Orang-Utan-Trek im Dschungel des Gunung Leuser Nationalparks bei Ketambe

Von Bangkok geht es per Flieger auf die indonesische Insel Sumatra. Dort wollen wir nach Ketambe und in den Dschungel. Einem der wenigen Orte auf der Welt, an dem noch Orang-Utans in Freiheit leben. 

Gerade noch rechtzeitig erwische ich in Kalkutta den letztmöglichen Flieger, um Isi vor dem Abflug nach Sumatra am Flughafen in Bangkok zu treffen. Genau eine Stunde vor dem Boarding treffen wir uns im Sicherheitsbereich und haben sogar noch Zeit für ein Frühstück. Erleichtert steigen wir anschließend zusammen in den Flieger, der uns in die Inselhauptstadt Medan bringt.

Aufhalten wollen wir uns hier aber nicht. Isi hat am Vortag über ein Gästehaus schon die Taxifahrt nach Ketambe in den Dschungel organisiert. Der Fahrer empfängt uns am Ankunftsbereich des Flughafens ganz klassisch mit einem Namensschild. Eigentlich will er sofort los, da schon zwei andere Gäste im Wagen warten. Wir brauchen aber erstmal Geld und eine Simkarte. Denn im auf dem Land im Dorf Ketambe bekommen wir beides nicht. Und wer weiß wann wir uns das nächste Mal wieder einer Stadt nähern. Geld abheben geht schnell. Der Wechselkurs für den Thailändischen Bhat ist jedoch sehr schlecht. (Wir wechseln das Geld erst später in Singapur zu einem fairen Kurs.) Dann lotst uns der Taxifahrer zu einem Handykarten-Stand am Ausgang. Doch nach einigem Warten kann man uns hier nicht weiterhelfen, denn die Simkarte lässt sich nicht aktivieren. Und wir werden auf die Filiale im Flughafen verwiesen. Also geht es zurück nach Drinnen. Doch die Schlange ist lang. Isi wartet draußen am Taxi, wo sich unser Gepäck bereits im Kofferraum befindet. Und nach mehr als einer Stunde Simkarten-Theater kann es endlich losgehen.

Eine lange Taxifahrt

Im Taxi lernen wir Carla und Alex kennen, ein mexikanisch-französisches Paar in den Dreißigern. Sie sind beide sehr entspannt und tragen uns die Verspätung nicht nach. Als wir von ihnen erfahren, dass noch zwei weitere Leute mit Gepäck unterwegs abgeholt werden sollen, herrscht kurz schlechte Stimmung. Zu viert können wir es uns halbwegs bequem einrichten. Doch zu sechst sehen wir jeden eingeengt und mit seinem Gepäck auf dem Schoß dasitzen. Der Fahrer spricht zu wenig Englisch, als das wir ihn dazu weiter befragen könnten. Er hält in dem Ort an und wir sehen zwei Reisende in ein anderes Auto einsteigen. Wir erfahren nicht, ob es sich um die eingeplanten Mitfahrer handelt, bleiben aber weiterhin zu viert. Glück gehabt.

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Ob er wohl gerade von Bollywood träumt?

Erst während der Fahrt wird uns klar, dass wir bis Ketambe einige Stunden brauchen werden. Um genau zu sein: Neun. Der Fahrer macht aber regelmäßig Pausen und vor allem die Gespräche mit Alex und Carla vertreiben die Zeit. Einzig ein kurviger Bergpass beschert allen Mitreisenden Kopfschmerzen und Übelkeit. Und unterwegs sehen wir dann auch schon einen imposanten Vulkan in der Ferne.

Ketambe

Als wir beim Pondok Wisata Guesthouse in Ketambe ankommen ist es schon dunkel. Doch wir werden von der Gastgeberin herzlich empfangen. Überraschenderweise ist sie eine 24-jährige Niederländerin, die das Gästehaus zusammen mit ihrem frisch – und wie wir später erfahren aus religiösen Gründen – angetrauten, indonesischen Ehemann betreibt. Wir essen zu Abend und hören uns von ihm die Optionen zum Dschungel-Trekking an. Da wir uns mit dem Alex und Carla gut verstehen und auch sie noch einen Tag Pause wollen, planen wir für den übernächsten Tag den Start in eine gemeinsame Zweitages-Tour. Wir beziehen einen der neugestalteten Holz-Bungalows und fallen sehr müde in das bequeme Bett. Am nächsten Tag fühle ich mich krank und schlafe die meiste Zeit. Am Abend packen wir dann unsere kleinen Rucksäcke für den Dschungel. Viel brauchen wir nicht, denn es ist warm. Dann lernen wir unseren Guide kennen, den Bruder unseres Gastgebers, und sind etwas enttäuscht. Er spricht schlechtes, kaum zu verstehendes Englisch. Karla und Alex sind eigentlich hierhergekommen, weil der Gastgeber so gute Bewertungen hat, doch der sagt, er „muss“ die ersten Tage nach der Hochzeit mit seiner Frau verbringen und kann nicht auf Tour.

