstieg ist insgesamt auch anstrengender als gedacht und wir machen viele kurze Pausen. Da die Sonne scheint und wärmt, ziehen wir bald alle Jacken aus. In Gorak Shep angekommen nehmen wir direkt in der ersten Lodge ein Zimmer. Der Nepalese am Empfang begrüßt uns mit den Worten: „Und wenn ihr höhenkrank werdet, können wir euch einen Helikopter rufen, eure Versicherung übernimmt ja die Kosten!“ Wir lassen alles Gepäck zurück und stecken uns nur ein paar Riegel und Wasserflaschen in die Jackentaschen. Dann brechen wir in Richtung Everest Basecamp auf. Wir hoffen so, den großen Gruppen zuvorzukommen, die erst nach uns in Lobuche aufgebrochen sind.

Schnell stellen wir fest, dass wir auf die vielen Jacken hätten verzichten können. Die Sonne wärmt auch hier oben überraschend stark. Die überwiegend gelben Zelte des Basecamps sind schon von Weitem zu erahnen. Nach etwa zwei Stunden haben wir es dann erreicht. Das Camp liegt in einem Talschluss und inmitten einer gigantischen Bergkulisse. Die Zelte stehen direkt auf dem riesigen Gletscher. Inzwischen steht auch die Sonne hoch am Himmel und es ist wahnsinnig heiß! Ich fühle mich, als bekäme ich einen Sonnenstich. Wir spazieren einen Trail am Rande des Camps und neben dem Gletscherfluss entlang. Das Camp ist überraschend lang. Nach etwa einem Kilometer haben wir es komplett der Länge nach abgeschritten. Wir machen eine Sitzpause, verspeisen die mitgebrachten Kekse und treten den Rückweg an. Zurück am Campeingang treffen wir auf eine große Menschenansammlung. Die Gruppen sind inzwischen auch alle angekommen. Als wir weiterlaufen sehen wir, dass die Sonne den Schnee komplett vom Weg geschmolzen hat.

Zurück in der Lodge bestellen wir Spaghetti mit Tomatensoße und Käse und legen uns danach bis zum Abendessen ins Bett. Dann essen wir Wedges mit Bohnen. Wir teilen den Tisch in der vollen Lodge mit einer Australierin, die mit der Nepalesischen Trekkingführerin Bhagwati Pun unterwegs ist. Wir erfahren, dass diese in Pokhara bei einer Guidingagentur angestellt ist, die nur weibliche Guides beschäftigt, die 3 Sisters Trekking Company. Eine schöne Sache in der von Männern dominierten nepalesischen Guide-Welt.

Tagesbilanz: 15 Kilometer, 700 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 8 h 15 min
Übernachtungshöhe:  5180 Meter über dem Meer 

Tag 15: Gorak Shep – Kala Patthar (fast) – Dzonghla

Mitten in der Nacht erwache ich schwer schnaufend. Ich habe von Atmen oder Luft holen geträumt. Ein Blick aufs Handy zeigt, dass es erst 23 Uhr ist. Wir sind erst seit zwei Stunden im Bett. In der Nacht wachen wir auch beide mehrmals auf. Der Schlaf auf über 5000 Metern ist wenig erholsam und als wir um 4:45 Uhr aufstehen, bin ich müde. Das hat aber auch damit zu tun, dass einige der Trekker aus den Nachbarzimmern schon um vier Uhr aufgestanden sind und jeden andern daran teilhaben gelassen haben. Es ist so kalt, dass wir die langen Merinounterhosen in denen wir geschlafen haben anlassen, als wir in die langen Hosen schlüpfen. Und Fleece, Daunenjacke und Hardshells sollen uns heute Morgen warm halten. Draußen ist es hell aber bewölkt. Wir glauben daran, dass es aufklaren wird, sobald wir erst einmal zum Kala Patthar aufsteigen. Auch viele Andere sind auf dem Weg zum Aussichts-Gipfel auf den Mount Everest. Als wir bergauf gehen habe ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, dass bergauf steigen mich nicht aufwärmt. Stattdessen wird es von Schritt zu Schritt kälter und trotzdem fange ich an zu schwitzen. Das Weiterlaufen ist eine Qual, stehen bleiben eine noch Größere. Eine Zeit lang führe ich einen Tross Trekker an und motiviere mich deshalb zum Weitergehen und widerstehe dem immer größer werdenden, inneren Drang einfach umzudrehen und den Berg wieder hinunterzulaufen. Als wir auf dem Plateau unter dem Gipfel ankommen und die Berge immer noch in den Wolken stecken, brauchen Eini und ich uns dann aber nur anzuschauen und sind sofort einer Meinung: Das wird heute nichts. Umdrehen und runter.

