Roadtrip Norte Chico, 3. Teil: Von Copiapo nach Santiago

Von der Wüste geht es zurück an die Küste. Und auf dem Weg nach Santiago fahren wir dann wieder in das Elqui Tal, gehen überraschenderweise in einem Privat-Tal mit einer Gruppe Chilenen trekken und zum Mountainbiken noch einmal nach Pichidangui.

Nach dem Ausflug auf der Ruta del Desierto ist uns erst einmal nach Strand und Meer. Außerdem haben wir den nördlichsten Punkt unseres Roadtrips in Chiles Norte Chico erreicht. So verbringen wir mehrere Tage damit, entlang der Küste wieder Richtung Süden zu fahren. Dabei steuern wir einige schöne Strände an, machen ausgedehnte Spaziergänge und entspannen. Mr. Turtle kommt auf weichem Sand allerdings gar nicht zurecht. Er ist mit seinen drei Tonnen einfach zu schwer. Trotzdem finden auch wir an den Stränden tolle Stellplätze.

Auf dem Weg in den Süden biegen wir noch einmal in Richtung Valle Elqui ab. Da wir auf dem Hinweg nicht über Vicuña hinausgekommen sind, wollen wir das Tal jetzt besuchen. Doch zuerst schlafen wir wieder am Embalse Puclaro. Die Bremsen von Mr. Turtle hören sich seit ein paar Tagen grauenvoll an und wir müssen dringend etwas tun, bevor wir weiter fahren. Zum Glück haben wir einen Satz Ersatzbremsbeläge für Vorne dabei, denn die sind in Chile kaum zu bekommen, da der T4 hier nie verkauft wurde. So wechsele ich die Beläge mit Seeblick, allerdings mit ziemlich böigem Wind. Isi ist gerade mit Mila am See, da bläst mir eine starke Böe Mr. Turtle vom Wagenheber. Dieser landet aber relativ sanft im Kies und außer einem Schrecken ist nichts passiert.

Wir lassen Vicuña links liegen und fahren direkt weiter zum Abzweig ins Elqui Tal. Das Tal ist relativ eng und wir kommen durch mehrere kleine Orte, bis wir in der Mittagshitze im sehr touristischen aber zu dieser Zeit eher verschlafenen Hippiort Pisco Elqui ankommen. Dort essen wir in einem Cafe Empanadas und trinken frisch gepressten Saft. Bleiben wollen wir in dem kleinen Ort nicht. Auf dem Weg weiter ins Tal passieren wir noch eine der Älteren Pisco-Destillerien. Eine halbe Stunde später nehmen wir an einer Führung teil, bei der auch Mila mitdarf. Dabei lassen wir uns in die Geschichte und Geheimnisse der Pisco-Herstellung einweihen. Oder auch nicht. Denn der Guide spricht nur Spanisch und ich verstehe natürlich kein Wort. Auch Isi hat mit dem Dialekt und der Sprechgeschwindigkeit des Mannes so ihre Probleme. Da die Führung aber nur 1000 Pesos gekostet hat (ca 1,25 €) können wir es gut verschmerzen. Am Ende können wir noch vier verschiedene Piscos probieren, sind von allen aber nicht sehr angetan und sehen daher vom Kauf einer Flasche ab. Das Nationalgetränk Pisco Sour (Pisco mit Limonade) konnten wir aber schon einmal probieren und es hat uns gut geschmeckt.

Nach der Führung fahren wir noch bis zum Ende der Talstraße. Wir wollen dort übernachten und hoffen, dass wir dort auch noch eine Runde laufen gehen können. Allerdings lassen die letzten Kilometer hier hin schon nichts Gutes ahnen: die enge Straße ist auf beiden Seiten von Zäunen umzingelt, überall sind Privatgrundstücke. Wir enden in einer Sackgasse mit Platz zum Übernachten. Doch auch hier ist alles drum herum privat. Der „Eingang“ in das weitere Tal, indem wir eigentlich noch spazieren gehen wollen, ist versperrt. Ein großes Hinweisschild weist auf eine „Área Protegida Privada Santuario de la Naturaleza“ hin, also quasi ein Naturschutzgebiet. Daneben stehen „horarios“, also Öffnungszeiten. Das Tor ist bereits verschlossen, obwohl noch etwa 45 Minuten geöffnet sein sollte. Wir wollen keine Zeit verlieren und tun es Mila gleich, die einfach unter dem Tor durch ist. Wir müssen uns ein bisschen mehr verrenken, aber sind schließlich auf der anderen Seite. Das Tal ist sehr breit und zum Teil auch bewirtschaftet. Wir laufen auf einer Schotterpiste herein und steigen für den Rückweg zum Fluss hinunter.

