Schotterstraßen-Roadtrip nach Villaríca

Nach der kürzesten Fährfahrt der Reise hier kurbelt der Fährmann noch per Hand gehen wir zum Mountainbiken nach Chíllan. Von dort starten wir einen „Roadtrip im Roadtrip“ zum Dorf Icalma und weiter nach Víllarica und Pucón. Anschließend verlassen wir Chile nach 90 Tagen.

Nach der Trekking Tour am Rio Achibueno fahren wir noch am Abend die Schotterstraße zurück zu dem schönen Platz am Fluss, an dem wir die Rucksäcke gepackt hatten. Die Fahrt dauert auch bergab ewig, es rumpelt und poltert wie bei der Hinfahrt. So hat auch die müde Mila kaum eine Chance schon etwas zu schlafen. Leider gibt es unterwegs keine andere Möglichkeit zu Campen, da wieder alles eingezäunter Privatbesitz ist. Übermüdet erreichen wir im Dunkeln den Platz. Am nächsten Tag schläft Mila die meiste Zeit. Mal liegt sie vorm Bus, dann drinnen, mal in der Sonne, dann im Schatten. Und ist sonst zu nicht viel zu bewegen. Nach einem morgendlichen Bad im Fluss nutzen wir das fließend saubere Wasser, um Wäsche zu waschen. Nebenbei verräumen wir die Trekkingausrüstung. Da es mal wieder ein heißer Tag ist, entschließen wir uns noch zu einem zweiten Bad im kalten Flusswasser und versuchen auch Mila zum Schwimmen zu motivieren. Doch sie versteht einfach nicht, wieso so etwas Spaß machen könnte.

Auf nach Chíllan und „Eine Fährfahrt die ist lustig“

Am nächsten Tag kommen wir erst spät los. Wir kehren zum Highway zurück, biegen aber bald schon davon ab, um eine Mautstelle zu umfahren. Doch zuerst übernachten wir wieder an einem Fluss. Hier bringt ein Fährmann noch von Hand die Autos von einer Seite zur anderen. Umsonst. Auch wir nutzen die Fähre am nächsten Morgen. Und umfahren am selben Tag dann noch ein zweites Mal die Ruta 5. Doch die etwa 40 Kilometer Umweg, die wir dafür nun ewig auf einer rumpeligen Schotterstraße unterwegs sind, lassen uns doch ein bisschen am Kosten-Nutzen-Faktor dieser Aktion zweifeln. Dann sind wir endlich zurück auf der 5 und folgen ihr bis Chillan. Kurz vor der Stadt halten wir noch am Straßenrand an und kaufen zwei Schalen Erdbeeren. Die haben seit einigen Wochen Saison und wir decken uns bei jeder Gelegenheit damit ein. In Chillan gehen wir auf den Markt im Zentrum, der Erinnerungen an unseren ersten in Armenien weckt. Auch hier gibt es viele Waren zu entdecken. Die Stände sind thematisch in Reihen gegliedert. Eine für Souvenirs, eine für Gewürze und Nüsse, eine für Hundefutter und Haushaltswaren, eine offene Halle mit Gemüse und Obst. Letzteres ist in Chile auf den Märkten und in kleinen Gemüseläden immer günstiger als im Supermarkt. Außerdem finden wir einen kleinen Laden, der bei uns ein Reformhaus wäre. Und dort gibt es tatsächlich vegetarische Würstchen, von denen wir gleich mehrere Packungen mitnehmen. Der Junge, der im Laden arbeitet, freut sich über den ausländischen Besuch und möchte ein Foto mit uns machen.

Vom Ort aus fahren wir in die Berge. Im Skigebiet im Trancas Tal gibt es einen Bikepark und auch außerhalb von diesem die Möglichkeit endlich mal wieder ein paar Trails zu fahren. Die Straße hinauf ins Tal säumen zahlreiche Holz-Cabañas. Wir parken schließlich auf einem der großen Parkplätze an einer der Liftstationen neben einem Bachlauf. Da es Anfang der Woche ist und der Bikepark geschlossen hat, müssen wir dafür zum Glück auch nicht bezahlen. Der Platz ist ruhig und wir bleiben drei Nächte.

