Argentinien Teil 1

Eine Weile ist vergangen, seit wir hier das letzte Mal über die Reise berichtet haben. Im Januar wurde in Argentinien in den Bus eingebrochen. Dieses Erlebnis hat unseren Rhythmus für eine Weile durcheinander gebracht. Hier kommt eine kleine Zusammenfassung.

Nach so einer langen Zeit wollten wir eigentlich nicht mehr rückblickend darüber berichten, was wir im Dezember und Januar in Argentinien erlebt haben. Wie ihr seht, haben wir uns aber schließlich dagegen entschieden, eine Lücke auf dem Blog entstehen zu lassen. Trotzdem haben wir die Erlebnisse, für unsere Verhältnisse, nun doch kurz und ohne viele Emotionen zusammengefasst. Leider fehlen uns aufgrund des Einbruchs und dem Diebstahl der Kamera aus dieser Zeit Bilder. Das Beitragsbild verdanken wir einem netten niederländischen Paar, das wir auf der Valdés Halbinsel getroffen haben.

Von Chile aus sind wir Mitte Dezember nach Argentinien ausgereist. Denn wir mussten das Land nach Ablauf der gewährten 90 Tage Aufenthalt verlassen. Wir wollten aber auch nicht einfach nur zur Grenze heraus und auf der anderen Seite gleich wieder herreinfahren. Also planten wir eine kleine Rundreise zu machen, um nur zwei Grenzübergänge weiter südlich, wieder nach Chile einzureisen und die Fahrt gen Süden fortzusetzen.

Vom Grenzübergang Mamuil Malal im Lanin Nationalpark geht es zunächst in zwei Fahrtagen und über 900 Kilometer bis an die Küste. Und von dort knappe 300 Kilometer weiter südlich nach Puerto Madryn. Auf dem Weg  lernen wir eine sehr nette amerikanisch-japanische Familie mit zwei Kindern und Australian Shepherd Hündin Figgy kennen. Zu diesem Zeitpunkt können wir noch nicht ahnen, das dieses kurze Kennenlernen den Abstecher nach Argentinien noch entscheidend prägen soll. Ebenso wie die Begegnung mit einem Ehepaar aus Berlin, dass mit seinem Wohnmobil auch an der Küste unterwegs ist.

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Zufälliger „Overlander-Treff“. Das Pärchen aus Brasilien geht früh schlafen, mit der japanisch-amerikanischen Familie verbringen wir den Abend und den Morgen.

Um Weihnachten herum verbringen wir einige Tage auf der Valdés Halbinsel. Im Winter kann man hier hunderte Buckelwale direkt vom Strand aus mit ihren Jungen beobachten. Im patagonischen Sommer begnügen wir uns mit Seehunden, Seelöwen und Magellan Pinguinen. Denn auch mit den Orcas, die man hier öfters beim Jagen beobachten können soll, haben wir kein Glück. Da es auf der ganzen Halbinsel nur im Anfangsbereich einen (hässlichen) Campingplatz gibt, Wildcamping verboten ist und man zu den Beobachtungsstellen 200 Kilometer einfache Strecke (!) auf einer Waschbrettschotterpiste allererster Güte fahren muss, verzichten wir nach einem Tagesausflug an Weihnachten auf eine Rückkehr. Wir sind enttäuscht, denn für den hohen Eintrittspreis, den man als Ausländer zahlen muss, hätten wir zumindest die Pisten in einem besseren Zustand erwartet und eine Campingmöglichkeit am anderen Ende der Halbinsel.

Von dem enttäuschenden Küstenausflug fahren wir zügig wieder in die Berge ins 700 Kilometer entfernte Esquel, wo wir zwei Tage an einem See verbringen. Dann geht es wieder nördlich über El Bolson nach Bariloche. Dort angekommen, lädt uns die Familie aus den USA zu sich in die Ferienwohnung ein. Sie sind seit anderthalb Jahren unterwegs und Bariloche ist vorerst Endstation ihrer Reise. Über Neujahr campen wir im Garten, verabschieden uns aber nach drei Tagen erst einmal, als die Familie sich eine andere Wohnung sucht. Wir finden etwa 20 Kilometer außerhalb an einem Fluss eine tolle Campingmöglichkeit. Ich leide seit Wochen an einem sehr starken Reiseburnout, für das unser anstrengender Küstenabstecher nicht hilfreich war. Wir entspannen uns drei Tage bei sommerlichen Temperaturen am Fluss, ich gehe viel mit Mila im Wald joggen und Eini auch schonmal am Nachbarberg biken.