Jungle-Trekking

Am nächsten Morgen soll es um neun Uhr losgehen. Doch bis alle gefrühstückt haben und Schlafsäcke und Isomatten verteilt sind, ist es bereits zehn. Dann folgen wir eine halbe Stunde lang der Asphaltstraße aus dem Ort und biegen dann nach rechts in den Dschungel ab. Die Stelle ist eher unscheinbar. Ein Schild, auf dem steht das man den Gunung Leuser Nationalpark betritt, sucht man vergebens.

Der Weg ist auch erst einmal ein abenteuerlicher Trampelpfad, auf dem wir rauf und runter klettern müssen. Der Guide telefoniert öfters und wir witzeln schon, dass er jemanden nach dem Weg fragen muss. Zum Glück wird der Trail bald ausgetretener und angenehmer zum Laufen. Es geht kreuz und quer durch den Dschungel, doch bis auf eine Affengruppe sehen wir nichts. Und wir hören auch nichts. Nachdem wir in der Vergangenheit bereits im Dschungel in Französisch Guyana, Nicaragua und Thailand waren, ist es in diesem im Vergleich unheimlich still. Keine Vögel singen, keine Grillen zirpen, keine Spinnen kreuzen unseren Weg. Ob das mit den Vögeln daran liegt, dass die Indonesier so viele fangen, um sie aufgrund ihres Gesanges in Käfigen zu halten oder gar zu Essen? Wir treffen auf eine andere Gruppe, die berichtet eine Orang-Utan-Familie mit Nachwuchs getroffen zu haben und sind etwas neidisch.

Zum Mittag erreichen wir das „Camp“ am Fluss. Das Nachtlager für unsere Gruppe ist ein Aufbau, der aus dünnen, durchsichtigen Plastikfolien besteht. Der Koch bereitet im Wok über offenem Feuer das Essen zu. Allzu schmackhaft sieht es nicht aus, wie er Eier in einem halben Liter Palmöl erträgt und Instant-Nudeln dazu gibt. Als Beilage gibt es indonesische Chips. Vor dem Essen nehmen wir ein erfrischendes Bad im Fluss. Nach einer ausgedehnten Pause geht die Suche nach den Orang-Utans weiter. Etwas Frust macht sich breit, auch bei den anderen Gruppen aus Ketambe, die sich durch den gemeinsamen Lagerplatz nun in unmittelbarer Nähe befinden.

Erst am späten Nachmittag entdeckt einer der Guides zwei Orang-Utans weit oben in den Bäumen. Die Entdeckung spricht sich im Nu herum und alle Anwesenden, etwa fünfzehn Touristen und ihre Guides, sammeln sich unter ihnen. Mit Nackenschmerzen vom langen nach oben Starren gehen wir anschließend Abendessen. Es gibt Unmengen von Reis mit Gemüse, ein winziges Stückchen Fisch für jeden, in Palmöl ertränkte Bananenpfannkuchen und Bier, dass einer der Guides auf Bestellung aus dem Dorf geholt hat. Die Isomatten sind nicht sonderlich bequem und wir sind froh, nur eine Nacht darauf schlafen zu müssen.

Der zweite Tag im Dschungel

Wiedererwarten geht es am nächsten Morgen sehr gemütlich vor sich. Der Guide hat es nicht eilig und wir haben langsam das Gefühl, dass er gar keine Lust hat, mit uns durch den Dschungel zu laufen. Als wir losziehen ist es wieder zehn Uhr. Das Ziel sind heiße Quellen im Fluss, die wir überraschenderweise schon nach einer Stunde erreichen. Natürlich ohne auf dem Weg Tiere gesehen zu haben. Isi und ich steigen noch allein einen Bergrücken hinauf, schließlich sind wir wegen der Orang-Utan hier. Es geht steil hoch, doch im Hang erwartet uns nur wieder Stille. Enttäuscht steigen wir ab und verbringen die nächsten Stunden zusammen mit den anderen im heißen Fluss köchelnd. Das Mittagessen, mal wieder Instant-Nudeln, wird uns in die Quelle serviert.

