Ein Roadtrip durch Chiles kleinen Norden

Da es uns im Süden noch zu kalt ist, fahren wir erst einmal in Chiles „Norte Chico“, um uns in das Overlander-Leben zu dritt einzufinden. Wir besuchen einsame Strände und Küstenorte, lassen uns von Kakteen stechen, entdecken wilde Chinchillas und Sternennebel im Elqui Tal.

20 Kilometer südlich von El Quisco stoppen wir schon wieder am Parkplatz des Tunquen Strandes. Es ist bereits Nachmittag und wir wollen noch eine Runde spazieren gehen. Also bleiben wir auch gleich über Nacht.

Am nächsten Morgen hat Mila plötzlich Durchfall mit Blut. Wir steuern besorgt die Unitierklinik in Viña del Mar an. Mila wird untersucht und es zeigt sich, dass sie sehr viel Gas im Bauch hat. Die Tierärztin gibt ihr zwei schmerzhafte Spritzen und uns mehrere Zettel auf denen die Medikamente stehen, die wir kaufen sollen und einen Diätplan. Den restlichen Tag sind wir damit beschäftigt die Medikamente in mehreren Apotheken zusammenzusuchen und einkaufen zu gehen.

Das Problem mit dem Gas

Von jetzt an kochen wir tagein tagaus Reis mit Hühnchen und Karotten als Schonkost für Mila. Unser eigenes Essen halten wir einfach, denn wir müssen nun zum Kochen den Benzinkocher aufbauen. Unsere Gasflaschen sind seit der Verschiffung leer und wir stellen fest, dass wir sie in Chile und überhaupt in Amerika nicht so ohne weiteres aufgefüllt bekommen. Wir hätten einen Amerika-Adapter aus Deutschland mitbringen müssen. Den Adapter noch zu bestellen, damit ihn Freunde aus Deutschland mitbringen, die in wenigen Tagen zum Urlaub nach Chile fliegen, ist inzwischen zu spät. Erfolglos klappern wir einen Tag lang ein paar größere Gasgesellschaften ab, aber man kann uns nirgends helfen.

Auch in verschiedenen Läden finden wir keine vernünftige Bastellösung für einen Anschluss. Also fange ich an in zahlreichen facebook-Gruppen nach einem Reisenden zu suchen, der in den nächsten Wochen nach Santiago fliegt und bereit ist uns den Adapter mitzubringen. Nach einigen Tagen und überraschend vielen Angeboten zu späteren Zeitpunkten finden wir endlich jemanden der in der ersten Novemberwoche kommt und zu dem wir den Adapter schicken lassen.

Unser Nachbar der Chinchilla

Wir verbringen einige Tage an der Küste und biegen dann ins Inland ab. In der Nähe des Reserva Nacional las Chinchillas campen wir in der gleichen Landschaft, nur ohne Eintritt zu bezahlen und mit Hund, der in diesem nicht erlaubt ist. Nach der Ankunft starten wir einen abenteuerlichen Spaziergang auf einen Hügel, bei dem Mila mehrmals in kleine am Boden wachsende Kakteen tritt. Brav lässt sie sich die schmerzhaften Stacheln aus der Haut oder den Ballen ziehen. Auch wir wirbeln ein paar der Kakteen auf, die sie sich durch die Jeans in die Haut bohren.

Auf dem Rückweg entdecken wir dann zwei Wildschweine. Die sind nicht mehr ganz so lebendig, doch auch ihre halb verwesten Skelette machen noch einen imposanten Eindruck. Zur Dämmerung am Abend und auch am nächsten Morgen sehen wir dann auch die kleinen chilenischen Chinchillas die um unser Lager herum aus ihren Löchern kommen. Wir müssen Mila davon abhalten uns die süßen Fotomotive nicht ständig zu vertreiben.