Wir steigen so schnell es geht ab. Einige andere sind noch unschlüssig, manche tun es uns gleich. Finger und Zehen sind eisig. Ich bin absolut sicher, noch nie in meinem Leben habe ich so gefroren. Nach einer Stunde und zwanzig Minuten sind wir zurück am Gästehaus. Wir stürmen in den Essensraum. Hier wärmt nur ein mickriger Ofen, den wir sofort in Beschlag nehmen.

Gorak Shep
Der Versuch den Körper mit heißem Tee wieder aufzuwärmen.

Nach Tee und Frühstück fühlen wir uns etwas besser, aber es ist immer noch kalt. In der Zwischenzeit konnten wir durch das Fenster vier Helikopter beobachten, die Vorräte gebracht haben und im Austausch Höhenkranke Trekker mit zurückgenommen haben. Wir überhören auch eine Frau, die an der Theke meldet, dass ihre Tochter sich die ganze Nacht übergeben hat.

Da die Sicht immer noch nicht besser geworden ist, entscheiden wir die Rucksäcke zu packen und aufzubrechen. Wir wollen auf keinen Fall noch eine Nacht in dieser kalten, ungemütlichen und teuren Unterkunft bleiben, um es am nächsten Tag noch einmal mit dem Kala Patthar zu probieren. Als wir absteigen ist auf dem Everest Basecamp Highway schon viel Fußverkehr. Doch da der Schnee geschmolzen ist, haben wir nun über eine breite Fläche freie Wegwahl. Mein Abstieg gleicht einer Flucht aus der Kälte und so lasse ich auch Eini weit hinter mir, als ich nach Lobuche renne. Im Ort essen wir in der Lodge vom Vortag Nudeln. Es ist kurz nach zehn Uhr.

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Wer früh aufsteht, kann nicht zu früh Mittagessen.

Als wir nach der Mittagspause aufbrechen, tragen wir immer noch lange Unterhosen und wieder Daunenjacken. Es ist windig und ziemlich kalt. Schon nach einer Viertelstunde zweigen wir vom Highway zu unserem Tagesziel Dzonghla ab. Eine Weile laufen wir eine Hangflanke entlang und nur das tiefe Tal trennt uns vom Basecamp-Trail auf dem zahlreiche Trekker unterwegs sind. Doch dann biegen wir auch schon nach Westen ab. Wir genießen einen windstillen Moment, doch der ist leider nur von kurzer Dauer. Auf der gegenüberliegenden Hangflanke entdecken wir einen Gletscher, der eher an ein Kieswerk erinnert. Der Pfad wird immer schmaler und durch die schiefe Lage am Hang anstrengend zu laufen. Noch dazu lädt das Wetter nicht dazu ein, die Aussicht zu genießen. Die meisten Berge sind wolkenverhangen.

Als wir Dzonghla endlich auf der anderen Talseite entdecken, sind wir noch ewig weit davon entfernt. Wir sind beide müde und fangen an unsere Schritte zu zählen, während wir die Senke durchqueren. Doch dann sind wir endlich da. Hinter den Gästehäusern ragt der 6444 Meter hohe Cholatse imposant in die Höhe. Nachdem wir ein Zimmer bekommen haben, wollen wir uns eine heiße Dusche gönnen. Mit nassem Kopf freue ich mich auf die warme Lodge. Doch die wurde noch nicht beheizt. Und das, obwohl so ziemlich jedes Zimmer besetzt sein dürfte, so voll ist es im Aufenthaltsraum. Am Abend brennt der Ofen dann auch nur für eine kurze Stunde. Wir ärgern uns ziemlich über den Geiz der Gastgeber. Und noch dazu bekomme ich Magenprobleme. Eine Gruppe Israelis ist sehr besorgt um das Wetter. Als sie einen Sherpa fragen, ob es morgen schneien soll, lacht der nur und sagt: Schaut morgen früh aus dem Fenster, dann wisst ihr, wie es ist. Nach dem Essen verkriechen wir uns in den Betten in die Schlafsäcke und packen noch die vorhandenen Decken obendrauf.

