4-Tages-Trek im Santuario de la Naturaleza Cajón del Río Achibueno

Mit Zelt ziehen wir los ins Abenteuer. Wir wollen zwei Flusstäler erkunden und zu den Lagunas Cuellar aufzusteigen. Eine herrliche Tour, bei der wir die Wege für uns allein haben und lediglich Arrieros und ihren Tieren begegnen. Doch dann schlägt das Wetter um.

Da in chilenischen Nationalparks, die von CONAF verwaltet werden, Hunde leider verboten sind, suchen wir Alternativen zum Trekken und Wandern. Über einen Instagram-Beitrag wurde Isi auf das „Santuario de la Naturaleza Cajón del Río Achibueno“ aufmerksam und fanden uns einige Tage später dort für eine Tour ein.

Tag 1

Ausrüstung packen und die restliche 30 Kilometer Anfahrt auf einer Schotterstraße ziehen sich. So laufen wir am erst gegen vier Uhr Nachmittags in das Santuario de la Naturaleza Cajon del río Achibueno. Die ersten Kilometer folgen wir einem Jeep-Track entlang des Achibueno Flusses. Der Track verdient seinen Namen, führt über Baumwurzeln am Hang entlang und durch kleine Bäche.

Nachdem wir noch einzelne Grundstücke und einsame Häuser passiert haben, verliert er sich und es geht auf einem Trail weiter. Wir laufen schließlich größtenteils im Wald und der weiche Boden ist angenehm für die Füße.

Nach etwa acht Kilometern stoßen wir auf den ersten größeren Seitenfluss, den wir durchqueren müssen. Ich ziehe meine Schuhe aus und wate in einer Furt durch den Fluss. Das Wasser reicht mir weit über die Knie. Während ich so kämpfe, entdeckt Isi ein kleines Stück flussabwärts eine Brücke. Peinlich für mich, aber ich bin sowieso schon drüben. Und warte vergebens auf Isi. Diese traut sich nicht gleich, weil die „Brücke“ nur aus ein paar zusammengenagelten Holzplanken besteht und etwa einen Meter über eine Stelle mit starken Stromschnellen führt. Mila ist bereits leichtfüßig einige Male von Seite zu Seite gerannt, als ich dazu komme, um Isi gut zuzureden. Sie hatte Angst mit dem schweren Rucksack das Gleichgewicht zu verlieren.

Nach mehr als drei Stunden sind wir müde und beschließen einen Schlafplatz für die Nacht zu suchen. Unsere Wahl ist nicht ideal, werden wir doch sofort von kleinen Fliegen attackiert die böse beißen. Auch Mila versucht ihr Gesicht vor den Fliegen zwischen den Pfoten zu verstecken. Die Camping-Stimmung könnte romantischer sein. Ich koche Couscous, allerdings soviel, das wir für den nächsten Tag auch noch eine Portion übrig haben. Leider ist mein Rucksack nun schwerer als vor dem Essen. So plötzlich wie sie gekommen sind, verschwinden die Fliegen nach der Dämmerung wieder und wir können zumindest in Ruhe essen.

Tag 2

Wir wollen zu den Seen laufen und an den Baños la Gloria Mittagspause machen. Allerdings zieht sich der Weg, der stellenweise nur ein Trampelpfad ist. Wir überqueren einen zweiten größeren Fluss, auch hier entdeckt Isi wieder die Brücke in Form von zusammengenagelten Holzplanken. Danach verlassen wir das Tal des Achibueno und biegen nach links in das Tal des Estero La Gloria ein. Es ist heiß und wir haben ganz schön mit den schweren Rucksäcken zu kämpfen.

Nach einem langen Stück durch das Tal, geht es über eine sehr steil werdende Rinne 200 Höhenmeter hinauf, um eine Schlucht zu umgehen, die der Fluss in das Tal gefräst hat. Es ist ziemlich heiß. Auch Mila nutzt jede Schattenstelle für eine Pause. Wir sind fix und fertig und merken langsam, dass unser Plan nicht funktionieren kann. Als wir am frühen Nachmittag an dem Mittagspausenplatz ankommen ist schnell beschlossen, dass wir hier über Nacht bleiben. Wir genießen den Nachmittag in der Sonne, Baden im Fluss, lesen und chillen. Nach einem guten Essen aus Kartoffelpüree mit Gemüse gehen wir früh schlafen.

Tag 3

Wir haben beschlossen das Zelt stehenzulassen und nur mit Isis Rucksack eine Tagestour zu den Lagunas zu machen. Ich würde anschließend sogar noch den Rückweg starten, Isi glaubt nicht daran, dass wir so früh zurück sind. Wir folgen weitere sieben Kilometer dem Flusstal aufwärts. Der Weg führt meist durch wunderschönen Wald, führt aber auch immer wieder an den oberen Rand der Flussschlucht und ermöglicht tolle Ausblicke auf viele Wasserfälle. Als wir auf einer großen Hochebene ankommen, sieht das Wetter etwas instabil aus. Etwa einen Kilometer weiter wollen wir den Fluss durchqueren. Dieses Mal gibt es keine Brücke. Ich bin schon drüben, aber Isi streikt, denn das Wasser ist eisig und es beginnt schon zu regnen. Eigentlich will ich noch nicht aufgeben, aber die Vernunft, beziehungsweise Isi siegt. Wir kehren auf die Hochebene zu einem Rastplatz der Arrieros unter einem Felsvorsprung zurück. Dort machen wir erstmal eine ausgedehnte Mittagspause.