Blutegel und immer noch Gas Probleme

Am nächsten Tag setzen wir den Roadtrip in imposanter Landschaft fort, müssen aber bald eine ausgedehnte Mittagspause unter einem schattenspendenden Baum an einem See machen. Es ist einfach zu heiß zum Fahren. Wir beschließen noch Baden zu gehen und haben danach viele winzig kleine Blutegel an den Füßen, die wir mit Jodtinktur vertreiben. Zum Sonnenuntergang erreichen wir den See „Embalse la Paloma“. Es ist Wochenende und viele Einheimische sind noch zum Angeln und Campen hier. Wieder einmal müssen wir beim Parken kreativ sein, um einen ebenen Standplatz zu bekommen. Schließlich parken wir am Rand eines Dirttracks, der oberhalb des Ufers verläuft (siehe Titelbild).

DSC08556
Mittagspause.

Am nächsten Morgen bleiben Eini und Mila lange zum Spaziergang weg. Er hat deutsche Overlander getroffen und nach dem Frühstück fahren wir zu ihnen hinüber. Marion und Walter sind schon einige Jahre auf Reisen und stammen wie es der Zufall will aus der gleichen Gegend in NRW wie ich. Und sie haben natürlich einen Amerika-Adapter. Wir leihen ihn aus und versuchen in der Nähe eine Gasstation zu finden, bei der man damit unsere Flaschen auffüllen kann. Doch wir haben Pech, in den kleinen Dörfern kann man uns nicht helfen. Eini zieht noch einmal alleine in die nächste Stadt, kommt aber erfolglos zurück. Heute ist Kolumbustag, ein Feiertag. Unverrichteter Dinge fahren wir am späten Nachmittag nach La Serena weiter. Unsere Freunde sind dort inzwischen mit ihrem Mietwagen angekommen. Den Abend verbringen wir zusammen mit ihnen beim Picknick am Strand.

Auf ins Elqui Tal

Tags darauf fahren wir in den Ort Vicuña im Elqui Tal, das für seine klare Luft und damit für eine hohe Anzahl an Sternwarten bekannt ist. Nachmittags machen wir eine ausgedehnte Wanderung über die trockenen Hügel. Zwei Hunde aus der Stadt begleiten uns. Doch einer von ihnen hat sich sichtlich übernommen und kommt mit Hitze und Anstrengung nicht zurecht. Wir sind mehr damit beschäftigt, uns um ihn zu kümmern, als die Wanderung fortzusetzen und brauchen am Ende alle unsere Wasservorräte hauptsächlich für die Hunde, vor allem aber für diesen einen auf. Als es dunkel wird machen wir eine Tour in einer der Sternwarten, sind aber enttäuscht vom Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir können durch das Teleskop einige Sterne und Planeten anschauen, aber der Guide hält sich mit Erzählungen zurück. Leider ist er anscheinend auch nur eine Krankheitsvertretung. Es ist schon spät, als Giorgina und Jens zu ihrem Hostel in La Serena aufbrechen. Wir campen 15 Kilometer entfernt an einen See. Am Morgen baden wir im kalten Wasser. Aber auch nur, weil es windstill ist und die Sonne so schön wärmt. Mila hat keine Lust, aber wir tragen sie trotzdem ins Wasser. Da sie immer überall im Sand liegt und trotzdem im Bett schlafen möchte, hat sie kein Mitspracherecht.

Danach fahren wir wieder ans Meer, um uns etwas nördlich von La Serena noch einmal mit Georgina und Jens zu treffen, bevor diese ihren Roadtrip in die Atacama Wüste fortsetzen. Wieder alleine verbringen wir dann sogar zwei Nächte an dem schönen Strand vor dem einsamen Fischerdorf, in dem vermutlich nur im Sommer alle Hütten bewohnt sind. Bis auf den Schäfer und den ein oder anderen Fischer sehen wir keine Menschenseele. Umso verwunderter sind wir über das vom Dorf kostenfrei zur Verfügung stehende schnelle WLAN.

So ein Luxus

Am folgenden Fahrtag erwartet uns im Tausch gegen Mautgebühren auf der Ruta 5 mal nicht nur der gut ausgebaute Highway, sondern auch eine Servicestation mit kostenlosen sauberen Toiletten, warmen Duschen und einem Hahn mit Trinkwasser. Wir kommen nicht umhin an unsere letzten Fahrwochen im schwülheißen Indien zu denken und müssen schmunzeln.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s