Der 3-Pässe-Trek in 26 Tagen – Teil 4: Von Gokyo über den Renjo La und Rückkehr nach Jiri

Nach eisigen Temperaturen am Kala Patthar und der Überschreitung des Cho La bin ich krank. In Gokyo erholen wir uns ein paar Tage, besteigen den Gokyo Ri und sehen endlich den Mount Everest. Dann überqueren wir im Schneegestöber den dritten Pass, Renjo La. Von Namche Bazar aus steht uns dann noch der lange Rückweg nach Jiri bevor.

Tag 17: Gokyo – Pausen-/Krankheitstag

Wir schlafen bis um 8 Uhr und ich bin leider wirklich krank geworden. Nach dem Frühstück nehme ich die eine unserer letzten Schmerztabletten und verbringe den ganzen Tag im Bett. Vom Fenster aus haben wir eine herrliche Aussicht auf den See und es ist sehr sonnig. Eini freut sich über einen Ruhetag. Unsere französischen Freunde können uns zum Glück noch mit weiteren Tabletten aushelfen.

Übernachtungshöhe: 4780 Meter über dem Meer

Tag 18: Gokyo Ri

Mir geht es wieder etwas besser, aber nicht gut. Doch ich fürchte, dass das gute Wetter nicht noch einen dritten Tag anhalten wird und da Eini sehr motiviert ist, entscheiden wir heute den Gokyo Ri zu besteigen. Schließlich wollen wir endlich den Everest mit eigenen Augen sehen, nachdem der Kalar Patthar uns so übel mitgespielt hat. Nach etwa 70 Höhenmetern bin ich schon wieder bedient. Am liebsten würde ich umkehren und mich wieder ins Bett legen. Doch mein Kopf will da jetzt hoch. Nach einiger Diskussion steigen wir weiter auf. Eine Tortur. Die dünne Luft setzt mir zusätzlich zu. Mit meinem Gehstock quäle ich mich also wie eine alte Oma bergauf, setze einen Fuß vor den anderen und hoffe, dass es bald geschafft ist.

Doch der Weg zieht sich. Da stehen plötzlich die Franzosen vor uns und fragen, ob sie ein Bild machen sollen. Wir drehen uns um und entdecken hinter uns eine wunderschöne Bergkette, in der tatsächlich der Mount Everest thront.

Wir steigen noch die letzten Meter zum Gokyo Ri hinauf und genießen die Aussicht bis etwa eine halbe Stunde später auch schon Wolken heraufziehen. Es wird windig und wir steigen wieder ab. Auch das hinunterlaufen kostet mich viel Kraft. Es dauert auch eine ganze Weile, bis wir wieder unten sind. Nach dem Mittagessen lege ich mich gleich wieder ins Bett.

Tagesbilanz: 5 Kilometer, 600 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 5 Stunden
Übernachtungshöhe: 4780 Meter über dem Meer

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Überwältigendes Panorama.

Tag 19: Gokyo – Pausen-/Krankheitstag

Wir stehen mal wieder früh auf. Wir haben überlegt heute vielleicht doch noch zu den höher liegenden Seen zu laufen. Doch beim Frühstück hängen die Wolken mal wieder ziemlich tief hängen und es weht ein starker Wind. Also legen wir uns wieder ins Bett. Auch mittags hat sich das Wetter nicht verändert. Wir gehen auswärts essen, doch in dem anderen Gästehaus schmeckt das Essen nicht so gut und es zieht zum Fenster rein. Wir haben immer noch Hunger, als wir wieder in unsere Lodge zurückkehren. Also essen wir noch einen Apfelpfannkuchen und ich gehe zurück ins Bett.

Übernachtungshöhe: 4780 Meter über dem Meer

Tag 20: Gokyo über Renjo La nach Lumde

Wir frühstücken um sechs Uhr. Der Himmel ist heute wieder klarer, aber nicht wolkenfrei. Mal wieder bin ich für eine Passüberquerung eigentlich nicht fit genug, doch im Gokyo Tal absteigen, möchte ich auch nicht. Also beginnen wir den Aufstieg am See. Dabei komme ich kaum vorwärts. Heute werden wir sicher niemanden abhängen. Von hinten überholen uns auch schon die ersten Trekker. Der Pass hat noch zwei Vorpässe. Beide Male bin ich fix und fertig, als wir sie erreichen.

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Qualvoller Aufstieg zum Pass.

