Rundtour auf der Ruta del Desierto und durch den Nevada Tres Cruzes Nationalpark

Vier Tage und fünf Nächte verbringen wir in der Wüstenlandschaft, an der Laguna Santa Rosa und der Laguna Verde. Baden in heißen Quellen und sehen Pferdebeine, Flamingos und einen Wüstenfuchs.

Nach einem Tank- und Einkaufsstopp in Copiapó fahren wir noch in die Dunkelheit auf die Ruta del Desierto in Richtung Nevado de Tres Cruzes Nationalpark. Die Wüste beginnt schon wenige Kilometer hinter der Stadt und so steuern wir für die Nacht einen schönen Wüstenplatz auf 2000 Metern Höhe, neben der kaum befahrenen Piste an. Am nächsten Tag wird es schnell heiß und, obwohl wir unter einem Baum stehen, müssen wir zweimal umparken, damit wir möglichst viel Schatten haben. Ein vorbeifahrender Trinkwasserlaster hält plötzlich an und der Fahrer kommt zu uns, um zu fragen, ob wir Wasser brauchen. Wir freuen uns, über seine Hilfsbereitschaft aber wir haben natürlich am Vortag erst alle Vorräte aufgefüllt. Als es am späten Nachmittag endlich etwas abkühlt, fahren wir durch die Wüste weiter.


In einem fruchtigen Hochtal stehen wir die kommenden zwei Nächte abseits von der Straße an einem kleinen Bachlauf auf 3100 Metern Höhe. Für Mila gibt es zwischen all den Büschen viel zu entdecken und als sie beim Spazieren gehen ihre verrückte Raserei, von uns „Milas wilde fünf Minuten“ getauft, bekommt, macht es ihr großen Spaß durch die unter Wasser stehenden Wiesen zu jagen. Am Abend haben wir eine nach Matsch und nassem Hund stinkende Mitbewohnerin, die das vermutlich selbst nicht so empfindet und trotzdem auf ihren Schlafplatz im Bett besteht.

Der Bachlauf eignet sich perfekt, um nicht nur den Hund, sondern auch eine große Ladung Wäsche zu waschen und in der Sonne zu trocknen. Bei einem weiteren Spaziergang erkunden wir das einsame Seitental, dass sich noch viele Kilometer weit erstreckt und von dem auch noch mehrere kleine Seitentäler abgehen. Als wir verwesende Pferdeskelette in Einzelteilen — überall liegen Beine verstreut — entdecken, beschließen wir umzukehren. Und Mila will später am Abend plötzlich nicht mehr aus dem Bus. Ob sie Koyoten wittert oder vielleicht sogar einen Puma? Der Wind ist stark und es ist gut möglich, dass ihr auch nur ein Geruch aus der Ferne in die Nase geweht ist.

Nationalpark Nevado de Tres Cruzes

Wir verlassen den schönen Platz im Seitental und setzen die Fahrt bergauf fort. Dabei gewinnen wir mehr und mehr an Höhe und kommen entsprechend nur noch langsam voran. Die Wüstenlandschaft um uns herum ist beeindruckend, aber leider wird auch der Wind immer stärker. Bei 4200 Höhenmetern erreichen wir das Eingangsschild zum Nationalpark Nevado de Tres Cruzes. Von hier aus haben wir eine tolle Aussicht. Hunde sind, wie in jedem von CONAF betriebenen Nationalpark verboten, aber wir glauben nicht, dass wir Probleme bekommen, solange sie im Bus versteckt bleibt. Da wir aber auch nur einen kurzen Besuch im Park machen, haben wir wenig Lust die 4000 Pesos pro Person Eintritt zu zahlen.

Der Nationalpark Nevado de Tres Cruzes ist in zwei Bereiche eingeteilt. Einer befindet sich um die Laguna Santa Rosa herum, zu der wir auf dem Weg sind. Ein anderer Teil des Parkes umgibt die Laguna del Negro Francisco, die etwa 80 Kilometer Pistenstraße entfernt liegt. Bis auf einen Pickup ist in der Nähe der Laguna niemand zu entdecken. Es ist Montag und wir glauben, dass sich an einem Wochentag in der Nebensaison kaum jemand hierher verirrt. Immerhin befinden wir uns inzwischen 150 Kilometer, überwiegend auf Pisten zurückzulegen, von Copiapó entfernt. Wir biegen nicht in Richtung Nationalparkhütte und Hotel ab. Ja hier oben gibt es tatsächlich ein kleines teures Hotel, sondern steuern einen Aussichtspunkt auf der gegenüberliegenden Seite an. Doch einen Kilometer vor dem Ziel halte ich Eini gerade noch rechtzeitig zum Anhalten an. In meinem Kopf ist ein Bild von einer Flussauffahrt in Nepal, aus der der schwere Mr. Turtle ohne Fremde Hilfe nicht mehr zur Straße zu bekommen war. Und die Piste fällt noch länger und steiler ab. Wir parken mit angezogener Handbremse und lassen, die das jetzt gar nicht verstehende, Mila im Bus. Die Entscheidung ist aber eher dem sturmböenartigen Wind geschuldet, als der Toleranz der CONAF Nationalparkregel Hunde zu verbieten, Menschen jeglicher Gesinnung aber zu erlauben.

