Von Santiagos Bergen zum Río Achibueno

Nach Stadtstress brauchen wir Erholung in der Natur: Zum Trekken zieht es uns in die Bergwelt rund um Santiago. Doch eine Kleinigkeit müssen wir dann doch noch in der Stadt erledigen, bevor wir endgültig gen Süden aufbrechen.

Nach mehr als einer Woche flüchten wir aus Santiago in Richtung Osten. Im Valle Yeso parken wir an einem schönen Platz direkt am Fluss. Am nächsten Tag wird es dann noch einmal ziemlich heiß. Wir parken unter einem Baum und über den Tag verteilt noch zwei Mal um, um den Schatten zu nutzen. Dabei warten wir voller Vorfreude auf die Schweizer Rahel und Stephan, die am späten Nachmittag eintrudeln. Obwohl es schon spät ist, wollen wir noch weiter ins Tal fahren, da wir dort am nächsten Morgen wandern wollen. Voller Optimismus fahren wir los, merken aber schnell, dass wir schon bessere Ideen hatten. Es dämmert und die Straße wird immer schlechter. Wir beratschlagen uns noch einmal am Straßenrand und beschließen ein paar Kilometer weiter einen Platz anzusteuern. Dort verbringen wir einen gemütlichen Abend im Bus, essen, trinken Bier und quatschen.

Entsprechend gemütlich starten wir am nächsten Morgen in den Tag. Unser Ziel ist der Embalse del Yeso. Obwohl es ein Wochentag ist, ist überraschend viel los. Zu Beginn des Damms, dem Startpunkt der geplanten Wanderung, steht ein nagelneuer Zaun mit eindeutigen Zutrittsverbot-Schildern. Die komplette Natur hier oben gehört einem Wasserwerk. Wir lassen uns von diesem aber nicht von unserem Vorhaben abbringen und laufen einfach unterhalb des Zauns auf die andere Seite.

Alles zur Wanderung zur Laguna Negra könnt ihr bald im Outdoor-Tagebuch lesen.

Als wir zurückkommen ist es schon spät. Am Embalse del Yeso finden wir es aber zu ungemütlich, um hier die Nacht zu verbringen. Also fahren wir wieder zurück zu Einis und meinem ersten Schlafplatz am Fluss. Dort kocht Stephan Thai-Curry für alle und es wird wieder ein gemütlicher Busabend. Am nächsten Tag wollen wir noch mit den Zelten eine Tour zum El Morado Gletscher machen. Also packen wir am Morgen die großen Rucksäcke. Mit Rahel und Stephan haben wir tatsächlich mal Leute getroffen, die morgens genau so viel Zeit brauchen wie wir. Das macht die Vorbereitungen um einiges entspannter. Erst gegen Mittag fahren wir in das benachbarte Valle Volcan und zum Startpunkt der Tour. Die letzten drei Kilometer gestalten sich dann aber noch zäh. Die Piste ist sehr steil und über den ersten Gang kommt Mr. Turtle nicht hinaus. Auch Willy, der Bus der Schweizer, kämpft und überhitzt. Nach einer Erholungspause für ihn erreichen wir dann aber doch noch das Ziel.

Alles zu unserer Übernachtung im Schnee am El Morado-Gletscher könnt ihr bald im Outdoor-Tagebuch lesen.

Nach der Wanderung geht es für uns nun zum dritten Mal zurück an den Schlafplatz am Fluss. Dort angekommen, duschen wir und genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Rahel und Stephan verabschieden sich leider schon, da sie noch etwas in Santiago zu erledigen haben und dafür am Morgen schon in der Stadt aufwachen wollen. Und so sind wir kurz darauf wieder allein.

Santiago, die Letzte

Am nächsten Morgen entscheiden auch wir noch ein weiteres To-do in der Stadt zu erledigen. Wir steuern einen Tierarzt an und lassen bei Mila Blut abnehmen. Wir möchten auf Nummer sicher gehen und beim Gesundheitsamt einen Tollwut-Antikörpertest machen lassen. Falls wir, wie geplant, irgendwann mit Mila aus Nordamerika nach Europa einreisen, brauchen wir diesen je nach Land zwar entweder nicht oder könnten ihn dort machen lassen. Sollten wir aber, widererwarten, mit ihr aus einem Mittel- oder Südamerikanischen Land ausreisen müssen, stünden wir vor einem Problem. Für die Einreise aus allen Ländern außer Chile, Brasilien und Mexiko (dort ist die Tollwutsituation „unter Kontrolle“) braucht man den sogenannten Titer-Bluttest. Doch es gibt dort nur sehr wenige Institute, deren Tests in der EU anerkannt werden. Um genau zu sein sind es nur zwei: eines davon ist Santiago, das andere in Brasilien. Dann hätten wir erst wieder in Mexiko, USA und Kanada die Möglichkeit dazu. Müssten wir in einem der anderen Länder den Test machen lassen, müssten wir viele Wochen auf das Ergebnis warten und mehr Geld ausgeben, da das Blut zu einem der anerkannten Institute in ein anderes Land geschickt werden müsste. Die Ruhe und Zeit hat man dafür bei einem Notfall wohl eher nicht.

