Banyak Inseln und Tuk Tuk

Zum Schnorcheln und Kayak fahren verbringen wir eine Woche auf den idyllischen Banyak Inseln. Die Abreise wird für uns jedoch zur Geduldsprobe. Zur Erholung mieten wir noch ein paar Tage das Dachgeschoss eines Batak-Hauses in Tuk Tuk.

Als wir nach einem halbstündigen strammen Fußmarsch erschöpft bei dem Boot ankommen, befinden sich auf dem offenen Deck schon etwa 15 andere Touristen und auch Einheimische. Doch wir finden noch ein Plätzchen für die fünfstündige Überfahrt. Diese verläuft glücklicherweise relativ ruhig. Das Boot fährt zur Hauptinsel Balai, die als Drehkreuz für die Weiterreise auf die idyllischeren kleinen Inseln dient. In dem Stress der letzten Tage haben wir uns noch nicht geeinigt, auf welche der vielen kleinen Inseln wir eigentlich wollen.

Jetzt müssen wir uns schnell entscheiden, denn wenn wir zu lange warten erwischen wir heute kein Boot mehr für die Weiterfahrt. Wir wollen schnorcheln und haben gelesen, dass vor der kleinen Insel Tailana das Riff noch intakt ist. Denn auch in diesem Inselparadies wurde durch Dynamit-Fischen schon viel von der Unterwasserwelt zerstört. Von der Familie bekommen wir die Handynummer von der Unterkunft. Wir rufen an, um sicherzugehen das noch Platz ist, denn auch eine andere französische Gruppe will dorthin. Wir haben Glück und es gibt noch einen freien Bungalow. So geht es von Balai nun in einem vollbesetzten Mini-Fischerboot noch einmal für zwei Stunden weiter. Die Fahrt ist nicht so gemütlich, wir sitzen eng eingepfercht auf den harten Holzbänken und hoffen nicht zu kentern.

Tailana Island

Auf der Insel Tailana stehen zehn einfache Holzhütten für die Urlauber bereit, ein Haupthaus, eine überdachte Terrasse und eine Toilettenhütte, in der man sich, klassisch indonesisch, mit Wasser aus einem Eimer Duschen kann. Leider stellen wir schon am ersten Tag fest, dass die Verköstigung zu wünschen übrig lässt.

Wir erleben hier das schlechteste Essen Indonesiens und es gibt kein Entrinnen, auch wenn wir parallel unseren Keksvorrat aufbrauchen. Fast die ganze Zeit gibt es nur Reis mit Fisch, wenig frisches Gemüse oder Instant-Nudeln. Zum Frühstück Pancakes, bei denen der Teig an keinem Morgen durch ist. Und das alles mal wieder in ausreichend Palmöl frittiert. Während Eini den bekanntermaßen stabileren Magen hat, quälen mich bald Durchfall, Sodbrennen und Übelkeit in der Nacht. Trotz allem Leid, das es tatsächlich schwierig macht, diesen paradiesischen Ort angemessen zu genießen, bleiben wir vier Nächte. Dabei empfinden wir die Unterkunft für Indonesien und die Preis-Leistung als überteuert. Umgerechnet 25 Euro zahlen wir für beide für die Unterkunft und das Essen.

Die Insel ist überschaubar und bei Ebbe in 15 Minuten umrundet. Trotz allem ist es hier nicht so idyllisch, wie in vielen anderen Blogposts beschrieben. Tailana ist ein Taubenschlag. Jeden Tag kommen internationale, vor allem französische, Touristen an oder reisen ab. Wir sind in der Urlaubszeit da und so sind auch viele Familien vor Ort. Außerdem halten jeden Tag Boote mit Gruppen indonesischer Touristen, die für mehrere Stunden an Land gehen. Das Schnorcheln macht immerhin viel Spaß. Wir entdecken zahlreiche bunte Fische und haben sogar eine äußerst unheimliche Begegnung mit zwei Steinfischen.

Kayak-Tour zu unbewohnten Inseln

Nach drei Tagen auf Tailana lassen wir uns von einem Fischer zur deutlich größeren Nachbarinsel in das muslimische Dorf Haloban bringen. Dort vermietet ein Einheimischer zwei Kayaks und etwas Campingequipment. Wir wollen noch zwei Tage einige der kleinen unbewohnten Inseln erkunden. Nachdem alles organisiert ist, kaufen wir in einem Lädchen Proviant. Dann beladen wir die Kayaks mit einer riesigen Papaya und einer Wassermelone und paddeln aus dem Hafen. Als Erstes müssen wir riesige Brecher umfahren. Als ungeübter Kayakfahrer ein etwas beängstigendes Erlebnis. Doch als das geschafft ist, paddeln wir nur noch durch stilles Gewässer. Die erste Pause machen wir an einer Mini-Insel, deren Strand voller Seesterne ist.