Wir haben inzwischen sehr viele Plätze in der chilenischen Natur besucht, die wunderschön wären, würden campierende Chilenen hier nicht Müllberge heranzüchten und das Klopapier gleich mitsamt ihrer Schießhaufen am Flussufer zurücklassen.

Zuerst laufen wir vor zum Aussichtspunkt. Von hier aus führt ein Pfad hinunter an das Ufer des Salzsees. Auf der Wasserfläche tummeln sich Flamingos und wir nähern uns vorsichtig. Doch kaum registrieren sie die Bewegung, fliegen sie weiter weg. Unten am See ist der Wind zwar etwas erträglicher, doch zum Verweilen lädt er lange nicht ein. Wir laufen noch etwa einen halben Kilometer am Ufer entlang, bis wir auf der anderen Seite wieder zu den Sturmböen aufsteigen und zu Mila zurückkehren. Eini hat inzwischen trotz Akklimatisierung etwas mit der Höhe zu kämpfen.

Da es inzwischen Nachmittag ist, fahren wir nur noch ein kleines Stück weiter und parken im Schutz eines Stromhäuschens in der ansonsten kargen Wüstenebene. Immerhin haben wir Blick auf die Gipfel der Nevada Tees Cruces, nach denen der Park benannt ist. Kaum haben wir es uns im Bus gemütlich gemacht, kommt ein Pickup angerauscht. Wir befinden uns nun schon in der Grenzregion von Chile und Argentinien. Etwa 800 Höhenmeter weiter oben ist die Grenze. Die chilenischen Zollstation ist jedoch nur etwa fünf Kilometer entfernt. Zwei Grenzkontrolleure, von denen einer sichtlich nervös die Hand über seiner Waffe hält, fordern Eini dazu auf auszusteigen, als der in seinem von Kopfschmerz geplagten Zustand erstmal nur das Fenster öffnet. Mich können sie gar nicht sehen. Doch dann wollen sie nur die Pässe kontrollieren und ziehen wieder ab. Wir gönnen uns noch einen Doku-Abend und sind froh, dass es relativ windstill ist, als wir nochmal mit Mila herausgehen. Die ist sichtlich gelangweilt von der kargen Wüste und so besteht der Spaziergang auch eher darin, dass Stromhaus zu umkreisen.

Ruta 31 zur Laguna Verde

Am nächsten Morgen treffen wir kurz vor der Zollstation auf die überraschenderweise asphaltierte Ruta 31, die zum Paso de San Francisco hinaufführt und wir entscheiden uns nach einigem Hin und Her für den Abstecher an die Laguna Verde auf 4350 Metern kurz vor der argentinischen Grenze. Der Weg dorthin ist spektakulär. Wir machen noch einige Höhenmeter, um dann lange auf einer Hochebene zu fahren, von wo aus wir auch den Nevada Ojos del Salado (6891 Meter) sehen können, höchster aktiver Vulkan der Erde, höchster Gipfel in Chile und zweithöchster Südamerikas. Schließlich erreichen wir die wunderschöne Laguna Verde, die doch eher türkis ist, und parken direkt vor der heißen Wasserquelle. Der Wind ist jedoch so stark, dass wir uns draußen eigentlich nicht aufhalten wollen. Hier oben zu übernachten ist vollkommen ausgeschlossen. Als Eini im falschen Moment die Beifahrertür öffnet, reißt eine plötzliche Windböe ihm diese fast aus der Hand. Später müssen wir die nun schief in den Angeln hängende Tür wieder begradigen.

Als wir schließlich die Zollstation passieren trifft Eini im Gebäude auf einen der Herren vom Vorabend, der jetzt nur noch wissen will, ob wir heute zufällig noch in Argentinien waren, uns dann aber ziehen lässt. Doch mit dem Asphalt ist es bald nach der Zollstation schon wieder vorbei. Wir fahren noch eine Weile durch die nach wie vor spektakuläre Wüstenlandschaft. (Wie schon so oft auf dieser Reise fragen wir uns, waren wir wirklich hier, wenn wir es nicht gleich filmen und bei Instagram, youtube oder wo auch immer posten?) Plötzlich kommt ein Fuchs in unsere Richtung gerannt. Der kleine Kerl ist überraschenderweise gar nicht scheu und schleicht bald um den Bus. Da wurde wohl jemand schon mit viel Futter gezähmt.

Die letzte Nacht auf der Ruta del Desierto verbringen wir schon wieder in einem weitläufigen fruchtbaren Tal. Mila freut sich über den verdienten Spaziergang auf der Wiese mit Bachlauf, springt und rennt, soviel sie kann. Einer Herde frei laufender Esel sind wir dabei nicht geheuer und sie zeigen uns eher die kalte Schulter, als wir sie fotografieren wollen. Anschließend liegt die mit dem eigentlich so schönen braunen Fell aber aufgrund ihrer Vorliebe für sandige Böden nun inzwischen mit dem Titel „Mila, die Graue“ versehene, wieder im Staub vorm Bus.

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