Nach dem ersten Pass queren wir eine Hochebene. Die Wolken türmen sich inzwischen hinter uns und es zieht zu. Jeder Schritt quält mich und ich frage mich dann doch, wieso ich mir das eigentlich antue. Als sich auch der nächste „Pass“ wieder nicht als Renjo La entpuppt, bin ich dem Nervenzusammenbruch nah. Doch bald sehen wir den Renjo La immerhin aus der Ferne, denn die israelische Männergruppe vor uns hat sich dort gerade nackt ausgezogen und posiert für Fotos.

Schließlich, nach etwa drei grauenvollen Stunden, schleppe ich mich auf den Pass. Und in diesem Moment fängt es an zu schneien. Wir machen nur eine kurze Pause, denn das Wetter wird minütlich schlechter. Auf der anderen Passseite erwartet uns eine Überraschung. Der Pfad ist komplett eingeschneit, die Sicht sehr schlecht. Wir sehen nur ein paar Meter weit. Der Weg selbst ist eine gebaute Steintreppe, die uns zu einem See hinunterführt. Erst dort angekommen, wird die Sicht langsam wieder besser.

Wir laufen in ein Hochtal mit einem weiteren See. Dort spaziert gerade eine Herde Yaks entlang. Ein Muttertier beschließt den See zu durchqueren. Das Kalb muss mit großen Sätzen durch das Wasser springen, um ihr folgen zu können. Endlich ist das Wetter halbwegs angenehm für eine Pause. Sogar die Sonne strahlt kurz durch die Wolken. Für einen Moment können wir die enttäuschende Passüberquerung verdrängen und die Atmosphäre in dem Tal auf uns wirken lassen.

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Schöne Wanderung durch das Hochtal.

Doch dann zieht es auch schon wieder zu und wird ungemütlich. An einer Weggabelung entscheidet sich Eini für den windstillen Wiesenhang und wir steigen nach rechts ab. Später sehen wir auf der Karte, dass wir hier vom Hauptweg abgebogen sind. Wir steigen steil ab und queren dann wieder oberhalb im Tal. Da fängt es erneut an zu schneien. Nach einem weiteren Kilometer haben wir Lumde erreicht. Das Wetter ist einfach zu schlecht, um heute noch weiter abzusteigen und wir nehmen ein Zimmer in der nächstbesten Lodge. Eini schaut sich auch noch die Zimmer der anderen Gästehäuser an, aber nirgends ist es wirklich gemütlich. Auch ein britisches Pärchen ist hier abgestiegen und immerhin wird uns bald, nachdem wir darum gebeten haben, auch eingeheizt. Als wir dem Sherpa erzählen, dass wir unsere Tour in Jiri gestartet haben sagt der „You are very tough“. Vielleicht, aber gerade eher „very tired“.

Tagesbilanz: 14 Kilometer, 700 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 8 h 30 min
Übernachtungshöhe: 4380 Meter über dem Meer

Tag 21: Lumde bis Namche Bazar

Der Himmel ist schon blau als wir aufstehen. Und so ist es um halb 6 auch gar nicht mehr so kalt, wie noch am Abend. Etwas wehmütig blicken wir noch einmal in Richtung Renjo La zurück, wo es heute viel freundlicher aussieht. Dann beginnen wir den Abstieg nach Thame. Er führt uns immer das Flusstal entlang, zuerst im Schatten, doch nach einer Stunde treffen uns endlich die ersten Sonnenstrahlen. Nur der leichte Wind hindert uns daran im T-Shirt zu laufen. Wir genießen eine schöne Aussicht auf die umliegende Bergwelt und auch die Bergkette vor uns schmücken 6000er.

Bis Thame brauchen wir knapp 2,5 Stunden. Auf dem Wanderweg kommt uns genau ein Trekker entgegen. Im Ort gibt es ein Kloster und viele Gebetsmühlen, Gompas und Windfahnen. Aus einem Feld kommend, kreuzen mehrere Yaks unseren Weg. Offensichtlich sind sie ihrem Besitzer davon gelaufen, denn Gurte und Riemen sind noch befestigt. Wenige Minuten später kommt uns ein Nepalese mit drei weiteren Yaks entgegen und fragt „Did you see some Yaks?“.Wir deuten in die Richtung, in die die Flüchtigen unterwegs sind.