Den Beitrag zum Mountainbiken im Trancas Tal bei Chillan gibt es bald im Outdoor-Tagebuch.

Durch die Berge nach Icalma

Auf der Ruta 5 fahren wir schließlich bis nach Los Angeles, wo wir erneut Vorräte aufstocken und schließlich verlassen wir den Highway bei Victoria in Richtung Osten und Berge. Wir verbringen mal wieder zwei Nächte an einem Flussplatz direkt neben dem Nationalpark Conguillio. Wieder einmal nutzen wir die Wasserquelle für einen Waschtag. Um mit Mila spazieren gehen zu können, schleichen wir uns außerdem durch einen Zaun in einen Wald, der offiziell schon Teil des Parks ist.

Schließlich starten wir den Roadtrip, für den wir von der Ruta 5 abgefahren sind. Zuerst führt uns der Weg in Richtung Grenzübergang Paso Pino Hachado. Dabei fahren wir durch den sechs Kilometer langen Tunnel Lasraices. Der ist mit 400 Pesos (50 Eurocent) überraschend günstig ist. Aber auch ein Abenteuer. Der Tunnel ist in den Fels gehauen, nicht beleuchtet und einspurig, so dass immer abwechselnd Fahrzeuge aus der einen oder anderen Richtung hineingelassen werden. Wir haben Glück und warten keine fünf Minuten, als unsere Richtung an der Reihe ist.

Kurz vor der Grenze verlassen wir die CH181 und fahren auf einer geschotterten Nebenstraße wieder gen Süden. Die Straße führt durch wunderschöne Araucanienwälder, vorbei an der Laguna Galletue und bis zum Ort Icalma, der ebenfalls an einem großen See liegt. Den einzigen Zugang zu diesem, der nicht vor einem Zaun endet, ist die schmale Straße zum „Hafen“. Wir parken direkt gegenüber des Bootes und ich genieße bei einem Spaziergang am Ufer des Sees mit Mila den Sonnenuntergang. Später gesellen sich noch Chilenen zu uns, die auf der kleinen Wiese neben dem Wartehäuschen ihr Zelt aufschlagen.

Kleine Wanderung in Icalma

Am nächsten Morgen fahren wir etwa einen Kilometer durch den Ort zu einem Parkplatz, um von dort zu einem Aussichtspunkt aufzusteigen. Auf dem kurzen Weg dorthin landen wir prompt in einer Polizeikontrolle. Man möchte aber nur den Führerschein kontrollieren und die Daten notieren. Wir parken und starten am offiziellen Wanderschild die Tour. Doch da haben wir die Rechnung ohne die Anwohner gemacht. Die wollen prompt Geld von uns, dafür, dass wir die wenigen Meter auf dem offiziellen Wanderweg über ihr Grundstück gehen, um an den Berg zu kommen. Wir gehen erst gar keine Diskussion ein und laufen unter den Rufen der Frau einfach weiter. Der Rüde der Farm findet derweil Gefallen an Mila und begleitet uns während der kompletten Wanderung zum Mirador de la Bandera.