Als der Regen aufhört und sogar die Sonne wieder rauskommt wagen wir einen zweiten Versuch zu den Lagunas zu kommen. Isi findet eine bessere Furt durch den Fluss und wir machen uns an den Aufstieg zu den Lagunas. Dieser ist teilweise weglos. Es gibt nur wenige Steinmänner als Orientierung und die Karte auf dem GPS ist noch rudimentärer. Die geraden Striche sehen aus, als hätte jemand die Route erst nachträglich am Computer in die Karte gezeichnet. Immer wieder müssen wir den Weg suchen und auch eine Klettereinlage lässt sich nicht vermeiden. Endlich erreichen wir die untere und mittlere Lagune auf 1880 Metern über dem Meeresspiegel. Von unserem Startpunkt bis hier waren es nun insgesamt 35 Kilometer. Nicht 25 wie in der GPS-Karte und nicht 22 Kilometer wie es das Schild am Anfang des Santuario weiß machen möchte. Zur großen Lagune gehen wir nicht mehr, hat doch nun alles viel länger gedauert als gedacht. Wir genießen ein paar wärmende Sonnenstrahlen und dösen etwas bevor wir den Rückweg starten.

Wir probieren beim Abstieg noch einen alternativen Weg, um einen kleinen Taleinschnitt zu umgehen und landen in einer Sackgasse. Statt abzukürzen, sind wir nun auch noch einen Umweg gelaufen. Inzwischen ist das Wetter wieder umgeschlagen und es fängt kräftig zu hageln und zu regnen an. Da wir uns auf einer freien ausgesetzten Fläche befinden, können wir uns nirgendwo unterstellen. Isis Rucksack weicht schon durch. Den Regenschutz haben wir beim Packen am Morgen versehentlich im Zelt liegen lassen. Und die Regenhosen, tja, die haben wir trotz Packliste im Bus vergessen. Also läuft das Wasser durch die durchgeweichten Hosen langsam in die Schuhe. Im prasselnden Hagel kämpfen wir uns wieder zurück, mit einer sichtlich verunsicherten Mila im Schlepptau die immer wieder versucht in unserem Windschatten Schutz zu suchen. Erst kurz vor der Flussdurchquerung hört es auf zu regnen. Durchnässt bis auf die Socken laufen wir talabwärts und bald scheint versöhnlich die Sonne durch die Bäume. Doch dann fängt es plötzlich wieder an zu regnen und wir werden an diesem Tag noch ein drittes Mal nass. Nach elf Stunden kommen wir fix und fertig und mit von innen nassen Schuhen wieder am Zelt an. Während wir Spaghetti kochen, liegt Mila bereits hundemüde im Handtuch eingewickelt in einem unserer Schlafsäcke.

Tag 4

Wir schlafen aus. Nur Isi steht um sechs Uhr kurz auf, um alle Klamotten, die von gestern noch nass sind, aufzuhängen. Bis wir aufstehen und frühstücken ist es schon kurz vor zehn. Die Sonne wärmt bereits und auch die Klamotten und Isis Rucksack sind am Trocknen. Wir breiten uns auf dem kompletten Platz aus und als wir gegen halb zwölf starten, sind bis auf unsere Schuhe eigentliche alle Dinge wieder trocken. Wir wollen heute den kompletten Weg bis zum Startpunkt zurücklaufen, circa 22 Kilometer. Die chilenische Sommerzeit gibt uns genügend Puffer, denn aktuell wird es hier nicht vor halb zehn Uhr dunkel.

Wir genießen die Aussichten, sind schon souveräner bei den Flussüberquerungen und laufen zügig vor uns hin. Da passiert es. Isi ist weg. Sie lief die ganze Zeit vor mir und ich hatte sie immer mal wieder im Blickfeld. Doch dann merke ich, dass ich sie schon eine Weile nicht mehr gesehen habe. Auch Mila ist verschwunden. Anfangs mache ich mir noch keine Gedanken. Es ist nicht das erste Mal, dass Isi vorausläuft. Ich denke, sie wird schon irgendwo auf mich warten. Nach einer halben Stunde bin ich mir da nicht mehr so sicher und warte. Vielleicht habe ich sie ja irgendwo überholt und übersehen. Ich fange an nach Spuren zu suchen aber ohne Erfolg. So laufe ich zum geplanten zweiten Pausenplatz weiter. Dort treffe ich auf einige Arrieros mit ihrer Rinderherde, aber auch die haben Isi nicht gesehen. Nun fange ich an mir richtig Sorgen zu machen. Doch noch bevor ich mir weiter überlegen kann, was ich jetzt mache, tauchen Mila und Isi von hinten auf. Und wir wissen schnell, wo wir uns verloren haben: Ich bin unbemerkt an ihr vorbeigelaufen, als sie mit Mila kurz zum Fluss heruntergegangen ist. Auch Isi wusste von da an nicht, ob ich vor oder hinter ihr bin, hat sich aber an Fußspuren orientiert, von denen sie vermutet hat, dass es meine sind.

Es hat etwa eine Stunde gedauert, bis wir uns wiedergefunden haben. Auf den Stress machen wir eine größere Pause mit Kaffee und Kartoffelbrei bevor wir die letzten acht Kilometer hinter uns bringen. Ziemlich platt und mit glühenden Sohlen erreichen wir Mr. Turtle.

Tourenbilanz:

Tag 1: 4 Stunden (inkl. Pausen), 11 Kilometer, 300 Höhenmeter
Tag 2: 5 Stunden 15 Minuten (inkl. Pausen), 11 Kilometer; 800 Höhenmeter
Tag 3: 11 Stunden (inkl. Pausen), 26 Kilometer, 1100 Höhenmeter (nur mit Tagesgepäck)
Tag 4: 8,5 Stunden (inkl. Pausen), 22 Kilometer; 400 Höhenmeter

Tourentage: 28. November bis 1. Dezember 2018

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