Tagesbilanz: 14 Kilometer, 600 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 8 Stunden
Übernachtungshöhe:  4840 Meter über dem Meer

Tag 16: Dzonghla – Cho La – Gokyo

Passtag.
Der Wecker klingelt um viertel vor fünf. Es ist arschkalt. Wir schälen uns aus den Schlafsäcken und gehen frühstücken. Zum Glück ist der Aufenthaltsraum dieses Mal vorgeheizt. Um sechs Uhr brechen wir in Richtung Cho La auf und sind natürlich nicht die ersten. Es ist ziemlich schattig und kühl. Dafür sehen wir schon viel mehr Berge als noch am bewölkten Vortag.

Am Talschluss müssen wir einen steilen Anstieg über Felsen hinaufklettern. Dabei überwinden wir ein paar eisige Stellen. Doch bald haben wir es geschafft und stehen am Gletscherrand. Der Gletscher leuchtet nach dem nächtlichen Schneefall weiß. Für uns hat das einen Vorteil: der Weg darüber ist so kaum rutschig, denn wir haben keine Steigeisen dabei. Die braucht man, das haben uns andere Trekker gesagt, wenn überhaupt, dann hier.

Die Route führt erst den Gletscherrand entlang und quert dann mitten über ihn. Bis zum Cho La müssen wir dann nur noch einen sehr kleinen Anstieg bewältigen. Dort sind wir von vielen Anderen umgeben. Doch es ist viel mehr Platz als auf dem Kongma La. Die Aussicht auf die andere Seite ist eher karg. Die Berge sind braun, nur in der Ferne ist noch ein Gletscherrest zu erkennen. Außerdem ist es auf der Abstiegsseite windig. Also genießen wir während der Pause noch die Aussicht zurück auf den Gletscher.

Der Weg auf den Pass war heute noch die leichte Übung. Der Abstieg ist steil und ein wenig rutschig. So müssen wir immer erst sicher gehen, dass die Füße halt finden, bevor wir den nächsten Schritt machen können. Irgendwann haben wir es dann geschafft und ich fühle mich erschöpft. Doch als Nächstes müssen wir über ein Steinfeld balancieren und ständig nach den Steinmännchen Ausschau halten, die den Wegverlauf markieren. Schließlich steigen wir eine Anhöhe hinauf. Dort angekommen pfeift uns ein starker Wind um die Ohren. Der Ort, in dem wir Mittagspause machen wollen ist von hier aus aber leider noch nicht zu sehen.

Wir beginnen den Abstieg in einen Taleinschnitt. Es ist glücklicherweise nicht mehr so steil, aber der Weg ist noch lang und es ist auch hier noch windig. Wir folgen dem Fluss, an dem auch eine Herde Yaks mit vielen Jungtieren grast. Dann erreichen wir endlich die Gästehäuser und kehren ein, wir sind beide müde. In der Gästestube fühle ich mich ganz und gar nicht mehr fit. Wir bestellen Tee und Tomatensuppe und überlegen, wie wir weitermachen. Zwischen uns und Gokyo liegt noch der Ngozumpa Gletscher. Eigentlich bin ich zu müde und schlapp, aber wir wollen am nächsten Tag vielleicht eine Pause einlegen und hier ist es uns zu einsam. Also schleppe ich mich weiter. Obwohl ich das Gefühl habe sehr langsam unterwegs zu sein, überqueren wir den Gletscher zügiger als gedacht. Immer wieder ist zwischen dem, was aussieht wie eine Kiesgrube, auch Eis zu erkennen. Ich trage seit Stunden zwei Mützen übereinander und habe trotzdem einen kalten Kopf.

Der finale Anstieg auf die den Gletscher begrenzende Moräne hat es dann auch noch in sich. Schwitzend und am Ende unserer Kräfte kommen wir auf dem Hügel an. Die Aussicht entschädigt uns zwar für die Strapazen, doch genießen kann ich sie gerade trotzdem nicht: Vor uns liegt der azurblaue Gletschersee und an seinem Rand eine Ansammlung von Gästehäusern, Gokyo. Wir kehren im Namaste Gästehaus ein. Dort treffen wir auch Soleine und Baptise wieder. Ein französisches Pärchen, das uns ein paar Tage voraus ist, wir aber bisher vor jeder Passüberquerung getroffen haben.

Empfehlung: Im Namaste Gästehaus ist der Aufenthaltsraum immer warm, das Essen schmeckt sehr gut und die Betten sind bequem.

Tagesbilanz: 14 Kilometer, 1100 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 10 Stunden
Übernachtungshöhe:  4780 Meter über dem Meer

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