Kaum sind wir wieder unten, fängt uns der Mann des Hauses ab. Wieso wir nicht bezahlen, will er wissen. Wir erklären, dass wir nicht verstehen wofür, schließlich lotst ein offizielles Wanderschild wenige Meter entfernt über diesen Weg und dort stünde nichts davon, dass man das bezahlen muss. Er wedelt mit einem Flyer vor unserer Nase herum, laut dem er ein Tourguide sei. Wieso wir dafür bezahlen sollen, wo wir doch nicht mit ihm spaziert sind, wollen wir wissen. Aber so richtig kann uns der Mann da auch nichts zu sagen. Und so gehen wir weiter. Ein kleiner Nachgeschmack bleibt. Das sind die Momente, wo wir uns schlecht fühlen, auch wenn wir uns im Recht sehen. Wir sind reiche Touristen, die es sich leisten können hierher zu kommen. Und wir bezahlen auch, wenn etwas Eintritt kostet. Aber auch wenn wir sehen, dass dieser Mann hier wohl nicht viel Geld hat, fragen wir uns doch, wieso er es mit dieser Masche probiert. Schließlich haben wir keinen Service von ihm erhalten, das Schild ist offiziell und müsste man hier für etwas bezahlen, wäre das doch dort vermerkt. Außerdem glauben wir, dass es bei der Verwaltung sicher eine Abmachung mit den Leuten gibt, sonst würde man die Touristen wohl kaum offiziell über ihr Grundstück zum Aussichtspunkt lotsen.

 

Eine Lagune ganz für uns allein und auf nach Pucón

Die geplante aussichtsreiche Route führt uns jetzt wieder westlich und weiter auf Schotterstraßen bis kurz vor den Ort Melipeuco und ist dann eine Weile asphaltiert. Unterwegs können wir den Vulkan Llaima aus der Ferne sehen und versteinerte Vulkanasche besichtigen. In Cunco biegen wir abermals auf eine Nebenstraße in den Süden ab. Unterwegs passieren wir die Laguna Colico, von der man aber kaum etwas sieht, da sie am Ufer bewaldet ist und komplett an Privatbesitz grenzt. Ab hier ist die Straße auch wieder eine Schotterpiste. Außerdem fängt es an zu Regnen. Am Nordufer der Laguna Caburgua stoßen wir auf ein großes Weideland. Inmitten von Kühen, ein paar Pferden und vielen Wasservögeln lassen wir uns nieder. Überraschenderweise haben wir hier, mitten im Nirgendwo, super Handyempfang. Noch können wir uns das nicht erklären. Am Ufer stehen vier Autos, auch am nächsten Tag. Doch wir entdecken keine Fischerboote und keine Menschen. Während des verregneten nächsten Tages, den wir am See pausieren, entdecken wir in der Ferne einen rauchenden Schornstein und mutmaßen, dass die Leute wohl direkt am Seeufer wohnen und wir vielleicht deshalb hier Empfang haben,

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Mila mit Mr. Turtle.
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Mila, Isi und Mr. Turtle kurz vor der Abfahrt.

Nach unzähligen Kilometern auf Schotterpisten stoßen wir in Curarrehue wieder auf Asphalt. In wenigen Tagen wollen wir hier schon wieder vorbeikommen, denn unsere 90 Tage Aufenthaltserlaubnis für Chile läuft ab. Doch jetzt fahren wir von hier erst einmal in den Westen in den Ort Pucon. Dort sind wir dann so richtig zurück in der Zivilisation. In einem so touristischen Ort waren wir schon eine Weile nicht mehr. Idyllisch am Villarica See gelegen sind die Straßen von Restaurants, Unterkünften und Läden durchzogen. Wir parken im Zentrum und gönnen uns Falafel vom Israeli. Das haben wir hier nicht erwartet. Da wir direkt vor einer Tierarztpraxis stehen, erkundigen wir uns auch gleich nach den Preisen. Für die bevorstehende Grenzüberfahrt nach Argentinien brauchen wir Exportpapiere für Mila. Und um die zu bekommen, muss man zuvor beim Tierarzt eine Gesundheitsbescheinigung ausstellen lassen. Die Tierärztin ist sehr nett, doch auch hier werden wir mal wieder Zeuge davon, wie viel weiter Tiermedizin bei uns ist. Um zu schauen, ob Mila gesund ist, tastet die junge Frau sie einfach nur etwas ab und schaut ihr tief in die Augen. So kommt es uns zumindest vor. Ein Stethoskop scheint sie nicht zu haben. Doch die Mitarbeiter der Praxis sind sehr nett.