Auf dem weiteren Weg nach Namche passieren wir viele kleine Dörfer. Die Landschaft ist wieder deutlich grüner und die Dörfer sind von bewirtschafteten Feldern umgeben. Als sich das Tal verengt, wechseln wir über eine Brücke die Seite. Viele kleine Gegenanstiege fordern uns heute. In einem der Dörfer entdecken wir einen Funkmast. Und das erste Mal seit 2,5 Wochen haben wir tatsächlich Handy- und Internetempfang. Wir pausieren kurz und lesen Nachrichten besorgter Familienmitglieder, die anscheinend dachten, dass wir im Himalaya lückenlos erreichbar sein würden. Inzwischen gelten wir als verschollen. Wir versenden Lebenszeichen und laufen weiter. Der letzte Gegenanstieg vor Namche führt uns durch einen unberührten Wald. Hier wurde offensichtlich nicht so wild abgeholzt, wie auf der Seite, die zum Basecamp führt.

Der Abstieg war versöhnlich: Der Rhododendron hat wieder überall geblüht, die Sonne geschienen und die Aussicht auf die Berge war fantastisch.

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Exklusive Lage in Namche.

Um kurz nach eins, inzwischen ist es wieder zugezogen, erreichen wir Namche. Unser erstes Ziel ist das teure Café vom Hinweg. Wir gönnen uns als Vorspeise selbstgemachte Nachos mit Käse und dann wieder Beef Burrito, Veggie Burger und Getränke. Außerdem ist Zeit, mit meiner Mama zu telefonieren, die zu Beginn unserer Wanderung Geburtstag hatte. So vergehen fast vier Stunden. Wir haben inzwischen beschlossen nicht weiter abzusteigen, da wir hoffen, dass uns am folgenden Morgen noch eine schöne Abschiedsaussicht auf die Berge vergönnt ist. Wir quartieren uns in einer Lodge ein, die sich leider als große Enttäuschung herausstellt. Denn Namche lebt zu gut von den vielen Touristen, als das man noch besonderen Service erhalten würde. Wir bitten um einen Austausch der offensichtlich bereits benutzen Bettwäsche und erhalten winzige Portionen zum Abendessen, bei gleichbleibend hohen Preisen.

Rückblickend würden wir es definitiv vermeiden in Namche zu übernachten.

Tagesbilanz: 19 Kilometer, 500 Höhenmeter, Zeit mit Pausen: 10 h 30 min
Übernachtungshöhe: 3420 Meter über dem Meer

Über die Rückkehr zu Mr. Turtle

Auf dem Weg von Namche Bazar zurück zu Mr. Turtle haben wir kein Tagebuch geschrieben und auch keine Fotos mehr gemacht. Und das sagt eigentlich schon alles. Was wir auf dem Hinweg in sechseinhalb Tagen hineingelaufen sind, sind wir auf dem Rückweg in fünf Tagen im wahrsten Sinne des Wortes zurückgerannt. Und nein, wer den ersten Teil aufmerksam gelesen hat, kann sich schon zusammenreimen, dass es auf dem Rückweg genau so ein Hoch und Runter war, wie auf dem Hinweg. Natürlich waren wir etwas fitter und die Rucksäcke auch etwas leichter. Aber wir waren auch müde und hatten keine Lust mehr auf den langen Weg. Noch dazu nicht auf den Teil, der auf Grund der Maultierkarawanen in so einem schlechten Zustand ist, so dass es kein Spaß war, dort zweimal zu laufen.

Hier kommt ein kleiner Etappenrückblick. Wir lachen immer noch darüber, wenn wir daran denken, wie sehr wir es am 26. Tag zu Mr. Turtle zurückschaffen wollten. Da haben wir uns tatsächlich einmal selbst übertroffen.

Tag 22: Namche Bazar bis Puiya

Die Übernachtung in Namche hat sich nicht gelohnt, denn am Morgen haben wir mal wieder keine Sicht und das Gästehaus hat uns auf der ganzen Tour hinsichtlich Preisen, Sauberkeit und Leistung definitiv am meisten enttäuscht.

Der Tourentag verläuft zügig und wir machen viel Strecke. Als wir die ersten Gästehäuser in Puniya endlich erreichen ist es spät und dunkel. Und wir sind fix und fertig. Im Gästehaus der Wahl gibt es ein leckeres Kürbiscurry und nette Gesellschaft zum Abendessen.

Tagesbilanz: 28 Kilometer, 1250 Höhenmeter, Abstieg: 1900 Tiefenmeter
Zeit mit Pausen: 11 h 15 min

Übernachtungshöhe: 2780 Meter über dem Meer

Tag 23: Puiya bis Nunthala

Der Aufstieg nach Nunthala zerrt an diesem Abend an unseren letzten Kräften. Wir sind zeitgleich mit drei Nepalesen unterwegs, die zum Saisonende nach Hause gehen. In den Bergen arbeiten sie als Köche und Guides. Sie geben bergauf das Tempo vor und ziehen uns mit. Wieder ist es dunkel als wir ankommen. Wir steigen im Gästehaus vom Hinweg ab, wo uns die Wirtin erkennt und einen Rabatt auf den Duschpreis gibt.