Dann steuern wir eine etwas größere Insel für die Übernachtung an. Wir bauen das Zelt auf, sammeln Holz für ein Feuer und schlachten herumliegende Kokosnüsse. Dafür haben wir uns extra noch eine Machete mitgenommen. Trotz der Anstrengungen reichen mir Wassermelone und Kokosnuss zum Abendessen, denn mein Magen ist immer noch gereizt. Eini kocht sich Instant-Nudeln im Feuer, weil der ausgeliehene Kocher nicht funktioniert. Dabei entdecken wir einen großen Krebs, der uns beobachtet. Nach dem Abendessen liegen wir im Zelt und betrachten den Sternenhimmel. Doch nach den sportlichen Anstrengungen und der Hitze des Tages schlafen wir schnell ein. Leider sind die Matten so unbequem, dass wir nicht allzu erholsam schlafen.

Als wir am nächsten Morgen zusammen packen finde ich zufällig unser kleines Messer an der Stelle wieder, wo am Abend noch die Krabbe saß, drei Meter entfernt von dem Platz, an dem wir es am Abend haben liegen lassen. Der Gummigriff ist von der Krabbe komplett abgeschabt worden. Wir paddeln zu einer etwa zwei Stunden entfernt liegenden Insel und gehen schnorcheln. Anschließend vertilgen wir die Papaya als Mittagessen. Auf dem Rückweg nach Haloban sehen wir immer wieder eine Schildkröte abtauchen. Die Fahrt ist sehr anstrengend und zieht sich lange. Die Sonne brennt und uns geht die Creme aus. Erst gegen Abend erreichen wir den Hafen von Haloban.

Fährt ein Boot von Haloban …

Als wir mit den Kayaks in den Hafen kommen sehen wir ein größeres Fischerboot das gerade anlegt. Eini will herauszufinden, ob es am nächsten Tag wieder zum Festland fährt und paddelt hinüber. Er trifft dabei auf eine ankommende Österreicherin, deren Mann von der Insel stammt. Und er erfährt, dass am nächsten Tag der Indonesische Nationalfeiertag ist und sehr wahrscheinlich keine Schiffe fahren. Wir sind nicht sonderlich erpicht darauf, im Dorf zu bleiben, denn es ist so heiß, dass man sich quasi nicht bewegen kann. Außerdem weist einer der muslimischen Männer Eini verärgert darauf hin, dass ich mich anzuziehen habe, als wir aus dem Boot steigen. Wir ignorieren ihn und bringen die Ausrüstung zurück, nehmen die Rucksäcke und marschieren die Straße entlang auf der Suche nach einem Homestay. Dabei treffen wir auf eine kleine Gruppe, die auf dem Weg zu einem Surfspot ist, doch in ihrer Unterkunft ist nichts mehr frei. Die Vermietern vermittelt uns an jemand anderen und kurz darauf kommt uns ein Junge auf einem Roller abholen und wir laufen die Straße wieder zurück. Bei der Hitze ist jeder Schritt eine Leistung. Doch immerhin haben wir jetzt ein Zimmer im Haus einer der muslimischen Familien.

Am nächsten Tag macht sich Eini noch einmal allein auf dem Weg zum Hafen. Er hat die nötigen Worte für „Boot“, „heute“ und „morgen“,, „ja“ und „nein“ in indonesisch aufgeschrieben. Doch schnell zeigt sich, „heute“ passiert „nein“. Der Feiertag wird strikt eingehalten. Für einen Wucherpreis würde uns ein Fischer mit seinem Boot nach Balai bringen, aber wir beschließen bis zum nächsten Morgen zu warten. Bei der Hitze nach wie vor unerträglich. Am Nachmittag ist ein Kinderumzug auf der Hauptstraße, bei dem auch die Kinder unserer Familie mitlaufen. Die Jungen sind als Polizisten oder Generäle unterwegs. Die Mädchen in hübschen traditionellen Kleidern und stark geschminkt.