Es ist schon Nachmittag, als wir den Rückweg antreten. Wir machen einen kurzen Tee-Zwischenstop am Camp, sammeln unsere Habseligkeiten ein, beobachten noch eine Affenbande am Fluss und treten dann etwas frustriert den Rückweg an. Doch keine Viertelstunde, nachdem wir das Camp verlassen haben, entdeckt der Guide ein Orang-Utan-Baby mit seiner Mama keine zehn Meter über uns. Wir steigen die Hangkante hoch und das Baby kommt uns entgegengeklettert. Es ist ziemlich neugierig und uns trennen keine fünf Meter voneinander. Wir verbringen eine Ewigkeit damit es zu beobachten und Fotos zu machen. Als wir weitergehen dauert es wieder keine 20 Minuten, da entdecke ich auf einer Lichtung wenige Meter entfernt einen weiteren Orang-Utan auf einem Baumstamm. Er schaut mich kurz an, klettert dann aber doch lieber auf einen Baum.

Nach einem ordentlichen Anstieg machen wir noch eine kurze Pause. Inzwischen fängt es schon an zu dämmern. Einer der Träger erkundet die Gegend und flüstert dann Isi und mir zu schnell mitzukommen. Er hat drei Orang-Utans in den Bäumen entdeckt, darunter in nächster Nähe ein größeres Männchen. Dieses beobachtet auch uns eine Weile vom Baum aus und klettert dann sogar etwas hinunter. Irgendwann ist die Situation dem Orang-Utan vermutlich nicht mehr geheuer und er schwingt zum nächsten Baum. Dabei bricht ein Ast und er schafft es gerade noch sich irgendwo festzuhalten und klettert schnell wieder nach oben in Richtung Baumkrone. Zeit weiterzugehen, um ihn nicht weiter zu stören. Inzwischen ist es dunkel und wir packen die Stirnlampen aus. Zu allem Überfluss wählt unser professioneller Guide noch einen falschen Weg und wir müssen einen Umweg laufen. So ist es schon schwarze Nacht oder eben doch nur acht Uhr abends, als wir wieder an der Unterkunft sind. Aufgeregt teilen wir unsere Erlebnisse mit einer anderen Gruppe, die das natürlich noch mehr frustriert. Dann beziehen wir wieder den Bungalow und Essen zu Abend.

Entspannen in Ketambe

Wir verbringen noch drei Nächte in Ketambe, weil uns die entspannende Umgebung so gut gefällt. Damit bilden wir eine Ausnahme zu vielen Reisenden die lediglich für die Dschungeltouren kommen und dann wieder abreisen. Auch Carla und Alex haben ein straffes Programm für Sumatra und sind am nächsten Tag schon wieder auf uns davon. Wir erkunden die Gegend um den Fluss, beobachten einen Fischer und eine Affenbande am anderen Ufer.  Abends ist das Gästehaus ein Treffpunkt für eine Gruppe Einheimischer die mit Vorliebe Indonesische und westliche Lieder singt und dazu Gitarre spielt. Und ohne Unterbrechung raucht. Überhaupt fällt uns auf, wie viel die Männer in Sumatra rauchen. Frauen sehen wir hingegen nie mit Zigaretten.

Am anderen Tag machen noch einen Ausflug zu einem versteckten Wasserfall. Dabei lernen wir den dritten Bruder der Gästehausfamilie kennen. Er ist Lehrer und spricht im Gegensatz zu den anderen gutes Englisch. Auch er arbeitet in den Ferien gelegentlich als Guide. Ein bisschen ärgerlich ist, dass der Gästehausbesitzer heute mit der nächsten Gruppe schon wieder zu einer Tour aufbricht. Und wir erfahren, dass sein Bruder, also unser Guide,  normalerweise keine Touren führt und nur eingesprungen ist, weil er selbst nicht konnte. Zum Glück war die Tour dennoch erfolgreich, denn auch ein guter Guide kann keine Orang-Utan-Begegnungen garantieren.

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