Nach anderthalb Stunden stoßen wir wenige Meter vor dem Ausgang auf eine Familie mit kleinen Kindern. Der Mann schaut sichtlich unfreundlich. Ich verstehe natürlich nichts von dem, was er sagt und auch Isi versteht das Genuschel nur schwer. Doch die Nachricht ist deutlich: Das hier ist Privatgrundstück und wir haben hier nichts zu suchen. Die Öffnungszeiten gelten offensichtlich nur für die verschiedenen Eigentümer. Der Mann ist sogar so freundlich, uns noch zu sagen, dass wir auf die Art verschwinden sollen, wie wir hereingekommen sind. Das Tor öffnet er nicht. Wir quetschen uns wieder darunter hindurch wieder zurück auf die Straße. Die Stimmung hat einen Knick abbekommen. Die chilenische Tradition Wälder und Täler als Privatgrundstücke so zu handhaben, das Privatpersonen nicht einmal hineindürfen ist für uns mehr als gewöhnungsbedürftig.

Am nächsten Morgen fahren wir früh los, so dass wir erst unterwegs an einem Picknickplatz an der Straße frühstücken. Zurück in Vicuña holen wir uns noch einmal ein Eis. Zum bereits zweiten Mal parken wir also im Zentrum am kleinen Stadtplatz. Doch dieses Mal parkt ein Pickup neben uns und ein Pärchen mit Hunden steigt aus. German und Geraldine kommen aus Pichilemu und sind für das lange Wochenende mit Freunden und Bekannten zum Zelten und Trekken in einem Privat-Tal kurz vor der argentinischen Grenze unterwegs. Sie laden uns ein mitzukommen. Wir fahren also etwa 80 Kilometer wieder das Tal hoch, bis wir zu dem Grundstück zu Beginn des Ingahuaz Tal abbiegen. Am ersten Tag hat die Gruppe eine Tour zu einem See im Grenzgebiet geplant.

Aber als wir auf vier Pickups verteilt zur Zugangsstraße des Sees wollen, werden wir, am dem dem Pass vorgelagerten Grenzposten, aufgehalten. Anscheinend gab es einen Erdrutsch und die Grenzbeamten wollen niemanden passieren lassen. Nach einer Weile fahren wir unverrichtete Dinge wieder zum Grundstück zurück. Und beschließen dort spontan mit einem Teil der Gruppe bereits heute los zu wandern. Der Rest will ins Elqui Tal und erst am nächsten Morgen nachkommen.

Der Bericht zu der Dreitageswanderung im Ingahuaz Tal findet Ihr im Outdoor-Tagebuch.

Nach der Rückkehr am Sonntagnachmittag löst sich die Gruppe auf. Fast alle kommen aus Santiago und haben noch eine lange Fahrt vor sich. Wir gehen noch einmal zu unserer Eisdiele und lernen am Park frisch gebackene Überlandreisende aus Israel kennen sowie eine brasilianische Familie, die gerade hier für sechs Monate von der Reise pausiert, damit die Tochter die Schule besuchen kann. Wir verlassen Vicuña auf einer Schotterpiste über ein Nebental, wo wir einen Schlafplatz suchen. Auch am nächsten Tag folgen wir viele Kilometer der Schotterpiste, meistern einen kleinen Pass und verbringen noch einen Tag an einem schönen Flussplatz mit Bademöglichkeit.

Unser nächstes Ziel ist der Strand von Pichidangui, wo wir schon auf dem Weg in den kleinen Norden über Nacht gestanden hatten. Wir verbringen ein paar schöne Tage direkt am Strand und erkunden die etwas im Landesinneren liegende Bergkette zwei Tage lang mit den Mountainbikes.

Der Bericht über unsere ersten Mountainbike-Touren in Chile und mit Hund findet Ihr im Outdoor-Tagebuch

Für uns geht es anschließend noch einmal nach Santiago. Dieses Mal mit Mr. Turtle. Wir sind noch etwas unschlüssig, wie wir die vielen Erledigungen, die in den nächsten Tage anstehen, meistern wollen. Und insbesondere, wo wir uns einquartieren. Wir haben keine Lust mit Hund tagelang in der Stadt zu stehen. Über eine facebook-Gruppe findet Isi eine chilenische Familie mit drei Kindern, die uns einlädt, in ihrem Garten südlich der Stadt zu campen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s