Salto del Claro und Wandern im Santuario El Cañi

Von Pucon fahren wir noch die 25 Kilometer bis Villarica weiter. Wir wollen am nächsten Morgen direkt zur Öffnung des SAG Büros (Servicio Agrícola y Ganadero), um das Exportdokument ausstellen zu lassen. Am Seeufer finden wir einen ruhigen Schlafplatz, obwohl der mitten im Ort ist. Dank des sonnigen Wetters haben wir eine wunderschöne Aussicht auf den Villarica Vulkan. Davon ist am nächsten Morgen nichts mehr zu sehen. Es ist bewölkt und fängt schon bald an zu regnen. Wir haben Glück und das SAG-Büro bearbeitet unseren Antrag bis zum Mittag. Eine Ausnahme, normalerweise muss man wohl bis zum nächsten Tag warten …

Mit den fertigen Papieren kehren wir nach Pucon zurück, wo wir den sehr verregneten Nachmittag in einem Restaurant verbringen, in dem wir uns einen seltenen Luxus gönnen und ein Chiletypisches „Menu del día“ mit Vorspeise, Hauptgang und Desert bestellen. Am Abend fahren wir in die Nähe des Wasserfalls Salto del Claro, wo wir neben einer großen Wiese parken können.

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Salto del Claro bei Regen.

Da Mila schlechtes Wetter nicht interessiert, lassen wir uns von ihr zu einem Spaziergang nötigen. Von Kopf bis Fuß in Regenklamotten gehüllt starten wir in Richtung Wasserfall. Milas Rücken bedecken wir so gut es geht mit dem Regenschutz eines Rucksacks. Zum Glück liegt der in einem Wald und so werden wir gar nicht so nass. Doch der sehr steile Abstieg über nasse Wurzeln lässt uns doch jeden Schritt aufmerksam machen. Mila flippt derweil komplett aus und schießt wie eine Wahnsinnige den Hang hinauf und hinunter. Deswegen laufen wir auch am nächsten Morgen noch einmal an den Wasserfall und sitzen dann den restlichen verregneten Tag im Bus aus.

Da wir in der Gegend aber dann doch wenigstens noch einmal Wandern gehen wollen, nutzen wir den nächsten, wieder sonnigen Tag, und fahren zum Santuario El Cañi. Die Tierärztin hat uns den Tipp gegeben, dass man hier mit Hund wandern darf. Doch bei der Ankunft stimmt das dann leider doch nicht so ganz.

Den Beitrag zur Wandertour im Santuario El Cañi gibt es bald im Outdoor-Tagebuch.

Der lange Weg zur argentinischen Grenze Mamuil Malal

Da die Tour anstrengender war, als gedacht, schlafen wir noch eine weitere Nacht an unserem „Wasserfallplatz“. Und schließlich machen wir uns am 90 Tag in Chile auf dem Weg zur argentinischen Grenze auf dem Mamuil Malal Pass auf 1207 Metern. Doch um halb zwei Mittags und fünf Kilometer vor der Grenze, entdecken wir Wanderschilder. Und da wir durch Nationalparkgelände fahren, hier oben aber keine Rangerstation ist, man also nichts zahlen muss und sich auch für Mila niemand interessiert, entschließen wir uns spontan zu einem kleinen Spaziergang. Klein. Schließlich sind wir noch ziemlich müde vom Vortag. Die Grenze hat noch bis acht Uhr abends geöffnet, wir haben also mehr als genug Zeit.

Doch was dann schon wieder anders läuft als geplant, lest ihr bald im Beitrag zur Wandertour im Nationalpark Villarica im Outdoor-Tagebuch.

Kurz vor halb acht stehen wir an der Grenze, wo wir uns erst einmal ein Brot schmieren müssen, so ausgehungert sind wir. Zum Glück sind wir nicht die Einzigen, es ist Sonntag und viele Argentinier kommen vom Wochenende in Chile zurück. Der Papierkram ist schnell erledigt und bevor wir recht fassen können, dass wir es heute doch noch geschafft haben, sind wir auch schon raus aus Chile.

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Bis bald Chile!

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