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Mila nach der Blutabnahme. Den Tränen nahe.

Isi gibt das Blut beim Gesundheitsamt ab und wird beinahe wieder weggeschickt. Der Tierarzt hat es nicht zentrifugiert. Das Labor macht diese Arbeit eigentlich nicht. Laut dem eher überheblichen Doktor im Gesundheitsamt, der sich (so Isi) ziemlich viel darauf einbildet Englisch zu sprechen (laut Isi „ganz ok“), hätten die Tierärzte keine Ahnung, sollen aber gleichzeitig so etwas eigentlich wissen … Da Freitag und gerade Mittagspausenzeit ist und Isi vielleicht auch einen leicht verzweifelten Eindruck macht, wird noch einmal telefoniert. Und das Labor stimmt zu, eine Ausnahme zu machen und selbst zu zentrifugieren (laut dem Arztdauert das ja eh nur vier Minuten). Das Ergebnis des Tests will unsere liebe Gastfamilie einem ihrer Freunde in Südchile zukommen lassen, von dem wir quasi auch schon eingeladen worden sind und bei dem wir es dann abholen werden. Wir können die Fahrt in den Süden wie geplant starten.

Roadtrip in den Süden

Nach ein paar Tagen haben wir es immerhin, trotz weiterhin hoher Temperaturen, schon 200 Kilometer südlicher geschafft. Ich habe mir fest vorgenommen in Zukunft Sonntags einen Wasch- und Pausentag einzulegen. Isi glaubt nicht daran, dass das funktioniert. Doch zum Auftakt steuern wir einen Picknickpark am Fluss an.

Der Platz ist bei den Einheimischen sehr beliebt, aber owbohl viel los ist, können wir in Ruhe waschen. Zu unserem Glück gibt es sogar einen Hahn mit Trinkwasser. Mila wander zwischen den grillenden Chilenen umherwandert und Essensreste aufstöbert und verputzt. Wir binden sie irgendwann schweren Herzens am Bus fest. Schließlich soll sie sich weder an einem Hühnerknochen verschlucken noch von irgendetwas krank werden. Isi entdeckt in der Nähe eine kleine schöne Runde, um mit Mila dann auch abseits des Parks zu laufen.

Nächstes Ziel: Nächster Trek!

Wir fahren in das östlich von Linares liegende „Santuario de la Naturaleza Cajon de Achibueno“. Auf dem Weg in das Tal nehmen wir noch ein junges Pärchen ein Stück mit, das gerade vom Wandern kommt. Ein glücklicher Zufall. Denn wie so oft ist es schon wieder recht spät und eingezäunte Privatgrundstücke erschweren die Suche nach einem Schlafplatz. Die beiden können uns prompt aushelfen. Und so fahren wir schon ein paar Kilometer später über zwei Holzbrücken zu einem Waldstück direkt am Fluss. Der Platz ist zwar als privat beschildert, laut dem Pärchen sei es aber kein Problem dort zu campen. Wir bedanken uns herzlich und die beiden verschwinden in die Dunkelheit zu ihrem Zelt an den Fluss.

Am nächsten Morgen nutzen wir den schönen Platz, um die großen Rucksäcke zu packen. Wir wollen vier Tage zu den Lagunas Cuellar wandern. Doch zwischen uns und dem Startpunkt liegen noch circa 35 Kilometer üble und daher sehr langsame Schottertpistenfahrt. Die letzten Kilometer nehmen wir auch wieder Anhalter mit. Diesmal drei chilenische Wanderer, die einen Wochenendtour zu einem Wasserfall machen wollen. Mila ist von so vielen fremden Jungs mit Gepäck in ihrem zu Hause nicht begeistert und muss aus Platzgründen nach vorne. Auch wir bereuen diese nette Geste ein bisschen, denn es ist doch ziemlich eng. Wir sind schließlich ein fahrendes Haus und kein Pendlerbus. Die letzten vier Kilometer der „Straße“ sind dann nur noch für Anwohner mit Geländewagen befahrbar. Für uns beginnt hier der Wanderweg. So parken wir Mr. Turtle am Rand der Piste, schultern die Rucksäcke und laufen los.

Den Beitrag zu der 4-Tages-Trekkingtour zu den Lagunas Cuellar folgt in Kürze im Outdoor-Tagebuch.

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