Tagesbilanz: 20 Kilometer, 1100 Höhenmeter, Abstieg: 1700 Tiefenmeter
Zeit mit Pausen: 11 h 30 min

Übernachtungshöhe: 2180 Meter über dem Meer

Tag 24: Nunthala bis Junbesi

Wir wollten es unbedingt bis zu der Unterkunft in Junbesi schaffen, um noch einmal das leckere Curry mit Kartoffelbrei und den Apfelstrudel mit Vanillesoße zu essen. Also ist die Dunkelheit schon wieder hereingebrochen als wir endlich ankommen.

Tagesbilanz: 20 Kilometer, 1500 Höhenmeter, Abstieg: 900 Tiefenmeter
Zeit mit Pausen: 10 h 30 min

Übernachtungshöhe: 2740 Meter über dem Meer

Tag 25: Junbesi bis Kinja

Die Passüberquerung über den Lamjura La läuft gut. Wenig später kommt uns ein Brite entgegen, der gerade die Tour startet. Wieder kaufen wir Käse an dem Bauernhof vom Hinweg und freuen uns darüber den kleinen Hund wiederzusehen. Aber noch immer ist er mager und winzig. Laut der Bäuerin will er nicht fressen.

Als wir weiterlaufen sind wir überrascht. Teile des Wanderwegs existieren nicht mehr. Auch hier wird eine Jeepstraße gebaut. Wie viel sich in so kurzer Zeit doch ändern kann. Wir zögern das Mittagessen bis zum Nachmittag hinaus, denn auf Rösti mit Ei und Käse in Sete freuen wir uns schon den ganzen Tag. Danach steigen wir noch bis Kinja ab. Nur die Hoffnung, von Kinja aus am nächsten Tag mit einem Jeeptaxi nach Jiri zu fahren und uns so die letzten anderthalb Wandertage zu sparen, motiviert uns für den Abstieg. Es ist die einzige Etappe auf dem Rückweg, die wir bei Tageslicht beenden. In Kinja erfahren wir, dass es in den vergangenen Wochen viel geregnet hat und die Straßen gerade nicht befahren werden. Was für eine Enttäuschung.

Tagesbilanz: 18 Kilometer, 900 Höhenmeter, Abstieg: 2000 Tiefenmeter
Zeit mit Pausen: 9 Stunden

Übernachtungshöhe: 1640 Meter über dem Meer

Tag 26: Kinja bis Jiri und zu Mr. Turtle

Am Morgen haben wir überraschenderweise noch einmal Sicht auf den schneebedeckten Gipfel des Numbur (6959 Meter) in der Ferne.

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Morgendliche Aussicht auf den Numbur (ganz rechts).

Als wir dem Gastgeber unserer Unterkunft erzählen, dass wir heute bis Jiri laufen wollen, sagt der, dass wir das an einem Tag nicht schaffen werden. Auch Eini glaubt nicht so richtig daran. Müde und wenig motiviert schleppen wir uns den Berg hinauf. Der Aufstieg nach Deurali ist beschwerlich, trotz zweiter Frühstückspause auf dem Weg. Nach einem Mittagessen auf dem Pass und einem zügigen Abstieg, schaffen wir es in Shivalaya nicht unbemerkt am Checkpoint vorbei, ignorieren aber die Männer, die nach uns rufen einfach. Vielleicht dachten sie auch, dass wir aus dem gerade angekommen Bus ausgestiegen sind und erst noch in das Dorf gehen, bevor wir die Tour starten. Stattdessen laufen wir zu einem Lädchen, kaufen eine frische Mango und Äpfel, Schokoriegel und Softdrinks. Unsere Zuckerparty starten wir bei einer Pause am Fluss, nachdem wir das Dorf verlassen haben. Und so gepusht schaffen wir es am Abend noch über den kleinen Pass nach Jiri. Beim Abstieg im Wald geht die Sonne unter. Und bei Mr. Turtle angekommen gucken uns die Kühe erstmal verwundert an. Wir waschen uns mit dem Wasserschlauch aus einem Trog und fallen nach 28 Tagen endlich wieder ins eigene Bett.
Was für ein Abenteuer.

Tagesbilanz: 32 Kilometer, 2000 Höhenmeter, Abstieg: 1700 Tiefenmeter
Zeit mit Pausen: 13 Stunden

Übernachtungshöhe: 1900 Meter über dem Meer und im Bett von Mr. Turtle.

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Die letzte Etappe.

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