Einen Tag bevor wir einen anderen Platz suchen wollen, lassen wir den Bus für anderthalb Stunden allein und gehen gemeinsam Mountainbiken. Als wir zurückkommen ist die Beifahrerscheibe eingeschlagen. Es wurde eingebrochen. Da wir dieses eine Mal die Kamera inklusive zweitem Objektiv nicht mit auf Tour hatten und sie auch noch trotz routinemäßigem Wegräumen vor der Tour im Schrank vergessen hatten, ist sie natürlich gestohlen worden. Der Einbrecher hatte aber wohl nicht viel Zeit gehabt oder war mit dem Fund der Kamera schon mehr als glücklich, denn ansonsten fehlen „nur“ Svens Schlafsack, beide Regenhosen, das Schweizer Taschenmesser, ein Zubehör des Stativs, das an der Kamera befestigt war, eine Cap und, seltsamerweise, eine Teedose. In Summe trotzdem Dinge im Wert von mehr als 1000 Euro. Leider haben wir keine Gepäckversicherung, da wir gar nicht wussten, dass es so etwas gibt, und bleiben auf dem Verlust sitzen. Die Bilder auf der Kamera hatten wir kurz nach unserer Einreise aus Chile zuletzt abgespeichert, so fehlt glücklicherweise nicht all zuviel, wenn auch doch die Bilder der letzten Wochen.

Es folgen mehrere mehr als enttäuschende Begegnung mit der erschreckend gleichgültigen argentinischen Polizei. Wir lernen, dass bisher ein Grundschulabschluss gereicht hat, um in Argentinien Polizist zu werden. Leider merkt man das, aber auch an Menschlichkeit fehlt es den Polizisten mit denen wir zu tun haben mehr als nur ein bisschen. So ist es hauptsächlich „unsere Familie“, die uns mit offenen Armen in ihrem neuen Ferienhaus empfängt und in diesen Tagen Halt gibt. Auch das Ehepaar aus Berlin bietet uns unerwartet Hilfe an, da er gerade für einen kurzen Aufenthalt in Deutschland ist und sich als Bote für eine neue Kamera anbietet, die er uns dann sogar in Bariloche übergeben kann. In Südamerika sind Elektronikgeräte viel teurer als bei uns. Ein kleines bisschen Glück im Unglück haben wir also. Trotzdem ist es ein Tiefpunkt der Reise. Die Wut auf unsere Vergesslichkeit, Fahrlässigkeit, die argentinische Polizei und Argentinien insgesamt drückt tagelang die Stimmung. Und natürlich hat auch jeder andere Reisende mit dem wir sprechen oder schreiben gewusst, was für ein heikles Pflaster das kriminelle Bariloche für Überlandreisende ist …

Mein Reiseburnout verschlimmert sich wieder sehr stark. Erst nach zwei Wochen fühle ich mich soweit wieder hergestellt, dass wir Weiterreisen. Die Hündinnen sind schnell beste Freundinnen geworden und verbringen die meisten Tage mit ausgiebigen Toben und Spielen. Mila blüht auf, wie noch nie zuvor. Es tut uns leid, die beiden wieder zu trennen. Aber es besteht eine Chance auf ein Wiedersehen, denn wir müssen versprechen die Familie in den USA besuchen zu kommen.

Wir verbringen noch zwei Wochen auf der Ruta 40 in Argentinien und suchen zum ersten Mal auf der Reise auch Campingplätze auf. Langsam finden wir unseren Rhythmus wieder und queren schließlich bei San Martin de los Andes über den Paso Hua Hum zurück nach Chile.

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