Wandern im Valle Ingahuaz

Unser erster großer Trek mit Hund und in Chile kommt völlig überraschend. Wir erleben eine aufregende Dreitageswanderung mit beeindruckenden Ausblicken und Flussquerungen im privaten Ingahuaz Tal in Norte Chico.

Die unerwartete Bekanntschaft mit German und Geraldine in Vicuña führt uns für ein verlängertes Wochenende in das Valle Ingahuaz. Nachdem ein geplanter Ausflug an eine Lagune im Grenzbereich zu Argentinien leider nicht klappt, teilt sich die Gruppe an diesem Tag. Wir starten zusammen mit drei Chilenen schon heute die Tour in das Ingahuaz Tal.

Also packen wir die großen Rucksäcke aus der Box und beginnen zu packen. Die nächsten zwei Stunden sind etwas chaotisch. Es ist Mittag und die hohen Temperaturen gepaart mit starkem Wind erschweren das Packen. Die drei Chilenen, mit denen wir loslaufen wollen, haben natürlich extra für diese Tour schon zu Hause gepackt, warten aber und kochen für alle Mittagessen.

Tag 1

Wir sind aufgeregt, schließlich ist es die erste große Wanderung mit Mila. Sie bekommt ihren eigenen Rucksack mit Futter und auch die Hundeschuhe kommen mit. Bis wir loskommen ist es bereits kurz vor vier Uhr. Die Chilenen geben ein schnelles Tempo vor, da es ein gutes Stück bis zum ersten Zeltplatz sein soll. Wir kämpfen noch etwas mit Mila und Ihren Schuhen. Sie schmeißt sich erst mal auf den Boden, nicht bereit, diese Quälerei mitzumachen, ist aber zum Glück zum Weitergehen zu motivieren.

Der Trail geht immer am Fluss entlang. Diesen müssen wir dann auch zweimal queren. Mila ist am Anfang etwas skeptisch aber wir kommen alle trocken auf die andere Seite. Nach circa zweieinhalb Stunden erreichen wir dann den Zeltplatz. Es ist eine Lagerstelle an der im Sommer sonst die Hirten ihre Tage verbringen. Wir erkunden etwas die Gegend und beschließen die Zelte im Windschatten einiger Büsche aufzuschlagen. Die Arrieros, das chilenische Gegenstück zu den argentinischen Gauchos, haben hier einen kleinen Holzverschlag aufgebaut, den wir zum Kochen benutzen können. Parallel dazu sammeln wir Holz und machen ein Feuer. Es gibt Spaghetti mit Tomatensoße am Lagerfeuer. Dazu eine traumhafte Sicht in den Nachthimmel und Marshmallows als Nachtisch. Mila lässt sich auf Isis Schoß wärmen. Was braucht man mehr?

Tag 2

Nach einer unruhigen Nacht, Mila wollte unbedingt im Zelt schlafen und wir mussten uns alle arrangieren, laufen wir am nächsten Tag nur mit leichtem Gepäck los. Wir hinterlassen eine Nachricht für den Rest der Gruppe. Die Chilenen sind sicher, dass die anderen die lange Etappe vom Startpunkt bis zum zweiten Zeltplatz heute nicht laufen und hier heute Abend alle zusammen zelten werden.

Wir laufen weiter ins Tal. Nur der Talgrund ist fruchtbar. Rechts und links erheben sich hohe felsige Berge frei von jeder Vegetation. Es gibt einige verbrannte Flecken, doch keiner versteht so recht, was hier passiert ist. Das Tal ist schließlich privat, einige Arrieros pachten die Wiesen für den Sommer, immer wieder versuchen aber auch Fremde ihre Herden hereinzutreiben und unbemerkt zu bleiben. Wer wohl für die Brände verantwortlich ist? Das Tal verengt sich und wir müssen einen Serpentinenweg über einen Pass steigen, um auf der anderen Seite wieder dem Fluss folgen zu können. Der Tag bringt uns insgesamt fünfmal über den Fluss. Mila wird immer souveräner und genießt inzwischen die willkommenen Abkühlungen.

Am zweiten Zeltplatz angekommen machen wir eine ausgedehnte Siesta. Es gibt wieder reichlich Essen und anschließend ein Nickerchen unter den Bäumen. Als wir uns am späten Nachmittag auf den Rückweg machen, treffen wir nach etwa 20 Minuten auf den Rest der Gruppe mit kompletten Gepäck. Sie haben doch die lange Etappe auf sich genommen. Zwischen den zwei Gruppen entsteht eine kleine Diskussion. Die drei Chilenen aus unserer Gruppe wollen, trotz fehlendem Gepäck, oben bleiben. Sie bekommen Angebote in Zelten anderer zu schlafen und zu biwakieren, da es noch zusätzliche Schlafsäcke gibt. Für uns gibt es letzten Endes nur zwei Optionen. Entweder wir laufen alleine zurück und verbringen die zweite Nacht wieder im unteren Camp oder wir holen einen Teil der fehlenden Ausrüstung.

Da auch die Chilenen noch etwas von ihrer Ausrüstung wollen, beschließen Emillio und ich zum ersten Camp abzusteigen. Wir laufen in Rekordzeit von 50 Minuten die sieben Kilometer zurück, packen alles zusammen und machen uns schon wieder auf den Weg talaufwärts. Nach insgesamt 13 Kilometern, zweieinhalb Stunden und pünktlich zur Dämmerung kommen wir wieder im oberen Camp an. Das Abendessen wartet bereits. Die Chilenen haben genug Zutaten für ein Festessen hinauf ins Tal geschleppt und so bleibt auch für uns genug übrig, inklusive der obligatorischen Marshmallows.

Tag 3

Am nächsten Tag geht es den kompletten Weg mit der gesamten Gruppe von 15 Leuten retour zum Startpunkt. Unterwegs begegnen uns noch Arrieros, die gerade eine große Herde Schafe und Kühe ins Ingahuaz Tal treiben. Dort verbringen sie den kompletten Sommer mit Ihren Tieren. Lediglich um Wolle und Käse hinauszubringen und den Lebensmittelvorrat aufzustocken, werden sie zwischendurch herauskommen.

Nach einem anstrengenden und langen Tag erreichen wir schließlich Mr. Turtle. Es ist wieder sehr heiß und wir kühlen uns noch einmal im Fluss ab, bevor sich die Gruppe auflöst. Das Wochenende ist vorbei.

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Mila ist platt.

Tourenbilanz:

Tag 1: 8 Kilometer, 400 Höhenmeter
Tag 2: 13,5 Kilometer, 600 Höhenmeter (plus 13 Kilometer, 600 Höhenmeter für Eini)
Tag 3: 20 Kilometer, 200 Höhenmeter

Tourentage: 2. bis 4. November 2018

Information zum Wandern im Valle Ingahuaz:

Bei dem Ingahuaz Tal handelt es sich, wie bei fast allen Ländereien in Chile, um Privatgrund. Die Eigentümer erlauben es aber im Tal zu wandern, wenn sie vorher darüber informiert werden. Wenn ihr in Chile seid und ernsthaft Interesse habt, schreibt uns eine kurze E-Mail und wir geben euch den Kontakt.

Für die grobe Orientierung:

Die Wanderung beginnt auf dem Grundstück an der CH41 kurz vor der argentinischen Grenze.

Ideale Wanderzeit: Frühling und Herbst, im Sommer ist es zu heiß.

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