Am nächste Morgen packen wir hoffnungsvoll unsere Rucksäcke und laufen dann aber erst einmal ohne diese zum Hafen. In dem kleinen Fischercafé sitzen die überwiegend älteren Männer beisammen. Ein junger Mann behauptet, „ja“ heute fährt ein Boot. Doch die Älteren sind sich einig, heute nicht, „nein“. Morgen vielleicht wieder. Der junge Mann kommt dazu, dann schüttelt auch er den Kopf. Englisch spricht hier jedoch niemand. Wir sind verzweifelt. Dann suchen wir noch einmal den Kayak-Vermieter auf. Und überraschenderweise kann er uns helfen, denn er weiß von zwei Männern, die heute mit einem Speedboat nach Balai fahren. Er geht mit uns zu ihrem Haus und wir dürfen für einen unserer Meinung nach fairen Touristen Preis mitfahren. Abfahrt ist in zwei Stunden. Erleichtert laufen wir zu unserer Unterkunft zurück. Genau da fängt es an stark zu regnen. Es regnet und regnet, bis wir zum Treffpunkt müssen. Dort warten wir noch eine Weile. Dann dürfen wir endlich auf das Boot. Mit dem Wetter haben wir großes Glück, bis es zwei Minuten vor unserer Ankunft doch noch einmal stark anfängt zu Regnen. Schnell laden wir aus und flüchten in ein Fischercafé, wo wir noch zu einem Getränk eingeladen werden. Anschließend verabschieden wir uns und laufen zu dem Pier, an dem wir vor einer Woche angekommen sind.

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Von diesen lustigen Gesellen sind die Strände voll.

Eini fragt nach einem Boot zurück auf das Festland und der Indonesier zeigt aufs Wasser. Denn genau in diesem Moment steuert ein größeres Fischerboot auf den Pier zu. Und kurz darauf versammeln sich auf einmal zahlreiche Touristen neben uns. Eine Stunde später befinden wir uns überraschenderweise auf dem Weg in Richtung Festland. Damit hätten wir nicht gerechnet. Nach der Ankunft ergibt sich dann sogar eine Taxifahrt zusammen mit drei anderen Deutschen, die zurück nach Medan wollen und uns unterwegs in Sidikalang rauslassen können. Denn wir wollen am nächsten Tag weiter an den Danau Toba See und nach Tuk Tuk.

Tuk Tuk

Nach ein paar Stunden Schlaf und einem eher mageren Frühstück am Straßenrand machen wir uns schon wieder auf den Weg. Den richtigen Minibus finden wir trotz eines hilfsbereiten Kioskbetreiber aber nicht. So nehmen wir erst noch eine kurze Fahrt zur nächsten Straßenkreuzung auf uns und erst von dort den Bus auf die Halbinsel Pulau Samosir. Unterwegs müssen wir dann noch einmal umsteigen. Bei der Fahrt genießen wir wundervolle Aussichten auf den See und die Batak-Häsuer. Die letzten zwei Kilometer nach Tuk Tuk müssen wir dann laufen. Doch zufälligerweise treffen wir genau dort, wo wir aus dem Bus steigen auf einen britischen Vater mit seinen zwei Töchtern, die wir auf Tailana kennengelernt haben und die schon ein paar Tage hier sind. Und so ist die Wanderung dank der Unterhaltung eher kurzweilig. Wir haben im Vorfeld schone eine Unterkunft ausgeguckt und wir haben Glück. Wir beziehen das Dachgeschoss eines traditionellen Batak-Hauses und verbringen vier Tage im Ort. Das Essen in Tuk Tuk ist überraschend abwechslungsreich und bietet neben indonesischen sogar auch viele Europäisches Gerichte wie Schnitzel und Pizza. Zu Zeiten des Hippie-Trails war Tuk Tuk ein beliebtes Ziel und so hat der Tourismus hier schon früh Einzug gehalten.

Wir machen zur Abwechslung mal wieder Fitness-Training auf der Matte und entspannen uns nach der Hitze und den letzen Tagen in dem jetzt sehr erträglichen Klima. Bei einem Rollerausflug kehren wir aber unerwartet schnell und bis auf die Knochen durchnässt um und fahren fröstelnd zur Unterkunft zurück. Am nächsten Tag haben wir dann etwas mehr Glück und können uns noch ein wenig die Gegend anschauen. Die Zeit in Tuk Tuk fliegt dahin und ist leider viel zu schnell vorbei.

Zusammen mit der Englischen Familie treten wir dann in einem gemeinsamen Taxi die letzte Etappe von Tuk Tuk zurück zum Flughafen nach Medan an. Dort schlafen wir noch eine Nacht im Hotel, bevor wir am nächsten Morgen nach Singapur fliegen. Nach einem dreitägigen Zwischenstopp in der Stadt, der uns definitiv zuviel Geld gekostet hat, fliegen wir für dreieinhalb Wochen nach Deutschland. Von dort brechen wir zu unserer nächsten große Reiseetappe auf: Südamerika!

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